Die vorliegende Arbeit wird mit einem von Riegl postuliertem Wertesystem eingeleitet, ist in die darauf basierenden und später festgelegten Grundsätze der Charta von Venedig sowie in einem zeitgenössischen Diskurs über moderne Denkmalpflege, der zwischen ausführenden Architekten und praktizierenden Denkmalpflegern stattfindet, eingebettet und endet mit der analytischen Herausarbeitung wichtiger Kriterien, die in diesem Kontext zu beachten sind. Die Komplexität und die vielfältigen Problemstellungen, die das übergeordnete Thema in sich trägt, werden anhand von acht ausgewählten österreichischen Beispielen exemplarisch veranschaulicht und durch eine anschließende Gegenüberstellung der einzelnen Objekte ergründet. Um dem Betrachter ein möglichst objektives Bild über den spezifischen Sachverhalt präsentieren zu können, wird die jeweilige Bauhistorie sorgfältig aufgearbeitet. Die ausgewählten Bauten beinhalten vollständige Gebäudekomplexe, einzelne Monumente und teilweise nur mehr fragmentarisch vorhandene Denkmäler. Darüber hinaus wird sowohl auf den profanen als auch auf den sakralen Bereich eingegangen. Der zeitliche Rahmen der durchgeführten zeitgenössischen Interventionen an den aufgearbeiteten mittelalterlichen Denkmälern beginnt ab den 90er Jahren des 20. Jahrhunderts und endet mit den aktuellsten Ergebnissen von 2007. Die hervorgegangene Objektauswahl berücksichtigt ausschließlich Bauten, bei denen man bewusst neu interpretierte, sich vom historischen Bestand eindeutig absetzende Elemente hinzugefügt hat. Rein konservierende und restaurierende Maßnahmen, sowie historisierende Zutaten wurden in den Auswahlkriterien nicht berücksichtigt. Weiters richtet sich die Konzentration auf die direkte Anknüpfung von Alt und Neu, da es im Rahmen dieser Arbeit nicht möglich war, auf die Thematik neuer, autonomer Baukörper in historischer Umgebung einzugehen.
(Auszug Punkt 2: Zielsetzung)
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Zielsetzung
3. Objektabhandlungen
3.1. Schloss Bruck in Lienz
3. 1. 1. Geschichte
3. 1. 2. Baugeschichte
3. 1. 3. Revitalisierungsprojekt
3. 1. 4. Zusammenfassende Betrachtung
3. 2. Mautturm in Winklern
3. 2. 1. Geschichte
3. 2. 2. Baugeschichte
3. 2. 3. Revitalisierungsprojekt
3. 2. 4. Zusammenfassende Betrachtung
3. 3. Gozzoburg in Krems
3. 3. 1. Geschichte
3. 3. 2. Baugeschichte
3. 3. 3. Revitalisierungsprojekt
3. 3. 4. Zusammenfassende Betrachtung
3. 4. Stadtmauernfragment in Krems
3. 4. 1. Geschichtlicher Abriss der Stadtentwicklung
3. 4. 2. Baugeschichtliche Entwicklung der Stadtmauer in der Schwedengasse
3. 4. 3. Umbau- und Integrationsprojekt
3. 4. 4. Zusammenfassende Betrachtung
3. 5. Kleinmariazell in Altenmarkt/Triesting
3. 5. 1. Geschichte
3. 5. 2. Baugeschichte
3. 5. 3. Renovierungs- und Revitalisierungsprojekt
3. 5. 4. Zusammenfassende Betrachtung
3. 6. Teichturm in Radstadt
3. 6. 1. Geschichtlicher Abriss der Stadtgründung sowie der Entstehung der Umfassungsmauer und der Befestigungstürme
3. 6. 2. Integrations- und Neubauprojekt
3. 6. 3. Zusammenfassende Betrachtung
3. 7. Schloss Rothschild in Waidhofen an der Ybbs
3. 7. 1. Geschichte
3. 7. 2. Baugeschichte
3. 7. 3. Integrationsprojekt
3. 7. 4. Zusammenfassende Betrachtung
3. 8. Ehemaliges Minoritenkloster in Wels
3. 8. 1. Geschichte
3. 8. 2. Baugeschichte
3. 8. 3. Revitalisierungsprojekt
3. 8. 4. Zusammenfassende Betrachtung
4. Analytische Betrachtung
4. 1. Die Rechtfertigung baulicher Interventionen an einem Denkmal
4. 1. 1. Erhaltungszustand
4. 1. 2. Wirtschaftlichkeit und Funktionalität
4. 1. 2. 1. Vertretbare Nutzungskonzepte
4. 2. Verschiedene bauliche Interventionsmöglichkeiten
4. 2. 1. Ergänzungen
4. 2. 2. Rückführungen
4. 3. Materialien- und Formensprache
4. 3. 1. Technisch notwendige Details und ihre Umsetzung
5. Moderne Denkmalpflege und zeitgenössische Architektur
5. 1. Exkurs in die Denkmalgeschichte
5. 2. Architekt versus Denkmalpfleger oder Denkmalpflege versus Architektur?
6. Resümee
Zielsetzung & Themen
Die Diplomarbeit untersucht den Umgang mit historischer Bausubstanz bei der Integration zeitgenössischer Architektur in Österreich. Das Hauptziel besteht darin, Kriterien für gelungene architektonische Interventionen an Baudenkmälern zu erarbeiten, wobei die theoretischen Grundlagen von Alois Riegl und der Charta von Venedig den Rahmen bilden, um eine kritische Analyse des Dialogs zwischen Alt und Neu zu ermöglichen.
