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Jazz in Deutschland

Blütezeit und Tiefpunkte in der Zeit von 1919 – 1945

Title: Jazz in Deutschland

Intermediate Diploma Thesis , 2008 , 32 Pages , Grade: 1,6

Autor:in: Markus Lütticke (Author)

Musicology - Miscellaneous
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»Sie wollen keine Walzer, weder langsame noch schnelle. Das Publikum, namentlich die jungen modernen Leute, wollen ausländische Musik und Schlager, 'heiße Foxtrotts' und Swing hören!«
Diese Aussage tätigte Tanzlehrer Fred Dieselhorst 1939 – in einem Jahr, als der Nationalsozialismus seine Blütezeit erreichte.

In dieser Ausarbeitung möchte ich mich mit der Jazzmusik im Nationalsozialismus auseinandersetzen - einer Musikform, die seit ihrer Entstehung Anfang des 20. Jahrhunderts schon immer mit Boykotten und Missachtung zu kämpfen hatte. Nichtsdestotrotz hatte sie auch viele Anhänger und wurde eine wichtige und lukrative Musikform für die Musikindustrie. Den Ursprung der Aversionen gegen Jazzmusik findet man allerdings in Deutschland schon in der Weimarer Republik, weshalb ich auch auf diese Epoche eingehen werde.

Der Swing als eine besondere Unterform des Jazz war wohl die beliebteste Form und setzte sich Mitte der 30er Jahre auch in Deutschland als Musikstil, Tanz und auch als Widerstandsbewegung durch. So kann man behaupten, dass Swingmusik Jazz ist, welcher Erfolg bei der breiten Masse genoss. Diese These wird durch eine Definition von Wolfram Knauer bestätigt:

»Der Jazz ist eine aus dem Zusammentreffen afrikanischer und afro-amerikanischer sowie europäischer Musiktraditionen entstandene Musik vornehmlich improvisatorischen Charakters. Seine direkten Wurzeln liegen in geistlichen und säkularen Musizierformen des 19. Jahrhunderts. Der Jazz entwickelte sich im 20. Jahrhundert von einer im Brauchtum verwurzelten mehr oder weniger regional bedeutsamen Musik (New Orleans) über seine Funktion als Popularmusik (Swing) hin zu einer Kunstmusik mit mehr oder weniger breitem Publikumsverständnis (Bebop, Free Jazz). Die unterschiedlichen Stilrichtungen innerhalb dieser Entwicklung weisen einzelne musikalische und ästhetische Charakteristika auf, die sie als Stile des Jazz identifizieren. Solche Charakteristika sind beispielsweise: Improvisation, swing, eine spezielle Art der Tonbildung und Instrumentenbehandlung, stilistische Indivi-dualität einzelner Musiker, sowie ein Traditionsbezug auf vorhergegangene Stile der Jazzgeschichte.«

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Vorwort

1 Jazz in der Weimarer Republik

1.1 Die Verbreitung des Jazz

1.2 Musikbolschewismus und Entartung

1.3 Jazz zum Zeitpunkt des Machtwechsels

2 Schlussfolgerung:

3 Jazz im Nationalsozialismus

3.1 Zur Musikpolitik im Dritten Reich

3.1.1 Die Reichsmusikkammer

3.1.2 Die Düsseldorfer Reichsmusiktage

3.2 Nicht Jazz – sondern Swing!

3.3 Die Swing-Jugend – Swing als Form des Widerstandes

4 Warum der Jazz trotz massiver Boykotte am Leben blieb

4.1 Die widersprüchliche „Anti-Jazz-Politik“ des Dritten Reichs

4.2 Erwünschter Jazz in den Konzentrationslagern

5 Fazit

8 Bildquellen

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht die Entwicklung und den Status der Jazzmusik in Deutschland im Zeitraum von 1919 bis 1945, wobei der Fokus insbesondere auf der Spannungsfeld zwischen kultureller Blütezeit in der Weimarer Republik und der systematischen Verfolgung sowie Vereinnahmung im Nationalsozialismus liegt. Die zentrale Forschungsfrage ist, wie der Jazz trotz ideologischer Anfeindungen, Boykotte und Verbotstendenzen überleben konnte und welche Rolle er sowohl als oppositionelle Jugendkultur als auch als Instrument der NS-Propaganda spielte.

