Das Herrscherideal Xenophons illustriert am Beispiel des Perserkönigs Kyros II. anhand der Kyrupädie


Hausarbeit (Hauptseminar), 2006

21 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

I. Einleitung: Anmerkungen zur Vorgehensweise und Zielen der Arbeit

II. Hauptteil
1. Die Person Xenophon..
1.1 Lebenslauf
1.2 Lebensbild: Politisches Denken..
1.2.1 Xenophons Verhältnis zur Demokratie.
1.2.2. Xenophons Stellung zur Monarchie.
2. Das Herrscherideal Xenophons illustriert am Beispiel des Perserkönigs Kyros II. anhand der Kyrupädie.
2.1 Warum entscheidet sich Xenophon für einen Perser?.
2.2 Wie ist Kyros in der Kyrupädie als Herrscher gekennzeichnet?.
2.3 Die xenophontischen Topoi der Kyrupädie.
2.4 Die Mittel des Herrschers, um sich die Liebe und Achtung der Untertanen zu erwerben
3. Das soziale Königtum..

III. Schluss: Der xenophontische Kyros: eine historische oder idealistische Figur?.

IV. Literaturverzeichnis.

Quellen:

Sekundärliteratur:

I. Einleitung: Anmerkungen zur Vorgehensweise und Zielen der Arbeit

In dieser Arbeit soll das Persienbild Xenophons einer näheren Betrachtung unterzogen werden. Da die Quellen diesbezüglich jedoch sehr knapp ausfallen, begnügt sich diese Arbeit damit, das Herrscherideal Xenophons zu untersuchen, um somit Rückschlüsse auf Xenophons Haltung gegenüber Persien und den Persern ziehen zu können. Zunächst muss man dafür die Person Xenophon, sein politisches Denken und seine Überzeugungen, näher beleuchten, um dadurch seine Werke und die mit diesen verbundene Wirkung besser verstehen zu können.

Den idealen Herrscher, den Perserkönig Kyros II. stellt Xenophon in einem seiner späteren Werke, der Kyrupädie, vor. Die herausragenden Qualitäten, die der Perserkönig aufweist und mit denen er hervorragend zu herrschen versteht sind, obgleich sie nicht immer der historischen Wirklichkeit entsprechen, doch repräsentativ für Xenophons Einstellung und Hochachtung gegenüber Persien und seinen Bewohnern. Indem an vielen Stellen die Kyrupädie direkt zitiert und somit eine gewisse Nähe zur Quelle gewahrt wird, gelingt es, die lebendige Darstellung Xenophons in seiner Kyrupädie auch auf diese Arbeit zu übertragen.

II. Hauptteil

1. Die Person Xenophon

1.1 Lebenslauf

Um Xenophons Werke und die damit verbundene Wirkung besser verstehen zu können, gilt es zunächst einen näheren Blick auf dessen Lebenslauf zu werfen. So gibt es einen deutlichen Zusammenhang zwischen Xenophons bewegtem Schicksal, seinem Denken und seinen Auffassungen: „ Das Verständnis des Werkes sei jedoch wiederum auf die Kenntnis seines Lebens angewiesen.“[1]

Ein Einblick in Xenophons Leben ist natürlich nicht ohne Weiteres zu gewinnen, da die meisten Informationen im Laufe der Zeit verloren gegangen sind. Als wichtigste Quellen für Xenophons Lebenslauf gelten seine eigenen Werke. Was hierbei jedoch vermerkt werden muss, ist, dass diese keinesfalls mit historischen Quellen gleichgesetzt werden können. Denn der Autor setzte sich nicht das Ziel, historische Fakten so objektiv wie möglich darzustellen, vielmehr wollte er seine eigene Erinnerung an diese wach halten.

