Infrastrukturelle Anforderungen an Unternehmensstandorte in Braunschweig

Vergleich zwischen verschiedenen Branchen


Diplomarbeit, 2008

95 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Zielsetzung der Arbeit
1.2 Vorgehensweise bei der Bearbeitung des Themas

2. Standort
2.1 Allgemeine Definition
2.2 Standortwahl
2.3 Standortfaktoren
2.3.1 Marktbezogene Faktoren
2.3.2 Betriebswirtschaftliche Faktoren
2.3.3 Rechtliche Faktoren
2.3.4 Infrastrukturelle Faktoren
2.3.4.1 Arten der Infrastruktur
2.3.4.2 Die Bedeutung von Infrastruktur für Unternehmen

3. Analyse des Standortes Braunschweig
3.2 Braunschweigs Stärken
3.3 Braunschweigs Schwächen

4. Branchenspezifische Anforderungen an Infrastruktur
4.1 Anforderungen der Branchen - Eine Befragung
4.2 Zielgruppendefinition für die Befragung
4.3 Forschungseinrichtungen in Braunschweig
4.3.1 Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt e.V
4.3.2 Physikalisch-Technische Bundesanstalt
4.3.3 Frauenhofer-Institut für Schicht- und Oberflächentechnik - IST
4.3.4 Auswertung der Fragebögen
4.4 Industrieunternehmen in Braunschweig
4.4.1 Braunschweigische Maschinenbauanstalt AG
4.4.2 Unternehmen X
4.4.3 Unternehmen Y
4.4.4 Auswertung der Fragebögen
4.5 Direkter Vergleich der Branchenanforderungen

5. Fazit und Ausblick

Anhang

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Übersicht der verschiedenen Arten der Infrastruktur

Abbildung 2: Zurückgelegte Fahrten und Wege im Personenverkehr im Großraum Braunschweig

Abbildung 3: Die wichtigsten Straßen und Schienen im Großraum Braunschweig

Abbildung 4: Entwicklung der Altersstrukturverteilung der Stadt Braunschweig

Abbildung 5: Gegenüberstellung der Branchenanforderungen an die immaterielle Infrastruktur

Abbildung 6: Gegenüberstellung der Branchenanforderungen an die personelle (links) und institutionelle (rechts) Infrastruktur

Abbildung 7: Bewertungsvergleich der Infrastrukturarten

Abbildung 8: Erfüllt Braunschweig die Branchenanforderungen an die Infrastruktur

Abbildung 9: Gegenüberstellung der Branchenanforderungen an die marktbezogenen Faktoren

Abbildung 10: Gegenüberstellung der Branchenanforderungen an die betriebswirtschaftlichen Faktoren

Abbildung 11: Gegenüberstellung der Branchenanforderungen an die rechtlichen Faktoren

Abbildung 12: Gegenüberstellung der Branchenanforderungen an die infrastrukturellen Faktoren

Abbildung 13: Bewertungsvergleich der Standortfaktoren

Abbildung 14: Erfüllt Braunschweig die Branchenanforderungen an die Standortfaktoren

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Beispiel der Bewertungsmatrix des Fragebogens zu der Infrastruktur

Tabelle 2: Beispiel der Bewertungsmatrix des Fragebogens zu den Standortfaktoren

Tabelle 3: Übersicht der Anforderungen an die allgemeine Infrastruktur der Forschungsunternehmen

Tabelle 4: Bewertung der materiellen Infrastruktur der Forschungs- unternehmen

Tabelle 5: Bewertung der personellen Infrastruktur der Forschungs- unternehmen

Tabelle 6: Bewertung der institutionellen Infrastruktur der Forschungs- unternehmen

Tabelle 7: Übersicht der Anforderungen an die allgemeinen Standort- faktoren der Forschungsunternehmen

Tabelle 8: Bewertung der Standortfaktoren der Forschungsunternehmen

Tabelle 9: Übersicht der Anforderungen an die allgemeine Infrastruktur der Industrieunternehmen

Tabelle 10: Bewertung der materiellen Infrastruktur der Industrie- unternehmen

Tabelle 11: Bewertung der personellen Infrastruktur der Industrie- unternehmen

Tabelle 12: Bewertung der institutionellen Infrastruktur der Industrie- unternehmen

Tabelle 13: Übersicht der Anforderungen an die allgemeinen Standort- faktoren der Industrieunternehmen

Tabelle 14: Bewertung der Standortfaktoren der Industrieunternehmen

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

1.1 Zielsetzung der Arbeit

Effiziente Verkehrsnetze und Verkehrssysteme sind für eine Wirtschaftsentwicklung von grundlegender Bedeutung. Unternehmen der verschiedensten Branchen an einem Standort sind auf eine zuverlässige Infrastruktur in ihrer ganzen Vielfalt angewiesen. Denn Einigkeit besteht in der Frage, dass eine gute Infrastruktur erfolgsrelevant und der Standort für Unternehmen erfolgsbestimmend ist, insbesondere als Folge der vorhandenen Infrastruktur.[1]

In der heutigen, von zunehmendem Wettbewerb und fortschreitender Internationalisierung der Wirtschaftsprozesse geprägten Zeit erwägen viele Unternehmen ihre Produktion, Forschung und Entwicklung in das Ausland zu verlagern. Das Beispiel der hohen Lohnkosten und Steuersätze in Deutschland, welche weit über denen anderer Länder liegen, führt Kerkhoff in seiner Literatur als Gründe für eine Verlagerung der Unternehmensprozesse in das Ausland an. Das hemmt die Lust an einem Aufrechterhalten der Produktion in Deutschland, so Kerkhoff und drängt: „Wer jetzt nicht den Schritt ins Ausland wagt, läuft mittelfristig Gefahr, im immer härteren internationalen Wettbewerb zu den „Verlierern“ zu gehören.“[2]

Aber was spricht gegen eine Ansiedlung, beziehungsweise gegen eine Erhaltung eines Unternehmens in Deutschland oder gar am Standort Braunschweig?

