Soziale Ungleichheit, Konflikt und Umverteilungsmassnahmen


Seminararbeit, 2003

40 Seiten, Note: Gut


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Thematik und Fragestellungen

3. Soziale Ungleichheit und ihre Auswirkung auf Konflikte
3.1 Der Begriff soziale Ungleichheit
3.2 Gründe für ungleiche Verteilung
3.3 Theoretische Ansätze zu sozialer Ungleichheit und Konflikt
3.3.1 Der sozialökologische Ansatz
3.3.2 Der Strukturfunktionalismus
3.3.3 Die Machttheorie
3.3.4 Die Anomietheorie
3.3.5 Die Deprivationstheorie
3.4 Empirische Befunde zu sozialer Ungleichheit und Konflikt

4. Massnahmen der Umverteilung und ihre Auswirkungen auf Konflikte
4.1 Der Begriff Umverteilung
4.2 Die gerechte Einkommensverteilung
4.3 Umverteilungsmassnahmen
4.3.1 Die Besteuerung
4.3.2 Die Vermögensumverteilung
4.3.3 Umverteilung von Vermögenszuwachs
4.4 Zusammenhang von Umverteilung und Konflikt

5. Ungleichheit und Umverteilung im Kontext mit der Wirtschaft
5.1 Was bedeutet soziale Ungleichheit und Konflikt für die Wirtschaft?
5.2 Welche Auswirkungen hat Umverteilung auf die Wirtschaft?
5.2.1 Senkung der volkswirtschaftlichen Leistungsfähigkeit
5.2.2 Steuerflucht

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Berechnung des verfügbaren Einkommens

1. Einleitung

In unserer Arbeit behandeln wir zwei Teilthemen.

Einerseits ist dies das Thema der sozialen Ungleichheit und deren Einfluss auf Konflikte in der Gesellschaft. Andererseits erläutern wir, was Umverteilungsmassnahmen bewirken können, um Konflikte zu vermindern. Diese beiden Betrachtungsweisen führen schliesslich zum dritten Aspekt der Arbeit. Dieser ist der Wirtschaftswachstum Wir wollen aufzeigen, welchen Einfluss einerseits soziale Ungleichheit und andererseits Umverteilungsmassnahmen in Zusammenhang mit Konflikten für den Wirtschaftswachstum bedeuten. Dazu werden wir positive und negative Effekte der beiden Determinanten diskutieren.

Wir gliedern unsere Arbeit wie folgt:

Das Kapitel 2 erläutert die Thematik und Zusammenhänge der Arbeit und erklärt, weshalb soziale Ungleichheit, Umverteilung und ihr Einfluss auf Konflikte mit der Wirtschaft zusammenhängen. Dazu gehen wir auf zwei Fragestellungen ein.

Die erste Fragestellung diskutiert den Aspekt der sozialen Ungleichheit, dem Zusammenhang mit Konflikt und schliesslich dem Wirtschaftswachstum.

Die zweite Fragestellung behandelt das Thema, ob und welche Umverteilungsmass-nahmen Konflikte mindern können und somit das Wirtschaftswachstum beeinflussen oder andererseits welche Umverteilungsmassnahmen just den Gegeneffekt erzeugen und den Konflikt zwar senken, aber das Wirtschaftswachstum ebenfalls beeinträchtigen. Zusammenfassend enthalten die Fragestellungen folgende Thematiken:

1. Soziale Ungleichheit ergibt mehr Konflikte und mehr Konflikte bedeutet weniger Wirtschaftswachstum.
2. Umverteilung kann einerseits Konflikte mindern, was positiv für die Wirtschaft ist. Andererseits bedeutet Umverteilung, dass es mehr Standortnachteile und somit Steuerflucht geben kann, was wiederum negativ für den Wirtschaftswachstum ist.

Im 3. Kapitel der Arbeit gehen wir auf den Begriff der sozialen Ungleichheit ein. Wir erläutern, was soziale Ungleichheit ist. Des weiteren zeigen wir auf, welchen Einfluss soziale Ungleichheit auf Konflikte in der Gesellschaft hat. Einerseits gehen wir von theoretischen Ansätzen zum Thema Ungleichheit und Konflikt aus und erläutern im empirischen Teil, zu welchen Resultaten einzelne Studien gekommen sind.

Das 4. Kapitel diskutiert anschliessend, was Umverteilung bedeutet und welche Umverteilungsmassnahmen es gibt. Zudem diskutieren wie wiederum den Aspekt, ob durch Umverteilung die soziale Ungleichheit vermindert und somit auch die Konflikte reduziert werden.

