Depressive Persönlichkeitsstörung

inkl. Studie zur Evaluation der deutschen DIPS-Version


Hausarbeit, 2008
11 Seiten, Note: 1,0

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-Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Geschichte der depressiven Persönlichkeitsstörung
2.1 Modifizierung des Konzeptes von Schneider durch Akiskal
2.2 Der psychodynamische Ansatz

3 Persönlichkeitsstil und Persönlichkeitsstörung
3.1 Persönlichkeitstil
3.2 Persönlichkeitsstörung

4 Verschiedene Konzepte und Ansichten der depressiven Persönlichkeitsstörung
4.1 Problem der frühen klinischen Konzepte
4.2 Tellenbachs Konzept des Typus Melancholicus
4.3 Typus Melancholicus: prämorbide Persönlichkeit oder Persönlichkeitsstörung?
4.4 Sichtweise P. Fiedlers: Persönlichkeitsstörung
4.5 Akiskals konstitutionsbedingte affektive Temperamente
4.5.1 Interpersonelle Merkmale von Menschen mit depressiver Temperamentausstattung

5 Diagnosesysteme
5.1 D iagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders (DSM)
5.2 International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems (ICD)

6 Entstehung und Aufrechterhaltung der depressiven Persönlichkeitsstörung
6.1 Sichtweise von Millon und Davis

7 Aufrechterhaltung der depressiven Persönlichkeit

8 Behandlung der depressiven Persönlichkeitsstörung

9 Studie: Zur Erfassung der depressiven Persönlichkeitsstörung
9.1 Messinstrumente
9.2 Ziel der Studie
9.3 Studiendesign
9.4 Beschreibung der Stichprobe
9.5 Erhebungsinstrumente
9.6 Statistische Analysen
9.7 Ergebnisse
9.7.1 Itemcharakteristika
9.7. 2 Interne Konsistenz
9.7. 3 Interraterreliabilität
9.7.4 Validität

10 Diskussion

11 Ausblick für zukünftige Forschungsarbeiten

1 Einleitung

Die vorliegende Arbeit beinhaltet die Betrachtung der depressiven Persönlichkeitsstörung. Es werden Punkte der Geschichte der depressiven Persönlichkeitsstörung aufgegriffen, um die lange Tradition dieses Konzeptes zu beschreiben. Weiterhin werden unterschiedliche Ansichten und Konzepte über die depressive Persönlichkeitsstörung vorgestellt. Gegenübergestellt wird auch der nicht-pathologische Persönlichkeitsstil der Persönlichkeitsstörung. Des weiteren wird auf die Klassifikation im DSM und im ICD eingegangen und es werden verschiedene theoretische Auffassungen bezogen auf die Entstehung und Aufrechterhaltung der depressiven Persönlichkeitsstörung beleuchtet.

Der letzte Abschnitt der Arbeit befasst sich darüber hinaus mit einer Studie von D. Victor aus dem Jahr

2006, in deren Mittelpunkt die Validisierung einer deutschen Version des diagnostischen Interviews für die depressive Persönlichkeit (DID) steht.

2 Geschichte der depressiven Persönlichkeitsstörung:

Eine Vielzahl von Autoren sehen den Beginn der langen Tradition des Konzeptes der depressiven Persönlichkeit bei Hippokrates und Aristoteles, die u.a. den schwarzgalligen, d.h. melancholischen Persönlichkeitstypus beschrieben haben. Von den Temperamtseigenschaften wurde angenommen, dass sie für schwere melancholische Episoden prädisponieren. Dieses wurde aber nicht vollständig als pathologisch angesehen.

Aretaeus war der erste, der die depressive Symptomatik nicht auf Körpersäfte zurückführte, sondern eine rein psychische Entstehung angenommen hat.

1909 tauchte die depressive Persönlichkeit bei Kraepelin wieder auf. Er sah in der depressiven Veranla-gung einen andauernden schwermütigen emotionalen Stress bei allen Lebenserfahrungen. Kraepelin hielt diese Persönlichkeit für eine mildere, traid-artige Variante von pathologischen Stimmungsstör-ungen, die die Betroffenen für schwere depressive oder manische Phasen prädisponierte. Seiner Beschreibung nach sind die Personen stets schwermütig, freudlos, ängstlich, hauptsächlich depressiv, mutlos und verzweifelt. Weiterhin nahm er sie als ernsthaft, belastet, sich selbst Vorwürfe machend, sich selbst leugnend und mit mangelndem Selbstvertrauen war. Krapelin war der Meinung, dass das depressive Temperament vererbt ist, sich erstmals in der Adoleszenz oder zu Beginn des Erwachsen-seins zeigt und ab da für das ganze Leben kennzeichnend bleibt.

