Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Publish your texts - enjoy our full service for authors
Go to shop › Ethnology / Cultural Anthropology

Die Formalismus-Substantivismus-Debatte in der Wirtschaftsethnologie

Anwendung des substantivistischen Sphärenmodells durch Frederik Barth

Title: Die Formalismus-Substantivismus-Debatte in der Wirtschaftsethnologie

Term Paper (Advanced seminar) , 2005 , 23 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Simone Schubert (Author)

Ethnology / Cultural Anthropology
Excerpt & Details   Look inside the ebook
Summary Excerpt Details

In der folgenden Hausarbeit wird zuerst die Theoriedebatte zwischen Formalisten und Substantivisten in den 1950er und 60er Jahren dargestellt. In dieser Debatte prallten zwei scheinbar unvereinbare Ansichten aufeinander: auf der einen Seite die von den Wirtschaftswissenschaften geprägte formalistische Denkweise, auf der anderen Seite die eher an ethnologische Konzepte angelehnte substantivistische Denkweise. Diese Debatte ist insofern besonders bedeutend, weil sie im Selbstverständnis Wirtschaftsethnologie eine sehr wichtige Rolle spielte, als diese als jüngste Disziplin der Ethnologie noch wenig klar umrissen und etabliert war.
Im zweiten Teil der Arbeit wird auf das das Sphärenmodell der Substantivisten George Dalton und Paul Bohannan näher eingegangen, wobei sich dabei jedoch vor allem auf die für den weiteren Teil der Arbeit wichtigen Faktoren beschränkt wird.
Dieser Ansatz wird nämlich anschließend auf das von Frederik Barth entworfenen Wirtschaftsmodell der Fur aus seinem Aufsatz Economic Spheres in Darfur (1967) angewendet und näher erläutert. Im Weiteren soll versucht werden, die Stärken und Schwächen Barths Ausführung aufzuzeigen und ein erweitertes Modell vorstellen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Formalismus-Substantivismus-Debatte in der Wirtschaftsethnologie

2.1 Grundlagen der Debatte

2.2 Der formalistische Standpunkt

2.2.1 Neoklassische Wirtschaftstheorie als Grundlage des Formalismus

2.2.2 Übertragung in die Ethnologie

2.2.3 Vertreter: Raymond Firth (1901-2002)

2.2.4 Vertreter: Melville J. Herskovits (1895-1963)

2.3 Der substantivistische Standpunkt

2.3.1 Gegenreaktion zum Formalismus

2.3.2 Vertreter: Karl Polanyi (1886-1964)

2.3.3 Vertreter: George Dalton (1926-1991)

2.3.4 Kritik am Substantivismus

2.4 Auflösung der Gegensätze

3. Das Sphärenmodell nach Dalton und dessen Anwendung

3.1 Vorstellung des Sphärenmodells

3.2 Anwendung des Sphärenmodells durch Frederik Barth

3.2.1 Unterscheidung von zwei Wirtschaftssphären

3.2.2 Das traditionelle Wirtschaftssystem der Fur

3.2.2.1 Arbeitskraft als Input

3.2.2.2 Die Marktsphäre

3.2.2.3 Die Sphäre des Bier-Arbeit-Tauschs

3.2.2.4 Möglichkeiten zur persönlichen Bereicherung

3.2.3 Moderne Entwicklungen im Wirtschaftssystem der Fur

3.3 Kritik an Frederik Barth

3.3.1 Kritik am Diagramm

3.3.2 Modifiziertes Diagramm

3.3.3 Kritik am Aufsatz

4. Resümee

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die historische Theoriedebatte zwischen Formalisten und Substantivisten in der Wirtschaftsethnologie und analysiert kritisch die Anwendung des substantivistischen Sphärenmodells durch Frederik Barth am Beispiel der Fur im Sudan.

  • Grundlagen und zentrale Argumente der Formalismus-Substantivismus-Kontroverse
  • Methodologische Unterschiede: Deduktion (Formalismus) vs. Induktion (Substantivismus)
  • Analyse des Wirtschaftssystems der Fur: Marktsphäre vs. Bier-Arbeit-Sphäre
  • Kritische Evaluation der theoretischen Einordnung von Frederik Barth

Auszug aus dem Buch

3.2.1 Unterscheidung von zwei Wirtschaftssphären

Barth sieht das Wirtschaftssystem der Fur klar in zwei Sphären getrennt. Auf der einen Seite die Marktsphäre, auf der anderen die Sphäre des Arbeit-Bier-Austauschs (vgl. Barth 1967: 156). Was diese Sphären beinhalten und was sie voneinander trennt, soll im Folgenden dargestellt werden.

Die Marktsphäre ist eng an die Existenz eines Marktplatzes gebunden. Die Märkte der Fur sind gut organisiert: Einmal in der Woche findet ein Markt in Laufdistanz zu den umliegenden Dörfern statt. Dort werden Feldfrüchte, die speziell für den Verkauf angebaut wurden, gegen Bargeld eingetauscht. Dabei merkt Barth an, dass dieses Geld aus dem Niltal stammt und eine Tradition hat, die bis lange vor die Kolonialzeit reicht, und deshalb nicht die von Ethnologen so oft beschriebene, zerstörerische Wirkung besitzt (vgl. Barth 1967: 156f).

