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Die Erziehung im Kinderheim unter Einbezug der Eltern. Zur (problematischen) Kooperation zwischen Eltern und Erziehern

Title: Die Erziehung im Kinderheim unter Einbezug der Eltern. Zur (problematischen) Kooperation zwischen Eltern und Erziehern

Diploma Thesis , 2008 , 76 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Annika Duderstadt (Author)

Social Work
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Der Mythos vom Heim als totale Institution, in der Kinder und Jugendliche „aufbewahrt“ werden, entspricht schon lange nicht mehr den Zuständen stationärer Kinder- und Jugendhilfeeinrichtungen in Deutschland. Vielmehr hat auch hier eine Modernisierung stattgefunden, die zu einer ausdifferenzierten Heimlandschaft beigetragen hat. Nichtsdestotrotz sind Heime auch heutzutage vor allem Lebensorte für Kinder, deren Eltern mit der Erziehung überfordert sind und deshalb staatlicher Unterstützung bedürfen.

Heimkinder waren in ihrer Herkunftsfamilie häufig schwierigsten Bedingungen ausgesetzt, die einen dortigen Verbleib unmöglich gemacht haben. Wenn Heimmitarbeiter von den teils traumatischen Erlebnissen der Kinder erfahren, sind sie leicht dazu geneigt, einseitig für das Kind Partei zu ergreifen und sich damit gegen die Eltern des Kindes zu stellen. Die Einbeziehung der Eltern ist dabei für sie nicht mit dem Kindeswohl vereinbar, schließlich haben sich die Eltern durch ihre schädigenden Handlungen das Recht auf die Pflege und Erziehung ihres Kindes verwirkt. Doch eine derart starre Haltung der Fachkräfte, kann vor dem Hintergrund der aktuellen rechtlichen Lage nicht aufrecht erhalten werden, da die Heime einen gesetzlichen Auftrag haben, der sie zur Elternarbeit verpflichtet.

Wie eine solche Kooperation zwischen Fachkräften und Eltern zu gestalten ist, darüber herrscht bisher noch Uneinigkeit, da es begünstigt durch die Formenvielfalt der Heime bisher keine einheitlichen Standards zur Umsetzung dieser Aufgabe gibt.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Situation der Heimerziehung in Deutschland heute

2.1. Heimerziehung im Kontext des Kinder- und Jugendhilfegesetzes

2.2. Aufgaben und Ziele von Heimerziehung

2.3. Formen von Heimerziehung

2.4. Heimerziehung in Zahlen

2.5. Wirksamkeit von Heimerziehung

3. Die Familie von Heimkindern

3.1. Familiäre Situation von Heimkindern

3.2. Familie als System

3.3. Systemisches Problemverständnis

3.4. Heimerziehung als Lösungsversuch

4. Elternarbeit in der Heimerziehung

4.1. Definition von Elternarbeit

4.2. Notwendigkeit und Ziele von Elternarbeit

4.3. Rahmenbedingungen von Elternarbeit

4.4. Qualifikation der Heimmitarbeiter für Elternarbeit

4.5. Zusammenarbeit zwischen Heimmitarbeitern und Eltern

4.5.1. Haltung der Mitarbeiter

4.5.2. Eltern als Partner oder Konkurrenten im Erziehungsprozess?

4.5.3. Mitarbeit der Eltern

4.5.4. Elternarbeit in der Praxis

5. Formen und Methoden der Elternarbeit

5.1. Gespräche

5.2. Elterngruppen

5.3. Elternarbeit als Trauerarbeit

5.4. Elternarbeit ohne Eltern

5.5. Elternarbeit als Familientherapie

6. Hindernisse und Grenzen der Elternarbeit

7. Fazit

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht die Notwendigkeit und Gestaltung der Elternarbeit in der stationären Heimerziehung. Dabei steht die zentrale Forschungsfrage im Mittelpunkt, ob eine erfolgreiche Reintegration von Kindern in ihre Herkunftsfamilie sowie eine nachhaltige positive Entwicklung nur dann möglich sind, wenn die Eltern aktiv und methodisch fundiert in den Hilfeprozess miteinbezogen werden.