In diesem Zusammenhang ist ein aktuelles Beispiel das der Auerswald GmbH & Co. KG. Während Nokia die Produktion nach Rumänien verlagert, ist der Geschäftsführer Gerhard Auerswald ein Musterbeispiel, welches zeigt, was möglich ist, wenn Firmenchef und Mitarbeiter die selbe Firmenphilosophie verfolgen und so hat er die Produktion aus China abgezogen und wieder zurück in den Großraum Braunschweig verlagert - mit Erfolg.[3]

Ein wohl unbestrittener Standortvorteil Braunschweigs ist in der dauerhaft wachsenden, modernen und leistungsfähigen Infrastruktur zu sehen. So zum Beispiel sind sichere Stromnetze mit hoher Verfügbarkeit ein wichtiger Standortvorteil. Bei der Qualität des Versorgungsnetzes liegt Braunschweig im deutschen Vergleich ganz vorn.[4]

Diese Infrastruktur besteht jedoch nicht nur aus sämtlichen Einrichtungen, Institutionen und Dienstleistungen, die zu der Grundausstattung einer Volkswirtschaft gehören und für deren Wachstum unabdingbar sind, sondern umfasst auch weiter alle Einrichtungen des Bildungs-, Forschungs- und Gesundheitswesens sowie die Leistungsbereitschaft und die Qualifikation einer

Bevölkerung. In der Bundesrepublik Deutschland zählt die Infrastruktur zur Daseinsfürsorge und ist sogar im Grundgesetz verankert.[5]

Wenn man Braunschweig näher betrachtet, erkennt man international renommierte Forschungseinrichtungen, die Braunschweigs gut entwickelte Forschungs- und Entwicklungs-Infrastruktur bilden. Diese erlauben den direkten Zugang zur Hochtechnologie. Eine fachübergreifende Vernetzung zwischen Wirtschaft und Wissenschaft wird durch die hohe Forschungsdichte am Standort gefördert.[6]

In Braunschweig befindet sich mit dem Forschungsflughafen das innovativste und erfolgreichste Wirtschafts- und Wissenschaftscluster Niedersachsens. In enger Kooperation mit Industrie und Forschung präsentiert sich dieses Cluster mit großem Entwicklungseinfluss auf die gesamte Region.[7] Damit diese Kooperation mit Industrie und Forschung konstant bleibt, muss Braunschweig gerade diesen Branchen eine gute Infrastruktur mit Standortvorteilen bieten.

Ziel dieser Arbeit ist es, die relevanten Infrastrukturbedingungen und Standortfaktoren der Branche Forschung und der Branche Industrie zu untersuchen. Folgende Forschungsfragen sollen zur Zielerreichung beantwortet werden:

- Was für infrastrukturelle Anforderungen haben Unternehmen der Branchen Forschung und Industrie an den Standort Braunschweig und
- bietet Braunschweig ihnen diese Infrastruktur?
- Welche Standortfaktoren sind für die Branchen Forschung und Industrie maßgeblich und
- kann Braunschweig diesen Anforderungen entsprechen?

1.2 Vorgehensweise bei der Bearbeitung des Themas

Wie einleitend bereits erwähnt, muss man sich als Standort Vorteile verschaffen, um sich als Wirtschaftsstandort in diesem weltweiten, in der Intensität gestiegenen Wettbewerb, behaupten zu können. Es ist erforderlich, Vorteile gegenüber anderen Standorten herauszuarbeiten beziehungsweise zu erhalten.[8]

Aus diesem Grund wird in Kapitel 2 dieser Arbeit erstens der Begriff Standort allgemein definiert und zweitens die Standortwahl beschrieben, um die

„Untrennbarkeit von Wirtschaftserfolg und Standortbedingungen“ darzulegen. Eine Reihe von verschiedenen Standortfaktoren wird erläutert. Zu dem in dieser Arbeit besonders wichtigen Standortfaktor Infrastruktur werden verschiedene Arten der Infrastruktur definiert und die Bedeutung von Infrastruktur für Unternehmen dargelegt.

Mit dem dritten Kapitel dieser Arbeit „Analyse des Standortes Braunschweig“ folgt eine Überleitung zu dem Portrait Braunschweigs und dessen Infrastruktur. Um die Stärken und Schwächen von Braunschweig aufzuzeigen, beziehungsweise um darauf aufmerksam zu machen, was Braunschweig zu bieten hat oder an was es der Stadt als Standort mangelt, wird unter anderem die Stärken-Schwächen-Analyse des zurzeit aktuellen wissenschaftlichen Städterankings der Initiative „Neue Soziale Marktwirtschaft“ in Kooperation mit der Wirtschaftswoche herangezogen. Eines ist aber schon jetzt gewiss: Braunschweig liegt mit Platz 11 von insgesamt 50 untersuchten Großstädten auf einem der vorderen Plätze.

In Kapitel 4 dieser Arbeit folgt durch eine Expertenbefragung ein Vergleich der Branche Forschung und der Branche Industrie des Wirtschaftsstandortes Braunschweig. Für jede dieser Branchen haben drei ausgewählte Unternehmen mit Sitz in Braunschweig, unabhängig voneinander, einen für diese Arbeit konzipierten Fragebogen ausgefüllt.

Dieser Fragebogen wurde erstellt, um die spezifischen Anforderungen der Unternehmen der jeweiligen Branche an die Infrastruktur in Braunschweig und an die Standortfaktoren in Braunschweig zu eruieren. Weiter wird durch die Auswertung der Fragebögen herausgefunden, ob sich die Anforderungen der Branchen differenzieren und ob Braunschweig den branchenspezifischen Anforderungen gerecht wird oder nicht.

Somit ist der Fragebogen und dessen Auswertung Hauptbestandteil des qualitativen Vergleiches dieser Arbeit und gleichzeitig praktischer Bezug zu dem Standort Braunschweig und dessen Infrastruktur.