Im Kapitel 5 schliesslich geht es um den Zusammenhang der vier Kernbegriffe soziale Ungleichheit, Konflikt, Umverteilung und Wirtschaftswachstum. Nachdem wir in den Kapiteln 3 und 4 aufgezeigt haben, was einerseits Ungleichheit für Konflikt und andererseits Umverteilung für Konflikt bedeutet, wägen wir ab, welchen positiven beziehungsweise negativen Effekte daraus für das Wirtschaftswachstum resultieren. Wir stellen den Aspekt der Ungleichheit und der Umverteilung einander gegenüber, um zu erfahren, was sie einerseits für den Konflikt in der Gesellschaft und somit für den Wirtschaftswachstum bedeuten.

Aus dieser Diskussion ergibt sich das Fazit.

Darin halten wir nochmals die wichtigsten Aussagen und Ansätze der Arbeit fest. Es wird zusammengefasst dargestellt, was einerseits Ungleichheit und andererseits Umverteilung für den Wirtschaftswachstum bedeutet. Schliesslich beenden wir die Arbeit mit einer persönlichen Meinung, welche sich aus der Rechereche zur Thematik ergeben hat.

2. Thematik und Fragestellungen

Wir diskutieren in den folgenden Kapitel zwei Hauptthematiken.

Einerseits ist es die Thematik der sozialen Ungleichheit in der Gesellschaft und anderseits die Wirtschaft und das Wirtschaftswachstum. Wir wollen untersuchen, wie diese beiden Grössen miteinander zusammenhängen.

Um die Thematik einzugrenzen, überlegen wir den Zusammenhang von sozialer Ungleichheit und Wirtschaft an einem weiteren Kriterium. Dies ist der Konflikt.

Einerseits zeigen wir im ersten Teil auf, was soziale Ungleichheit bedeutet und inwiefern es zum gesellschaftlichen Konflikt aufgrund dieser Ungleichheit kommt. Dies erläutern wir anhand fünf Theorien. Diese sind: der sozialökologische Ansatz, der Strukturfunktionalismus, die Machttheorie, die Anomietheorie und die Deprivationstheorie.

Auf diesen Theorien basierend, vergegenwärtigen wir die Problematik sozialer Ungleichheit und Konflikt. Wir zeigen auf, welche Indizien es gibt, dass soziale Ungleichheit zu Konflikt führt und diskutieren nebst den theoretischen Ansätzen empirische Resultate.

Kapitel 4 thematisiert anschliessend den weiteren Zusammenhang sozialer Ungleichheit und Umverteilung. Wir legen dar, was Umverteilung bedeutet, was unter einer gerechten Umverteilung zu verstehen ist und welche Umverteilungsmassnahmen es gibt. Abschliessend diskutieren wir wiederum den Aspekt der Umverteilung in Zusammenhang mit der Grösse Konflikt.

Schliesslich führen wir in Kapitel 5 diese beiden Betrachtungsweisen zusammen, um den Einfluss der beiden Grössen (Ungleichheit und Umverteilung) auf die Wirtschaft darzulegen.

Es interessiert uns, inwiefern soziale Ungleichheit und Konflikt den Wirtschaftswachstum beeinflussen beziehungsweise andererseits, was Umverteilungs-massnahmen in Zusammenhang mit sozialer Ungleichheit und Konflikt bewirken.

Wir kommen demzufolge zu drei zentralen Fragestellungen:

1. Was ist soziale Ungleichheit und wie hängt sie mit Konflikten zusammen?

(Kapitel 3)

2. Inwiefern beeinflussen Umverteilungsmassnahmen die soziale Ungleichheit und somit die Konfliktbereitschaft? (Kapitel 4)

3. Wie beeinflussen soziale Ungleichheit (und somit Konflikt) einerseits und andererseits Umverteilungsmassnahmen die Wirtschaft? (Kapitel 5)

Ziel der Arbeit ist es, die verschiedenen Aspekte aufzuzeigen und miteinander anhand der Konfliktthematik zu vergleichen. Es soll eine Gegenüberstellung von sozialer Ungleichheit und Umverteilung mit den Folgen auf die Wirtschaft dargelegt werden.

3. Soziale Ungleichheit und ihre Auswirkungen auf Konflikte

Dieses Kapitel geht auf den Begriff der sozialen Ungleichheit ein. In diesem Zusammenhang erwähnen wir ebenfalls den Begriffs des sozialen Konfliktes. Das heisst, wir gehen darauf ein, dass durch die soziale Ungleichheit Konflikte entstehen.