  • Bedeutung systemischer Ansätze für das Verständnis familiärer Probleme bei Heimkindern.
  • Die Rolle der Elternarbeit für die Minderung von Loyalitätskonflikten bei Kindern.
  • Anforderungen an die fachliche Qualifikation von Heimmitarbeitern zur Durchführung professioneller Elternarbeit.
  • Differenzierung der verschiedenen Modelle und Methoden der Zusammenarbeit mit Eltern in der Praxis.
  • Rechtliche und strukturelle Rahmenbedingungen, die eine erfolgreiche Elternarbeit fördern oder behindern.

Auszug aus dem Buch

3.3. Systemisches Problemverständnis

„Unser Kind ist ‚krank’. Bitte helfen Sie uns!“. So oder so ähnlich lauten wahrscheinlich viele Aussagen von Eltern, wenn sich diese hilfesuchend an das Jugendamt wenden. Dabei sind sie überzeugt, dass ihr Kind professionelle Hilfe braucht, weil es beispielsweise in der Schule auffällig geworden ist oder sich aggressiv verhält. Eigene Fehler in der Erziehung oder im Umgang mit dem Kind räumen die Eltern dabei nur selten ein. Folgt ein Sozialarbeiter diesen einseitigen Schuldzuweisungen der Eltern, wird er versuchen, dass Kind zu einer Verhaltensänderung zu bewegen, ohne dabei die inneren Strukturen der Familie zu beachten.

Ein systemisches Verständnis von Problemen kann helfen, das Kind aus seiner Rolle als Sündenbock herauszuholen. Diesem Denken liegt die Vorstellung zugrunde, dass die Kommunikations- und Interaktionsprozesse innerhalb der Familie das Handeln des Kindes beeinflussen. Die Ursachen für Verhaltensauffälligkeiten liegen damit nicht allein in der Person des Kindes und dessen defizitärer Entwicklung begründet, sondern in seinem Umfeld. Das Kind wird durch eine solche Sichtweise entlastet, weil es lediglich der Symptomträger für versteckte innerfamiliäre Konflikte ist. Um dies zu begründen, zieht Ritscher das Konzept der Zirkularität heran. Alle Familienmitglieder handeln im System gemeinsam und beeinflussen sich wechselseitig. Es gibt also nicht einen Schuldigen, sondern alle tragen durch ihr Verhalten zum Problem bei. Wird das Verhalten eines Kindes als angemessene Reaktion auf das System verstanden, können einseitige Schuldzuweisungen verhindert werden.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung führt in das Thema der Heimerziehung in Deutschland ein, thematisiert den Modernisierungsprozess der Heime und stellt die Notwendigkeit sowie die Zielsetzung der Arbeit bezüglich der Elternarbeit dar.

2. Situation der Heimerziehung in Deutschland heute: Das Kapitel bietet einen Überblick über den rechtlichen Kontext gemäß SGB VIII, beschreibt die vielfältigen Formen moderner Heimerziehung und analysiert statistische Daten sowie die Wirksamkeit stationärer Hilfen.

3. Die Familie von Heimkindern: Hier wird die familiäre Herkunftssituation beleuchtet und der systemtheoretische Ansatz genutzt, um die Familie als vernetztes Ganzes zu begreifen, in dem das Kind als Symptomträger fungieren kann.

4. Elternarbeit in der Heimerziehung: Dieses Kapitel definiert den Begriff der Elternarbeit, begründet deren Notwendigkeit für den Hilfeprozess und erörtert die notwendigen Rahmenbedingungen sowie Qualifikationen der Fachkräfte.

5. Formen und Methoden der Elternarbeit: Es werden konkrete methodische Ansätze wie Elterngespräche, Elterngruppen, Trauerarbeit, Biografiearbeit ohne Eltern und Familientherapie detailliert vorgestellt.