2. Standort

Einleitend wird in diesem Kapitel der Standort allgemein definiert. Es folgen die Darstellungen von Standortwahl und Standortfaktoren. Eine Reihe von verschiedenen Standortfaktoren wird definiert und es wird speziell auf den Standortfaktor Infrastruktur eingegangen. Abschließend wird in diesem Kapitel aufgezeigt warum die Infrastruktur für Unternehmen eine wichtige Rolle spielt.

2.1 Allgemeine Definition

Der Standort ist im allgemeinen Sinne der geographische Ort, an dem sich Unternehmen befinden. Die Unternehmen erstellen oder verwerten dort ihre Güter oder Dienstleistungen.[9]

Genauer wird der Begriff des Standortes von Peters und Brühl in ihrer Literatur

„Betriebswirtschaftslehre“ beschrieben. Sie bezeichnen den Standort des Betriebes als denjenigen Ort, der innerhalb eines Wirtschaftsraumes verstanden wird, an dem sich seine Verwaltungs- und Fertigungsstätten, seine Lager und andere Baulichkeiten befinden. Weiter weisen Peters und Brühl darauf hin, dass Teile eines Betriebes auch unterschiedliche Standorte aufweisen können, wenn beispielsweise Werke oder Auslieferungslager an verschiedenen Orten untergebracht sind.[10]

Dieser Definition des Standortes von Peters und Brühl folgt auch die Auffassung dieser Arbeit, wobei die Abgrenzung der unterschiedlichen Standorte, wie zum Beispiel der eben genannten Werke oder Lager, hier keine Anwendung findet.

Für Unternehmen ist der Standort von besonderer Bedeutung. Unter dem Unternehmensstandort soll nach der Literatur von Bennert jener Standort verstanden werden, an dem der überwiegende Teil der betrieblichen Wertschöpfung geleistet wird. Die Standortqualität hängt indessen von vielerlei Faktoren ab, auf welche in Kapitel 2.3 dieser Arbeit ausführlicher eingegangen wird. Es sind an dieser Stelle nur einige Beispiele wie die Faktoren Beschäftigungsstruktur, Ver- und Entsorgungs-Infrastruktur und Immobilienstruktur genannt.[11]

Seine Rechtsform oder eine bestimmte Form des Zusammenschlusses des gesetzmäßigen Rahmens ist ebenso ein wichtiger Bestandteil wie der Standort eines Unternehmens. Dies gilt insbesondere deshalb, weil die Entscheidung für den betrieblichen Standort wegen ihrer dauerhaften Wirkung eindeutig wesentlichen Charakter aufweist.[12]

Auf die Standortwahl wird im nun folgenden Kapitel 2.2 detaillierter eingegangen.

2.2 Standortwahl

Als offenes System steht ein Unternehmen mit seiner wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und natürlichen Umwelt in vielen Beziehungen. Viele der externen Faktoren und Beziehungen sind teilweise an den Standort des Unternehmens gebunden oder mit diesem verknüpft. Deswegen nennt man die „Untrennbarkeit von Wirtschaftserfolg und Standortbedingungen“ die Verknüpfung von ökonomischen und geographischen Prozessen. Der Standort von Unternehmen kann somit als zentrales Element der unternehmerischen Wettbewerbsfähigkeit bezeichnet werden.

Die Bedeutung des Standortes für die unternehmerische Anerkennung und Leistung hat schon früh zu Überlegungen geführt, wie der optimale Standort eines Betriebes ermittelt werden kann.[13] Dazu gibt es verschiedenste Ansätze. Bereits 1928 wurde die Bedeutung der industriellen Standorttheorie von dem deutschen Ökonomen Andreas Predöhl beschrieben und später von Walter

Isard weiterentwickelt. Dadurch, dass ein Unternehmen die Möglichkeit hat, verschiedene Inputfaktoren, wie Kapital und Arbeit, zu einem gewissen Grad durch andere zu ersetzen, können sich die standortbedingten Lagekosten für das Unternehmen verändern und somit verschieben sich die Grenzen der Gewinnzone und der kostenoptimale Standort. Ein großer Verdienst der Standorttheorie von Smith ist es, kostenorientierte Elemente der Standortwahl mit anderen wesentlichen entscheidungsrelevanten Faktoren verknüpft zu haben. Von besonderer Bedeutung für den Realitätsbezug dieser Theorie ist vor allem die Erkenntnis, dass andere Aspekte, wie zum Beispiel persönliche Präferenzen oder unternehmerische Fähigkeiten, einen ebenso großen Einfluss auf Standortwahl und Unternehmenserfolg haben können.[14]

Das Konzept einer räumlichen Gewinnzone bei variablen Kosten und Erlösen erkennt die Möglichkeit einer suboptimalen Standortwahl an.

Auf den Sachverhalt, dass die modellhafte Annahme eines gewinnmaximierenden und rein rational handelnden Unternehmers realitätsfern ist, hat in den 1960er Jahren Allan Pred hingewiesen, dessen Werk den verhaltensorientierten Ansatz in der Wirtschaftsgeographie begründete. Anders als die neoklassischen Ansätze von Predöhl und Isard arbeitet dieser stärker induktiv und nicht normativ. Im Mittelpunkt aller ökonomischen Überlegungen und Verhaltensweisen stehen das Individuum sowie seine Werte, Motive und Wahrnehmung. Der Grundgedanke des Modells der Standortwahl von Pred ist die Überlegung, dass Menschen niemals vollständig rational handeln, sondern vielmehr irrationale Momente bei der Entscheidung oftmals eine Rolle spielen.

Darüber hinaus verfügt kein Mensch, also auch kein Unternehmer, über vollständige Informationen. Bezogen auf die Standortwahl eines Unternehmens bedeutet dies, dass die betroffenen Entscheidungsträger zu keinem Zeitpunkt vollkommene Informationen über alle denkbaren Standortalternativen haben. Es ergeben sich so suboptimale Standortentscheidungen.[15]

Die Wahl des richtigen Standorts kann für den Erfolg eines Unternehmens entscheidend sein. Da sich ein Standort oftmals nicht kurzfristig ändern lässt und die eben genannten suboptimalen Standortentscheidungen möglichst verhindern werden müssen, empfiehlt sich eine sorgfältige Suche nach dem optimalen Standort für ein Unternehmen durchzuführen.

