Das Vertrauen der Öffentlichkeit in den Aktienmarkt, vor allem aber in die Effektivität und Glaubwürdigkeit der Abschlussprüfung und damit auch in den gesamten Berufsstand der Wirtschaftsprüfer, ist in den letzten Jahren erheblich zurück gegangen. Grund dafür, ist die steigende Zahl der spektakulären Betrugsfälle, in denen Vorstandsmitglieder börsennotierter Aktiengesellschaften den Kapitalmarkt bewusst falsch informiert, Jahresabschlüsse manipuliert und diese zum Teil mit gefälschten Dokumenten verschleiert haben. Die Öffentlichkeit wunderte sich, wie es denn erst soweit kommen konnte, hätten die Abschlussprüfer doch die Bilanzmanipulationen bemerken und aufdecken müssen. Was der Öffentlichkeit nicht unbedingt bekannt war, dass das Wesen der Abschlussprüfung nicht auf die Aufdeckung von Bilanzmanipulationen gerichtet ist und die Abschlussprüfer auch keinerlei Verantwortung für die Nicht- Aufdeckung dieser Verstöße tragen. Rechtlich gesehen, ist das auch völlig in Ordnung, aber strategisch gesehen kann es doch für den Berufsstand der Wirtschaftsprüfer nicht das Ziel sein, weil die Öffentlichkeit angesichts der großen Anzahl von Geschädigten nicht länger bereit sein wird sich
auf die sog. „Erwartungslücke“ verweisen zu lassen. Mit Erwartungslücke, ist die Diskrepanz zwischen den Erwartungen der Öffentlichkeit, darüber was eine Abschlussprüfung leisten kann und soll einerseits und der öffentlichen Wahrnehmung der tatsächlichen Prüferleistungen bei der Aufdeckung von Fraud andererseits, gemeint.
In Deutschland, auf EU- Ebene und in den USA, hat diese Vertrauenskrise zu einer Regulierungswelle geführt, die darauf gerichtet waren die Rahmenbedingungen der Abschlussprüfungen erheblich zu verändern. Ziel der Modifizierung war und ist jedoch nicht dem Abschlussprüfer die Verantwortung für die Nicht- Aufdeckung von FRAUD tragen zu lassen sondern lediglich die Erfolgsquote bei der Aufdeckung von Unregelmäßigkeiten zu erhöhen. Inwieweit die Änderung sich positiv auf das Vertrauen der Öffentlichkeit auswirkt, bleibt aber abzuwarten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung:
2. Unregelmäßigkeiten der Rechnungslegung IDW PS 210
2.1 Unrichtigkeiten
2.2 Verstöße
2.2.1 Täuschung
2.2.2 Vermögensschädigungen
2.3 Sonstige Gesetzesverstöße
3. Entwicklung nationaler und internationaler Prüfungs- und Qualitätssicherungsstandards
3.1 Allgemeines
3.2 Ergänzungen/ Konkretisierungen zu den bisherigen Anforderungen des Abschlussprüfers
3.2.1 kritische Grundhaltung des Abschlussprüfers
3.2.2 Befragung des Managements des Aufsichtsrates und der Mitarbeiter der internen Revision
3.2.3 Pflicht Aufsichtsrat zu überprüfen
3.2.4 Überraschungselemente
3.2.5 Risikobereich Umsatzrealisierung
3.3 Fazit
4. Prüfungsvorgehen zur Aufdeckung von Unregelmäßigkeiten
4.1 Risikoeinschätzung
4.1.1 mit Hilfe von Checklisten
4.1.2 mit Hilfe künstlicher Neuronaler Netze
4.1.3 mit Hilfe analytischer Prüfungshandlung
4.1.3.1 einfache Rechenmodelle
4.1.3.2 Trendanalysen
4.1.3.3 Kenzahlenanalyse
4.1.3.4 Regressionsanalysen
4.2 Festlegung des Fehlerrisikos
4.3 Maßnahmen zur Aufdeckung von Unregelmäßigkeiten
4.3.1 Auswahlverfahren
4.3.2 Einzelfallprüfungen
4.3.3 Analyse der Datenbestände
4.4 Konsequenzen der Aufdeckung von Unregelmäßigkeiten
5. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Rolle des Wirtschaftsprüfers bei der Aufdeckung von Unregelmäßigkeiten in der Rechnungslegung. Ziel ist es zu analysieren, wie durch neue Standards und Methoden die Erfolgsquote bei der Identifizierung von Unrichtigkeiten und beabsichtigten Verstößen erhöht werden kann, ohne dabei die grundlegende Verantwortlichkeit des Abschlussprüfers überzustrapazieren.
- Anforderungen an die Abschlussprüfung gemäß IDW PS 210.
- Differenzierung zwischen Unrichtigkeiten und Verstößen (Fraud).
- Analyse und Bewertung von Methoden zur Risikoeinschätzung.
- Einsatz technischer und analytischer Prüfungshandlungen.
- Berichtspflichten und Konsequenzen der Aufdeckung von Unregelmäßigkeiten.
