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Medea: Verzauberte Zauberin - Interpretation des Medea-Monologs in den Metamorphosen des Ovid

Ov. Met. 7,1-99

Title: Medea: Verzauberte Zauberin - Interpretation des Medea-Monologs in den Metamorphosen des Ovid

Term Paper , 2004 , 18 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Katharina Tiemeyer (Author)

Latin philology - Literature
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Summary Excerpt Details

Sie ist eine dämonische Frauengestalt voll düsterer Tragik: wir kennen sie als leidenschaftliche Rächerin, brutale Mörderin, gefährliche Zauberin – die Attribute des Bösen, die dieser Figur zugeschrieben werden, sind von unerschöpflicher Vielfalt: Medea.
Der Mythos um diese Frau, der bis in die vorhomerische Tradition zurückreicht, hat seit der Antike bis in die Gegenwart eine Vielzahl von Dichtern immer wieder fasziniert und zu zahlreichen Werken inspiriert, die, was das Wesen der Medea betrifft, stark variieren. Allgemein jedoch ist diese Frau als „die gewaltigste Zauberin der Antike“ in die Geschichte eingegangen, die in ihrer Leidenschaft vor keiner, noch so grausamen Tat zurückschreckt.
Auch Ovid hatte es diese sagenumwobene Frauengestalt angetan, er widmete sich ihr in seinem Werk gleich dreimal: Neben einer verschollenen Tragödie , findet sich der Medea-Mythos auch in den Heroides und in den Metamorphosen .
Der mythologische Hintergrund gehörte zum Allgemeinwissen eines gebildeten Römers und es steht außer Frage, dass Ovid die entsprechenden literarischen Vorlagen, [...], gekannt und seinem Werk zugrunde gelegt hat. Dies bedeutet jedoch nicht, dass er die Sage einfach übernommen und nacherzählt hat. [...].Während Medea und ihre Geschichte in der mythologischen Überlieferung sowie bei den Autoren vor seiner Zeit immer stark in Zusammenhang mit der Argonautensage steht und in einem Atemzug mit Iason genannt wird, fällt bei Ovid auf, dass ihn vor allem die Zauberin selbst interessiert hat und die Geschichte vom Goldenen Vlies bei ihm nur schmückender Hintergrund für das eigentliche Motiv, das Wesen Medeas, ist.
Besonders auffällig ist dies in der Medea-Episode in den Metamorphosen, von der ein Ausschnitt in dieser Arbeit analysiert und interpretiert werden soll. [...]
In dieser Arbeit gilt das Interesse den ersten 99 Versen des ersten Teils, da Medea sich noch in Kolchis befindet. Diese Textpassage kennzeichnet vor allem ein Monolog Medeas vor ihrer Entscheidung für Iason. Es folgt die Begegnung mit Iason im Tempel der Hekate. Danach setzt sich die Erzählung fort mit der Beschreibung der drei Kämpfe, die der Argonaut in Kolchis auszustehen hat, bevor er als Sieger davonzieht. [...]. Die Textauswahl beschränkt sich somit auf die Szene, die der Dichter ganz der Figur der Medea, ihrem inneren Gemütszustand und ihrer Liebe zu Iason gewidmet hat. Im Zentrum der Analyse soll ihr Monolog stehen. [...]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Hauptteil

1. Einordnung der Textpassage in den mythologischen und literarischen Kontext

2. Aufbau und Struktur

3. Interpretation

3.1. Die Verzauberung: Die Ankunft der Argonauten in Kolchis (V.1-11a)

3.2. Die Zauberin und der nescio quis deus: Der Monolog Medeas (V.11b-73)

3.2.1. Medea zwischen furor und ratio

3.2.2. Plädoyer für den Geliebten

3.2.3. Scheinbar gesiegt?

3.2.4. Rhetorisches Spiel oder Ausdruck wahrer Gefühle?

3.3. Liebeszauber: Die Begegnung mit Iason im Tempel (V.74-99)

III. Schluss

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht den Medea-Monolog in den Metamorphosen des Ovid (7,1-99), um aufzuzeigen, wie der Dichter das psychologische Innenleben der sagenumwobenen Zauberin zu Beginn der Argonautensage gestaltet und ihren inneren Kampf zwischen Vernunft und Leidenschaft porträtiert.

  • Analyse des Medea-Monologs als zentrales Element der Charakterdarstellung.
  • Untersuchung der psychologischen Dichotomie zwischen ratio und furor.
  • Interpretation der rhetorischen Struktur und Dialektik von Medeas Entscheidungsprozess.
  • Betrachtung der narrativen Funktion der Begegnung zwischen Medea und Iason.

Auszug aus dem Buch

3.2.1. Medea zwischen furor und ratio

Der Monolog Medeas wird eingeleitet durch die kommentierenden Worte des Erzählers: [...] ratione furorem vincere non poterat (V.10/11). Diese können fast als Überschrift für den nun folgenden Monolog gelten, da sie das Thema recht treffend benennen. Medea steht zwischen ratio und furor, zwischen der Entscheidung aus Leidenschaft für Iason auf der einen Seite und damit gegen ihren Vater und gegen Kolchis und auf der anderen Seite der Vernunftentscheidung, dieses zu unterlassen und nicht den eigenen Affekten zu gehorchen. Durch die Iuxtaposition von ratione furorem lässt der Dichter provokativ die Gegensätzlichkeit der beiden Begriffe hervorstechen. Der Wechsel der Erzählperspektive vom kommentierenden auktorialen Erzähler hin zur Ich-Erzählsituation des Monologs ist fließend; durch das in den Monolog hineingezogene ait (V.12) sind beide Erzählsituationen ineinander verschachtelt.