Bei der Suche nach dem optimalen Standort ist eine große Zahl von Standortbestimmungsfaktoren, beziehungsweise Standortfaktoren und deren Vor- und Nachteile verschiedener Standorte zu beachten. Darauf aufbauend benötigt man ein Kriterium oder eine Zielgröße, nach der die Entscheidung für einen Standort getroffen werden kann.[16]

So fasst auch Ludwig Schätzl in seiner Literatur in dem Beispiel zusammen, dass die Wahl des optimalen Standorts für einen Einzelbetrieb eine unternehmerische Entscheidung ist, die sich an dem Unternehmensziel zu orientieren hat.

Wird zum Beispiel Gewinnmaximierung angestrebt, so ist der Standort des Betriebes so zu wählen, dass die Differenz zwischen standortbedingten Erlösen und standortabhängigen Kosten maximiert wird.[17]

Im Rahmen dieser Arbeit gilt es vor allem folgende Annahmen zu belegen:

- Für ein industrielles Unternehmen spielt zum Beispiel die Lage oder eine gute Infrastruktur wie Straßenanschluss oder die Nähe zu möglichen Kunden eine große Rolle.
- Für forschungsorientierte Unternehmen ist vielmehr ein Potenzial an hochqualifizierten Mitarbeitern an einem Standort von großer Bedeutung.

Zu den unterschiedlichen Anforderungen an den Standort und die entsprechenden Standortfaktoren, der hier erwähnten Branchen Industrie und Forschung, wird in Kapitel 4 dieser Arbeit eingegangen. Der einleitend erwähnte Vergleich wird angestrebt, um eine Abgrenzung der Branchen Industrie und Forschung zu verdeutlichen und die oben aufgestellten Annahmen zu belegen, beziehungsweise zu widerlegen.

Abschließend wird an dieser Stelle noch einmal darauf verwiesen, dass die Standortwahl für Unternehmen eine langfristige Grundsatzentscheidung ist, welche die Entwicklungsmöglichkeiten und den wirtschaftlichen Erfolg eines Unternehmens mitbestimmt und eine strategische Bedeutung bei Neueinrichtungen oder Verlagerungen von Unternehmen hat.[18]

Die Wahl des Unternehmensstandortes ist zu begründen. Es sollte zunächst die Wirtschaftsregion beurteilt werden. Da stellen sich Fragen wie „Warum sollte sich das Unternehmen ausgerechnet in dieser Region niederlassen?“ oder „Was macht die Region für das Unternehmen besonders interessant?“.[19] Bei der Analyse und Auswahl eines Standortes sind deshalb die entscheidenden Bestimmungsfaktoren daraufhin zu untersuchen, ob mit den spezifischen Anforderungen des Unternehmens zu rechnen ist, um eine möglichst sichere Entwicklung der Unternehmen zu garantieren. Dabei muss auch geprüft werden, ob notwendige Erweiterungen von Betriebsteilen möglich sind oder ob die gegenwärtigen Verkehrsbedingungen zutreffend sind.[20]

Auf weitere Bestimmungsfaktoren, beziehungsweise Standortfaktoren wird in dem nächsten Kapitel dieser Arbeit näher eingegangen, um den Zusammenhang auf die erwähnten Branchen Forschung und Industrie darzustellen. Die für die Befragung ausgewählten Unternehmen stellen sich solch ähnlichen Fragen und einer Bewertung von Standortfaktoren für den Vergleich Dieser.

Die gezielten Fragen, warum die Wahl der Unternehmen auf den Standort Braunschweig gefallen ist und welche Standortfaktoren für die Unternehmen maßgeblich sind, werden die Auswertungen der Fragebögen in den Kapiteln 4.3.4 (Branche Forschung) und 4.4.4 (Branche Industrie) Aufschluss geben.

2.3 Standortfaktoren

Der Begriff Standortfaktor geht auf Alfred Weber (1909) zurück. Er verstand unter einem Standortfaktor, einen seiner Art nach abgegrenzten Vorteil, der für eine wirtschaftliche Tätigkeit dann eintritt, wenn sie sich an einem bestimmten Ort oder generell an Plätzen bestimmter Art vollzieht. Wobei Weber den Vorteil eines Ortes darin sieht, den als Ganzes betrachteten Produktions- und Absatzprozess eines bestimmten industriellen Produkts nach irgendeiner Richtung günstiger durchführen zu können als woanders.[21]

Würde es aber nicht sinnvoller erscheinen, anstelle des genannten Vorteils im Allgemeinen die Einflussnahme auf die Standortentscheidung spezifische Merkmale eines Standortfaktors heranzuziehen? Dann ist als Standortfaktor nämlich eine Einflussgröße zu bezeichnen, die von Ort zu Ort unterschiedlich auf verschiedene Komponenten der unternehmerischen Zielsetzung einwirken kann und deshalb von Bedeutsamkeit für die unternehmerische Standortwahl ist.[22]

Genau dieser Abgrenzung des Begriffes der Standortfaktoren folgt die Auffassung dieser Arbeit. Denn die befragten Unternehmen haben für den Vergleich im vierten Kapitel verschiedene Standortfaktoren zu bewerten und zu beantworten, ob der Standort Braunschweig diese, für das Unternehmen wichtigen, Faktoren bietet. Ist das der Fall, wird der Standort der Unternehmen nicht verlagert, wobei andere Einflussgrößen für eine Verlagerung eines Standortes hier außer Acht gelassen werden.

