Indirekte Immobilienanlageprodukte genießen in Deutschland bei Kapitalanlegern einen hohen Stellenwert. Inzwischen sind über 390 Mrd. Euro in diese Produkte investiert worden und es ist fest davon auszugehen, dass nach einer langen Zeit der Immobilienrezession in Deutschland die Preise für Immobilien wieder steigen werden und daher möglichst viele Anleger an dem erhofften Aufschwung mit teilhaben wollen. Da eine Direktanlage aufgrund des hohen Kapitaleinsatzes für viele private Kapitalanleger nicht in Frage kommt, stellen daher die Immobilienanlageprodukte eine äußerst gefragte Alternative dar. Somit können auch Personen mit niedrigerem Einkommen an den spezifischen Vorteilen von Immobilienanlagen profitieren.
Etwa zwei Drittel des gesamten Anlagevolumens in Immobilienanlageprodukte besteht aus dem Vermögen der offenen und geschlossenen Immobilienfonds. Gerade diese beiden Produkte sind äußerst beliebt bei Anlegern, obwohl sie grundverschiedene Eigenschaften besitzen und jeweils unterschiedlich funktionieren.
Vielen Kapitalanlegern fehlt jedoch das Hintergrundwissen zu speziellen Funktionsweisen, den Eigenschaften und auch der Konzipierung ihrer Anlage. Dieses jedoch ist für eine eigenverantwortliche und richtig gewählte Anlageentscheidung unerlässlich, um selbst das größtmögliche Potenzial aus dem eigenem Kapital zu ziehen und mögliche Performanceeinflüsse rechtzeitig erkennen zu können. Anleger müssen daher die Chance besitzen, sich umfassend informieren zu können. Hohe Transparenzanforderungen werden an die Produkte gestellt. Dazu gibt es mehr oder weniger umfassende Transparenzvorschriften des Staates als auch freiwillige Publikationen der Fondsanbieter und Standards, um mehr Anlegervertrauen zu gewinnen und einen entsprechenden Anlegerschutz garantieren zu können.
Diese Arbeit wird sich aus genannten Gründen der Vermittlung wesentlicher Grundlagen offener und geschlossener Immobilienfonds widmen und die Produkte vergleichend gegenüberstellen. Zudem soll untersucht werden, welche Informationsquellen zum jeweiligen Produkt dem Interessenten bei seiner Recherche zur Bewertung und eigentlichen Anlageentscheidung zur Verfügung stehen. Anschließend wird das Transparenzverhalten von offenen und geschlossenen Immobilienfonds verglichen, um mögliche Transparenzdefizite bei den jeweiligen Produkten herausfiltern zu können.
Inhaltsverzeichnis
1 EINFÜHRUNG IMMOBILIENFONDS
1.1 Immobilienfonds als Kapitalanlage
2 KONSTRUKTION UND FUNKTIONSWEISE OFFENER UND GESCHLOSSENER IMMOBILIENFONDS
2.1 Offene Immobilienfonds
2.1.1 Wesentliche Grundlagen
2.1.1.1 Allgemeine Rechtsgrundlagen
2.1.1.2 Kapitalanlagegesellschaft (KAG)
2.1.1.3 Sondervermögen
2.1.1.4 Depotbank
2.1.1.5 Der Sachverständigenausschuss
2.1.1.6 Weitere Instanzen
2.1.2 Produktmerkmale
2.1.2.1 Fungibilität
2.1.2.2 Kosten und Haftung
2.1.2.3 Besteuerung
2.1.2.4 Mindesteinlage und Anlegerkreis
2.1.2.5 Rendite-Risikoverhalten offener Immobilienfonds
2.2 Geschlossene Immobilienfonds
2.2.1 Rechtsgrundlagen und Rechtsformen
2.2.1.1 Die Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR)
2.2.1.2 Kommanditgesellschaft (KG)
2.2.1.3 Die GmbH & Co. KG
2.2.2 Konstruktionsvarianten geschlossener Immobilienfonds
2.2.2.1 Steuerorientierte Fonds
2.2.2.2 Renditefonds
2.2.2.3 Ansparfonds
2.2.2.4 Blind-Pools
2.2.2.5 Hamburger Modell
2.2.3 Produktmerkmale geschlossener Immobilienfonds
2.2.3.1 Fungibilität
