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Die Konstruktion von Weiblichkeit. Grenzen und Entgrenzung zu Beginn des 20. Jahrhunderts

Titel: Die Konstruktion von Weiblichkeit. Grenzen und Entgrenzung zu Beginn des 20. Jahrhunderts

Facharbeit (Schule) , 2021 , 27 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Anonym (Autor:in)

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
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Zusammenfassung Leseprobe Details

In dieser Arbeit sollen verschiedene Einflüsse auf die Darstellung von Weiblichkeit in der Literatur des Fin de Siècle herausgearbeitet werden. Dazu werden unter anderem Auszüge aus Werken von Schnitzler, Wedekind und Andreas-Salomé verwendet.

Was ist Weiblichkeit? Sucht man danach in der Geschichte, findet man in der Gestalt von zeitspezifischen Weiblichkeitskonstruktionen die unterschiedlichsten Antworten. Von Goethes frommen und pflichtbewussten Gretchen über Eichendorffs hingebungsvolle und reine Bianca bis hin zu Fontanes Effi - ihr Reichtum an Diversität, Kreativität und inhärenten Widersprüchen legt die Schlussfolgerung nahe, dass Weiblichkeit nicht auf bestimmte Eigenschaften reduzierbar ist und jeglicher Definitionsversuch letztlich scheitern muss.

Dennoch waren die etablierten Frauenfiguren in der Literatur bis ins 20. Jahrhundert hinein größtenteils beschämender Ausdruck eines reaktionären Frauenbilds. Weibliche Charaktere, die aktiv handeln und Gefahr laufen, sich aus ihrem gesellschaftlichen Abhängigkeitsverhältnis zu befreien, wurden durch ihre Erschaffer dämonisiert. Ein spürbarer Wandel in dieser eindimensionalen Darstellung von Weiblichkeit tritt in umfangreicher Form im Fin de Siècle in Erscheinung.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

Vorwort: Über das Weibliche in der Literatur

Zur Strukturierung dieser Arbeit

Kapitel 1: Fin de Siècle – Diversifizierung in der Darstellung von Weiblichkeit

Zentrale Motive des Fin de Siècle: Zusammenhang zwischen Ästhetizismus, Dekadenz und Weiblichkeitsdarstellungen

Der männlich geprägte Kulturbegriff, seine Ursachen und sein Einfluss auf Weiblichkeitskonzeptionen

Frauenliteratur als Alternative zum von Männern dominierten Kulturbetrieb: Potenzial für revolutionäre Weiblichkeitsdarstellungen?

Kapitel 2: Die Frau als literarisches Motiv – Der Forschungsstand bei Schnitzler und Wedekind

2.1. Figurenanalyse des Fräulein Else

Die Beschaffenheit des gesellschaftlichen Umfelds Elses

Aktivität und Passivität bei Schnitzler: Else als Schachfigur männlicher Charaktere

Schnitzler und die Frauenfrage

Else: Mensch oder Motiv?

Die Stigmatisierung von Elses Authentizität

Zwischenfazit

2.2. Figurenanalyse der Lulu

Die Beschaffenheit des gesellschaftlichen Umfelds und dessen Auswirkungen auf Lulu

Lulus Verhalten: authentisch oder reaktiv?

Folgen von Lulus Verhalten für ihr gesellschaftliches Umfeld

Zwischenfazit

Kapitel 3: Exemplarische Untersuchungen an Lou Andreas-Salomés Charakter „Fenitschka“

Zielsetzung und Forschungsfragen

Diese Arbeit untersucht die komplexen Einflüsse und Parameter, welche die Konstruktion und Darstellung von Weiblichkeit in der Literatur des Fin de Siècle maßgeblich bestimmt oder beeinträchtigt haben. Dabei steht insbesondere die Frage im Mittelpunkt, ob und wie weibliche Charaktere trotz gesellschaftlicher Konventionen und patriarchaler Fremdzuschreibungen ein authentisches Selbstverständnis entwickeln können.

  • Analyse zeitspezifischer gesellschaftlicher Parameter des Fin de Siècle.
  • Untersuchung des Spannungsfeldes zwischen individueller Identität und literarischer Projektion.
  • Kritische Würdigung der Darstellung von Frauen bei Schnitzler, Wedekind und Andreas-Salomé.
  • Erörterung des Potenzials literarischer Texte zur Dekonstruktion überkommener Rollenbilder.
  • Bewertung der Rolle des gesellschaftlichen Umfelds für die Handlungsfähigkeit weiblicher Figuren.

Auszug aus dem Buch

Die Stigmatisierung von Elses Authentizität

Ein weiterer Parameter, der die Darstellung von Weiblichkeit in Fräulein Else determiniert, ist die Reaktion von Elses gesellschaftlichem Umfeld auf ihr Verhalten und ihre Persönlichkeit.

Vor Elses Auftritt im Musikzimmer ist es vornehmlich Dorsday, über den sich eine klare Aussage treffen lässt: Er missachtet Elses Würde und Recht auf Selbstbestimmung, indem er sie ausschließlich auf einer sexuell-funktionalen Ebene betrachtet.

Elses Bemühungen ihre Würde zurückzuerlangen, indem sie eine selbstbestimmte Entscheidung trifft, die zwar nicht zwangsläufig zielführend aber durchaus als Ausweg aus ihrer Situation betrachtet werden kann, führen zu einer vernichtenden Diagnose: Elses Verhalten wird als wahnsinnig bewertet. Dies geschieht vor allem durch ihre um die eigene Reputation besorgte Tante:

„Schon die ganzen letzten Tage habe ich so etwas kommen sehen. Sie ist überhaupt nicht normal. Sie muß natürlich in eine Anstalt.“

Und an anderer Stelle:

„Ich kann es noch immer nicht fassen, Paul, ein solcher Skandal! – Du wirst sehen, es kommt in die Zeitung!“

Elses Versuch, gegen die bestehenden Konventionen und die Aussichtslosigkeit ihrer Situation aufzubegehren, wird also keineswegs anerkannt.