Bietet der Standort Braunschweig diese Faktoren nicht, die für die Unternehmen als wichtig gelten, muss folglich die Frage beantwortet werden, warum das Unternehmen trotzdem in Braunschweig ansässig ist, beziehungsweise was die Unternehmen an Braunschweig bindet.

Welche Anforderungen ein Standort im Einzelnen erfüllen muss, hängt immer vom Einzelfall ab. Die relevanten Standortfaktoren richten sich nach verschieden Größen, wie zum Beispiel:

- die Branche in denen die Unternehmen tätig sind
- die Betriebsgröße der Unternehmen
- dem angesprochenen Kundenkreis
- der Zahl und Qualifikation der benötigten Arbeitskräfte und
- den rechtlichen Bedingungen.

Bestimmte Faktoren von den eben aufgezählten, können für bestimmte Unternehmen ausschlaggebende Bedeutung haben, die für andere Betriebe hingegen völlig belanglos sind und außer Acht gelassen werden.

Es stellt sich heraus, dass Standortfaktoren eine doppelte Funktion erfüllen. Einerseits charakterisieren sie die gegebenen Standortbedingungen. Andererseits bilden sie in dem Standortwahlprozess das individuelle Anforderungsprofil der Unternehmen. Erst der Beurteilungsprozess, das heißt die konkrete Aussicht eines Unternehmens auf einen Standort, lässt die allgemeinen Standortbedingungen zu konkreten Standortfaktoren werden.[23]

Es gibt verschiedene Standortfaktoren. So sollte zwischen marktbezogenen, betriebswirtschaftlichen, rechtlichen und Infrastrukturbezogen Faktoren unterschieden werden.[24]

Auf diese erwähnten Faktoren und warum diese für einen Standort von hoher Bedeutung sind, beziehungsweise sein können, wird in den nachfolgenden Unterkapiteln darlegt.

2.3.1 Marktbezogene Faktoren

Ein bedeutender Standortfaktor ist der marktbezogene Faktor eines Standortes. Dieser Faktor zielt auf die folgenden wesentlichen Aspekte ab, die besonders für Unternehmen von großer Bedeutung sind, die in der Branche Industrie tätig sind:

- die Entfernung zu den Hauptabnehmern
- die Materialbeschaffung von zum Beispiel Rohstoffen
- die Konkurrenzsituation und
- der Arbeitsmarkt zum Beispiel die Qualifikation oder Alter der Mitarbeiter.[25]

Da hier die Behauptung aufgestellt wird, dass die eben genannten Aspekte von großer Bedeutung für Unternehmen aus der Branche Industrie wichtig sind, soll durch die Abfrage der marktbezogenen Faktoren der Unternehmen in Kapitel 4 dieser Arbeit ermittelt werden, ob die Branchen Forschung und Industrie die gleichen Anforderungen an diesen Faktor stellen, oder ob eine Differenzierung der verschiedenen Aspekte zu erkennen ist.

Die Analyse marktbezogener Faktoren verlangt, den Absatzmarkt und die Konkurrenzsituation, den Beschaffungsmarkt und den Arbeitsmarkt näher zu betrachten. Weitere Stichpunkte, die in Zusammenhang mit marktbezogenen Faktoren in Verbindung gebracht werden, sind die Einwohnerzahlen, die Sozial- und Altersstrukturen, die Einkommensverhältnisse im Einzugsgebiet und die Standortvor- und Nachteile,[26] auf welche aber in dieser Arbeit nicht weiter eingegangen wird.

2.3.2 Betriebswirtschaftliche Faktoren

Nicht weniger Bedeutung beizumessen ist dem betriebswirtschaftlichen Faktor eines Standortes. Für die Prüfung der Frage, ob es sich um einen kostengünstigen Standort mit hohem Ertragspotential handelt, müssen betriebswirtschaftliche Faktoren, wie die Kostenlage des potentiellen Standortes, analysiert werden. So muss zum Beispiel untersucht werden, ob der Standort aufgrund seiner ortsspezifischen Lage besondere Kosten verursacht, oder ob er zukünftig notwendig werdende Erweiterungsmöglichkeiten zulässt.[27]

Betriebswirtschaftlichen Fragen wie zum Beispiel „Wie hoch sind die Grundstückspreise am Standort?“ oder „Gibt es staatliche Förderungsmöglichkeiten an diesem Standort“? müssen unter folgenden anderen Aspekten, wie zum Beispiel

- die Miete oder Gebäudepreise
- die Bezugskosten zum Beispiel für Strom und Wasser und
- die Steuerbelastung zum Beispiel durch Gemeindesteuern beachtet und analysiert werden.[28]

Durch die Abfrage des betriebswirtschaftlichen Faktors in dem Fragebogen soll eruiert werden, wie wichtig diese Faktoren für die Branchen Industrie und Forschung sind. Denn oftmals wird davon ausgegangen, dass Forschungsunternehmen viel mehr auf zum Beispiel andere Faktoren, wie Qualifikation der Mitarbeiter, als auf betriebswirtschaftliche Aspekte Wert legen. Es gilt durch den Vergleich der Branchen herauszufinden, ob diese These widerlegt werden kann.

2.3.3 Rechtliche Faktoren

Nicht außer Acht zu lassen, sind die rechtlichen Faktoren, die an einem Standort auftreten können. Es ist die Vielzahl der gesetzlichen Bestimmungen von Bund, Ländern und Gemeinden angesprochen. Die rechtlichen Rahmenbedingungen eines Standortes sind zu prüfen und Experten verschiedener Ämter und Kammern sollten zu Rate gezogen werden, damit Fragen wie zum Beispiel „Stehen in Zukunft Planungen der Kommunen oder Gemeinden an, die Auswirkungen auf den Standort der Unternehmen haben könnten?“ oder „Wie ist der Standort im Flächennutzungsplan planungsrechtlich abgesichert?“ beantwortet und nicht zu einem Hindernis für bestehende Unternehmen werden.[29]

Folgende Tatsachen sprechen für rechtliche Faktoren:

- die Gestaltung von Mietverträgen zum Beispiel die Dauer oder die Mietanpassung
- die Umweltschutzauflagen wie zum Beispiel Lärmschutz oder Entsorgung
- die Bestellung von Bauvoranfragen und
- Vorgaben durch Bebauungspläne.[30]

An dieser Stelle ist interessant zu erfahren, welche Faktoren maßgeblich für die Branchen Forschung und Industrie sind.