Weiter betrachten wir theoretische Ansätze zum Thema sozialer Ungleichheit und Konflikt. Dazu diskutieren wir, welche Theorien sich mit dem Aspekt der sozialen Ungleichheit und dem dadurch ausgelösten Konflikt befassen.

Im dritten Abschnitt gehen wir schliesslich auf empirische Untersuchungen zum Thema ein.

3.1 Der Begriff soziale Ungleichheit

Menschliche Gesellschaften bestehen aus Einzelwesen (Individuen). Diese Einzelwesen unterscheiden sich in diversen Merkmalen. Sie sind heterogen.

Das heisst die Menschen unterscheiden sich einerseits nach äusserlichen Merkmalen (Geschlecht, Hautfarbe, Körpergrösse etc.) und andererseits auch hinsichtlich ihrer psychischen und intellektuellen Leistungsfähigkeit. Die aufgezählten Unterscheidungsmerkmale sind alle natürlicher Art.

Sie zeigen eine natürliche Ungleichheit auf.

Nebst dieser natürlichen Ungleichheit gibt es die soziale Ungleichheit.

Diese bedeutet, dass die einzelnen Menschen über unterschiedlich verteilte Chancen, Macht, Einfluss und Privilegien (hohes Einkommen, Vermögen) verfügen. Nicht allein der einzelne ist sozial ungleich zum anderen, sondern ganze Teile einer Gesellschaft sind verschieden zueinander.

Diese Teile zusammen nennt man Figuration. „ Unter Figuration wird eine mehr oder weniger grosse Anzahl von zusammenlebenden Menschen und deren Form des Zusammenlebens verstanden.“ (Thieme 1998: 128ff) Das heisst, dass sich die einzelnen Individuen zu Gruppen formen und dadurch eine stärkere Position gegenüber den nicht gruppierten Individuen einnehmen können.

Die Zugehörigkeit zu einer Gruppe definiert gleichzeitig die gesellschaftliche Position die ein Individuum hat. Daraus leitet sich das Ansehen ab. Es kommt zu einer bevorzugten Stellung gegenüber anderen Individuen. Dadurch entsteht eine unterschiedliche soziale Gleichheit – eben eine Ungleichheit.

Aus dieser erwähnten Ungleich artigkeit kommt es in der Gesellschaft schliesslich zur Ungleich wertigkeit. Das heisst, die ungleiche Position eines Individuums in der Gesellschaft wird unterschiedlich bewertet. Es kommt zu beispielsweise Macht-, Prestige- und Einkommensunterschieden. Diese Tatsache führt zu einer Zuteilung in verschiedenen Lebenslagen.

Wir halten fest, dass es aufgrund der Ungleichwertigkeit und weniger wegen der Ungleichartigkeit zur gesellschaftlichen Schichtung kommt.

3.2 Gründe für ungleiche Verteilung

Das vorangehende Kapitel zeigte in den Grundzügen auf, was soziale Ungleichheit ist und welche Folgen die Ungleichheit für die Stellung innerhalb einer Gruppe hat.

Nun interessieren uns weitere Gründe, wie es zur sozialen Ungleichheit kommt und welche Auswirkungen sie hat.

Wir haben erläutert, dass eine Gruppierung der Individuen zu einer bevorzugten Stellung (Elite) innerhalb der Gesellschaft führt. Jede einzelne Gruppe dient in bestimmter Weise der Befriedigung der Bedürfnisse und Interessen der ihr angehörenden Individuen.

Wie erwähnt gibt es jedoch innerhalb dieser Gruppen wiederum ein soziales System. „Das soziale System ist zielgerichtet, wobei die Zielfestlegung, idealtypologisch formuliert, entweder durch gemeinsamen Beschluss aller Gruppenmitglieder (solidarischer Gruppentypus) oder durch Proklamation durch eine herrschende Elite (diktatorischer und totalitärer Gruppentypus) erfolgen kann“. (Alisjahbana 1966: 77)

Im Fall des totalitären Gruppentypus muss es der herrschenden Elite gelingen, den übrigen Gruppenmitgliedern ihre Ziele glaubhaft zu machen und sie zu überzeugen. Sonst zerbricht die Gruppensolidarität. Es kommt zum Konflikt.