Auszug aus dem Buch
4.1.1 mit Hilfe von Checklisten
Diese Verfahren hat das „Fraud- Triangle Modell“ als Grundlage. Nach diesem Modell ist das Risiko für Verstöße besonders hoch, wenn drei Bedingungen gleichzeitig vorliegen. Dies ist dann der Fall wenn ein Anreiz oder Druck, die Möglichkeit einen Verstoß zu begehen und eine innere Rechtfertigung gegeben sind. Druck kann z.B. sein, wenn die Erwartung der Stakeholder zu hoch ist und diese nicht enttäuscht werden sollen. Ein Beispiel für die Möglichkeit einen Verstoß zu begehen könnte darin liegen, dass das Unternehmen kein ausreichendes internes Kontrollsystem besitzt. Innerliche Rechtfertigung ist dann gegeben, wenn der Täter sich einredet, dass es zum Wohle aller ist. Natürlich ist es für den Wirtschaftsprüfer fast unmöglich die Wirtschaftsmoral und die Motivation des Täters zu erkennen.
Trotzdem kann der Abschlussprüfer mit Hilfe von Checklisten zu einer Risikoeinschätzung gelangen. Problematisch ist jedoch, dass die Checklisten keine eindeutigen Entscheidungskriterien enthalten, sondern lediglich eine Vielzahl möglicher Anzeichen. Weiterhin wird kritisiert, dass ein Prüfer der sich strikt an die Checkliste hält, oft andere wichtige Kriterien übersieht weil sie nicht auf der Liste stehen. Wenn der Abschlussprüfer sich jedoch darüber bewusst ist, dass es außer den auf der Checkliste stehenden Kriterien auch noch andere Risikofaktoren gibt, ist die Checkliste ein gutes Werkzeug das eine sinnvolle Gesprächsgrundlage für die Besprechung im Prüfungsteam darstellt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Beschreibt die Vertrauenskrise in die Abschlussprüfung infolge spektakulärer Betrugsfälle und die daraus resultierende Regulierungsnotwendigkeit.
2. Unregelmäßigkeiten der Rechnungslegung IDW PS 210: Definiert die zentralen Begriffe Unrichtigkeiten und Verstöße, einschließlich Täuschung und Vermögensschädigungen.
3. Entwicklung nationaler und internationaler Prüfungs- und Qualitätssicherungsstandards: Erläutert die Anpassung deutscher Prüfungsstandards an internationale Vorgaben (ISA 240) und die neuen Anforderungen an den Abschlussprüfer.
4. Prüfungsvorgehen zur Aufdeckung von Unregelmäßigkeiten: Detaillierte Analyse verschiedener Risikoeinschätzungs- und Prüfungsmethoden wie Checklisten, Kennzahlenanalysen und Einzelfallprüfungen.
5. Zusammenfassung: Resümiert die Notwendigkeit einer methodischen Kombination verschiedener Hilfsmittel, betont jedoch, dass die finale Risikoeinschätzung beim Prüfer verbleibt.
Schlüsselwörter
Wirtschaftsprüfer, Abschlussprüfung, IDW PS 210, Unregelmäßigkeiten, Verstöße, Fraud-Triangle-Modell, Risikoeinschätzung, Analytische Prüfungshandlung, Bilanzmanipulation, Kennzahlenanalyse, Prüfungsstandard, interne Kontrolle, Berichterstattung, Erwartungslücke.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Hausarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Aufgabe des Wirtschaftsprüfers bei der Aufdeckung von Unregelmäßigkeiten, wie Betrug oder Fehlern in der Rechnungslegung, im Rahmen einer gesetzlichen Abschlussprüfung.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Themen umfassen die Definition von Unregelmäßigkeiten, die Entwicklung aktueller Prüfungsstandards (IDW PS 210), verschiedene methodische Ansätze der Risikoeinschätzung sowie die Berichtspflichten des Prüfers.
Welches Ziel verfolgt die Autorin mit dieser Untersuchung?
Das primäre Ziel ist es aufzuzeigen, wie Abschlussprüfer durch moderne Verfahren und ein besseres Verständnis für Risikobereiche ihre Erfolgsquote bei der Aufdeckung von Unregelmäßigkeiten erhöhen können.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Analyse verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse aktueller Fachpublikationen, Standards des IDW und der theoretischen Auswertung von Prüfungsmethoden, ergänzt durch Fallbeispiele zu Kennzahlen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Abgrenzung von Prüfungsbegriffen, die regulatorische Entwicklung der Prüfungsstandards und eine detaillierte methodische Übersicht zur Prüfungspraxis.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren den Text am besten?
Die wichtigsten Begriffe sind Wirtschaftsprüfung, IDW PS 210, Fraud, Risikoeinschätzung, Abschlussprüfung, interne Kontrolle und Bilanzmanipulation.
Wie unterscheidet sich die "bewusste Auswahl" von der "Zufallsauswahl"?
Die Zufallsauswahl erlaubt statistische Rückschlüsse auf die Grundgesamtheit, während die bewusste Auswahl auf dem Fachwissen und der Erfahrung des Prüfers basiert, um gezielt risikobehaftete Geschäftsvorfälle zu identifizieren.
Was ist das "Fraud-Triangle-Modell" und wozu wird es genutzt?
Das Modell identifiziert Anreiz/Druck, Gelegenheit und Rechtfertigung als drei Bedingungen, bei deren Vorliegen das Risiko für Verstöße besonders hoch ist; es dient als Grundlage für die risikoorientierte Prüfung.
Welche Rolle spielt der "Management Letter" für den Prüfer?
Der Management Letter dient dazu, dem Unternehmen neben dem offiziellen Prüfungsbericht auch Hinweise auf unwesentliche Unregelmäßigkeiten und kleinere Schwachstellen im internen Kontrollsystem mitzuteilen.
- Citar trabajo
- Susanne Köhler (Autor), 2007, Aufdeckung von Unregelmäßigkeiten in der Rechnungslegung durch den Wirtschaftsprüfer, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/112096