Ist zum Beispiel für eine Forschungseinrichtung die Gestaltung von Mietverträgen genauso maßgebend wie für die Industrie oder ist für die Industrie eine Umweltschutzauflage genauso maßgeblich, wie für ein Unternehmen aus der Branche Forschung? Diese Fragestellungen sollen anhand des Fragebogens beantwortet werden.

2.3.4 Infrastrukturelle Faktoren

Ein weiterer bedeutsamer Standortfaktor für Unternehmensstandorte ist der infrastrukturelle Faktor. Fragen wie „Liegt der Standort verkehrsgünstig?“ oder

„Sind die notwendigen Voraussetzungen für die Versorgung mit Elektrizität, Gas und Wasser gegeben?“ sollten unbedingt gestellt werden.[31]

Weitere Fakten wie zum Beispiel

- die Transportmöglichkeiten per Bahn, Straße oder Flughafen
- die Serviceeinrichtungen wie Banken oder Rechtsanwälte
- die Forschungseinrichtungen wie Universitäten oder Technologiezentren
- die Voraussetzungen für die Entsorgung von Abfällen, Sondermüll oder Abwässern und
- das kulturelle Angebot weisen darauf hin, dass es sich um infrastrukturelle Faktoren handelt.[32]

Vor allem dieser Faktor wird in dieser Arbeit fokussiert, da die Branchen der Industrie und Forschungen nicht nur zu den infrastrukturellen Faktoren, sondern auch gezielt zu der allgemeinen Infrastruktur[33] und derer verschiedenen Arten Folgender Abgrenzung der Infrastruktur aus der Literatur von Kyrer folgt auch die Auffassung dieser Arbeit: Eine vorausschauend geplante und effizient erstellte Infrastruktur wird immer mehr zu einem entscheidenden Wettbewerbs- und Standortvorteil. Dabei geht es nicht nur um eine schnelle und effiziente Realisierung neuer Infrastrukturprojekte, sondern auch um den Betrieb, den laufenden Unterhalt sowie die Erneuerung der Anpassung der bestehenden Infrastruktur.

Zum Beispiel Straßen und Bahnen, Elektrizität und Telekommunikation, Wasser und Abwasser und Schulen und Kliniken stehen für die Attraktivität eines Standortes. Quelle: Vgl. A. Kyrer, Wirtschaftslexikon (2001), Seite 269 befragt werden, um eine Gegenüberstellung gestalten zu können. Es wird häufig davon ausgegangen, dass eine Gewichtung der Branchen auseinander geht, da für Unternehmen der Forschung, anders als für Industrieunternehmen, die Nähe zu Universitäten oder Fachhochschulen wichtig ist. Ob die Branche der Industrie die gleichen Anforderungen an die infrastrukturellen Faktoren hat und welche Anforderungen das sind, wird untersucht, indem auch diese Faktoren in dem Fragebogen von den Unternehmen zu bewerten sind.

2.3.4.1 Arten der Infrastruktur

Üblicherweise unterscheidet man drei Arten der Infrastruktur. Wie die Übersicht in der Abbildung 1 zeigt, handelt es sich dabei um die materielle, die personelle und die institutionelle Infrastruktur.[34]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Übersicht der verschiedenen Arten der Infrastruktur [35]

Eine Definition zu den Arten der Infrastruktur stellt Abbeg in seiner Literatur vor. Er bezeichnet die Infrastruktur als „Summe der materiellen, personellen und institutionellen Einrichtungen und Gegebenheiten, die der arbeitsteiligen Wirtschaft zur Verfügung stehen“.[36]

Diese Arbeit folgt aber einer anderen Auffassung: Der Einfluss von Infrastrukturmaßnahmen wirkt lenkend auf die wachstums-, integrations- und versorgungsnotwendigen Basisfunktionen einer Gesamtwirtschaft. Es handelt sich nicht nur um privatwirtschaftliche Interessen, sondern zielt auf eine Lenkung der privatwirtschaftlichen Entscheidungen im Sinne der regionalpolitischen Zielsetzung ab. Infrastrukturpolitische Entscheidungen der Vergangenheit bestimmen die Gegenwart und reichen weit in die Zukunft. Darauf aufbauend kann die Infrastrukturpolitik als die Gesamtheit der Bestrebungen, Handlungen und Maßnahmen der politischen Entscheidungsträger gesehen werden, die die wachstums-, integrations- und versorgungsnotwendigen Basisfunktionen des Wirtschaftsgeschehens in einem Gebiet zuordnen, beeinflussen oder festlegen kann. Als Teil der Regionalpolitik kann die Infrastrukturpolitik an den drei infrastrukturbildenden Elementen ansetzen: Die materielle, die personelle und die institutionelle Infrastruktur.[37]

Das Element der materiellen Infrastruktur spiegelt die Gesamtheit der Anlagen und Betriebsmittel in einer Volkswirtschaft aus dem Bereich der Ver- und Entsorgung und der Telekommunikation wieder.[38]

Zum anwendungs- und sachbezogenen Sinne der materiellen Infrastruktur zählt die Ganzheit aller Ausrüstungen einer Wirtschaft, die zur Energieversorgung und Verkehrsbedienung dienen. Weiter kommen die Bauten zur Konservierung der natürlichen Ressourcen und Verkehrswege im weitesten Sinne. Ergänzend hinzu zählen auch die Gebäude und Einrichtungen der staatlichen Verwaltung, des Erziehungs- und Forschungs- sowie des Gesundheits- und Fürsorgewesens. Diese Kapitalgüter haben Eigenschaften wie ihre lange Lebens- und Nutzungsdauer und die technische Unteilbarkeit gemeinsam.[39]