Xenophon erlebte die aufregendste Epoche der athenischen Geschichte, zwei Jahrhunderte und zwei Welten selbst mit. „ Er bildete einen „Bindestrich“ zwischen dem großen 5. Jahrhundert und dem beginnenden Abstieg Athens einerseits und griechischer und orientalischer Kultur andererseits.“[2] Große Persönlichkeiten, wie Sokrates, Thukydides, Platon, Kallias, Phaidon, Isokrates, Kritias, Kyros, Agesilaos und andere kannte er persönlich. In vielen Bereichen, nicht nur im Militärischen, wies er eine außerordentliche Begabung auf. Aufgrund dieser Begabung und sicherlich auch aufgrund seiner politischen Ideen stand er im engen Kontakt mit Thukydides, dessen Geschichtswerk er fortsetzte. Doch als der Peloponnesische Krieg und der Bürgerkrieg endeten, Anfeindungen in Athen trotz Amnestie zum Alltag wurden und sich die Gegensätze dort immer stärker herauskristallisierten, verschärfte sich die Lage auch für Xenophon. Dieser konnte und wollte sich nicht mit der Wirklichkeit, der Niederlage, dem Verrat und der Anarchie abfinden. So verließ Xenophon Athen, um mit großer Freude ferne Länder zu bereisen und fremde Menschen kennen zu lernen. Auch an der Expedition des jüngeren Kyros soll Xenophon teilgenommen haben. Die Konsequenz seiner Reiselust und der Freundschaft mit Kyros, der die Spartaner im Krieg gegen Athen unterstützt hatte, war seine Verbannung, die 34 Jahre andauerte (399- 365). Nachdem Xenophon ostrakisiert wurde, begab er sich zunächst in spartanische Dienste, wobei er stets im Kontakt mit seinen Freunden in Athen blieb. Doch der spartanische Staat und seine disziplinierten Bewohner faszinierten den Griechen. Von den Spartanern bekam Xenophon ein Landgut in Skillus zugestanden (387), wo er sich fleißig als Landwirt übte und allmählich eine kritischere Haltung gegenüber Sparta annahm. Das Landleben konnte Xenophon jedoch nicht lange genießen, aufgrund dessen, dass er von vielen Seiten wegen seines Wohlstandes in Skillus beneidet und mit Vorwürfen überhäuft wurde. Verstärkt kümmerte sich Xenophon nun persönlich um die Erziehung seiner beiden Söhne. Als aber die Eleer ihr Territorium, nach der Niederlage Spartas bei Leuktra (371), wieder in Besitz nahmen, musste Xenophon Skillus verlassen. Sein nächstes Ziel war Korinth, wo er sich jedoch nur kurz aufhielt, bevor er nach Athen zurückkehrte (365). Begünstigt wurde die vorzeitige Rückkehr durch personelle Veränderungen in der Heimatstadt und die Unterstützung durch Xenophons Freunde. Zu diesem Zeitpunkt war Xenophon bereits über sechzig Jahre alt und an Kriegsdienst war nicht mehr zu denken. Die Rückkehr in die Heimat tat Xenophon jedoch sehr gut: Mit großem Elan widmete er sich in den letzten 10- 12 Jahren seines Lebens voll und ganz der Arbeit für seine Heimatstadt. Zum Ende seines Lebens war er bereits eine berühmte Persönlichkeit, der man mit größter Achtung begegnete. Xenophon starb einige Zeit nach 355 im Alter von etwas über 70 Jahren.

Sein Leben war geprägt von der steten Freude am Kampf und der Anstrengung sowie vom Willen zum Widerstand gegen das Unglück. Neuerungen stand er kritisch gegenüber, aufgrund dessen, dass er das traditionelle Denken favorisierte. So lehnte er die Isolation der griechischen Städte ab und sah ihre Zukunft in ihrer Vereinigung unter einem gerechten König. Als großen Kritikpunkt an Xenophon könnte man anbringen, dass er sich mit zu vielen Bereichen auseinandersetzte, so dass er kein Gebiet intensiv genug erforschen konnte. So glaubte Xenophon zum Beispiel die Fähigkeit zu besitzen, zwischen Griechen und Persern ein Band knüpfen zu können. Seine Schriften zeugen von unglaublichen Optimismus und großer Aufgeschlossenheit. Es gelang Xenophon, in schwierigen Zeiten, durch sein Werk Hoffnung auf Verbesserung widriger Umstände aufzubauen. Weil es ihm persönlich so schlecht ging, weil er seine Träume von Wohlstand im Osten nicht verwirklichen konnte, weil er sein Vaterland verloren und den neuen Landbesitz in Skillus wieder habe aufgeben müssen und er nirgends die Möglichkeit hatte, aktiv auf seine Umwelt positiv einzuwirken, flüchtete sich Xenophon in die Theorie. Er stellte sich zufrieden mit der Ausmalung von idealen Zuständen. So beschreibt er den Perser Kyros der Kyrupädie als Idealbild eines gerechten Herrschers, der nicht mit dem Anspruch versehen ist, der historischen Wahrheit gerecht zu werden. Mit dem Herrscherideal des Kyros wird sich diese Arbeit im Folgenden noch ausführlicher zu beschäftigen haben.

