Der Online-Chat - die Partnerschaftsvermittlung der Zukunft?

Eine Potenzialanalyse


Seminararbeit, 2005

18 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

INHALT

EINLEITUNG

1. DER CHAT ALS KOMMUNIKATIONSINSTANZ
1.1 Kommunikation im multimedialen Zeitalter
1.2 Chatten – Kommunikation in „Echtzeit“
1.3 Chat-Formen
1.4 Chatspezifische Kommunikationsmerkmale
1.4.1. Synchronität
1.4.2. Interaktivität
1.4.3. Schnelligkeit und Flüchtigkeit
1.4.4. Anonymität
1.4.5. Fehlen non-verbaler Merkmale
1.4.6. Verbindlichkeit und Unverbindlichkeit

2. DER CHAT ALS INSTRUMENT DER PARTNERSUCHE
2.1 Virtuelle Welt und echte Liebe?
2.2 Von der Theorie zur Empirie – über die Praxis
2.2.1. Brym/Lenton, Februar 2001.
2.2.2. Eberle, Februar 2003
2.2.3. TNS Emnid, Februar 2003
2.2.4. Innofakt, Oktober 2003
2.2.5. Bühler-Ilieva, September 2004
2.2.6. Parship, Februar 2005
2.2.7. University of Bath, Februar 2005
2.2.8. Parship.ch, Juli 2005
2.3 Partnersuche im Chat – eine Stärken-/Schwächenbetrachtung
2.3.1. Synchronität und Interaktivität
2.3.2. Anonymität und Unverbindlichkeit
2.3.3. Fehlen non-verbaler Merkmale
2.3.4. Schnelligkeit und Flüchtigkeit
2.3.5. Identitätsund Beziehungsverlust

3. FAZIT

QUELLEN

EINLEITUNG

Das Internet hat die moderne Gesellschaft verändert – daran besteht kein Zweifel. Die globale Vernetzung hat nahezu alle Lebensbereiche beeinflusst, sei es auf professioneller oder privater Ebene. So erscheint es kaum verwunderlich, dass der Cyberspace auch bei der Partnersuche offenbar immer mehr Bedeutung erlangt. Erfahrungsberichte von Paaren, deren Beziehung im Internet ihren Ausgangspunkt genommen hat, sind auf einschlägigen Websites, aber auch in Freundeskreisen und den Medien längst keine Seltenheit mehr. Die Nutzer kommunikativer Angebote im Internet sehen – im Gegensatz zu jenen, die solche Dienste nicht in Anspruch nehmen – das Internet häufig als das Medium der Zukunft für die Partnersuche. Konventionelle Partnervermittlungen dagegen klagen über rückläufige Umsätze.

Besondere Bedeutung in der modernen Partnersuche wird dem Online-Chat zugesprochen, da er aufgrund spezifischer kommunikativer Merkmale für die Kontaktaufnahme in der virtuellen Welt als besonders geeignet erscheint. Dennoch wird dieser Form der Partnersuche aufgrund derselben Faktoren noch immer häufig mit Skepsis, Zweifeln oder Ablehnung begegnet. Welche Faktoren sind das, und inwiefern qualifizieren oder disqualifizieren sie den Chat für diesen kommunikativen Zweck? Welche Rolle spielt der Chat in der modernen Partnersuche tatsächlich, und welches Potenzial ergibt sich möglicherweise daraus?

Diesen Fragen geht die vorliegende Arbeit nach. Dazu bietet der erste Teil einen einführenden Überblick in die funktionellen Abläufe und konstitutiven Merkmale des Chat als Kommunikationsinstanz.

Im zweiten Teil werden zunächst die besonderen Mechanismen der Beziehungsentwicklung im Internet erläutert. Dieser theoretischen Annäherung wird ein Überblick über die empirischen Befunde verschiedener jünger Studien nachgestellt.

Auf der Grundlage der allgemeinen Funktionsweisen des Chat und der empirischen Befunde wird abschließend in Form einer Stärken-/Schwächenbetrachtung der Versuch einer kommunikativen Verortung des Chat als Instrument der Partnersuche unternommen.

