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Aussereuropäische Traditionen eines humanitären Völkerrechts? - China

Title: Aussereuropäische Traditionen eines humanitären Völkerrechts? - China

Seminar Paper , 2008 , 27 Pages , Grade: 5.0 (5/6)

Autor:in: stud. phil. I Matthias Jud (Author)

Law - European and International Law, Intellectual Properties
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Summary Excerpt Details

Zu Recht rühmen sich die Chinesen, in einer der ältesten ununterbrochen fortbestehenden Zivilisationen zu leben. 1952 wurden erstmals Überreste der der so genannten Yangshao-Kultur (Yǎngsháo wénhuà 仰韶文化) entdeckt, benannt nach einem Dorf in der Provinz Hénán (河南). Dabei könnte es sich sehr wohl um die Wiege der chinesischen Kultur handeln.
Die neolithischen Menschen dieser Kultur bewohnten Terrassensiedlungen entlang von Flüssen, ernährten sich von Hirse und verfügten bereits über erstaunliche Fertigkeiten zur Herstel-lung von kunstvollen Töpfereien und Waffen. Obwohl man auch schon die Domestizierung von Hunden und Schweinen betrieb, so war die Schrift in diesem Zeitalter auch in der gleichzeitig existierenden Longshan-Kultur vorerst noch unbekannt. In der Longshan Kultur der Provinz Shandong verfügte man aber bereits über mit Wälle befestigte Behausungen.
Zentrales identitätsstiftendes Medium einer jeden Kultur, und für die Geschichtsforschung natürlich zentral, ist eine Weitergabe von Informationen durch die Verwendung einer Schrift. Die chinesische Schrift hat sich im Verlauf der Jahrtausende im weltweiten Vergleich gesehen nur relativ gering verändert und eint auch heute noch die über 50 Minoritäten und rund 1.3 Milliarden Staatsbürger der Volksrepublik China. Sie hat des weiteren auch die heutigen Gebiete Korea, Vietnam und Japan nachhaltig beeinflusst.
Die chinesische Kultur verfügt seit der erstmaligen Verwendung von Orakelknochen während der Shang-Dynastie (Shāngdài商代) über ein Schrifttum, das sich über etwa dreieinhalbtausend Jahre erstreckt. Schon während des archaischen, theokratischen Königtums der Shang-Periode (ca. 1766-1045 v. Chr.) entstand unter der Ägide des mächtigen Königs eine Palast- und Stadtkultur mit einer Kriegerkaste von Adligen, Beamten und Kriegsallianzen mit zuge-wandten benachbarten Herrschern. Die einfachen Bauern und Handwerker konnten zu jener Zeit schon zur Fronarbeit und zum Kriegsdienst verpflichtet werden. Nebst der Anerkennung des Königs als theokratisches Oberhaupt des Staates, welcher mit dem Mandat des Himmels (tiānmìng 天命) betraut war, entstand und beruhte seine Macht hauptsächlich auf militäri-schen Grundlagen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Rechtstradition in China

2.1 Ursprünge

2.2 Der Konfuzianismus (Rújiā 儒家)

2.2.1 Konfuzius - Mann und Mission

2.2.2 Grundsätze

2.2.3 Der Grundsatz der "moralischen Freiwilligkeit"

2.3 Der Legalismus (Fǎjiā 法家)

2.3.1 Ursprung und Begründer des Legalismus

2.3.2 Inhalt des Legalismus

2.4 Der Tang-Kodex (Tánglǜ 唐律)

2.5 Ein Völkerrecht des chinesischen Altertums?

3 Die chinesischen Militärklassiker

3.1 Hunderte militärische Schriften

3.2 Das Werk "Sūnzǐ über die Kriegskunst" (孙子兵法 Sūnzǐ Bīngfǎ)

3.2.1 Ursprung und Bedeutung

3.2.2 Inhalt

3.2.3 Beschränkter Krieg – limited war

3.2.4 Einflüsse von Sūnzǐ's Werk

4 Die Volksrepublik China unter Máo Zédōng

4.1 Maos Regeln für die Volksbefreiungsarmee

4.2 Der Korea-Krieg

4.2.1 Kriegsverlauf

4.2.2 ius in bello

4.3 Der Sino-Indische Krieg

4.3.1 Kriegsverlauf

4.3.2 ius in bello

5 China und das moderne humanitäre Völkerrecht

5.1 China und die wichtigsten Abkommen

5.2 Chinas Sichtweise des Völkerrechts

5.2.1 Drei chinesische Völkerrechtsprinzipien

5.2.2 Die fünf Prinzipien der friedlichen Koexistenz

5.2.3 Das Souveränitätsprinzip

6 Schlussbemerkungen

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Seminararbeit untersucht, ob und inwieweit aussereuropäische, insbesondere chinesische Traditionen, Anknüpfungspunkte für ein humanitäres Völkerrecht bieten. Im Zentrum steht die Frage, wie sich historische Rechtsauffassungen und militärstrategische Lehren auf das Verhalten Chinas in modernen Konflikten und dessen heutige Sicht auf das internationale Völkerrecht auswirken.

  • Analyse der chinesischen Rechtstradition (Konfuzianismus vs. Legalismus).
  • Untersuchung der chinesischen Militärklassiker, exemplarisch anhand von Sūnzǐs "Kriegskunst".
  • Evaluation des kriegsvölkerrechtlichen Verhaltens der Volksrepublik China im Korea- und im Sino-Indischen Krieg.
  • Darlegung der heutigen chinesischen Haltung zu zentralen Prinzipien des modernen Völkerrechts, wie der Souveränität und der friedlichen Koexistenz.