Da die einzelnen Individuen über eine unterschiedliche Position verfügen, argumentieren sie ebenfalls aus anderen Blickwinkeln. Die Elite sieht nicht dieselbe Problematik wie ein Angehöriger der unteren Schicht.

Zudem verfügen nicht alle Individuen über dasselbe Leistungsvermögen.

Argumentieren wir aus der Perspektive des Lohns (allgemeiner formuliert: was erhält ein Individuum für eine erbrachte Leistung) über die ungleiche Verteilung, gibt es nicht für jede Position diesselbe Entlöhnung. Dieser Umstand kommt „dem arbeitsteiligen Produktionsprozess entgegen, weil dort auch unterschiedliche Anforderungen gestellt werden“ (Olten 1998: 168).

Da es keinen objektiven und allgemein anerkannten Massstab gibt, was denn eine „gerechte“ Verteilung ist, stossen wir „mit dem Problem, den ‚gerechten Lohn’ bestimmen zu wollen, an eine objektive Unmöglichkeit“ (Olten 1998: 169). Des weiteren kann sich nicht jedes Wirtschaftssubjekt am Produktionsprozess beteiligen. Dadurch kommt es wieder zu einer ungleichen Verteilung zwischen den einzelnen Individuen.

Wir halten weiter fest, dass die Produktionsfaktoren Arbeit und Kapital eine unterschiedliche Struktur aufweisen (vgl. Olten 1998: 169):

- Arbeit ist auf den Menschen bezogen. Die persönlich erbrachte Leistung hängt vom ausführenden Individuum ab, ist also individuell verschieden. Arbeit ist nicht jederzeit und überall verfügbar und nur bedingt vererbbar und vermehrbar.
- Kapital ist eine „Sache oder ein Recht“ die/das jederzeit nach belieben, unter der Voraussetzung der Einbezugnahme von ökonomischen Kalkül, eingesetzt werden kann. Kapital ist im Gegensatz zu Arbeit vermehrbar und vererbbar. Ein Punkt, der für die Vermögensverteilung entscheidend ist. Die Unterschiede der Einkommens- und Vermögensverteilung in einer Gesellschaft vergrössern sich zwangsläufig, wenn nicht jeder die gleichen Chancen und Möglichkeiten hat, Kapital zu bilden und zu besitzen.

Damit hängt ein weiterer wegleitender Faktor zusammen: Je höher das Einkommen ist, desto mehr kann gespart werden.

Die somit angehäuften Ersparnisse können nun Quelle von zukünftigem Einkommen bedeuten. Dieser Kreislauf bewirkt, dass sich der Reichtum der Elite vermehrt, währenddem die sozial weniger gut Gestellten über diese Chance überhaupt nicht erst verfügen.

Bartling/Luzius (2000) stimmen Olten (1998) bei der Benennung der individuell angeborenen Eigenschaften (soziale Kontakte, Gruppenzugehörigkeit, Eigentum an ertragsbringendem Vermögen) zu. Sie ergänzen die Möglichkeit der Zufallsereignisse. Diese sind „subjektiv unvorhersehbare und nicht zu beeinflussende Umstände, welche die Einkommenerziehlung positiv oder negativ beeinflussen“ (Bartling / Luzius 2000: 195).

Die erwähnten Umstände (ungleiche Stellung in der Gesellschaft, ungleiche Verteilung) führen dazu, dass es zu Konflikten zwischen den einzelnen Schichten kommt. Dies verkompliziert es, unter gemeinsamen Werten eine einheitliche, organisierte Gemeinschaft zu führen.

Auf diese Problematik auf ihre Gründe gehen wir im folgenden Kapitel, unter Betrachtung verschiedener theoretischer Ansätze, ein.

3.3 Theoretische Ansätze

3.3.1 Der sozialökologische Ansatz

Bei dieser Theorie steht der Begriff der Sozialen Desorganisation im Mittelpunkt. Soziale Desorganisation ist ein Ausdruck der Unfähigkeit von Bewohnern eines Stadtteils, gemeinsame Werte zu erzeugen und ihr Territorium durch soziale und staatliche Einrichtungen oder Institutionen sozial zu kontrollieren. Unterschiedliche exogene Ursachen, wie ein tiefer wirtschaftlicher Status, ethnische Heterogenität, hohe residentielle Mobilität, hohe Fluktuationsraten, unvollständige Familien und Urbanisierung schwächen die räumliche Organisationsfähigkeit. Diese Bedingungen werden wiederum vom niedrigen sozioökonomischen Status eines Stadtteils oder Quartiers negativ beeinflusst (Kaim zitiert nach Häussermann 1998: 73 f.)

