Dieses Essay stellt die wissenschaftpropädeutische Fachdidaktik des Unterrichtsfaches Erziehungswissenschaft dar. Dabei wird zunächst auf die Legitimantion des Unterrichtsfaches, dann auf die Grundlagen und Begründungen für fachdidaktische Entscheidungen eingegangen. Danach werden die Aufgaben und Ziele sowie die Inhalte und Methoden der wissenschatpropädeutischen Fachdidaktik dargestellt. Am Schluss wird die Frage der Praktikabilität und Plausibilität der Fachdidaktik geklärt.
Inhaltsverzeichnis
1 Zur Legitimation des Unterrichtsfaches Pädagogik
2 Grundlagen und Begründungen der fachdidaktischen Entscheidungen
3 Aufgaben und Ziele des Pädagogikunterrichts
4 Inhalte des Unterrichtsfaches Pädagogik
5 Methode des Unterrichtsfaches Pädagogik
6 Plausibilität und Praktikabilität der wissenschaftspropädeutischen Fachdidaktik
7 Literatur
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die wissenschaftspropädeutische Ausrichtung des Pädagogikunterrichts in der gymnasialen Oberstufe. Ziel ist es, die Legitimation, die fachdidaktischen Grundlagen sowie die methodischen Anforderungen dieses Unterrichtsfaches auf Basis fachwissenschaftlicher Theorien zu analysieren und kritisch zu hinterfragen.
- Legitimation des Pädagogikunterrichts als Bildungsfach in der Oberstufe
- Aufgaben und Zielsetzungen unter Berücksichtigung der Wissenschaftspropädeutik
- Konstituierung von Unterrichtsinhalten auf Grundlage der kritischen Erkenntnistheorie
- Methoden des wissenschaftspropädeutischen Arbeitens und Lernens
- Plausibilität und praktische Umsetzbarkeit fachdidaktischer Konzepte
Auszug aus dem Buch
2 Grundlagen und Begründungen der fachdidaktischen Entscheidungen
Eine Fachdidaktik umfasst nach KÖHNLEIN die wissenschaftlich-systematische Erforschung des „Lehren[s] und Lernen[s]“ eines bestimmten wissenschaftlichen Fachbereiches, um „die Qualität des Unterrichts [zu] verbessern.“ Das Aufgabenfeld einer Fachdidaktik erstreckt sich somit auf die Bereiche der Voraussetzung, Bedingung, Zielsetzung, Inhalte sowie der Methoden des fachbezogenen Lehr-Lern-Prozesses. Aus diesem Grund ist die Fachdidaktik der Logik der Sache, den allgemeinen Zielen des Unterrichts und den an den Lehr- und Lernprozessen beteiligten Personen verpflichtet. Diese spezifische Mittelstellung der Fachdidaktik zwischen Fachwissenschaft und Pädagogik ist jedoch nicht im Sinne eines reinen Deduktionszusammenhangs zu verstehen. Die Fachdidaktik vertritt durch ihr Aufgabenfeld ein spezifisches Erkenntnisinteresse und greift dabei auch Erkenntnisse anderen Wissenschaftsdisziplinen auf. Ihre besondere Position muss deshalb vielmehr als eine Art Vermittlung zwischen Fachwissenschaft, der Lehrsituation, den Lernenden sowie der Gesellschaft verstanden werden. Diese vier Instanzen bilden die Parameter des Bezugsrahmens des fachdidaktischen Aufgabenfeldes und aller fachdidaktischer Entscheidungen.
Diese Orientierungspunkte der fachdidaktischen Theoriebildung soll nun an die Position BAUMGARTS angelegt werden. BAUMGARTS Ausführungen setzen am Bezugspunkt der Lehrsituation an, weil er die fachdidaktische Grundlegung des PU zuerst mittels der durch ihn hervorgehobenen allgemeinen Lernziele der GOSt (wissenschaftliche Grundbildung, Studierfähigkeit und Selbstverwirklichung in sozialer Verantwortung) vornimmt. Eine zweite zentrale Referenz fachdidaktischer Entscheidungen ist ebenfalls unter dem Bezugspunkt der Lehrsituation zu fassen: Alle fachdidaktischen Konzeptionen müssten sich an der Funktion der Fächer des gesellschaftswissenschaftlichen Aufgabenfeldes messen lassen, „den Schülern gesellschaftliche Realität mit den Mitteln wissenschaftlicher Analyse zu erschließen.“ Diese Festlegung wirkt sich wiederum auf das Verhältnis zur Fachwissenschaft aus: Nur schulische Arbeit mit einem sozialwissenschaftlich gegründeten Erziehungsbegriff bzw. die Orientierung an einer, sich als sozialwissenschaftlich verstehenden EW, könne diesem Anspruch gerecht werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Zur Legitimation des Unterrichtsfaches Pädagogik: Das Kapitel erläutert die Notwendigkeit des Faches als eigenständiges Bildungsfach in der gymnasialen Oberstufe, das über eine bloße Berufsvorbereitung hinausgeht.