1. DER CHAT ALS KOMMUNIKATIONSINSTANZ

1.1 Kommunikation im multimedialen Zeitalter

Psychologen untersuchen Phänomene der Selbstdarstellung, Identitätssuche und Konstruktion von Wirklichkeit. Die Sprachwissenschaft erfasst Eigenheiten des so genannten „Cyberslang“ und dessen linguistische Auswirkungen, während Betriebswissenschaftler sich dieser Kommunikationsform mit marketingund erfolgsstrategischem Interesse zuwenden. Pädagogen sorgen sich um die Folgen der Online-Nutzung für die Entwicklung der Jugend, und den größten Herausforderungen sehen sich die Kommunikationswissenschaftler als Vertreter einer

Querschnittsdisziplin gegenüber.1

1.2 Chatten – Kommunikation in „Echtzeit“

Der Begriff „Chat“ ist aus dem Englischen übernommen worden und kann mit „Plausch, Schwätzchen“ übersetzt werden. Im Deutschen wird der Begriff vornehmlich im Zusammenhang mit internet-basierter Kommunikation verwendet. Computervermittelte Kommunikation kann asynchron, d. h. zeitversetzt, oder synchron konzipiert sein. Der Chat kann der synchronen Kommunikation zugeordnet werden, da hierbei zwei oder mehr Gesprächsteilnehmer „im Gegensatz zu den asynchronen, bzw. zeitversetzten Kommunikationsformen während der Kommunikationssituation präsent sind und spontan aufeinander reagieren können. […] Die geschriebenen Zeilen erscheinen auf dem Monitor der jeweiligen Empfängerseite, welche direkt eine Antwort auf die Nachricht verfassen und absenden kann.“2

Der Computer stellt dabei eine Vermittlungsinstanz dar, die den Austausch technisch ermöglicht. So sprechen denn auch Höflich/Gebhardt vom Computer als einem „Kontaktund Beziehungsmedium“.3 Als internet-basiertem Dienst liegt dem Chat das so genannte Client- Server-Prinzip zu Grunde: „Server bzw. Hosts sind Rechner, auf deren Inhalte andere Computer – die „Clients – per Internet zugreifen können.“4 Die Gesprächsstruktur selbst entspricht in ihren Grundzügen der einer face-to-face-Kommunikation, d. h. auf Fragen folgen Antworten. Sie kann also als direkt, wechselseitig und synchron bezeichnet werden. Der wesentliche Unterschied besteht in der Verwendung von Schriftsprache an Stelle von Sprechsprache.5

Die folgende Grafik verdeutlicht die grundlegende Kommunikationsstruktur beim Chatten.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1.3 Chat-Formen

Im Internet werden heute die unterschiedlichsten Chatformen angeboten, die sich beispielsweise nach Themengebieten kategorisieren lassen. Aber auch hinsichtlich der Benutzung sind erhebliche Unterschiede festzustellen. Gruppen-Chats mit freiem Zugang sind dabei ebenso anzutreffen wie „private“ – nicht öffentliche – Chats zwischen zwei oder mehr Usern, zu denen der Zutritt nur nach Einladung eines der Teilnehmer möglich ist. Mancher Chat wartet mit einem Moderator auf, der System in die zuweilen unübersichtliche Kommunikation bringen soll, oder mit Supervisor, der besondere Rechte innerhalb der Kommunikation hat (beispielsweise das Sperren eines allgemein unerwünschten oder auffällig gewordenen Users).

