Die Geschichte des Stadions von Olympia


Seminararbeit, 2005

21 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1 Einleitung

2 Das Olympische Stadion

3 Stadionphase I

4 Stadionphase II

5 Stadionphase III

6 Stadionphasen IV und V

7 Schlussbetrachtung

8 Literaturverzeichnis

9 Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung:

Eingebettet in die Ebene des Alpheios, am südlichen Abhang des Kronoshügels liegt das berühmte Stadion von Olympia.

Noch heute besuchen jährlich tausende Menschen das Stadion, das in dem Zustand wie es heute zu sehen ist, Mitte des 5. Jh. v. Chr. erbaut wurde und in der Neuzeit wiederhergestellt und restauriert worden ist. Aber noch vor einigen Jahrzehnten lag es unter einer riesigen Schwemmschicht, die das Stadion seit dem Mittelalter durchschnittlich ca. 5 m tief unter sich begrub. Erst 1936 begann man damit das gesamte Stadion durch Abtragen der Schwemmschicht freizulegen, zuvor hatte man bei den Grabungen von 1875- 1881 unter der Leitung von Ernst Curtius darauf verzichten müssen und lediglich einige Gräben angelegt, um zumindest die Ablauf- und Zielschwellen des Stadions zu ermitteln.[1] Am 22. Juni 1961 konnte das wiederhergestellte antike Stadion dann endlich feierlich eingeweiht werden; in diesem Zustand ist es heute immer noch zu sehen und zu bewundern.[2]

Doch was ist es, was die Menschen an diesem Stadion so fasziniert? Was ist der Grund dafür, dass es heute immer noch tausende Touristen an diesen Ort zieht? Nun, es ist kaum vorstellbar, dass allein, das in seiner Bauweise sehr schlichte und bescheiden wirkende Stadion der Grund dafür ist. So gibt es doch viel ansehnlichere und besser ausgestattete Stadien als jenes, wie es auf Abb. 1 zu sehen ist. Um es ganz banal auszudrücken, sieht man hier in Olympia nur eine sandige Laufbahn, die von begrasten Zuschauerwällen umgeben ist, auf denen nicht einmal steinerne Sitzreihen aufgebaut sind. Doch es ist wohl mehr die Bedeutung/ der „Mythos“ dieses Stadions und weniger seine schlichte Bauweise, der es bis in die heutige Zeit so bedeutsam und sehenswert gemacht hat. Die Olympischen Spiele genossen im Vergleich zu den anderen panhellenischen Sportspielen, wie den Pythien, den Isthmien und den Nemeen, sehr großes Ansehen und waren außerordentlich beliebt. Die Olympien waren die ältesten und angesehensten Spiele in ganz Griechenland und somit war auch das Stadion eines der ältesten und berühmtesten, wenn nicht sogar das Älteste und Berühmteste in Griechenland überhaupt. Auf eben diese Tatsache und auch auf darauf, dass hier der Ursprung der Spiele liegt, dass hier der Ort ist, an dem die Spiele das erste Mal veranstaltet wurden, ist wohl zurückzuführen, dass das Stadion heute immer noch so viele Menschen anzieht, die Jahrhunderte später diese, in der Olympischen Geschichte, so bedeutende Stätte besuchen wollen.

Aber auch die heute immer noch vorhandene oder wieder gewonnene Beliebtheit und Berühmtheit der Olympischen Spiele mag eine gewisse Rolle dabei spielen. Erst recht seit den Olympischen Spielen 2004 in Athen, bei denen das alte Stadion von Olympia als Austragungsort für die Kugelstoßwettbewerbe diente und dadurch wieder ein mal in den Focus der Öffentlichkeit gerückt ist.

Die lange Geschichte des Stadions beginnt vermutlich bereits im 8. -7. Jh. v. Chr., wobei archäologische gesicherte Angaben aber erst ab dem 6. Jh. v. Chr. gemacht werden können. Das 6. Jh. gibt auch gleichzeitig den ungefähren Zeitraum des zuerst erbauten Stadions an, welches jedoch bis zu seinem Ende mit dem Untergang, mit dem Verbot der Spiele 393 n. Chr. einige Veränderungen und Neuerungen zu verzeichnen hatte. Die bis heute zahlreichen Ausgrabungen und deren Funde konnten uns teilweise Aufschluss über die Entstehung und Entwicklung des Stadions geben, jedoch geben längst nicht alle gemachten Entdeckungen Klarheit darüber, was beispielsweise deren Sinn und Zweck war oder in welche Stadionbauphase, in welches Jahrhundert sie einzuordnen sind.

