Bei meiner Beobachtungsaufgabe entschied ich mich für die Fragestellung „Wo und inwiefern kann ein Lehrer auf seine Schüler erzieherisch wirksam werden?“.
Dieses Thema wählte ich aufgrund der in den Medien immer wieder aufkommenden Diskussion über die Bedeutsamkeit der erzieherischen Aufgabe der Lehrer und den damit oftmals verbundenen Vorwürfen bezüglich der mangelnden pädagogischen Schwerpunkte im schulischen Kontext.
Die erste Woche des Praktikums widmete ich der Orientierung und hospitierte dazu in verschiedenen Fächern und Jahrgängen und begleitete jeden Tag einen anderen Lehrer . In der dritten Woche führte ich Gespräche mit mehreren Lehrpersonen, die mir in verschiedenen Situationen durch erzieherische Kompetenzen positiv aufgefallen waren und die sich durch ein (in meinen Augen) besonders freundliches Verhältnis zu den Schülern auszeichneten. Dabei orientierte ich mich vor allem an folgenden Fragestellungen, die mir bei der Auswertung meiner Beobachtungsaufgabe helfen sollten:
- Was für einen Anteil macht der erzieherische Bereich im Beruf aus?
- Inwiefern kann ein Lehrer erzieherischen Einfluss auf seine Schüler auswirken?
- Inwiefern darf ein Lehrer erzieherischen Einfluss auf seine Schüler auswirken?
- Darf man sich als Lehrer in Situationen einbringen, die außerhalb der Unterrichtszeit stattfinden?
- Wie handelt man, wenn man erkennt, dass ein Schüler Probleme im Privatleben hat?
- Bereitet einen das Studium genügend auf den pädagogischen Bereich des Berufslebens vor?
- Welche Rolle spielt das persönliche Verhältnis von Lehrer und Schüler in Bezug auf den erzieherischen Einfluss?
- Wie viel Zeit muss man als Lehrer für Organisatorisches einplanen?
Inhaltsverzeichnis
1 Übersicht über den Gesamtverlauf (Plan)
2 Vorstellung der Beobachtungsaufgabe
3 Theoretischer Hintergrund zur Beobachtung
3.1 Die erzieherische Aufgabe des Lehrers
3.2 Grenzen der Erziehungsaufgabe
3.3 Die Bedeutsamkeit eines guten Lehrer-Schüler-Verhältnisses
4 Auswertung der Beobachtungen
4.1 Wo und inwiefern kann ein Lehrer erzieherisch wirksam werden?
4.2 Inwiefern ist ein Vertrauensverhältnis zwischen Lehrern und Schülern bedeutsam für den erzieherischen Einfluss des Lehrers?
4.3 Erziehung auch außerhalb des Unterrichtes?
4.4 Welchen Anteil macht der erzieherische Bereich im Beruf aus?
5 Persönlicher Kommentar zum Schulpraktikum
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht auf Basis eines orientierenden Schulpraktikums, in welcher Form und Intensität Lehrkräfte über die reine Wissensvermittlung hinaus erzieherisch auf Schüler einwirken können und welche Rolle dabei die pädagogische Beziehungsarbeit spielt.
- Erzieherische Aufgaben im schulischen Kontext
- Bedeutung von Vertrauensverhältnissen zwischen Lehrern und Schülern
- Grenzen der erzieherischen Einflussnahme
- Einfluss des Klassenlehrerprinzips versus Fachlehrerschaft
- Erzieherische Aspekte in außerschulischen schulischen Angeboten
Auszug aus dem Buch
3.1 Die erzieherische Aufgabe des Lehrers
In den letzten Jahrzehnten haben sich die Ansprüche an Lehrpersonen dahingehend gewandelt, dass immer öfter der pädagogische Aufgabenbereich des Lehrers in den Vordergrund gerückt wird. Natürlich wird nach wie vor eine fachkompetente Ausbildung gefordert, jedoch gewinnen neben den fachdidaktischen, jetzt auch die erzieherischen Anforderungen deutlich an Priorität, denn „Schule soll nicht nur Wissen vermitteln, sondern auch auf die Persönlichkeitsentwicklung von Schülern einwirken“3.
Man kann also feststellen, dass die Aufgabe, im schulischen Umfeld zu lehren, vielfältige Teilkompetenzen mit unterschiedlichen Ausprägungen und Gewichtungen für die verschiedenen Felder des Lehrerberufs voraussetzt4.
Immer öfter ist von der Lehrkraft als Bezugsperson die Rede. Der Lehrer soll nicht mehr nur als reiner Wissensvermittler dienen, sondern einen „erheblichen Einfluss auf die Persönlichkeitsentwicklung der Heranwachsenden [nehmen]“5. Ein verantwortlicher Umgang mit den Schülern sei gefragt, der unter anderem sowohl soziales Geschick, Einfühlungsvermögen, Gesprächsbereitschaft, Engagement, Empathie, Geduld und Zuversicht, Aufgeschlossenheit und Frustrationstoleranz fordere. Diese Persönlichkeitsmerkmale, die dem Berufsethos zufolge von den Lehrkräften gefordert werden, sollen dabei stabil sein und nicht von Sympathie, Antipathie oder Tageslaune beeinflusst werden6.