1950 beschrieb Kurt Schneider den Persönlichkeitstyp der depressiven Persönlichkeit („depressive Psychopathen“) wie folgt:

- Schwermütig, pessimistisch oder zumindest skeptisch, sorgenvoll, pflicht-schuldig und voller Selbstzweifel, sich selbst abwertend.

Die Vergangenheit wird von Betroffenen als wertlos angesehen, die Zukunft dagegen als drohend. Schneider war der Meinung, dass die depressive Persönlichkeit Berührungspunkte mit normalen Persönlichkeitszügen und mit einer Persönlichkeitsstörung hat. Er war der Ansicht, dass die depressive Orientierung während des gesamten Lebens anhalten könnte und beschrieb den depressiven Charakter im Rahmen der Charakterentwicklung.

2.1 Modifizierung des Konzeptes von Schneider durch Akiskal

Akiskal teilte seine Kriterien in 7 Gruppen ein, wobei mindestens 5 Gruppen von Merkmalen auftreten sollten, damit die Diagnose der depressiven Persönlichkeitsstörung möglich ist:

1=ruhig introvertiert, passiv nicht bestimmend
2=düster pessimistisch, ernst, nicht fähig zu Spaß
3=selbstkritisch, selbst-vorwurfsvoll, selbstabwertend
4=skeptisch, kritisch gegenüber anderen, schwer zufriedenzustellen
5=gewissenhaft, verantwortungsvoll, selbstdisziplinierend
6=grüblerisch, Tendenz zum Sorgen
7=eingenommen durch negative Ereignisse, Gefühle der Unzulänglichkeit und persönliche Fehler

2.2 Der psychodynamische Ansatz

Die Betroffenen sind negativ, pessimistisch, übermäßig ernst in der Orientierung gegenüber Erfahr-ungen und Interaktionen mit anderen und der Welt. Dieser Interaktionsstil scheint in frühem Objekt-verlust oder Frustration zu liegen, wobei der Ärger gegenüber dem Objekt unterdrückt und gegen das Selbst gerichtet wird. Diese Annahme basiert auf Freuds Beschreibung der Melancholie. Das unter-drückte Muster der Frustration und Enttäuschung wird in vielen Situationen aktiviert, insbesondere in solchen, in denen ein Verlust oder eine Frustration stattfinden.

3 Persönlichkeitsstil und Persönlichkeitsstörung

3.1 Persönlichkeitsstil

Der Persönlichkeitsstil beinhaltet im Übergang zur Normalität eine passive Grundhaltung, ein ge-dämpftes Erleben positiver Anreize und eine eher beschauliche Lebenseinstellung. Es bestehen Über-gänge zum gewissenhaft- sorgfältigen Persönlichkeitsstil(Typus Melancholicus) und es gibt Kriterien-überlappungen mit der negativistischen Persönlichkeit.

3.2 Persönlichkeitsstörung

Die Persönlichkeitsstörung ist gekennzeichnet durch häufige Niedergeschlagenheit, Gefühle der Wert-losigkeit und Unzulänglichkeit. Die Betroffenen leiden unter Schuldgefühlen und sind nur selten in der Lage, positive Emotionen zu empfinden, weshalb Selbstbeschuldigungen und ein sich selbst herab-setzendes Selbstbild vorhanden sein könnte.

4 Verschiedene Konzepte und Ansichten der depressiven Persönlichkeitsstörung

4.1 Problem der frühen klinischen Konzepte

Es bestand die Unsicherheit, ob es sich um primäre, störungsprädisponierende Persönlichkeitsmerk-male oder um sekundäre Begleit-und Folgeauffälligkeiten bzw. Persönlichkeitsänderungen durch mono-polare oder bipolare affektive Störungen handelte.

Die Ausarbeitungen von Tellenbach (1961) und unabhängig davon, die von Dietrich(1961) stellten die konzeptuellen Voraussetzung bereit, um mögliche Persönlichkeitseigenarten bei Patienten mit unipolar depressiven Störungen empirisch zu untersuchen. Die Vorschläge haben sie aus persönlichen Befragungen der Patienten in symptomfreien Intervallen, aus Befragungen von Angehörigen(Tellenbach) und aus der Auswertung der Krankengeschichte(Dietrich) gewonnen.