In dieser Arbeit soll nun die Entwicklungsgeschichte des Stadions dargestellt werden, wobei aber auf Grund der Fülle an Ausgrabungsberichten und der zahlreichen Sekundärliteratur nur ein Überblick von den wesentlichsten und wichtigsten Einrichtungen und Veränderungen gegeben werden kann.

2. Das Olympische Stadion:

Das Stadion in Olympia war das Größte und Berühmteste in Griechenland. Es war aber kein Zufall, dass gerade das Olympische Stadion das größte war, denn nach einer antiken Überlieferung soll es vom dorischen Herakles angelegt worden sein. Herakles war das große

Vorbild der Athleten, hatte Zeus ihn doch wegen seiner übermenschlichen Taten zu sich in den Olymp aufgenommen.[3] In der Überlieferung heißt es nun, dass er 600-mal einen Fuß vor den anderen gesetzt haben soll, was von den Start- bis zu den Zielschwellen schließlich die Länge von 192, 28 m ergab. Nur er, der riesige Herakles konnte mit seinen gewaltigen Füßen eine solch weite Strecke abgeschritten haben.

Eine weitere Version besagt, dass die Länge der Laufbahn auf 192, 28 m festgelegt wurde, weil Herakles diese Strecke mit einem einzigen Atemzug durchlaufen konnte.[4]

Gelegen war das Stadion einerseits am Ostrand des Heiligtums und am Südabhang des Kronoshügels andererseits.[5] Es war in das natürliche Gelände des Hügels eingebaut worden und in der Ebene des Alpheios gebettet. Das Stadion war unmittelbar am Heiligtum erbaut worden und auch ein regelrechter Bestandteil dessen.

Die 3 wichtigsten Bestandteile eines Stadions waren die Laufbahn von 600 Fuß, die Anlage für die Zuschauer und die Kampfrichter und schließlich der oder die Eingänge zum Stadion. Die Laufbahn war dabei sicherlich der wichtigste Bestandteil ,denn auf ihr wurden neben den

Läufen auch all die anderen Wettkämpfe, wie Ringen, Werfen, Springen, Boxen, der Fünfkampf und das Pankration durchgeführt.[6] Die Bahn selbst bestand aus geglättetem Lehm, der mit Sand bestreut war.[7] Die Bahn richtete sich zum Zeusaltar hin und tatsächlich wurden auch die Läufe in dessen Richtung, also mit dem Ziel im Heiligtum veranstaltet. Die Athleten liefen von Osten nach Westen, dem heiligen Bezirk, dem Altar des Gottes, zu dessen Ehren sie das Fest veranstalteten, entgegen.[8] Durch diese Festlegung wurde die religiöse Verbundenheit der sportlichen Veranstaltung mit dem Kultfest zu Ehren des Zeus verdeutlicht.

Am Ost- und West-Ende der Bahn gab es hinter dem Start- und Zielbereich noch eine gewisse Auslauffläche, die im Osten auf der Startseite allerdings eine Fläche für die Vorbereitungen und Aufstellung der Starter darstellte. Im Osten beträgt die Auslauffläche [9], 25 m und die im Westen ist 10, 5 m lang. Durch diese Flächen hinter den Start- bzw. Zielschwellen ergibt sich für die Laufbahn insgesamt sogar eine Länge von 212, 54 m, zwischen den Schwellen gemessen beträgt sie 191, 78 m und zwischen den Startrillen gemessen, ist sie die genannten 192, 28 m lang.9 In früheren Zeiten des Stadions, ca. Mitte des 6. Jh. betrug diese Auslauffläche im Westen noch 18, 5 m, erst bei Stadion III, also etwa Mitte des 5. Jh. wurde die Fläche auf die genannten 10, 5 m verkürzt.[10] Umgeben war die Laufbahn von einem Kanal bzw. anfangs von einer einfachen Erdrinne, die das Regenwasser, das von den Zuschauerwällen herunter lief, auffangen sollte. Zu den Wällen hin war die Laufbahn noch durch eine Steinschwelle abgeschlossen, die zugleich als Wallfuß diente.[11]