Unstrittig ist ebenso, dass sie einen hohen Investitionsbedarf beziehungsweise Kapitalbedarf, die Basisfunktion für Produktion und Dienstleistung sowie die Nähe zu öffentlichen Gütern gemein haben.[40]

Eine Abgrenzung für die materielle Infrastruktur ist die raumdifferenzierende Steuerung dieser Infrastruktur. Durch direkte externe Effekte stellen Eingriffe in diesem Bereich das klassische Potential der Infrastrukturinvestitionen dar. Als ein bedeutsames Beispiel ist an dieser Stelle die Verkehrsinfrastruktur genannt.[41] Diese Abgrenzung ist auch von Bedeutung für diese Arbeit, denn es gilt zu erforschen, ob Braunschweig die, für die befragten Unternehmen der Branchen Forschung und Industrie, wichtige Verkehrsinfrastruktur bietet.

Die personelle Infrastruktur zielt im Gegensatz zu der materiellen Infrastruktur darauf ab, immaterielle Güter zu garantieren und zu sichern.[42]

Ausgehend von dem Begriff ist eindeutig, dass personelle Infrastruktur nicht von Personen, beziehungsweise Menschen, getrennt werden kann. Sie existiert im Können und geistigen Vermögen des Trägers. Damit ist die personelle Infrastruktur eng an den Begriff des Humankapitals gebunden. Humankapital definiert Baßeler kurz als den „Gegenwartswert menschlicher Arbeit", also als Kapital der Arbeit.[43]

Entscheidend für die Höhe dieses Arbeitskapitals sind neben dem Bildungsniveau und speziellen beruflichen Erfahrungen auch die angeborenen Fähigkeiten der Menschen, die Motivation und die Flexibilität des Einzelnen.[44]

Eine analoge Bedeutung hat Humankapital auf der Unternehmensebene. Es ist eine Erfolgsdeterminante für Wettbewerbsfähigkeit in dem Maße, wie Wissen und Erfahrung der Mitarbeiter als geronnenes Humankapital in steigende Produktivität und stetige Innovationen in Vermögen transformiert werden können. Maßstab ist aus diesem Grunde nicht das potenzielle, sondern das realistische Humankapital.[45] Dieser Abgrenzung folgt auch die Auffassung dieser Arbeit.

Die personelle Infrastruktur eines Landes oder einer Region besteht somit aus Bildung, Erfahrung und Talent. Dieses Humanvermögen ist durch Investitionsprozesse in Familien, Schulen, Unternehmen und der Gesellschaft entstanden. Es ermöglicht sowohl dem Einzelnen, als auch den von dieser Investition direkt profitierenden Unternehmen und der Gesellschaft die Erzielung von Einkommen.[46]

Im Gegensatz zu der materiellen und personellen Infrastruktur ist die institutionelle Infrastruktur nur schwer zu erfassen. Sie ist zuständig für die Bereitstellung und Unterhaltung der materiellen Infrastruktur.[47]

Die institutionelle Infrastruktur ist die Kernaufgabe des Staates und umfasst grob gesagt alle gesetzlichen Einrichtungen, die zum Aufbau einer Volkswirtschaft unbedingt erforderlich sind. Dazu zählen das Kredit-, Rechts-, Sozial- und Verwaltungswesen.[48] Sie umfasst die gewachsenen und gesetzten Normen und Verfahrensweisen einer Gesellschaft sowie kulturelle Faktoren, die den Rahmen für wirtschaftliche Aktivitäten setzen.[49] Unbedingt erwähnenswerte Beispiele der institutionellen Infrastruktur sind außerdem die grundsätzlichen und abstrakten Regeln des Privatrechts sowie die Regeln zur Aufrechterhaltung des Wettbewerbs als Prozess, der ökonomischen Fortschritt veranlasst und ökonomische Macht kontrolliert.[50]

Im Rahmen dieser Arbeit geht es bei dem Ansatz der institutionellen Infrastruktur vor allem um die gesetzlichen Einrichtungen. Es soll ermittelt werden, wie wichtig diese Einrichtungen für die Branchen Forschung und Industrie sind und ob eine Differenzierung zwischen den Branchen hergestellt werden kann.

2.3.4.2 Die Bedeutung von Infrastruktur für Unternehmen

Drastisch zusammengefasst, wird ein Betrieb, der seine Produkte nicht zeitsparend über Schnellstraßen abtransportieren kann, der wegen fehlender Kraftwerke und Stromleitungen nicht ausreichend über Energien verfügt oder wegen fehlender Abfallbeseitigungstechniken seinen Müll nicht entsorgen kann, im Wettbewerb kaum gegenüber einem Konkurrenten bestehen können, der diese Möglichkeiten hat.[51]

Eine zukunftsorientierte Infrastruktur löst bedeutende Produktivitäts- Wachstums- und gesellschaftlichkulturelle Impulse aus. Die Infrastruktur ist nicht nur unerlässlich für das alltägliche Leben der Bevölkerung, sondern ebenso für die wirtschaftlichen Tätigkeiten von Unternehmen.

[...]