4.2 Tellenbachs Konzept des Typus Melancholicus

Tellenbach schliesst mit seinem Konzept an die Meinung der Psychoanalyse an, die auf wiederholt zwanghafte Züge in der Charakterstruktur der Patienten hingewiesen hat. So stellt das Typus-Melancholicus-Konzept einen persönlichkeitsbedingten Charakterzug der„Festgelegtheit auf Ordentlichkeit“ in den Mittelpunkt.

Der Typus Melancholicus beinhaltet ein bestimmtes Muster von Persönlichkeitszügen innerhalb des nicht-pathologischen Rahmens. Nach Tellenbach handelt es sich dabei um einen prädisponierenden Faktor für das Entstehen einer endogenen Depression.

Das Konzept des Typus-Melancholicus beinhaltet drei Unterpunkte:

Die Ordentlichkeit im Arbeitsleben

Pflichtbewusstsein, Fleiß, Gewissenhaftigkeit, Solidarität

Der Melancholiker will viel leisten –und das Viele regelmäßig.

„Festgelegtsein-in“ und „Festgehaltenwerden-von“ einer Ordnung und „Nicht-abschalten-

können“

Trotzdem: Wertlosigkeitsgefühl

Die Ordentlichkeit in mitmenschlichen Bezügen

Freigehalten von Konflikten, insbesondere von Schuldhaftem

Loyalität, Treue, Hilfsbereitschaft, Dienstwilligkeit

„Sein-für-andere“, „Leisten-für-andere“

Angst vor dem Alleinsein

Die Gewissenhaftigkeit des melancholischen Typus

Überdurchschnittliche Empfindlichkeit des Gewissens

Weniger Selbstgerechtigkeit als viel mehr Angst, in Schuld zu geraten

Gelingt es nicht, kann eine Depression ausgelöst werden

Eine äußere Struktur aufrecht halten, die Sicherheit verspricht

4.3 Typus Melancholicus: prämorbide Persönlichkeit oder Persönlichkeitsstörung?

Der Typus Melancholicus zeichnet sich außerhalb der depressiven Episode gerade nicht durch depres-sive Symptome aus, sondern durch folgende Eigenschaften:

- ruhig, introvertiert, passiv, wenig durchsetzungsfähig, gewissenhaft, pflichtbewusst, selbstdizipliniert

In den Ausarbeitungen zur Typus-Melancholicus- Konzeption wird von Tellenbach bestritten, dass es sich bei den Persönlichkeitsvarianten um Persönlichkeitsstörungen handelt. Er beschreibt den Typus Melan-cholicus als eine Vereinseitigung der Persönlichkeitsentwicklung im Normalbereich. Aber diese Sicht-weise unterscheidet sich nicht von jener, die auch für andere Persönlichkeitsstörungen vertreten wird.

4.4 Sichtweise P. Fiedlers: Persönlichkeitsstörung

„… und impliziert, dass es sich bei den (noch) nicht normalabweichenden Interaktionsmustern persönlich-keitsgestörter Menschen im Kern um Persönliche Kompetenzen handelt, die nur im Kontext bestim-mter zwischenmenschlicher und sozialer Erschwernisse, in denen sie als Kompetenzen versagen oder nicht mehr hinreichen, als „Sicherheitsoperationen“, „Selbstschutztendenzen“, „Abwehrstrategien“ usw. extremisieren

( Fiedler, Peter, Persönlichkeitsstörungen Auflage 2001/S. 36)

Insofern kann die Hypothese vertreten und untersucht werden, ob es sich bei der Depression nicht sehr wohl um das Ergebnis einer dekompensierten Persönlichkeitsvariante oder Persönlichkeitsstörung handelt.

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Details

Titel
Depressive Persönlichkeitsstörung
Untertitel
inkl. Studie zur Evaluation der deutschen DIPS-Version
Hochschule
Technische Universität Carolo-Wilhelmina zu Braunschweig  (Psychologisches Institut)
Veranstaltung
Seminar Persönlichkeitsstörungen
Note
1,0
Autor
Jahr
2008
Seiten
11
Katalognummer
V112147
Dateigröße
476 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Anmerkung zur Benotung der Arbeit vom Dozenten: inhaltlich eine sehr gute Arbeit, tolle historische Darstellung der Diagnosen-/Störungsentwicklung, guter Aufbau.
Schlagworte
Depressive, Persönlichkeitsstörung, Seminar, Persönlichkeitsstörungen
Arbeit zitieren
Stefanie Kowalczyk (Autor), 2008, Depressive Persönlichkeitsstörung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/112147

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