Direkte Zitate und Bezüge auf das Alte Testament im Galaterbrief und ihre Interpretation durch Paulus


Hausarbeit (Hauptseminar), 2008
14 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Anlass des Briefes an die Galater

3. Zusammenstellung der direkten Zitate und Bezugnahmen auf die Schriften Israels
3.1. Gal 3,6-18
3.2. Gal 4,21-31
3.3. Gal 5,13-18

4. Erläuterung von Beispielen der Schriftdeutung von Paulus
4.1. Gal 3,10-14: Gesetz « Glaube/Geist
4.2. Gal 4,22f: Hagar « Sarah

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Der Galaterbrief ist wahrscheinlich einer der ersten Paulusbriefe. Er ist an die Gemeinden in Galatien gerichtet, die er selbst im Rahmen seiner Missionsreisen gegründet hatte. Der Brief bietet tiefgreifende theologische Deutungen von Tatsachen aus dem Alten Testament. Gleichzeitig bindet Paulus in seine Deutungen christologische Ansätze ein.

In dieser Arbeit sollen alle direkten Zitate und Bezugnahmen auf die Schriften Israels (das Alte Testament) dargestellt werden. Weiterhin sollen an ausgewählten Beispielen die paulinischen Deutungen dieser Zitate erläutert werden. Zum besseren Verständnis der Deutungen des Paulus ist es unabdingbar, zu Beginn der Arbeit den Anlass des Briefes vorzustellen.

2. Anlass des Briefes an die Galater

Laut Apg 16,6 und 18,23 hatte Paulus die Gemeinden in Galatien zuvor schon besucht, um ihnen das Evangelium zu verkündigen. „Sie hatten sich vom Heidentum bekehrt und waren zur Erkenntnis Gottes gekommen [...]. Christus war ihnen als Gekreuzigter vor Augen gehalten worden [...]; sie hatten die Botschaft des Glaubens angenommen und den Geist empfangen.“[1] Daher konnte Paulus davon ausgehen, dass er die Galater missioniert hatte.

Paulus war sicher schockiert, als er die Nachricht erhielt, dass die Galater sich von Irrlehrern beeinflussen ließen. Diese Judenchristen wollten, dass sich die Galater beschneiden lassen und das alttestamentliche Gesetz als Weg zum Heil anerkennen.

Paulus kann diesen Weg zur Erlangung des Heils nicht akzeptieren. Daher wendet er sich in seinem Brief an die Galater und will versuchen, sie im Glauben zu bestärken und sie von der Irrlehre der Judenchristen abzubringen. Dafür legt er beispielsweise in den Kapiteln drei und vier seines Briefes das Verhältnis zwischen Gesetz und Glauben mithilfe der Geschichte von Abraham (vgl. Gen 11-25) dar.

3. Zusammenstellung der direkten Zitate und Bezugnahmen auf die Schriften Israels:

Im Galaterbrief sind vor allem die Kapitel drei und vier durch direkte Bezüge auf das Alte Testament gekennzeichnet. In diesem Teil der paulinischen Argumentation wird versucht, die christologischen Überzeugungen der Galater neu zu strukturieren. Besonders im Kapitel drei versucht Paulus, „die Neudefinition der jüdischen Selbstdefinition von der Offenbarung in Christus her“[2] in diesem Teil seines Briefes zu thematisieren. Hierzu dienen verschiedene Auszüge aus dem Alten Testament, die Paulus auslegt.

3.1. Gal 3,6-18

In 3,6-18 bedient sich Paulus der Geschichte von Abraham. Daher müssen auch die darin enthaltenen Bezugnahmen auf die Schriften Israels innerhalb dieses Gesamtkontextes dargestellt werden. Paulus legt hier die Geschichte Abrahams aus und bietet somit drei neue und weiterführende Deutungen in Bezug auf das Verhältnis zwischen Glaube und Gesetz.

Die erste Neudeutung der Geschichte von Abraham in 3,6-9 beinhaltet, dass es nur durch den Glauben möglich ist, ein Kind Abrahams und gesegnet zu sein. Paulus greift in 3,6 auf Gen 15,6 („Abram glaubte dem Herrn und der Herr rechnete es ihm als Gerechtigkeit an.“) zurück, um explizit auf den Glauben Abrahams aufmerksam zu machen und herauszustellen, dass gerade dieser Glaube ihn gerecht gemacht hat. Daraus leitet Paulus in 3,7 ab, dass Abrahams Söhne nur diejenigen sind, die im Glauben an Gott leben. Diese Aussage wird in 3,8 dadurch ergänzt, dass alle Völker durch Abraham gesegnet sein werden, die im Glauben leben. Diese Verheißung ist sowohl in Gen 12,3 („Ich will segnen, die dich segnen; wer dich verwünscht, den will ich verfluchen. Durch dich sollen alle Geschlechter der Erde Segen erlangen.“) als auch in Gen 18,18 („Abraham soll doch zu einem großen, mächtigen Volk werden, durch ihn sollen alle Völker der Erde Segen erlangen.“) zu finden. Die paulinische Argumentation kommt zu dem Ergebnis, dass alle, die im Glauben an Gott leben, Kinder Abrahams sind und somit gerecht und gesegnet sind.