[1] Vgl. L. K. Jacobsen, Erfolgsfaktoren bei der Unternehmensgründung (2006), Seite 206 f

[2] Vgl. G. Kerkhoff, Zukunftschance (2005), Seite 25

[3] Vgl. Zeitschrift “IHK Wirtschaft” (März 2008), Seite 10 f

[4] Vgl. http://www.braunschweig-zukunft.de/braunschweig_zukunft/de/bsenergy.html / Stand 05.03.2008

[5] Vgl. http://www.comdirect.de/static/magazin/200703/compass0307_fokus2.pdf / Stand 17.03.2008

[6] Vgl. http://www.projekt-region-braunschweig.de/MediaDatenBank/Presse/2007/Expo_Real_Flyer / Stand 05.03.2008

[7] Vgl. ebenda / Stand 05.03.2008

[8] Vgl. S. Empter, R. B. Vehrkamp, Wirtschaftsstandort Deutschland (2006), Seite 119

[9] Vgl. Gabler Wirtschaftslexikon (2000), Seite 2883

[10] Vgl. S. Peters, R. Brühl, Betriebswirtschaftslehre (2005), Seite 56

[11] Vgl. R. Bennert, Soft Computing-Methoden in Sanierungsprüfung und –controlling (2004), Seite 162

[12] Vgl. S. Peters, R. Brühl, Betriebswirtschaftslehre (2005), Seite 55

[13] Vgl. C. Abegg, Liberalisierung von Netzsektoren (2005), Seite 18

[14] Vgl. H.-D. Haas, S.-M. Neumair, D. Eschlbeck, Internationale Wirtschaft (2006), Seite 248

[15] Vgl. H.-D. Haas, S.-M. Neumair, D. Eschlbeck, Internationale Wirtschaft (2006) Seite 248 f

[16] Vgl. W. Korndörfer, allgemeine Betriebswirtschaftslehre (2003), Seite 142 f

[17] Vgl. M. Reusch, Die Wahl des betrieblichen Standortes als Entscheidungsproblem (2007), Seite 6

[18] Vgl. O.-E. Heiserich, Logistik (2002), Seite 101

[19] Vgl. Broschüre „Starthilfe“ (Juli 2006), 12 Anhang

[20] Vgl. W. Korndörfer, Allgemeine Betriebswirtschaftslehre (2003), Seite 153

[21] Vgl. S. Peters, R. Brühl, Betriebswirtschaftslehre (2005), Seite 56

[22] Vgl. ebenda

[23] Vgl. C. Abegg, Liberalisierung von Netzsektoren (2005), Seite 18

[24] Vgl. G. Kirschbaum, W. Naujoks, Erfolgreich in die berufliche Selbstständigkeit (2004), Seite 62

[25] Vgl. Broschüre „Starthilfe“ (Juli 2006), Anhang

[26] Vgl. T. Plümer, Existenzgründung Schritt für Schritt (2006), Seite 78

[27] Vgl. G. Kirschbaum, W. Naujoks, Erfolgreich in die berufliche Selbstständigkeit (2004), Seite 63

[28] Vgl. N. Manz, E. Hering, Existenzgründung und Existenzsicherung (2000), Seite 49

[29] Vgl. ebenda

[30] Vgl. T. Plümer, Existenzgründung Schritt für Schritt (2006), Seite 79

[31] Vgl. N. Manz, E. Hering, Existenzgründung und Existenzsicherung (2000), Seite 49

[32] Vgl. T. Plümer, Existenzgründung Schritt für Schritt (2006), Seite 78

[33] Die Infrastruktur bezeichnet die wirtschaftlichen und organisatorischen Grundlagen, die für das Funktionieren und die Entwicklung einer Volkswirtschaft nötig sind. Quelle: Vgl. http://quality. de/lexikon/infrastruktur.htm / Stand 05.02.2008

[34] Vgl. A. Kyrer, Wirtschaftslexikon (2001), Seite 269

[35] Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an B. Streich, Stadtplanung in der Wissenschafts- gesellschaft (2005), Seite 25

[36] C. Abegg, Liberalisierung von Netzsektoren (2005), Seite 12

[37] Vgl. W. Albers, Handwörterbuch der Wirtschaftswissenschaften (HdWW), Seite 433

[38] Vgl. B. Streich, Stadtplanung in der Wissenschaftsgesellschaft (2005), Seite 25

[39] Vgl. http://www.uni-siegen.de/infrastructure_research/infrastructure / Stand 18.02.2008

[40] Vgl. B. Busch, Potentialfaktor Infrastruktur (1995), Seite 16

[41] Vgl. W. Albers, Handwörterbuch der Wirtschaftswissenschaften (HdWW), Seite 433

[42] Vgl. L. Jellinghaus, Zwischen Daseinsvorsorge und Infrastruktur (2006), Seite 5

[43] Vgl. U. Baßeler, J. Heinrich, W. Koch, Grundlagen und Probleme der Volkswirtschaft (1991), Seite 348

[44] Vgl. J. Helmes, Humankapital als Zielvariable staatlicher Wirtschaftspolitik (1996), Seite 16

[45] Vgl. B. Jaeger, Humankapital und Unternehmenskultur (2004), Seite 3

[46] Vgl. ebenda

[47] Vgl. http://www. tu-harburg.de/stadtplanung/html/ab/ab_106/ag_1/downloads/Einf.%20Stadt% F6k/Soe6infrastruktur.pdf / Stand 25.02.2008

[48] Vgl. ebenda

[49] Vgl. I. Liefner, Ausländische Direktinvestitionen und internationaler Wissenstransfer nach China (2006), Seite 14

[50] Vgl. M. E. Streit, Freiburger Beiträge zur Ordnungsökonomik (1995), Seite 313

[51] Vgl. R.-G. Nolden, Industriebetriebslehre (2004), Seite 22

Ende der Leseprobe aus 95 Seiten

Details

Titel
Infrastrukturelle Anforderungen an Unternehmensstandorte in Braunschweig
Untertitel
Vergleich zwischen verschiedenen Branchen
Hochschule
Technische Universität Carolo-Wilhelmina zu Braunschweig
Note
1,0
Autor
Jahr
2008
Seiten
95
Katalognummer
V112265
ISBN (eBook)
9783640220236
ISBN (Buch)
9783640222575
Dateigröße
1324 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Braunschweig, Infrastruktur, Auswertung Fragebogen, Standortfaktoren, Branchenvergleich, Forschung, Industrie, Standortwahl, Zielgruppendefinition, Branchenanforderung, Arten der Infrastruktur, Bedeutung von Infrastruktur
Arbeit zitieren
Linda Hieckmann (Autor), 2008, Infrastrukturelle Anforderungen an Unternehmensstandorte in Braunschweig, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/112265

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