  • Die Etablierung des Jazz als Ausdruck des Neuanfangs und der Moderne in der Weimarer Republik.
  • Die ideologische Diffamierung der Jazzmusik als „Musikbolschewismus“ und „entartet“ durch die Nationalsozialisten.
  • Die instrumentelle Nutzung von Jazz und Swing für Propagandazwecke durch das NS-Regime.
  • Der Widerstand der „Swing-Jugend“ als Ausdruck von Freiheit und Nonkonformismus gegen die NS-Ideologie.
  • Der paradoxe Umgang mit Jazzmusik innerhalb der Konzentrationslager.

Auszug aus dem Buch

3.3 Die Swing-Jugend – Swing als Form des Widerstandes

Dass Swing in der damaligen Zeit mehr als nur eine Musikrichtung war, kann man anhand der Swing-Jugend51 belegen. Für sie stellte der Swing „das“ Lebensgefühl dar. Swing wirkte sich für die meist jugendlichen Anhänger auf die Mode, den Tanz, den Sprachgebrauch, die Lebenseinstellung und die Verhaltensformen aus. Diese Jugendlichen gab es vor allem in den europäischen Großstädten (vorwiegend in England, Deutschland, Frankreich, Belgien, Holland, Dänemark, Schweden, Schweiz, Österreich, Tschechoslowakei).52 In Deutschland stellten die „Swings“ im Gegensatz zu ihren europäischen Pendants ein Politikum dar. Diese Entwicklung muss im Zusammenhang mit der Kriegsvorbereitung und Kriegserfahrung sowie dem „gebranntmarkten“ Jazz gesehen werden. Nach Entstehung der ersten „Cliquen“ um 1936 in Hamburg, Berlin und Frankfurt a. M. bekamen diese Lebenseinstellung und der damit verbundene Protestgedanke schnell raschen Zulauf und wurden somit zu einer erstzunehmenden Gefahr für das NS-Regime.53 »Denn die Swing-Jugend rebellierte mit Jazz und Swingtanz, die für Lebenslust, Selbstbestimmung, Nonkonformismus, Freiheit, Unabhängigkeit, Liberalismus und Internationalismus standen, gegen Ideologie, Uniformität und Militarismus des NS-Staats.«54

Zum Ausdruck brachten die „Swing-Heinis“, wie sie abwertend von NS-Anhängern genannt wurden, ihren Lebensstil vor allem durch ihren angloamerikanischen Kleidungsstil und durch ihre Frisur. Im Gegensatz zum Ideal-Bild eines arischen Jungen mit kurzen Haaren und dem eines Mädchens mit Zöpfen trugen die jungen Männer der Swing-Jugend ihre Haare möglichst lang (bis 30 cm) und kämmten sie mit Hilfe von Zuckerwasser nach hinten. Auch die Mädchen trugen ihre Haare oft offen und meist als Dauerwelle.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Jazz in der Weimarer Republik: Dieses Kapitel beleuchtet den Aufstieg des Jazz als moderne Ausdrucksform der Nachkriegsgesellschaft und die damit verbundenen gesellschaftlichen Veränderungen.

2 Schlussfolgerung:: Eine Analyse der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Faktoren, die Ende der 20er Jahre zur Stagnation der Jazzszene führten.

3 Jazz im Nationalsozialismus: Untersuchung der repressiven Musikpolitik im Dritten Reich, der Ideologisierung des Kulturbegriffs und der Verfolgung des Jazz.