2.2.3.1.1 Liquidation
2.2.3.1.2 Individuelle Kündigungsoptionen
2.2.3.1.3 Zweitmarktfähigkeit
2.2.3.2 Mindestlosgröße und Anlagezeitraum
2.2.3.3 Anlegerkreis
2.2.3.4 Rendite-Risikoverhalten geschlossener Immobilienfonds
3 IMMOBILIENFONDSVERGLEICH
3.1 Vergleich der Eigenschaften offener und geschlossener Immobilienfonds
3.2 Transparenzvergleich
3.2.1 Transparenz offener Immobilienfonds
3.2.1.1 Publikationspflichten
3.2.1.1.1 Prospekte offener Immobilienfonds
3.2.1.1.2 Jahres-, Halbjahres- und Auflösungsberichte
3.2.1.2 Transparenzoffensive 2004
3.2.1.3 Der BVI-Maßnahmenkatalog
3.2.1.4 Ratings offener Immobilienfonds
3.2.2 Transparenz geschlossener Immobilienfonds
3.2.2.1 Prospekte geschlossener Immobilienfonds
3.2.2.1.1 Anlegerschutzverbesserungsgesetz
3.2.2.1.2 Prospektprüfung
3.2.2.2 Leistungsbilanzen
3.2.2.3 Ratings geschlossener Immobilienfonds
3.2.2.4 Mittelverwendungskontrolle
3.2.3 Tabellarischer Transparenzvergleich
4 SCHLUSSBETRACHTUNG
4.1 Fazit
Zielsetzung & Themen
Das Ziel der Arbeit ist die Vermittlung der wesentlichen Grundlagen zu offenen und geschlossenen Immobilienfonds sowie deren vergleichende Gegenüberstellung in Bezug auf Konstruktion, Eigenschaften und Transparenz. Dabei sollen bestehende Transparenzdefizite analysiert werden, um die transparentere Form der beiden Anlageprodukte abzuleiten.
- Grundlagen zur Konstruktion und Funktionsweise offener und geschlossener Immobilienfonds
- Gegenüberstellung der Eigenschaften beider Fondstypen
- Analyse des Transparenzverhaltens und der Publikationspflichten
- Vergleich der Informationsquellen für Anleger
- Untersuchung der Bedeutung von Ratings und Mittelverwendungskontrollen
Auszug aus dem Buch
2.1.2.1 Fungibilität
Bei Immobilien handelt es sich um schwer fungible Investitionsobjekte. Besonders bei Immobilientransaktionen fallen sehr hohe Erwerbsnebenkosten an, wie z.B. Steuern und Notarkosten, was in der Summe mitunter zehn Prozent des Gesamtkaufpreises ausmachen kann. Aus diesem Grund besitzen Immobilien auch einen langfristigen Anlagecharakter, da sich die Erwerbsnebenkosten nur über einen längeren Zeitraum amortisieren können. Aufgrund der hohen Erwerbsnebenkosten berechnet die Gesellschaft meist einen hohen Ausgabeaufschlag für die Anteile, um übereilte Verkaufsentscheidungen zu erschweren.
Trotzdem handelt es sich bei offenen Immobilienfonds für den Investor um ein relativ stark liquides Kapitalanlageprodukt, denn es besteht eine grundsätzliche Verpflichtung durch die Kapitalanlagegesellschaft, die Anteile jederzeit zum entsprechenden Rücknahmepreis zurückzunehmen. Das birgt im Grunde ein systematisches Risiko bei offenen Immobilienfonds, da viele kleine Beiträge bei täglicher Rücknahmegarantie in langfristige Immobilieninvestitionen gebündelt werden. Es findet somit eine risikoreiche Fristentransformation statt. Diese steht im Gegensatz zur „goldenen Finanzierungsregel“ mit dem Finanzierungsgrundsatz, dass langfristige Passiva auch mit langfristigen Aktiva gedeckt werden sollten. Aus diesem Grund ist eine gesetzlich geforderte Mindestliquidität unablässig. Je nach Vertragsbedingungen darf bei einer Maximalbelastung des Fonds, wenn ein entsprechender „Run“ ausgelöst wurde und die Mindestliquidität gefährdet ist, die KAG eine Rücknahme der Anteile für eine bestimmte Zeit aussetzen. Die Dauer richtet sich nach den Vertragsbedingungen und ist maximal verlängerbar auf bis zu zwei Jahre.