Eine weitere Einrichtung, die zu jeder Laufbahn gehörte, waren die Start- und Zielschwellen, die im Osten sowie auch im Westen, am Ziel angebracht waren. Warum aber gab es im Ziel ebenfalls Startschwellen? Nun die Antwort ist denkbar einleuchtend. Die Läufe wurden, wie bereits erwähnt von Osten nach Westen gestartet, das Ziel lag also im Westen. Damit dass auch bei dem Doppellauf, dem Diaulos so blieb, wurde anstatt von Osten von Westen gestartet, damit die Athleten am Ende wieder zum Zeusaltar hin liefen.[12] Das Ziel des Laufs befand sich also immer an der gleichen Stelle, nur der Startplatz wechselte je nach Lauf, so wie es auch heutzutage gehandhabt wird. Die Zielschwellen waren also auch gleichzeitig Startschwellen und demnach genauso aufgebaut. Sie bestehen aus nebeneinander gelegten Blöcken aus hartem Kalkstein.[13] In ihrer Längsrichtung sind sie sind sie mit 2 parallel verlaufenden Rillen versehen, die als Widerlager für die Zehen der Läufer dienten (siehe Abb.2 im Anhang). Demnach haben sich die Läufer in Schrittstellung mit den Zehen in die Furchen gekrallt und die Arme gestreckt nach vorne gehalten, bis sie aus dieser Position starteten.[14] Wie das Startzeichen gegeben wurde ist dabei jedoch ungewiss, J. Swaddling vermutet, dass es entweder mit der Trompete des Herolds oder mit einem einfachen Ruf, (apite = „los“) gegeben wurde.[15] Die Startschwellen hatten neben genannten Rillen auch noch Löcher zwischen den einzelnen Blöcken, wie ebenfalls in Abb. 2 zu sehen ist. Diese Löcher waren die einzig übrig gebliebenen Hinweise für die vermuteten Holzpfosten, die zwischen den Blöcken eingelassen waren und die Läufer voneinander abgrenzen sollten. In Olympia konnten so bis zu 20 Läufer gleichzeitig starten.[16]

[...]


[1] L. Drees: Olympia. Götter, Künstler und Athleten, Stuttgart e.a. 1967, S. 103. Vgl. H. Bengtson: Die Olympischen Spiele in der Antike, Zürich/ Stuttgart 1971, S. 10.

[2] Drees: Olympia, S. 104.

[3] Bengtson: Die Olympischen Spiele, S. 7.

[4] Drees: Olympia, S. 103. Vgl. J. Swaddling: Die Olympischen Spiele der Antike, Stuttgart 2004, S. 42.

[5] W. Zschietzschmann: Wettkampf- und Übungsstätten in Griechenland I: Das Stadion, Schorndorf 1960, S. 14.

[6] Zschietzschmann: Wettkampf- und Übungsstätten, S. 8.

[7] Swaddling: Die Olympischen Spiele, S. 41.

[8] Swaddling: Die Olympischen Spiele, S. 39- 41

[9] A. Mallwitz: Die Laufbahn III, in: E. Kunze (Hrsg.): VIII. Olympiabericht 1958- 1962, Berlin 1967, S. 37. Vgl. A. Mallwitz: Olympia und seine Bauten, Darmstadt 1972, S. 182.

[10] Zschietzschmann: Wettkampf- und Übungsstätten, S. 38.

[11] Zschietzschmann: Wettkampf- und Übungsstätten, S. 32. Vgl. E. Kunze: Das Stadion, in: B. Fellmann/ H. Scheyhing (Red.): 100 Jahre deutsche Ausgrabung in Olympia, München 1972, S. 51.

[12] Zschietzschmann: Wettkampf- und Übungsstätten, S. 37. Vgl. Kunze: Das Stadion, in: 100 Jahre, S. 51.

[13] Mallwitz: Olympia, S. 184. Vgl. Zschietzschmann: Wettkampf- und Übungsstätten, S. 35, Kunze: Das Stadion, in: 100 Jahre, S. 51.

[14] Swaddling: Die Olympischen Spiele, S. 94. Vgl. Zschietzschmann: Wettkampf- und Übungsstätten, S. 36.

[15] Swaddling: Die Olympischen Spiele, S. 94.

[16] Mallwitz: Die Laufbahn III, in: VIII. Olympiabericht, S. 41. Vgl. Zschietzschmann: Wettkampf- und Übungsstätten, S. 36.

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Die Geschichte des Stadions von Olympia
Hochschule
Deutsche Sporthochschule Köln
Veranstaltung
Sport in der Antike
Note
1,3
Autor
Jahr
2005
Seiten
21
Katalognummer
V112208
ISBN (eBook)
9783640110186
ISBN (Buch)
9783640109876
Dateigröße
838 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Geschichte, Stadions, Olympia, Sport, Antike
Arbeit zitieren
Katja Spudat (Autor), 2005, Die Geschichte des Stadions von Olympia, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/112208

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