Exogene Faktoren" sind solche, die durch äussere Ursachen bedingt sind, wie beispielsweise ethnische Heterogenität, residentielle Mobilität, tiefer wirtschaftlicher Status und Urbanisierung.

Unter Endogenen Faktoren versteht man solche, die durch innere Ursachen bedingt sind, wie z. B. Bildung, Moral und Ethik.

Obwohl der "klassische sozialökologische Ansatz" nicht direkt den Begriff der endogenen Faktoren benennt, wird von diesen ebenfalls ausgegangen, beispielsweise kann ein tiefer wirtschaftlicher Status mit niedriger Bildung einhergehen.

Wie man an diesem Beispiel sieht, beeinflussen endogene Faktoren oftmals exogene Faktoren, wie auch umgekehrt. Deshalb wird in den Erklärungen nicht nur auf die exogenen, sondern auch auf die endogenen Faktoren eingegangen.

Diese sind es schliesslich, welche die exogenen Faktoren beeinflussen. Wiederum können wir mit einer Art ungleichwertigem Denken oder Verhalten argumentieren bei den exogenen Faktoren. Deshalb machen diese die soziale Schichtung aus. Sie bestimmen über ein gesellschaftliches Zusammenleben mit mehr oder weniger Konflikten.

3.3.2 Der Strukturfunktionalismus

Wir betrachten diese Aussage nun allgemeiner am theoretischen Ansatz des Strukturfunktionalismus (vgl. Parsons/Davis/Moore,1945).

Diese Theorie besagt, dass die Bedürfnisse der Gesamtgesellschaft eine Positionsstruktur zur Folge haben. Durch diese Positionsverteilung kommt es, wie bereits unter 3.1 erwähnt, zur ungleichen Verteilung von Prestige und aufgrund dessen zur unterschiedlichen Belohnung für eine Tat. Dies ist nach dem Strukturfunktionalismus eine evolutionäre Universalie (vgl. Parsons, 1945).

Das heisst, diese unterschiedliche Schichtung entsteht spontan an verschiedenen Orten menschlicher Gesellschaft. Nun verschaffen diese unterschiedlichen Schichten jedoch einen unterschiedlichen Wettbewerbsvorteil, was eben wiederum zum Konflikt führen kann.

3.3.3 Die Machttheorie

Diese Tatsache führt uns zum Stichwort Macht und somit zur Machttheorie (vgl. Lenksi 1966). Die Machtfunktion eines Individuums führt zu unterschiedlichen Privilegien und dadurch zu unterschiedlichem Prestigeeinfluss. Die Macht wird durch jene gehalten, die über mehr verfügen als andere. Sie wird repräsentiert von den Besitzern beispielsweise knapper wirtschaftlicher Güter, weil diese etwas besitzen, was andere nicht haben und dadurch dominieren und bestimmen können.

Lenski (1966) argumentiert, dass Prestige allein keinen Stellenwert besitzt, wohl aber wird es bestimmt durch Macht und Privilegien eines Individuums.

Wir halten fest, dass alle drei erwähnten Theorien (der klassische-sozialökologische Ansatz, der Strukturfunkitonalismus und die Machttheorie) schliesslich zu einem Schluss kommen beziehungsweise eine Problematik, wenn auch indirekt, enthalten. Nämlich, dass eine benachteiligte Soziallage (wie in den Theorien von verschiedenen Blickwinkeln beschrieben) einen gewissen Druck zum kriminellen Verhalten ausübt. Kriminalität oder allgemein ausgedrückt, Konflikt lässt sich als Reaktion auf gesellschaftliche Versagungen, Benachteiligungen oder allgemein ausgedrückt auf ungleiche Verteilung von Gütern deuten.

[...]

Ende der Leseprobe aus 40 Seiten

Details

Titel
Soziale Ungleichheit, Konflikt und Umverteilungsmassnahmen
Hochschule
Universität Zürich  (Soziologisches Institut)
Veranstaltung
Seminar: Soziale Ungleichheiten. Determinanten und Konsequenzen
Note
Gut
Autor
Jahr
2003
Seiten
40
Katalognummer
V11212
ISBN (eBook)
9783638174329
Dateigröße
649 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Umverteilung, Einkommensumverteilung, Konflikt, Besteuerung, Ungleichheit
Arbeit zitieren
Dario Bernardi (Autor), 2003, Soziale Ungleichheit, Konflikt und Umverteilungsmassnahmen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/11212

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