Die meisten Online-Dating-Plattformen und kommerziellen Partneragenturen vereinen verschiedene Chat-Formen und -Funktionen in sich. So basieren z. B. die Agenturen zumeist auf einem privaten Zweier-Channel in Kombination mit Zusatzfunktionen wie Suchmasken, persönlichem Profil oder E-mail. Chat-Varianten werden je nach der mit dem Chatten verbundenen Kommunikationsabsicht ausgewählt. Eine detaillierte Gegenüberstellung der gängigsten Chat-Varianten wie dem Internet Relay Chat, Web-Chats, Chat-Angeboten von Online-Diensten, ICQ, dem Microsoft Chat und dem Visual Virtual Chat hinsichtlich technischer, organisatorischer und kommunikativer Merkmale findet sich z. B. bei Andreas Eberle.6

1.4 Chatspezifische Kommunikationsmerkmale

Aufgrund der besonderen Kommunikationssituation ist die Gesprächsstruktur im Chat durch eine Reihe spezifischer Merkmale gekennzeichnet. Da die Funktionalität des Chats als Instrument der Partnersuche durch diese Kommunikationsmerkmale wesentlich beeinflusst wird, werden sie im Folgenden skizziert.

1.4.1. Synchronität

Durch die unmittelbare Übertragung von Textnachrichten zwischen Chat-Teilnehmern entsteht Kommunikation nahezu in Echtzeit. Eine zeitaufwändige Zwischenspeicherung entfällt. Zu leichten Zeitverzögerungen kann es allerdings aus technischen Gründen, z. B. bei Server- überlastung aufgrund zeitweilig starker Frequentierung, kommen. Ein Textbeitrag wird nach Abschicken durch den Sender als Ganzes übermittelt, einzelne Tippbewegungen sind von den

Kommunikationspartnern nicht zu verfolgen.7

1.4.2. Interaktivität

Erfolgreiche Kommunikation im Chat entsteht nur durch die Teilnahme von mindestens zwei Gesprächspartnern, die interaktiv, d. h. aufeinander bezogen, handeln. Dabei baut die Interaktion auf den Grundlagen interpersonaler face-to-face-Kommunikation auf und schließt damit u. a. das Abwechseln von Sprecherund Hörerrolle, Rückfragen, Einsprüche, wechselseitiges Feedback und die Verwendung nicht-sprachlicher Elemente ein.8 Daneben bieten die meisten Chat-Dienste auch Funktionen an, die auf asychroner Kommunikation basieren, z. B. Briefkästen, deren Inhalt vom Empfänger zeitversetzt abgerufen werden kann.

1.4.3. Schnelligkeit und Flüchtigkeit

Infolge des im Online-Chat dominierenden hohen Tempos nähert sich auch die Gesprächsgeschwindigkeit der der face-to-face-Kommunikation an. Da die i. d. R. in einem Bildschirmfenster erscheinenden Textbeiträge mit dem Hinzutreten neuer Äußerungen ständig nach oben rücken und somit irgendwann aus dem Blickfeld geraten, ist jeder Teilnehmer bestrebt, so schnell wie möglich seine Äußerungen zum Thema beizusteuern. Damit werden Tippgeschwindigkeit, Konzentrationsfähigkeit, Reaktionsschnelligkeit und vor allem Schlagfertigkeit entscheidende „Schlüsselqualifikationen“ für den engagierten Chatter. Die dem Chat eigene Flüchtigkeit zieht jedoch unweigerlich Orthografieund Tippfehler und die häufige Verwendung von Abkürzungen nach sich.

[...]


1 vgl. Eberle2003, S.15 f.

2 Höflich/Gebhardt2001,S.27

3 Höflich/Gebhardt2001, S. 24

4 Eberle2003,S. 20

5 vgl. Eberle S.28 f.

6 vgl. Eberle2003,S.41-47

7 vgl. Eberle2003,S.35

8 vgl. Eberle2003,S.36

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Der Online-Chat - die Partnerschaftsvermittlung der Zukunft?
Untertitel
Eine Potenzialanalyse
Hochschule
Freie Universität Berlin
Veranstaltung
Seminar Online-Dienste
Note
1,7
Autor
Jahr
2005
Seiten
18
Katalognummer
V112114
ISBN (eBook)
9783640122233
ISBN (Buch)
9783640123575
Dateigröße
509 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Online-Chat, Partnerschaftsvermittlung, Zukunft, Seminar, Online-Dienste
Arbeit zitieren
Doreen Herok (Autor), 2005, Der Online-Chat - die Partnerschaftsvermittlung der Zukunft? , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/112114

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