Als Michail S. Gorbatschow am 11. März 1985 zum neuen Generalsekretär der KPdSU gewählt wird, erfährt der Verlauf des Kalten Krieges eine für die internationale Gemeinschaft aber auch für das sowjetische Volk ungeahnte Wende. Der neue Mann an der Spitze der herrschaftsausübenden Partei der UdSSR beginnt mit der Umsetzung großer Visionen, die dem sowjetischen Volk Wohlstand, dem Kommunismus neuen Aufschwung und Stärke und der Sowjetunion internationale Anerkennung und Integration bescheren sollen. Doch Gorbatschows Naivität und Unrealismus stürzen die UdSSR in eine noch tiefere Krise, in der die sowjetische Wirtschaft völlig zum Erliegen kommt, die Konflikte zwischen den verschieden Nationalitäten der Union offen ausbrechen und der äußere Druck und die Förderung nationaler Oppositionsbewegungen v. a. durch die USA zum endgültigen Zusammenbruch des sowjetischen Imperiums führen.
Diese Arbeit hat das Ziel, die historischen, politischen und wirtschaftlichen Hintergründe des Endes des Kalten Krieges näher zu beleuchten und somit ein Verständnis für dessen Verlauf und Ausgang zu erarbeiten.
Inhaltsverzeichnis
0. Einleitung
1. Der Anfang vom Ende des Kalten Krieges - Gorbatschow ergreift die Macht
1.1 Die Reformpläne Gorbatschows
1.2 Strukturelle Probleme des Reformvorhabens
1.3 Gorbatschows Annäherung an den Westen und seine Verträge mit den USA
2. Das Nationalitätenproblem und der allmähliche Zerfall der UdSSR
2.1 Das Streben der baltischen Republiken und Georgiens nach Souveränität und Unabhängigkeit
2.2 Ethnische Probleme innerhalb der UdSSR
2.3 Souveränität der RSFSR und der Ukraine
3. Das Ende der UdSSR und der Ära Gorbatschow
3.1 Die Amerikanische Sowjetpolitik während der Ära Gorbatschow
3.2 Jelzin versus Gorbatschow
3.3 Zwei Putschversuche und Boris Jelzins Profilierung als neuer Hoffnungsträger
3.4 Das Ende der UdSSR des Kalten Krieges
3.5 Mögliche Gründe für den Zerfall der UdSSR
4. Was war der Kalte Krieg?
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die historischen, politischen und wirtschaftlichen Hintergründe, die zum Zusammenbruch des sowjetischen Imperiums und damit zum Ende des Kalten Krieges führten, wobei insbesondere die Rolle der Reformpolitik unter Michail S. Gorbatschow beleuchtet wird.
- Die Ära Gorbatschow und die innenpolitischen Reformprogramme Glasnost und Perestrojka
- Strukturelle Defizite und ökonomische Krisenphänomene innerhalb der UdSSR
- Nationalitätenkonflikte und die zunehmende Desintegration der Unionsrepubliken
- Die geopolitische Rolle der USA und deren Einfluss auf den Transformationsprozess
- Die politische Profilierung von Boris Jelzin und das Ende der Ära Gorbatschow
Auszug aus dem Buch
1.2 Strukturelle Probleme des Reformvorhabens
Bei seinem Reformeifer trifft Gorbatschow auf zahlreiche Probleme: Er hat kein schlüssiges Reformkonzept, das umsetzbar ist bzw. konservative Kritiker überzeugen kann. Somit fehlt der nötige politische Konsens über die veranschlagten Reformen. Gorbatschow begeht außerdem den Fehler, die Reformerfahrungen anderer sozialistischer Länder, wie Ungarn und China, nicht zu beachten (Huber 2002: 84f). Des weiteren rechnet er bei seinen Reformüberlegungen mit illusionistischen Zahlen und Fakten, so z.B. mit einer effizienten Nutzung der Rohstoffe und Energieträger und der Konkurrenzfähigkeit der UdSSR mit den USA durch einen vermeintlich hohen Bildungsstandard. Hinzu kommt, dass die sowjetische Bevölkerung kaum ökonomischen Druck zur Veränderung verspürt, da durch Selbstversorgung, Sozialleistungen, Familienverband und Vetternwirtschaft das Überleben gesichert ist. Außerdem gibt es keinen materiellen Anreiz für Mehrleistung.
Die Exporteinnahmen fließen v.a. in Agrarimporte, da wegen des Klimas nur relativ wenig effizient nutzbare Landwirtschaftsfläche vorhanden ist und die UdSSR somit auf einen hohen Futtergetreideimport angewiesen ist, um die Fleischversorgung auf hohem Niveau zu halten, was als Zeichen des Wohlstandes angesehen wird. Dieser Umstand bindet einen wesentlichen Teil der für die Wirtschaftsreformen nötigen Finanzmittel. Außerdem steigt durch das Bevölkerungs- und Städtewachstum die Nachfrage schneller als das Angebot, was durch feste Preise, steigende Löhne und Prämien begünstigt wird, da hierdurch die Kaufkraft der Bevölkerung zunimmt (Huber 2002: 67ff).
Zusammenfassung der Kapitel
0. Einleitung: Die Einleitung stellt die These auf, dass Gorbatschows Reformversuche ungewollt zu einer tiefen Krisenverschärfung und zum Zusammenbruch des sowjetischen Imperiums führten.
1. Der Anfang vom Ende des Kalten Krieges - Gorbatschow ergreift die Macht: Dieses Kapitel analysiert den Machtantritt Gorbatschows sowie die zentralen Reformpläne und deren strukturelle Schwierigkeiten sowie die Annäherung an den Westen.