In der Marktsphäre wird nach dem Marktprinzip gewirtschaftet, könnte deshalb auch ausreichend mit dem formalistischen Ansatz erklärt werden. Nach der Definition von Bohannan und Dalton handelt es sich bei den Fur um eine Gesellschaft mit peripherem Markt, da es zwar einen Markt gibt, die Wirtschaft jedoch nicht komplett davon abhängig ist.

Denn völlig unabhängig von der Markt-Sphäre besteht die zweite Sphäre, in denen Arbeit gegen Bier auf Arbeitsfesten – so genannten „work parties“ (Barth 1967: 153) – eingetauscht wird. Die eigene Arbeitskraft kann hierbei auf der Feldarbeit oder beim Hausbau von Freunden und Nachbarn eingesetzt und durch deren Bereitstellen von Bier kompensiert werden.

Diese Sphäre dient der Reproduktion der Gesellschaft und dem Zusammenhalt unter den Mitgliedern; ihr Fortbestehen entzieht sich der formalistischen Argumentation, weshalb bei ihrer Analyse der substantivistische Ansatz eingesetzt werden muss.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Arbeit führt in die zentrale Debatte zwischen Formalisten und Substantivisten ein und skizziert das Ziel, Barths Analyse der Fur zu evaluieren.

2. Die Formalismus-Substantivismus-Debatte in der Wirtschaftsethnologie: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Standpunkte von Vertretern wie Firth, Herskovits, Polanyi und Dalton sowie die Methodik beider Schulen.

3. Das Sphärenmodell nach Dalton und dessen Anwendung: Hier wird das Konzept der Wirtschaftssphären vorgestellt und detailliert auf das Fallbeispiel der Fur sowie eine kritische Analyse von Barths Arbeit angewandt.

4. Resümee: Das abschließende Kapitel reflektiert den theoretischen Status Barths und ordnet seinen Beitrag als mögliche Annäherung der debattierenden Fronten ein.

Schlüsselwörter

Wirtschaftsethnologie, Formalismus, Substantivismus, Sphärenmodell, Frederik Barth, Fur, Marktplatz, Marktprinzip, Reziprozität, Redistribution, work parties, wirtschaftliches Handeln, Nutzenmaximierung, wirtschaftliche Transformation, soziale Eingebettetheit

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit beschäftigt sich mit der theoretischen Auseinandersetzung zwischen den Schulen des Formalismus und Substantivismus in der Wirtschaftsethnologie Mitte des 20. Jahrhunderts.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Neben der allgemeinen Debatte fokussiert die Arbeit auf das Konzept des Sphärenmodells und dessen praktische Anwendung auf nicht-westliche Wirtschaftssysteme.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, den Beitrag von Frederik Barth zum Sphärenmodell am Beispiel der Fur-Gesellschaft kritisch zu hinterfragen und seine theoretische Verortung zu prüfen.

Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewandt?

Die Arbeit nutzt die Literaturanalyse, um sowohl deduktive Ansätze des Formalismus als auch induktive Konzepte des Substantivismus gegenüberzustellen und zu vergleichen.

Was steht im inhaltlichen Mittelpunkt des Hauptteils?

Der Hauptteil analysiert die Unterteilung der Fur-Wirtschaft in eine Marktsphäre und eine Bier-Arbeit-Sphäre sowie Barths methodische Stärken und Schwächen bei der Modellbildung.

Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?

Die Arbeit wird primär durch Begriffe wie Wirtschaftsethnologie, Formalismus, Substantivismus, Sphärenmodell und ökonomische Anthropologie geprägt.

Wie definiert Barth das Wirtschaftssystem der Fur?

Barth beschreibt es als ein System, das durch zwei getrennte Sphären – den marktorientierten Tausch und den sozialen Austausch von Arbeit gegen Bier – reproduziert wird.

Warum ist die Rolle der Frau in Barths Modell kritisch zu sehen?

Die Kritik entzündet sich daran, dass Barth die ökonomische Unabhängigkeit der Frau und deren zentrale Rolle bei der Bierproduktion in seinem ursprünglichen Diagramm kaum berücksichtigt.

Excerpt out of 23 pages  - scroll top

Details

Title
Die Formalismus-Substantivismus-Debatte in der Wirtschaftsethnologie
Subtitle
Anwendung des substantivistischen Sphärenmodells durch Frederik Barth
College
University of Münster  (Institut für Ethnologie)
Course
Wirtschaft und Gesellschaft in Afrika
Grade
1,3
Author
Simone Schubert (Author)
Publication Year
2005
Pages
23
Catalog Number
V112205
ISBN (eBook)
9783640108176
ISBN (Book)
9783640109845
Language
German
Tags
Formalismus-Substantivismus-Debatte Wirtschaftsethnologie Wirtschaft Gesellschaft Afrika
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Simone Schubert (Author), 2005, Die Formalismus-Substantivismus-Debatte in der Wirtschaftsethnologie, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/112205
Look inside the ebook
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
Excerpt from  23  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Shipping
  • Contact
  • Privacy
  • Terms
  • Imprint