Die Wichtigkeit der Kirchenfeste, besonders der Heiligenfeste, für den mittelalterlichen Alltag steht im Mittelpunkt dieser Arbeit. Anhand von ausgewählten Heiligenfesten wird u.a. auf deren unterschiedliche Funktionen im Mittelalter, sowie auf die Entstehung und Verbreitung des Heiligenkults eingegangen. Dabei werden z.B. Fragen, wie die Wichtigkeit der Feste für den mittelalterlichen Alltag behandelt, aber vor allem auch Aspekte aufgeführt, wie sie begangen wurden, welche Bräuche sich um die Heiligenfeste entwickelten, welche Gedanken dahinter stecken und welche Parallelen sich noch immer in heutigem Brauchtum entdecken lassen.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. DAS KIRCHENJAHR
3. DIE FUNKTIONEN DER HEILIGENFESTE IM MITTELALTERLICHEN ALLTAG
4. DIE ENTSTEHUNG DES HEILIGENKULTS
4.1. Verehrung bei den Römern
4.2. Verehrung in nachrömischer Zeit
4.3. Verbreitung der Brauchkultur an den Festtagen
5. DAS ALLERHEILIGEN- UND ALLERSEELENFEST
5.1. Entstehung
5.2. Brauchtum an Allerheiligen und Allerseelen – Der Armeseelenkult
5.2.1. Schmücken der Gräber
5.2.2. Die Armeseelenspeisung
5.2.3. Die Nacht der Geister und Dämonen
5.2.4. Gedanken an die eigene Auferstehung
6. DIE FEIER DES HEILIGEN MARTIN VON TOURS
6.1. Leben des Heiligen Martin von Tours
6.2. Bedeutung des Martin von Tours für die Entwicklung der Heiligenverehrung
6.3. Das Martinsfest im Brauch
6.3.1. Martini als wichtiges Fest des bäuerlichen Jahres
6.3.2. Die Martinsumzüge
6.3.3. Die Martinslaterne
6.3.4. Das Martinsfeuer
6.3.5. Die Martinsgans
6.3.6. Die bacchischen Martinsbräuche
7. DIE FEIER DER HEILIGEN BARBARA VON NIKOMEDIEN
7.1. Das Leben der Heiligen Barbara
7.2. Die Verehrung der Heiligen Barbara
7.3. Das Barbara-Brauchtum
7.3.1. Das Barbaraschießen der Artilleristen
7.3.2. Barbarabrauchtum in Bergbaugebieten
7.3.3. Barbarazweige und Barbaraweizen
7.3.4. Liebesorakel
7.3.5. Umbinden der Bäume mit Stroh
7.4. Barbara als Lichtträgerin
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Bedeutung von Heiligenfesten im mittelalterlichen Alltag, analysiert deren soziale, wirtschaftliche und praktische Funktionen sowie die Entwicklung des Heiligenkults anhand spezifischer Fallbeispiele wie Allerheiligen, Allerseelen, dem Martinstag und dem Barbaratag.
- Bedeutung kirchlicher Festtage für die Alltagsstruktur des Mittelalters
- Historische Entstehung und Ausbreitung des Heiligenkults
- Brauchtum und religiöse Symbolik rund um ausgewählte Heiligenfeste
- Soziologische und ökonomische Auswirkungen der Heiligenfeste auf die mittelalterliche Bevölkerung
- Gegenüberstellung von Heiligenverehrung basierend auf Martyrium versus Lebenswandel (Confessoren)
Auszug aus dem Buch
6.3.6. Die bacchischen Martinsbräuche
Martin galt nicht nur als Patron Frankreichs, der Soldaten und Reiter, der Bettler, etc. sondern er ist auch der Patron der Gastwirte. Eine beinahe vergessene Seite des Heiligen Martin von Tours ist, dass er auch als Spender des Weines, der Gänse, des Bratens, als Gastgeber, Einschenker des Weins und Wandler des Mostes verehrt wird. Auch Dr. Manfred Becker-Huberti erklärt, dass man das Fest „zu Hause oder in einer Schenke mit Freunden durch Speis und Trank“ feierte. In einem Gesellschaftslied heißt es:
,[...] da sauff und friss. Wer sich vollsauffen kann wird ein rechter Martinsmann.
Am Martinstag trank und speiste man folglich zu seinen Ehren – je mehr um so besser. Gelage sah man als Lob des Heiligen an, man wollte ihn auf diesen Wege ehren und sein Gedächtnis bewahren. Diese Bräuche haben aber, bis auf die Tatsache der Freigiebigkeit, keinen Bezug mehr zur wirklichen, historischen Person des Martin von Tours. Dennoch sind sie schon sehr alt. Bereits Gregor von Tours, ein Nachfolger Martins im Bischofsamt und Historiker, berichtete bereits 150 Jahre später von einem wunderbaren Weinstock, den Martin gepflanzt habe. Auch berichtet er, dass der heilige Martin von einem armen Fährmann gebeten worden sei, ihm etwas Wein zu geben, „damit er doch nicht allein nüchtern zu sein brauche, während die andern zechten“. Außerdem solle auf seinem Grabe das Wasser zu Wein werden.