6. Hindernisse und Grenzen der Elternarbeit: Dieses Kapitel setzt sich kritisch mit den Herausforderungen auseinander, die eine gelingende Elternarbeit behindern, darunter mangelnde Motivation, strukturelle Faktoren und traumatische Vorgeschichten.

7. Fazit: Das Fazit fasst die zentrale Bedeutung der Elternarbeit für den Hilfeverlauf zusammen und fordert die Etablierung verbindlicher Qualitätsstandards in der Heimerziehung.

Schlüsselwörter

Heimerziehung, Elternarbeit, Systemische Theorie, Jugendhilfe, Kindeswohl, Familienorientierung, Hilfeplan, Sozialpädagogik, Erziehungsfähigkeit, Loyalitätskonflikt, stationäre Hilfe, Biografiearbeit, Familientherapie, Kooperation, Professionalisierung

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der Rolle und Bedeutung der Elternarbeit innerhalb der stationären Heimerziehung in Deutschland.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Im Fokus stehen die systemische Sichtweise auf Familien, die Kooperation zwischen Heimen und Jugendämtern sowie die methodische Gestaltung professioneller Elternarbeit.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Das Ziel ist die Diskussion der Frage, ob eine Einbeziehung der Eltern bei stationären Hilfen notwendig ist, um eine nachhaltige Reintegration und Entwicklung der Kinder zu fördern.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Analyse unter Einbeziehung systemischer Konzepte, bindungstheoretischer Erkenntnisse sowie empirischer Studien aus dem Bereich der Jugendhilfe.

Was sind die inhaltlichen Schwerpunkte des Hauptteils?

Der Hauptteil behandelt die theoretischen Grundlagen der Systemik, definiert verschiedene Methoden der Elternarbeit (von Gesprächen bis Familientherapie) und analysiert Rahmenbedingungen sowie Qualifikationserfordernisse für Fachkräfte.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind unter anderem Heimerziehung, Elternarbeit, Systemische Theorie, Kindeswohl, Loyalitätskonflikt und Familienorientierung.

Welche Rolle spielt die Bindungstheorie in der Arbeit?

Die Bindungstheorie unterstreicht, dass familiale Bindungen auch nach einer Fremdunterbringung fortdauern und dass eine Aufarbeitung dieser Bindungen für die Identitätsbildung der Kinder entscheidend ist.

Warum wird die „Biografiearbeit“ besonders hervorgehoben?

Sie ermöglicht Kindern, die keinen direkten Kontakt zu ihren Eltern haben oder deren familiäre Situation unklar ist, ihre Vergangenheit zu rekonstruieren und so zu einer stabilen Persönlichkeitsentwicklung zu gelangen.

Warum kritisieren die Jugendämter oft die Dauer der Heimaufenthalte?

Jugendämter drängen aus Kostengründen auf eine Verkürzung der Aufenthaltsdauer, wobei eine gelingende Elternarbeit als Instrument gesehen wird, um die Rückkehr in die Familie schneller zu ermöglichen.

Was ist das „Systemische Problemverständnis“?

Es betrachtet Verhaltensauffälligkeiten des Kindes nicht als isoliertes Problem, sondern als Reaktion auf Interaktionsprozesse und Konflikte innerhalb des gesamten Familiensystems.

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Details

Title
Die Erziehung im Kinderheim unter Einbezug der Eltern. Zur (problematischen) Kooperation zwischen Eltern und Erziehern
College
University of Applied Sciences Braunschweig / Wolfenbüttel
Grade
1,0
Author
Annika Duderstadt (Author)
Publication Year
2008
Pages
76
Catalog Number
V112257
ISBN (eBook)
9783640122264
Language
German
Tags
Heimerziehung Eltern
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Annika Duderstadt (Author), 2008, Die Erziehung im Kinderheim unter Einbezug der Eltern. Zur (problematischen) Kooperation zwischen Eltern und Erziehern, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/112257
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