Die zweite Neudeutung der Geschichte Abrahams in 3,10-14 macht auf den Konflikt zwischen Gesetz und Geist aufmerksam. Paulus versucht, die alten Überzeugungen, die aus dem Alten Testament herrühren umzustrukturieren, indem er in 3,10 das Gesetz mit einem Fluch gleichstellt. Begründet wird dies sogar mithilfe des Alten Testaments (Dtn 27,26: „Verflucht, wer nicht die Worte dieser Weisung stützt, indem er sie hält. Und das ganze Volk soll rufen: Amen.“). Daraus zieht Paulus in 3,11 als logische Schlussfolgerung, dass durch das Gesetz niemand gerecht wird, sondern nur aus dem Glauben. Als Unterstützung seiner Argumentation zitiert er Hab 2,4 („Sieh her: Wer nicht rechtschaffen ist, schwindet dahin, der Gerechte aber bleibt wegen seiner Treue am Leben“). In 3,12 wird durch ein Zitat von Lev 18,5 („Ihr sollt auf meine Satzungen und meine Vorschriften achten. Wer sie einhält, wird durch sie leben. Ich bin der Herr.“) explizit herausgestellt, dass das Gesetz nicht auf den Glauben bezogen werden kann, sondern, dass das Einhalten und Beachten des Gesetzes nur die Existenz und das Leben des Menschen sichert und aufrecht erhält. In 3,13 erläutert Paulus die Veränderung, die durch Jesus Christus hervorgerufen wurde: Die Befreiung vom Fluch des Gesetzes. Er hat die Christen vom Fluch des Gesetzes freigekauft, indem er selbst zum Fluch geworden ist. Paulus untermauert dieses Argument mit einem Zitat aus Dtn 21,23 („dann soll die Leiche nicht über Nacht am Pfahl hängen bleiben, sondern du sollst ihn noch am gleichen Tag begraben; denn ein Gehenkter ist ein von Gott Verfluchter. Du sollst das Land nicht unrein werden lassen, das der Herr, dein Gott, dir als Erbbesitz gibt.“). Paulus setzt demzufolge das Gesetz mit dem Fluch und den Glauben mit der Gerechtigkeit auf eine Ebene. Durch Jesus ist es möglich geworden, den Weg Abrahams, also des Glaubens, zu gehen und somit den verheißenen Geist zu empfangen (3,14).

Um seine Argumentation zu unterstützen, bedient sich Paulus auch in der dritten Neudeutung (3,15-18) eines Zitates aus dem Alten Testament (Gen 22,17: „will ich dir Segen schenken in Fülle und deine Nachkommen zahlreich machen wie die Sterne am Himmel und den Sand am Meeresstrand. Deine Nachkommen sollen das Tor ihrer Feinde einnehmen.“). Zuvor hebt er jedoch hervor, dass das Alte Testament durch Jesus Christus keineswegs außer Kraft gesetzt werden soll. Gottes Bund mit Abraham bleibt bestehen, denn in den Verheißungen heißt es laut Paulus nicht „und den Nachkommen“ sondern „und deinem Nachkommen“ (3,16). Dies bezieht sich schließlich auf Jesus Christus. In 3,17-18 folgt die Erläuterung: Der Bund Gottes mit Abraham kann nicht verändert werden, demzufolge auch nicht das Erbe daraus. Das Erbe aus dem Gesetz heraus schließt laut Paulus das Erbe aus der Verheißung heraus aus. Doch gerade durch die Verheißung hat Gott Abraham Gnade erwiesen.

[...]


[1] Borse, Udo: Der Brief an die Galater. Verlag Friedrich Pustet. Regensburg: 1984. 17f.

[2] Vouga, François: An die Galater. Mohr Siebeck. Tübingen: 1998. 113.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Direkte Zitate und Bezüge auf das Alte Testament im Galaterbrief und ihre Interpretation durch Paulus
Hochschule
Universität Erfurt  (Martin-Luther-Institut)
Veranstaltung
Exegese des Neuen Testaments – Galaterbrief
Note
1,7
Autor
Jahr
2008
Seiten
14
Katalognummer
V112191
ISBN (eBook)
9783640108084
ISBN (Buch)
9783640522583
Dateigröße
408 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Darstellung, Zitate, Bezugnahmen, Schriften, Israels, Alte, Testament), Galaterbrief, Erläuterung, Deutung, Paulus, Beispiele, Exegese, Neuen, Testaments
Arbeit zitieren
Ranja Fehlhauer (Autor), 2008, Direkte Zitate und Bezüge auf das Alte Testament im Galaterbrief und ihre Interpretation durch Paulus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/112191

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