Der erzieherische Einfluss soll sich auch nicht nur während des Unterrichts, sondern allgemein im schulischen Umfeld abspielen. Konkret sollen die Lehrpersonen als Moderatoren dienen, die die Schüler dadurch unterstützen, dass sie ihnen die Möglichkeit geben, „ihr Können zu erproben und in der Auseinandersetzung mit Lerngegenständen sich selbst zu erfahren“7, sie also zu selbstbestimmtem Urteilen und Handeln anregen. Außerdem sollen ihnen Werte und Normen vermittelt, sowie Einstellungen durch Feedback geformt werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Übersicht über den Gesamtverlauf (Plan): Dieses Kapitel bietet eine detaillierte tabellarische Darstellung des Praktikumszeitraums und der besuchten Unterrichtsstunden.
2. Vorstellung der Beobachtungsaufgabe: Hier wird die zentrale Forschungsfrage des Berichts definiert und der methodische Ansatz der Hospitation erläutert.
3. Theoretischer Hintergrund zur Beobachtung: Es werden die erzieherische Rolle des Lehrers, die Grenzen dieser Aufgabe sowie die Bedeutung der Lehrer-Schüler-Beziehung wissenschaftlich fundiert dargestellt.
4. Auswertung der Beobachtungen: Dieses Hauptkapitel analysiert die praktischen Erfahrungen im Hinblick auf Wirksamkeit, Vertrauensverhältnisse, außerunterrichtliche Erziehung und den zeitlichen Anteil pädagogischer Arbeit.
5. Persönlicher Kommentar zum Schulpraktikum: Der Autor reflektiert seine persönlichen Eindrücke, den Lernzuwachs und die Bestätigung des eigenen Berufswunsches durch das Praktikum.
Schlüsselwörter
Lehrerberuf, erzieherische Aufgabe, Persönlichkeitsentwicklung, Schulpraktikum, Lehrer-Schüler-Verhältnis, pädagogische Kompetenz, Bezugsperson, Unterrichtshospitation, Sozialisation, Vorbildrolle, Erziehungsziele, Orientierungsstunde, Streitschlichtung, Bildungsauftrag, pädagogisches Handeln.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit reflektiert die erzieherischen Aspekte des Lehrerberufs anhand von Hospitationserfahrungen während eines Schulpraktikums.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die erzieherische Verantwortung des Lehrers, die Bedeutung der persönlichen Beziehung zum Schüler und die Herausforderungen pädagogischen Handelns im Schulalltag.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, zu analysieren, wo und inwiefern Lehrer tatsächlich erzieherisch auf Schüler einwirken können und welche Rolle dabei die organisatorischen Rahmenbedingungen spielen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit basiert auf Unterrichtshospitationen, geführten Gesprächen mit Lehrkräften sowie einer Auswertung erziehungswissenschaftlicher Fachliteratur.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil evaluiert die Beobachtungen zur Wirksamkeit von Erziehung, die Rolle des Vertrauensverhältnisses, pädagogische Möglichkeiten außerhalb des Unterrichts und den zeitlichen Stellenwert erzieherischer Arbeit.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen gehören Lehrer-Schüler-Verhältnis, erzieherische Wirksamkeit, Persönlichkeitsentwicklung und das Berufsbild der Lehrkraft.
Gibt es einen Unterschied zwischen Klassen- und Fachlehrern bezüglich der Erziehung?
Ja, laut der Arbeit ist der Klassenlehrer aufgrund des häufigeren und intensiveren Kontakts theoretisch besser in der Lage, bewussten Einfluss auf die Persönlichkeitsentwicklung zu nehmen, während Fachlehrer stärker durch den Lehrplan limitiert sind.
Welche Bedeutung haben Projekte wie die "Peacemakers" für den Erziehungsauftrag?
Solche Projekte dienen als Beispiel dafür, wie Schule über den Fachunterricht hinaus soziale Normen, Konfliktfähigkeit und Verantwortungsbewusstsein vermitteln kann.
Wie bewertet der Autor die Ausbildung auf den pädagogischen Berufsalltag?
Der Autor betont, dass das Praktikum eine unverzichtbare Ergänzung zum theoretischen Studium darstellt, um den Schulalltag in der Realität zu erleben und die eigene Rolle als angehende Lehrkraft zu finden.
Welche Rolle spielt das Vertrauen für die Erziehung?
Vertrauen wird als Basis für den erzieherischen Einfluss hervorgehoben, da es die Persönlichkeitsentwicklung und die Zufriedenheit der Schüler maßgeblich positiv beeinflusst.
- Arbeit zitieren
- Ilona Sontag (Autor:in), 2007, Wo und inwiefern kann ein Lehrer gegenüber seinen Schülern erzieherisch wirksam werden?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/112319