2 Grundlagen und Begründungen der fachdidaktischen Entscheidungen: Hier wird die Fachdidaktik als vermittelnde Instanz zwischen Wissenschaft, Gesellschaft und Unterrichtspraxis definiert und an theoretischen Bezugspunkten ausgerichtet.
3 Aufgaben und Ziele des Pädagogikunterrichts: Das Kapitel beschreibt den Bildungsauftrag des Faches, der sich an der Wissenschaftspropädeutik und der Vorbereitung auf gesellschaftliche Teilhabe orientiert.
4 Inhalte des Unterrichtsfaches Pädagogik: Dieser Teil behandelt die Auswahl der Unterrichtsinhalte anhand von Erkenntnisinteressen und dem Verständnis von Erziehung als Teil der gesellschaftlichen Praxis.
5 Methode des Unterrichtsfaches Pädagogik: Es werden Methoden zur Förderung der Studierfähigkeit vorgestellt, wobei zwischen Arbeitstechniken und wissenschaftlichen Forschungsmethoden differenziert wird.
6 Plausibilität und Praktikabilität der wissenschaftspropädeutischen Fachdidaktik: Das Kapitel reflektiert kritisch über den theoretischen Anspruch und die praktische Umsetzbarkeit der vorgestellten didaktischen Konzepte.
7 Literatur: Verzeichnis der in der Arbeit verwendeten Quellen.
Schlüsselwörter
Pädagogikunterricht, Fachdidaktik, Wissenschaftspropädeutik, Erziehungswissenschaft, gymnasiale Oberstufe, Bildung, Erkenntnisinteresse, Handlungsorientierung, Sozialisation, Lehren und Lernen, Studierfähigkeit, kritische Theorie, Unterrichtsmethode, Gesellschaftliche Praxis.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der wissenschaftlichen Fundierung und fachdidaktischen Ausrichtung des Pädagogikunterrichts innerhalb der gymnasialen Oberstufe.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Zentrum stehen die Legitimation des Faches, dessen Ziele und Aufgaben, die Bestimmung der Inhalte durch gesellschaftliche Kontexte sowie methodische Ansätze zur Förderung des wissenschaftlichen Arbeitens.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist eine fundierte Analyse darüber, wie Pädagogik als wissenschaftspropädeutisches Fach im Kontext gesellschaftlicher Ansprüche und bildungstheoretischer Vorgaben gestaltet werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine Literaturanalyse bestehender fachdidaktischer Theorien und deren kritische Zusammenführung unter Einbeziehung prominenter Ansätze wie denen von Baumgart, Huber und der kritischen Theorie nach Habermas.
Was genau wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Begründung des Faches, die Ableitung didaktischer Zielsetzungen, die theoretische Herleitung der Lerninhalte aus gesellschaftlichen Dimensionen sowie die methodische Umsetzung des wissenschaftspropädeutischen Lernens.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Wissenschaftspropädeutik, Erziehungswissenschaft, Fachdidaktik, Studierfähigkeit und der gesellschaftliche Kontext von Erziehung und Sozialisation.
Welche Rolle spielt die Frankfurter Schule im Kontext der Inhaltsauswahl?
Die kritische Erkenntnistheorie nach Habermas dient als theoretisches Gerüst, um Erziehung als Teil der gesellschaftlichen Praxis in den Dimensionen Arbeit, Sprache und Herrschaft zu analysieren.
Warum bleibt die Umsetzung der Fachdidaktik laut Autorin kontrovers?
Die Autorin weist darauf hin, dass die wissenschaftspropädeutischen Konzepte zwar theoretisch anspruchsvoll sind, aber in der unterrichtspraktischen Konkretion oft zu vage bleiben, was ihre tatsächliche Umsetzbarkeit in Frage stellt.
- Quote paper
- Britta Wertenbruch (Author), 2008, Die wissenschaftpropädeutische Fachdidaktik des Unterrichtsfaches Erziehungswissenschaft, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/112079