Die bacchische Verehrung Martins lässt sich auch durch die Tatsache beweisen, dass in Frankreich und anderen Weinländern, die Weinfässer genau am 11. November das erste Mal geöffnet werden. Aus dieser Tatsache kann man auch den Volksglauben erklären, dass sich der Wein erst in der Martinsnacht von Most in Wein verwandle: „Marteine, Marteine, mach das Wasser zu Weine.“
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Die Autorin legt die Relevanz der Heiligenfeste für den mittelalterlichen Alltag dar und definiert den Fokus auf die Entstehung des Kults sowie das Brauchtum spezifischer Heiliger.
2. DAS KIRCHENJAHR: Dieses Kapitel thematisiert die Varianz der Heiligenfeste und beleuchtet die Kommerzialisierung moderner Feiertage im Vergleich zu ihrem ursprünglichen religiösen Hintergrund.
3. DIE FUNKTIONEN DER HEILIGENFESTE IM MITTELALTERLICHEN ALLTAG: Hier wird erläutert, wie Heiligenfeste als soziale Ereignisse, Orientierungspunkte für die Zeitrechnung und Instrumente der wirtschaftlichen Fristsetzung dienten.
4. DIE ENTSTEHUNG DES HEILIGENKULTS: Die historische Entwicklung des Totengedenkens hin zur offiziellen Märtyrerverehrung und die Ausweitung des Kults auf Nicht-Märtyrer werden untersucht.
5. DAS ALLERHEILIGEN- UND ALLERSEELENFEST: Das Kapitel behandelt den Armeseelenkult, die Rolle des Fegefeuers und die tief verwurzelten Bräuche zum Gedenken an die Verstorbenen.
6. DIE FEIER DES HEILIGEN MARTIN VON TOURS: Eine umfassende Analyse der Lebensgeschichte Martins, seiner Bedeutung als erster "Confessor" und der vielfältigen Bräuche, vom Martinsumzug bis zum "bacchischen" Weinkult.
7. DIE FEIER DER HEILIGEN BARBARA VON NIKOMEDIEN: Dieses Kapitel widmet sich der Legende der heiligen Barbara, ihrer Rolle als Nothelferin sowie dem Brauchtum der Barbarazweige und des Barbaraweizens.
Schlüsselwörter
Heiligenfeste, Mittelalter, Heiligenkult, Brauchtum, Martin von Tours, Heilige Barbara, Armeseelenkult, Fegefeuer, Martinsgans, Confessor, Volksglaube, Reliquien, Märtyrer, Nothelfer, Lichtsymbolik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die zentrale Bedeutung kirchlicher Heiligenfeste für den mittelalterlichen Alltag und wie diese als soziale, praktische und religiöse Ankerpunkte fungierten.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die historische Entstehung des Heiligenkults, die Entwicklung von Festbräuchen sowie die gesellschaftliche und wirtschaftliche Relevanz der Heiligentage im Mittelalter.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es, die Funktionen und den Sinn hinter den Heiligenfesten zu beleuchten, Bräuche zu konservieren und aufzuzeigen, inwieweit diese das Leben der Menschen im Mittelalter strukturierten.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse volkskundlicher und historischer Quellen, ergänzt durch die Untersuchung von Legenden, liturgischen Entwicklungen und künstlerischen Darstellungen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Herleitung des Heiligenkults sowie die detaillierte Analyse der Feste Allerheiligen/Allerseelen, Sankt Martin und der Heiligen Barbara inklusive ihrer jeweiligen Bräuche.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Mittelalter, Heiligenkult, Brauchtum, Confessor, Armeseelenkult, Lichtsymbolik und volkskundliche Überlieferung charakterisiert.
Wie unterscheidet sich die Verehrung des Heiligen Martin von der der Heiligen Barbara?
Martin von Tours wird als "Confessor" aufgrund seines beispielhaften Lebenswandels und seiner Wohltaten verehrt, während die Heilige Barbara primär als Märtyrerin und Nothelferin für die Sterbestunde in den Fokus rückt.
Welche Bedeutung hat das Martinsfeuer im historischen Kontext?
Das Martinsfeuer diente nicht nur als Wärmequelle oder Lichtsymbol, sondern hatte auch zauberische Funktionen zur Vertreibung des Dämonischen und zur Sicherung einer ertragreichen Wintersaat.
Warum spielt die Lichtsymbolik bei der Heiligen Barbara eine so große Rolle?
Die Barbarazweige symbolisieren in der dunkelsten Zeit des Jahres das kommende Leben und die Geburt Christi, womit die Heilige Barbara als Lichtträgerin verstanden wird, die Hoffnung und göttliches Licht bringt.
Welchen Einfluss hat das II. Vatikanische Konzil auf die Wahrnehmung der Heiligen Barbara?
Da Barbara als historisch nicht gesicherte Heilige seit dem II. Vatikanischen Konzil nicht mehr offiziell im Heiligenkalender geführt wird, hat ihr Fest an allgemeiner liturgischer Bedeutung verloren, obwohl ihr Brauchtum in manchen Regionen fortbesteht.
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- Sophia Schroll (Author), 2008, Heiligenfeste im Jahreskreis, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/112213