- Analyse der Integration moderner Architektur in mittelalterliche Bauwerke
- Untersuchung von acht österreichischen Fallbeispielen unter Berücksichtigung ihrer Bauhistorie
- Diskurs zwischen Architekten und Denkmalpflegern
- Kriterienkatalog zur Bewertung baulicher Interventionen
- Kritische Beleuchtung von Reversibilität und Materialität
Auszug aus dem Buch
3. 1. 3. Revitalisierungsprojekt
Mit den Adaptierungsarbeiten für die im Jahr 2000 stattgefundene Landesausstellung wurde unter der architektonischen Leitung von Gerhard Mitterberger 1998 begonnen. Die Herausforderung der Projektion bestand sowohl in der Rückführung als auch in der Sicherung von mittelalterlicher Substanz sowie in der Errichtung eines modernen Museumsbetriebes mit den dazugehörigen Einrichtungen wie Verwaltung, Archiv, Café und Shop. Um einen vollständigen Rundgang gewährleisten zu können, wurde mit Hilfe von neu eingefügten Treppenkonstruktionen sowie mit teils wieder aufgenommenen und teils neuen Mauerdurchbrüchen ein komplexes Erschließungssystem geschaffen, das sowohl auf getrennte Nutzungsbereiche als auch auf zusammenhängende Funktionsbereiche Rücksicht nimmt. Darüber hinaus war man bestrebt, die gesamten Räumlichkeiten der Anlage effizient zu nutzen und die Erlebbarkeit des mittelalterlichen Schlosses trotz der auf zeitgemäße Erfordernisse eingehenden Umbauten zu vermitteln. Durch die ausgeführten Entkernungsarbeiten konnten ältere Raum- und Baustrukturen wieder aufgenommen und mit einer modern angepassten Formensprache für die neuen Funktionen adaptiert werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Problematik des Umgangs mit historischer Bausubstanz anhand der Werttheorien von Alois Riegl und deren Bedeutung für die moderne Denkmalpflege.
2. Zielsetzung: Darstellung der Forschungsabsicht, anhand von acht österreichischen Fallbeispielen Kriterien für den respektvollen und analytischen Umgang mit mittelalterlicher Bausubstanz zu definieren.
3. Objektabhandlungen: Detaillierte bauhistorische Untersuchung und Analyse der Revitalisierungsprojekte von acht ausgewählten Objekten, von Schloss Bruck bis zum ehemaligen Minoritenkloster in Wels.
4. Analytische Betrachtung: Kritische Auseinandersetzung mit der Rechtfertigung baulicher Eingriffe, verschiedenen Interventionsmöglichkeiten sowie der Bedeutung von Material- und Formensprache im Kontext der Denkmalpflege.
5. Moderne Denkmalpflege und zeitgenössische Architektur: Reflexion über das Spannungsverhältnis zwischen historischer Erhaltung und den Ansprüchen zeitgenössischer Architektur sowie die Rolle von Architekt und Denkmalpfleger.
6. Resümee: Zusammenfassende Einschätzung der Ergebnisse, die unterstreicht, dass individuelle Lösungen auf Basis fundierter bauhistorischer Forschung unerlässlich für eine denkmalgerechte Integration sind.
Schlüsselwörter
Denkmalpflege, Architektur, Bausubstanz, Integration, Revitalisierung, Baugeschichte, Reversibilität, Charta von Venedig, Alois Riegl, mittelalterliche Bauten, zeitgenössische Interventionen, Stadtbild, Bestandssicherung, Raumkonzept, Österreich.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Diplomarbeit befasst sich mit der Herausforderung, moderne Architektur in historische, mittelalterliche Bausubstanz in Österreich zu integrieren, ohne den Denkmalschutz zu vernachlässigen.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Mittelpunkt stehen die bauhistorische Untersuchung der Objekte, die kritische Analyse der durchgeführten Revitalisierungsprojekte und die Bewertung des Dialogs zwischen historischem Bestand und modernen architektonischen Zutaten.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es, Kriterien herauszuarbeiten, die bei der baulichen Intervention an Denkmälern zu beachten sind, um eine Balance zwischen funktionaler Anpassung und dem Erhalt des historischen Wertes zu finden.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Autorin kombiniert bauhistorische Recherche, Analyse von Revitalisierungskonzepten, Experteninterviews (Architekten, Denkmalpfleger) sowie eine vergleichende Fallstudienanalyse von acht österreichischen Objekten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Objektabhandlungen der acht gewählten Beispiele, gefolgt von einer analytischen Betrachtung, die Themen wie Erhaltungszustand, Wirtschaftlichkeit, Funktionalität und Formensprache diskutiert.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Diplomarbeit?
Wichtige Begriffe sind Denkmalpflege, Reversibilität, zeitgenössische Architektur, historische Substanz, Integration und der von Alois Riegl geprägte Alterswert.
Wie bewertet die Arbeit den Einsatz von Stahl und Glas bei diesen Projekten?
Die Arbeit sieht in der Verwendung von modernen Materialien wie Stahl und Glas ein Mittel zur deutlichen Abgrenzung vom historischen Bestand, sofern sie als reversible Einbauten und nicht als destruktive Überformung gestaltet sind.
Welche Rolle spielt die "Charta von Venedig" in der Argumentation der Autorin?
Sie dient als ethischer Richtwert für den Denkmalschutz, der fordert, dass ergänzende Baumaßnahmen respektvoll mit dem überlieferten Rahmen umgehen und als moderne Zutaten ablesbar bleiben müssen.
- Citation du texte
- Sandra Hirmann (Auteur), 2008, Über die Integration zeitgenössischer Architektur in mittelalterliche Bausubstanz, aufgezeigt anhand von acht ausgewählten Beispielen in Österreich , Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/112062