1.1 Die Reformpläne Gorbatschows: Es wird erläutert, wie Glasnost und Perestrojka zur Modernisierung der Wirtschaft und Gesellschaft eingesetzt werden sollten, jedoch an bürokratischen Widerständen scheiterten.
1.2 Strukturelle Probleme des Reformvorhabens: Das Kapitel identifiziert die fehlende ökonomische Basis, das unschlüssige Reformkonzept und die sozialen Folgen als Hauptfaktoren für das Scheitern der Reformen.
1.3 Gorbatschows Annäherung an den Westen und seine Verträge mit den USA: Die Analyse zeigt die Versuche auf, durch außenpolitische Zugeständnisse internationale Finanzhilfen zu gewinnen, während die USA ihre wirtschaftliche Unterstützung von Bedingungen abhängig machten.
2. Das Nationalitätenproblem und der allmähliche Zerfall der UdSSR: Hier wird der Prozess der unkontrollierbaren Desintegration durch aufstrebende Nationalbewegungen in den Sowjetrepubliken dargestellt.
2.1 Das Streben der baltischen Republiken und Georgiens nach Souveränität und Unabhängigkeit: Das Kapitel beschreibt den wachsenden Unabhängigkeitswillen und die gewaltsamen Konflikte zwischen Moskau und den Republiken.
2.2 Ethnische Probleme innerhalb der UdSSR: Untersucht werden die innerstaatlichen Konflikte, etwa zwischen Armenien und Aserbaidschan, die die politische Instabilität der Union weiter verschärften.
2.3 Souveränität der RSFSR und der Ukraine: Die Entwicklung eines russischen und ukrainischen Nationalbewusstseins unter Jelzin und Krawtschuk sowie deren demonstrative Abkehr vom sowjetischen Zentrum werden analysiert.
3. Das Ende der UdSSR und der Ära Gorbatschow: Dieses Kapitel betrachtet die finale Phase der Sowjetunion, geprägt durch schwindende Autorität und den Aufstieg oppositioneller Kräfte.
3.1 Die Amerikanische Sowjetpolitik während der Ära Gorbatschow: Es wird dargelegt, wie die USA gezielt die Destabilisierung vorantrieben, um ihre Sicherheitsinteressen zu wahren.
3.2 Jelzin versus Gorbatschow: Die politische Rivalität zwischen Jelzin und Gorbatschow wird als treibende Kraft für den Zerfall des sowjetischen Systems beschrieben.
3.3 Zwei Putschversuche und Boris Jelzins Profilierung als neuer Hoffnungsträger: Detaillierte Darstellung der gescheiterten Putschversuche und der sich daraus ergebenden Machtverschiebung zugunsten Jelzins.
3.4 Das Ende der UdSSR des Kalten Krieges: Schilderung des endgültigen Auseinanderbrechens der Union und der Gründung der GUS.
3.5 Mögliche Gründe für den Zerfall der UdSSR: Synthese der verschiedenen Erklärungsansätze für den Untergang des Vielvölkerstaates.
4. Was war der Kalte Krieg?: Dieses Kapitel liefert eine theoretische Definition des Kalten Krieges als systemischen Konflikt zwischen zwei Weltmächten ohne direkten militärischen Zusammenstoß.
Schlüsselwörter
Gorbatschow, UdSSR, Kalter Krieg, Perestrojka, Glasnost, Jelzin, Sowjetrepubliken, Transformation, Marktwirtschaft, Zerfall, Nationalitätenkonflikt, KPdSU, USA, Souveränität, Machtstrukturen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die innen- und außenpolitischen Prozesse in der Sowjetunion zwischen 1985 und 1991, die schlussendlich zum Zerfall des Staates und zum Ende des Kalten Krieges führten.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf Gorbatschows Reformpolitik, den ökonomischen Problemen der UdSSR, dem wachsenden Nationalismus in den Republiken und der geostrategischen Rolle der USA bei der Transformation.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, ein Verständnis für die historischen, politischen und wirtschaftlichen Hintergründe zu entwickeln, die den Verlauf und Ausgang des Kalten Krieges maßgeblich bestimmt haben.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine historisch-analytische Untersuchung, die auf der Auswertung von Fachliteratur und Dokumenten zur Analyse der sowjetischen Geschichte basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Reformversuche, die Analyse der nationalen Desintegrationsprozesse und die Untersuchung der Machtkämpfe zwischen Gorbatschow und Jelzin im Kontext der westlichen Interessen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Gorbatschow, UdSSR, Perestrojka, Jelzin, Transformation und der Zusammenbruch des sowjetischen Imperiums.
Warum scheiterte Gorbatschows Reformpolitik laut dem Autor?
Der Autor führt das Scheitern auf ein fehlendes, schlüssiges Reformkonzept, den Mangel an ökonomischem Druck zur Veränderung in der Bevölkerung und den erbitterten Widerstand des konservativen Parteiapparates zurück.
Welche Rolle spielten die baltischen Staaten für den Zerfall der UdSSR?
Die baltischen Staaten fungierten als Vorreiter der Unabhängigkeitsbewegungen, deren wachsende Souveränitätsansprüche die Autorität Moskaus untergruben und den Zerfallsprozess der gesamten Union einleiteten.
Wie beeinflussten die USA den Zerfallsprozess?
Die USA übten massiven Druck auf die UdSSR aus, indem sie wirtschaftliche Hilfen streng an radikale marktwirtschaftliche und demokratische Reformen koppelten, was die innenpolitische Stabilität der Sowjetunion weiter destabilisierte.
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- Kristian Nebe (Author), 2006, Das Ende des Kalten Krieges, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/111983