Auszug aus dem Buch

Beschränkter Krieg – limited war

Durch diese kurze Analyse der ersten drei Kapitel von Sūnzǐ über die Kriegskunst kann festgestellt werden, dass er für einen sehr schonenden Umgang mit menschlichen Ressourcen plädiert. Natürlich wäre es vermessen, ihn deshalb zu einem Vorreiter in Sachen humanitäres Völkerrecht hochzustilisieren. Trotzdem spricht er schon vom Bemühen, den Krieg nicht absolut und total, sondern beschränkt zu führen, oder wie es heute englisch heisst, einen limited war zu führen.

Es darf aber nicht ausser acht gelassen werden, dass Sūnzǐ dabei nicht primär die Schonung der Soldaten und der Zivilbevölkerung an sich am Herzen lag. Denn nebst dem ultimativen Ziel des Sieges über den Feind, war natürlich der Beweggrund für den sparsame Umgang mit staatlichen Mitteln aller Art – und somit auch mit Menschen – der, den Staatshaushalt zu schonen.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die historische Tiefe der chinesischen Zivilisation und führt in die Fragestellung nach einer eigenständigen Tradition humanitärer Prinzipien in der chinesischen Rechtsgeschichte ein.

2 Rechtstradition in China: Dieses Kapitel arbeitet den Einfluss des Konfuzianismus und des Legalismus auf das chinesische Rechtsverständnis heraus und diskutiert, ob im China des Altertums bereits Ansätze eines völkerrechtlichen Systems existierten.

3 Die chinesischen Militärklassiker: Der Fokus liegt auf der Analyse der chinesischen Militärphilosophie, insbesondere der "Kriegskunst" von Sūnzǐ, und deren Ansätzen für eine beschränkte Kriegsführung.

4 Die Volksrepublik China unter Máo Zédōng: Hier wird das Verhalten der Volksbefreiungsarmee in den Konflikten des 20. Jahrhunderts analysiert, wobei die Diskrepanz zwischen ideologischen Regeln und der Praxis im Korea- sowie Sino-Indischen Krieg aufgezeigt wird.

5 China und das moderne humanitäre Völkerrecht: Das Kapitel behandelt den Umgang Chinas mit internationalen Abkommen und erläutert die chinesische Sichtweise, die stark vom Souveränitätsprinzip und der friedlichen Koexistenz geprägt ist.

6 Schlussbemerkungen: Die Arbeit fasst zusammen, dass China trotz einer eigenständigen Rechtstradition erst spät in das westlich geprägte moderne Völkerrecht integriert wurde, wobei heute eine pragmatische Auslegung basierend auf dem Souveränitätsbegriff dominiert.

Schlüsselwörter

Humanitäres Völkerrecht, China, Rechtstradition, Konfuzianismus, Legalismus, Sūnzǐ, Kriegskunst, Volksbefreiungsarmee, Korea-Krieg, Sino-Indischer Krieg, Souveränität, friedliche Koexistenz, Militärklassiker, ius in bello, Völkerrechtsgeschichte.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht, ob es in der chinesischen Geschichte Traditionen gibt, die eine historische Grundlage für ein humanitäres Völkerrecht bilden könnten.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Arbeit fokussiert auf chinesische Rechtsphilosophie, Militärklassiker, die kriegsvölkerrechtliche Praxis der Volksrepublik China sowie deren moderne Völkerrechtsauffassung.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es, den historischen Ursprung chinesischer Normen zur Kriegsführung zu ergründen und deren Einfluss auf das heutige Verhalten Chinas im internationalen Kontext zu analysieren.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine rechtswissenschaftliche und historisch-analytische Untersuchung, die klassische chinesische Texte und militärhistorische Berichte mit modernen völkerrechtlichen Standards vergleicht.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung alter chinesischer Rechtstraditionen, die Analyse von Sūnzǐs Militärstrategien, die Auswertung von Fallbeispielen (Korea-Krieg, Sino-Indischer Krieg) und die Darstellung der Prinzipien der chinesischen Aussenpolitik.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den wichtigsten Begriffen gehören humanitäres Völkerrecht, Konfuzianismus, Legalismus, Sūnzǐ, ius in bello und Souveränitätsprinzip.

Wie unterscheidet sich die chinesische Rechtstradition laut der Arbeit von westlichen Systemen?

Der Autor zeigt, dass das chinesische Verständnis weniger durch einen starken Individualismus, sondern vielmehr durch moralisch-konfuzianische und familialistisch-statische Werte sowie rigide staatliche Hierarchien geprägt ist.

Welche Schlussfolgerung zieht der Autor in Bezug auf den "saubersten Krieg Chinas"?

Der Sino-Indische Krieg wird aufgrund der strikten Einhaltung der rules of engagement und der vergleichsweise geringeren Opferzahlen als der "sauberste Krieg" Chinas im Sinne des Völkerrechts bezeichnet.

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Details

Title
Aussereuropäische Traditionen eines humanitären Völkerrechts? - China
College
University of Zurich  (Institut für Völkerrecht)
Course
Völkerrechtsseminar "Humanitäres Völkerrecht", Mai 2008 in Genf
Grade
5.0 (5/6)
Author
stud. phil. I Matthias Jud (Author)
Publication Year
2008
Pages
27
Catalog Number
V112323
ISBN (eBook)
9783640116935
ISBN (Book)
9783640117055
Language
German
Tags
Aussereuropäische Traditionen Völkerrechts China Völkerrechtsseminar Humanitäres Völkerrecht Genf
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stud. phil. I Matthias Jud (Author), 2008, Aussereuropäische Traditionen eines humanitären Völkerrechts? - China, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/112323
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