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINFÜHRUNG IMMOBILIENFONDS: Dieses Kapitel erläutert die Bedeutung von Immobilien als Kapitalanlage und führt in die Unterscheidung zwischen offenen und geschlossenen Immobilienfonds als indirekte Anlageprodukte ein.
2 KONSTRUKTION UND FUNKTIONSWEISE OFFENER UND GESCHLOSSENER IMMOBILIENFONDS: Hier werden die organisatorischen, rechtlichen und steuerlichen Grundlagen beider Fondsarten detailliert dargestellt sowie deren spezifische Merkmale wie Fungibilität, Risikoverhalten und Kostenstruktur analysiert.
3 IMMOBILIENFONDSVERGLEICH: In diesem Hauptteil erfolgt eine direkte Gegenüberstellung der Produkte anhand verschiedener Kriterien sowie ein tiefgehender Vergleich der Transparenz, insbesondere hinsichtlich Publikationspflichten, Ratings und Prospektgestaltung.
4 SCHLUSSBETRACHTUNG: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet, welcher der beiden Fondstypen für Anleger ein höheres Maß an Transparenz bietet und wie sich die Branche in diesem Bereich entwickelt hat.
Schlüsselwörter
Offene Immobilienfonds, Geschlossene Immobilienfonds, Transparenz, Kapitalanlage, Investmentgesetz, Prospekt, Anlegerschutz, Fungibilität, Risiko, Rendite, Immobilienbewertung, Leistungsbilanz, Mittelverwendungskontrolle, Rating, Fondsmanagement.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Bachelorarbeit behandelt den Vergleich zwischen offenen und geschlossenen Immobilienfonds mit einem Fokus auf deren Eigenschaften und dem jeweiligen Transparenzverhalten.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die Konstruktion der Fonds, die rechtlichen Rahmenbedingungen, die Bewertungsmethoden, das Rendite-Risiko-Verhalten sowie die Transparenz durch Publikationen und Ratings.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, dem Leser die Unterschiede zwischen beiden Fondstypen zu vermitteln und durch einen Vergleich der Transparenzanforderungen zu klären, welches Produkt dem Anleger mehr Transparenz und Informationen bietet.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine deskriptive und vergleichende Analyse durchgeführt, die auf der Auswertung von Fachliteratur, gesetzlichen Vorschriften (InvG, BGB) und Praxisbeispielen basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Darstellung der Konstruktion und Funktionen beider Fondsarten sowie einen umfassenden tabellarischen Vergleich und eine Analyse des Transparenzvergleichs.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Immobilienfonds, Investmentgesetz, Transparenz, Anlegerschutz, Prospekt, Fungibilität und Risikostreuung charakterisieren.
Welche Rolle spielt das Anlegerschutzverbesserungsgesetz (AnSVG)?
Das AnSVG hat die Transparenz bei geschlossenen Immobilienfonds durch eine verpflichtende Prospektprüfung seitens der BaFin gestärkt und erstmals eine systematische Erfassung dieser Fonds ermöglicht.
Warum ist das Thema "Transparenz" bei geschlossenen Fonds so kritisch?
Da geschlossene Immobilienfonds oft mit hohen Anlagesummen und langen Laufzeiten bei geringer Fungibilität verbunden sind, ist Transparenz für das Anlegervertrauen und die Abgrenzung von unseriösen Anbietern essenziell.
- Quote paper
- Felix Baltes (Author), 2007, Offene und Geschlossene Immobilienfonds im Vergleich von Eigenschaften und Transparenzverhalten, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/111991