Mit Beginn der Rede Medeas taucht nun zum ersten Mal ihr Name auf (V.11). Sie spricht sich selbst an und diagnostiziert ihren Zustand. Etwas, ein fremde Macht, ist über sie gekommen, gegen die sie sich nicht zur Wehr setzen kann: frustra, Medea, repugnas (V.11). Sie weiß dieses Gefühl nicht einzuschätzen, kann es nicht fassen, spürt, dass es etwas Großes, Göttliches ist (nescio quis deus obstat, V.12), vermutet, dass es „Liebe“ ist (V.13). Offensichtlich hat die kolchische Prinzessin noch nie zuvor dieses Gefühl erlebt, Ovid präsentiert sie hier als ein unschuldiges und ahnungsloses Mädchen, das zum ersten Mal die Flammen der Leidenschaft zu spüren bekommt und sich halb verwundert (mirumque quid hoc est, V.12), halb ängstlich (timeo und quae tanti causa timoris?, V.16, stilistisch hervorgehoben durch das Polyptoton von timere) versucht, dagegen zu wehren: excute virgeneo conceptas pectore flammas [...] (V.17). Kunstvoll erreicht Ovid auch hier wieder eine abbildende Wortstellung: virgineo [...] pectore und conceptas [...] flammas sind jeweils gesperrt gestellt und dadurch ineinander verschachtelt so wie die Leidenschaft das Mädchen gänzlich mit ihren „Flammen“ einschließt.

Zusammenfassung der Kapitel

I. Einleitung: Die Einleitung führt in das Medea-Bild als dämonische Zauberin ein und erläutert die Zielsetzung, den Monolog in den Metamorphosen isoliert vom intertextuellen Kontext zu betrachten.

II. Hauptteil: Der Hauptteil ordnet den Mythos literarisch ein, analysiert die Struktur der Medea-Episode und bietet eine detaillierte Interpretation des Monologs sowie der Tempelszene.

III. Schluss: Die Untersuchung kommt zu dem Ergebnis, dass Ovid Medea als eine Figur darstellt, die durch ihr eigenes, leidenschaftliches Wesen zum Unheil prädisponiert ist.

Schlüsselwörter

Medea, Ovid, Metamorphosen, Iason, Argonautensage, Monolog, ratio, furor, Liebesleidenschaft, Zauberin, Psychologie, antike Literatur, mythologischer Kontext, Dialektik, Gefühlswelt

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert die psychologische Darstellung der Medea in den Metamorphosen des römischen Dichters Ovid, insbesondere im Kontext ihres Monologs in den ersten 99 Versen des siebten Buches.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Die Schwerpunkte liegen auf der Entwicklung von Medeas Liebesgefühl, dem inneren Konflikt zwischen rationaler Vernunft (ratio) und emotionaler Raserei (furor) sowie der literarischen Gestaltung ihrer Figur bei Ovid.

Was ist die primäre Forschungsfrage?

Die Arbeit untersucht, wie Ovid die Gedanken- und Gefühlswelt der Medea gestaltet, bevor sie sich zur Unterstützung Iasons entscheidet, und ob dies als Ausdruck einer berechnenden Persönlichkeit oder als überwältigende Leidenschaft gedeutet werden kann.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Es wird eine textimmanente Interpretation gewählt, die sich primär auf den lateinischen Originaltext Ovids stützt und auf intertextuelle Vergleiche mit anderen antiken Autoren verzichtet.

Was bildet den inhaltlichen Kern des Hauptteils?

Der Hauptteil gliedert sich in eine mythologische Kontextualisierung, eine strukturelle Analyse der Episode und eine detaillierte textnahe Interpretation des Monologs und der anschließenden Tempelszene.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Medea, Ovid, Metamorphosen, ratio, furor, Liebesleidenschaft und psychologische Charakterzeichnung.

Warum wählt Ovid eine "Schwarz-Weiß-Malerei" für Medea?

Ovid zeigt Medea als eine Figur, für die es nur Extreme gibt: Sie schwankt radikal zwischen Pflicht gegenüber dem Vater (ratio) und der verbotenen Liebe zu Iason (furor), was ihren tragischen Charakter unterstreicht.

Welche Rolle spielt die rhetorische Dialektik im Monolog?

Die Dialektik dient Medea dazu, Argumente gegen die Unterstützung Iasons aufzustellen und diese logisch zu entkräften, was sie jedoch paradoxerweise als berechnende und selbstbestimmte Figur erscheinen lässt, statt nur als passives Opfer der Liebe.

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Details

Title
Medea: Verzauberte Zauberin - Interpretation des Medea-Monologs in den Metamorphosen des Ovid
Subtitle
Ov. Met. 7,1-99
College
University of Freiburg
Grade
1,0
Author
Katharina Tiemeyer (Author)
Publication Year
2004
Pages
18
Catalog Number
V112095
ISBN (eBook)
9783640107698
ISBN (Book)
9783656034964
Language
German
Tags
Medea Verzauberte Zauberin Interpretation Medea-Monologs Metamorphosen Ovid
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Katharina Tiemeyer (Author), 2004, Medea: Verzauberte Zauberin - Interpretation des Medea-Monologs in den Metamorphosen des Ovid, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/112095
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