Schuchter definiert Wahnsinn bei Fräulein Else nicht als pathologischen Zustand, sondern als ein „Abweichen vom gesellschaftlich normierten Rollenbild“, das von eben jener Gesellschaft diagnostiziert und geächtet wird. Else selbst sei demnach nicht tatsächlich wahnsinnig; ihr gesellschaftliches Umfeld diagnostiziert den Wahnsinn an ihr, wodurch es ihm möglich ist, ihr „jedes Recht auf Selbstbestimmung [zu nehmen], sie [...] aus der Gesellschaft [zu] entfern[en], zu entwerte[en] und unglaubwürdig [zu machen].“

Indem das Umfeld bei Else Wahnsinn diagnostiziert, wird es möglich, eine medizinische Erklärung für ihr Verhalten zu finden und ihre Kritik zu ignorieren, anstatt die Weiblichkeitsnormative zu hinterfragen. Das führe letzten Endes dazu, dass Else ihren Versuch zu protestieren als „unproduktiv“ anerkennt und kapituliert, indem sie Selbstmord begeht.

Zusammenfassung der Kapitel

Kapitel 1: Fin de Siècle – Diversifizierung in der Darstellung von Weiblichkeit: Dieses Kapitel erläutert die epochalen Rahmenbedingungen wie den Ästhetizismus und die Dekadenz, die das Frauenbild und die Geschlechterrollen um 1900 prägten.

Kapitel 2: Die Frau als literarisches Motiv – Der Forschungsstand bei Schnitzler und Wedekind: Hier werden anhand der Figuren Fräulein Else und Lulu die literarische Instrumentalisierung von Weiblichkeit und der Einfluss männlicher Projektionen auf die Identitätsbildung analysiert.

Kapitel 3: Exemplarische Untersuchungen an Lou Andreas-Salomés Charakter „Fenitschka“: Dieses Kapitel zeigt an einer weiteren Fallstudie auf, wie ein selbstbewusster weiblicher Charakter aktiv gegen gesellschaftliche Konventionen rebelliert und eigene Lebensentwürfe jenseits traditioneller Erwartungen sucht.

Schlüsselwörter

Fin de Siècle, Weiblichkeit, Literaturgeschichte, Geschlechterrollen, Identität, Patriarchat, Fräulein Else, Lulu, Fenitschka, Dekadenz, Ästhetizismus, Emanzipation, literarische Analyse, gesellschaftliche Konventionen, Projektion.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht, welche sozialen und kulturellen Parameter die Darstellung weiblicher Figuren in der Literatur des frühen 20. Jahrhunderts beeinflusst haben und inwiefern diese Literatur gesellschaftliche Konventionen widerspiegelt oder herausfordert.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Im Zentrum stehen die Konzepte des „Fin de Siècle“, die Rolle der Frau in einer patriarchalen Gesellschaftsstruktur, die Ausdifferenzierung von Weiblichkeitsbildern sowie die Frage nach der Handlungsfähigkeit und Autonomie weiblicher Charaktere.

Welches primäre Ziel verfolgt die Autorin?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie literarische Texte von Autoren wie Schnitzler, Wedekind und Andreas-Salomé dazu beigetragen haben, die Konstruktion von Weiblichkeit kritisch zu hinterfragen und den Weg für eine authentischere Darstellung der Frau zu bereiten.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die primär literarische Primärtexte mit soziologischen und literaturkritischen Theorien (z.B. von Simone de Beauvoir oder Sylvia Bovenschen) in Verbindung setzt.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Erarbeitung der Parameter des Fin de Siècle und anschließende vertiefende Analysen der Charaktere „Fräulein Else“, „Lulu“ und „Fenitschka“.

Durch welche Schlüsselbegriffe ist die Arbeit charakterisiert?

Wichtige Begriffe sind insbesondere die „Femme fatale“, „Femme fragile“, der „männlich geprägte Kulturbegriff“, „gesellschaftliche Konventionen“ sowie die „Entgrenzung“ bestehender Weiblichkeitskonstruktionen.

Wie unterscheidet sich Fenitschka von den anderen untersuchten Charakteren?

Im Gegensatz zu Else oder Lulu gelingt es Fenia, ihre Emotionen zu kontrollieren und ihre Abhängigkeit zu durchbrechen, indem sie sich gegen ein traditionelles Ehemodell entscheidet und so aktiv ihren eigenen Lebensweg gestaltet.

Welche Bedeutung kommt der Erzählperspektive bei Schnitzler zu?

Durch die Erzählform des inneren Monologs wird dem Leser ein tieferer Einblick in die Gedankenwelt der Protagonistin ermöglicht, wodurch die Diskrepanz zwischen ihrem inneren Wunsch nach Selbstbestimmung und den äußeren gesellschaftlichen Zwängen besonders deutlich hervortritt.

Ende der Leseprobe aus 27 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Die Konstruktion von Weiblichkeit. Grenzen und Entgrenzung zu Beginn des 20. Jahrhunderts
Note
1,0
Autor
Anonym (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2021
Seiten
27
Katalognummer
V1119331
ISBN (eBook)
9783346487469
Sprache
Deutsch
Schlagworte
konstruktion weiblichkeit grenzen entgrenzung beginn Fin de Siècle Jahrhundertwende Darstellung des Weiblichen
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Anonym (Autor:in), 2021, Die Konstruktion von Weiblichkeit. Grenzen und Entgrenzung zu Beginn des 20. Jahrhunderts, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1119331
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Leseprobe aus  27  Seiten
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