1.2 Lebensbild: Politisches Denken

Das politische Denken Xenophons wurde zweifelsohne stark von der geschichtlichen Situation (S. 1.1), der Teilnahme am Feldzug Kyros` des jüngeren sowie dessen Folgen beeinflusst. Vor Allem die Verbannung bestärkte Xenophons Abneigung gegen die Verhältnisse im demokratischen Athen. Die Erfahrungen, die er auf dem Rückzug der Kyreer sammeln konnte ermöglichten ihm Einblicke in andersartige, vielleicht vielversprechendere Staatsformen, als es die griechische war.

1.2.1 Xenophons Verhältnis zur Demokratie

Charakteristisch für Xenophon ist es, dass dieser die Demokratie radikal ablehnte. Er verlies Athen, sobald es ihm möglich war, um sich Kyros anzuschließen. Viele große Persönlichkeiten, so vaterlandsliebend sie auch waren, hatten starke Bedenken gegen die bestehenden Zustände, Männer, wie z.B. Thukydides, Sokrates, Platon und eben auch Xenophon. Sie kamen zur Erkenntnis, dass die Demokratie deutlich abgewirtschaftet hat. Somit sei die Demokratie schuld an dem Zusammensturz, aufgrund dessen, dass es ihr an einer konsequenten, konstanten und sachverständigen Leitung fehlte. Die bitteren Erfahrungen mit dem athenischen Demos verstärkten sich durch die Nachricht von Sokrates` Prozess und dessen Hinrichtung. Vor allem aufgrund dessen konnte Xenophon für die athenische Demokratie keine Sympathie mehr empfinden. Beachtlich ist jedoch, dass Xenophon die Demokratie niemals aktiv bekämpfte. Er suchte lediglich nach einer adäquaten Alternative.

Gerade Xenophon, als Militär, musste sich die Erkenntnis aufdrängen, dass ein Staat mit radikaler demokratischer Verfassung unmöglich eine erfolgreiche Außenpolitik führen kann. Bezeichnend sind die Worte, die Xenophon Kyros sagen lässt und die sicher auf den athenischen Demos und die Demagogen bezogen sind: „Denn der größte Teil der Soldaten scheint mir bereit zu sein, dorthin zu folgen, wohin man sie führt. Die tüchtigen Führer, glaube ich, haben es in der Hand, sie zu guten Leistungen, die schlechten zu schlechten Leistungen zu bringen. Oft ziehen nur die Schlechten mehr Gleichgesinnte auf ihre Seite als die Tüchtigen. Denn die Schlechtigkeit, die schnelle Vergnügungen schafft, verlockt viele mit eben diesen Vergnügungen, sich ihr auszuliefern….“[3]

Xenophon verdeutlichte seine Einstellung dadurch, dass er sich von vornherein der, ihm offen stehenden politischen Laufbahn entzog und seine Abneigung gegen die radikale Demokratie[4] auch literarisch preisgab.

[...]


[1] Nickel, Rainer, Xenophon, Darmstadt, 1979, S. 5

[2] Nickel, Rainer, Xenophon, Darmstadt, 1979, S. 6

[3] Kyrup. 2 2 , 23/24, entnommen aus: Nickel, Rainer (Hg.), Xenophon, Kyrupädie, Die Erziehung des Kyros, Darmstadt, 1992, S. 135

[4] Ochlokratie: Demos besitzt legislative, judikative und exekutive Gewalt

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Details

Titel
Das Herrscherideal Xenophons illustriert am Beispiel des Perserkönigs Kyros II. anhand der Kyrupädie
Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg  (Lehrstuhl für alte Geschichte)
Veranstaltung
Hauptseminar: „Perser und Griechen in der Zeit nach Salamis und bis zum “Zug der Zehntausend“ (480-400 v. Chr.)“
Note
2,0
Autor
Jahr
2006
Seiten
21
Katalognummer
V112052
ISBN (eBook)
9783640107360
Dateigröße
385 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Herrscherideal, Xenophons, Beispiel, Perserkönigs, Kyros, Kyrupädie, Hauptseminar, Griechen, Zeit, Salamis, Zehntausend“
Arbeit zitieren
eva ortegel (Autor), 2006, Das Herrscherideal Xenophons illustriert am Beispiel des Perserkönigs Kyros II. anhand der Kyrupädie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/112052

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