4 Warum der Jazz trotz massiver Boykotte am Leben blieb: Analyse der widersprüchlichen NS-Politik, die trotz Verboten aus ökonomischen und propagandistischen Gründen Raum für Jazz ließ.

5 Fazit: Zusammenfassende Bewertung darüber, warum ein reichsweites Jazzverbot im Nationalsozialismus letztlich scheiterte.

Schlüsselwörter

Jazz, Swing-Jugend, Nationalsozialismus, Musikpolitik, Reichsmusikkammer, Entartete Musik, Musikbolschewismus, Weimarer Republik, Widerstand, Charlie and his Orchestra, Propaganda, Konzentrationslager, Tanzmusik, NS-Ideologie, Kulturbetrieb.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die wechselvolle Geschichte des Jazz in Deutschland von 1919 bis 1945, wobei insbesondere das Spannungsverhältnis zwischen dem Jazz als Symbol für Freiheit und Moderne und der Unterdrückung durch den Nationalsozialismus im Mittelpunkt steht.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Schwerpunkte liegen auf der Verbreitung des Jazz in der Weimarer Zeit, der nationalsozialistischen Kulturpolitik, dem Widerstand der Swing-Jugend sowie der widersprüchlichen Instrumentalisierung von Jazzmusik durch das NS-Regime.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es zu ergründen, warum der Jazz im nationalsozialistischen Deutschland nie vollständig ausgelöscht wurde, obwohl er offiziell verfemt und verfolgt wurde.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Der Autor stützt sich auf eine fundierte Literaturanalyse, wertet historische Quellen wie Briefe und Flugblätter aus und bezieht Zeitzeugenberichte sowie Ausstellungsanalysen ein, um die geschichtlichen Zusammenhänge objektiv darzustellen.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil werden die Etablierung des Jazz in der Weimarer Republik, die aggressive Musikpolitik unter dem NS-Regime (u.a. durch die Reichsmusikkammer), das Phänomen der Swing-Jugend als Widerstandsbewegung sowie die paradoxe Existenz von Jazz in Konzentrationslagern detailliert ausgeführt.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Jazz, Swing-Jugend, NS-Propaganda, Musikbolschewismus, Reichsmusikkammer, Entartete Musik und kultureller Widerstand.

Wie unterschied sich die Swing-Jugend von der Hitler-Jugend?

Die Swing-Jugend bildete einen bewussten Gegenpol zur Hitler-Jugend, indem sie durch ihre Lebensweise, Kleidung und die Begeisterung für Jazz und Swing Werte wie Individualität, Freiheit und Nonkonformismus gegen den staatlich verordneten Militarismus und die Uniformität des NS-Staats vertrat.

Warum gab es trotz nationalsozialistischer Ideologie keinen totalen Jazz-Boykott?

Das NS-Regime unterließ ein generelles Verbot, da es aus ökonomischen Gründen (Musikindustrie), zur Aufrechterhaltung der Moral in der Bevölkerung und sogar für eigene Propagandazwecke (z.B. Propagandabands) auf die populäre Musikform angewiesen war.

Was war die Funktion von „Charlie and his Orchestra“?

Diese vom NS-Propagandaministerium ins Leben gerufene Band nutzte Swing-Musik, um mit abgewandelten, propagandistischen Texten britische und amerikanische Hörer zu beeinflussen und die eigene Truppe zu unterhalten.

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Details

Title
Jazz in Deutschland
Subtitle
Blütezeit und Tiefpunkte in der Zeit von 1919 – 1945
College
University of Music Duesseldorf
Grade
1,6
Author
Markus Lütticke (Author)
Publication Year
2008
Pages
32
Catalog Number
V112167
ISBN (eBook)
9783640107957
ISBN (Book)
9783640109722
Language
German
Tags
Jazz Deutschland
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Markus Lütticke (Author), 2008, Jazz in Deutschland , Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/112167
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