[...]Die vorliegende Diplomarbeit ist in zwei Teile gegliedert. Im ersten Teil wendet man sich den allgemeinen Fragen zu, die die politische Sprache und das Wesen der Propaganda betreffen. Es wird versucht, zunächst die Begriffe NS-Sprache und Propaganda, die neben der Gewalt die Hauptinstrumente der nationalsozialistischen Machtausübung waren, näher zu bestimmen und zu erläutern. Darüber hinaus wird die Art und Weise dargestellt, auf welche propagandistische Inhalte vermittelt werden.
Des weiteren widmet man sich der Tatsache, was für eine große Rolle der Einsatz propagandistischer Inhalte im Generalgouvernement spielte. Dabei wird ein besonderer Blick auf das Hauptobjekt der Untersuchung, die Sprache der „Krakauer Zeitung“ gelenkt. Hervorgeho¬ben werden Verfasserabsichten, wesentliche Inhalte der Propaganda für Deutsche und Polen im Generalgouvernement und ihre sprachlichen Nuancen.
Die in der vorliegenden Arbeit angeführten Belegbeispiele wurden fast ohne Veränderungen in der Schreibweise der Quelle wiedergegeben. Offensichtliche Druckfehler bzw. veraltete orthographische Formen wurden jedoch korrigiert.
Einen wesentlichen Bestandteil dieser Arbeit bildet also die Analyse der Propagandasprache, mit deren Hilfe die vorgenommenen Ziele der nationalsozialistischen Herrschaft hätten realisiert werden sollen. Ohne Zweifel spielte die Manipulation der Sprache eine außergewöhnliche Rolle im Dritten Reich.
Es sei aber darauf hingewiesen, dass es eigentlich sehr schwierig ist, vollständige Informationen über die nationalsozialistische Propaganda im Generalgouvernement zu gewinnen. Und das Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, die aus den zeitgenössischen Quellen gewonnenen Informationen lediglich als eine gewisse Veranschaulichung umfassender Erscheinungen zu betrachten, die selbstverständlich auch weiterer und umfangreicher Untersuchungen bedürfen.
Inhaltsverzeichnis
1. Vorwort
3. Einleitung
4. Sprache als politisches Instrument
4.1 Klärung des Begriffs „politische Sprache“
4.2 Funktionen der politischen Sprache
4.3 Der politische Wortschatz
4.4 Die Sprache im Dritten Reich
4.4.1 Sprachmanipulation
4.4.2 Der spezifische Sprachgebrauch
4.4.3 Merkmale der „Lingua Tertii Imperii“
5. Das Wesen der Propaganda
5.1 Klärung des Begriffs
5.1.1 Medien und Kanäle der Propagandaverbreitung
5.1.2 Propaganda im Dritten Reich
5.1.2.1 Presse als Mittel nationalsozialistischer Propaganda
5.1.2.1.1 Pressewesen im Generalgouvernement
5.1.2.1.1.1 Die polnischsprachige Presse
5.1.2.1.1.2 Die deutschsprachige Presse
6. Die „Krakauer Zeitung”
6.1 Allgemeine Charakteristik der „Krakauer Zeitung“
6.2 Form der „Krakauer Zeitung“
6.3 Stilistisch-lexikalische Merkmale der „Krakauer Zeitung“
6.3.1 Ausdrücke aus der Fachsprache
6.3.1.1 Religion
6.3.1.2 Naturwissenschaft
6.3.1.3 Militärwesen
6.3.1.4 Technik
6.3.1.5 Kriminelle Ausdrücke
6.3.2 Euphemismen
6.3.3 Superlative
6.3.4 Pathos
6.3.5 Fremdwörter
6.3.6 Neologismen
6.4 Propagandistische Aussagen zu einzelnen Themen
6.4.1 Polen
6.4.2 Bolschewisten
6.4.3 Alliierten
6.4.4 Juden
6.4.5 Deutsche
7. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die nationalsozialistische Propagandapolitik und deren sprachliche Instrumentalisierung im Generalgouvernement. Ziel ist es, die Strukturen und Inhalte der Pressepropaganda zu erforschen und zu analysieren, wie die „Krakauer Zeitung“ als deutsches Tagesblatt genutzt wurde, um die Bevölkerung ideologisch zu beeinflussen und die NS-Machtansprüche zu festigen.
- Die Rolle der politischen Sprache im Nationalsozialismus und deren Manipulationscharakter.
- Die Funktion der Presse als Propagandainstrument in besetzten Gebieten.
- Stilistisch-lexikalische Analyse der „Krakauer Zeitung“ (Fachtermini, Euphemismen, Superlative).
- Propagandistische Darstellung politischer Gegner (Polen, Bolschewisten, Alliierten, Juden).
Auszug aus dem Buch
4.4.1 Sprachmanipulation
Die Manipulation und der spezifische Gebrauch der Sprache ist keine Erfindung der Nationalsozialisten. Sie wurde seit Jahrhunderten überall geübt, denn man erkannte schon bald, sich in einer Welt abzufinden, in der die Machtausübung auf gerade Manipulation basiert. Auch das nationalsozialistische Regime lernte rasch durch zahlreiche kleinere oder größere Tricks, das Verhalten seiner Staatsbürger zu seinen Gunsten zu ändern.
Zweifelsohne gibt es zahlreiche und umfangreiche Definitionen von Manipulation. Man könnte vielleicht, sehr allgemein definiert, sagen, Manipulation sei ein unerlaubtes Mittel, zur Beeinflussung des Menschen (als Einzelwesen oder in der Gruppe) zum Zwecke einer systematischen zielgerichteten Lenkung und Prägung des Bewusstseins, der Lebens- und Denkgewohnheiten, der Gefühlslagen. Es sei aber darauf hingewiesen, Manipulation ist auch eine besondere Art, Sprache zu benutzen. Diese Besonderheit besteht darin, dass durch Sprachverwendung bestimmte Ziele angestrebt werden, die dem Partner „verborgen sind, verborgen bleiben sollen oder doch bleiben können“.
Die Manipulation macht Sprache zum Mittel für die einen, über die anderen zu herrschen. Sie birgt jedenfalls die Möglichkeit, mit ihrer Hilfe Macht über andere zu gewinnen: das ist eine ihrer Grundfunktionen. Sicher ist die politische Einflussnahme auf Menschen notwendig, denn ohne solche manipulatorischen Einflussnahmen könnte es kaum zu einem politisch stabilen Gebilde kommen.
Zusammenfassung der Kapitel
4. Sprache als politisches Instrument: Dieses Kapitel erläutert die Grundfunktionen der politischen Sprache als Mittel zur Herrschaftssicherung und beschreibt die verschiedenen Lexemklassen des politischen Wortschatzes.
5. Das Wesen der Propaganda: Hier werden Definitionen von Propaganda dargelegt, ihre Rolle als zentrales Instrument totalitärer Regime analysiert und die verschiedenen Kanäle der Verbreitung sowie spezielle Techniken der Medienmanipulation untersucht.
6. Die „Krakauer Zeitung“: Dieses Hauptkapitel bietet eine detaillierte historische Charakterisierung der Zeitung sowie eine umfangreiche stilistisch-lexikalische Analyse ihrer propagandistischen Sprache und ihrer Ausrichtung auf verschiedene Themenkomplexe und Zielgruppen.
7. Schlussbetrachtung: Zusammenfassend wird resümiert, dass das NS-Regime die Sprache als gezieltes Manipulationsmittel zur Durchdringung der Lebenswirklichkeit und zur ideologischen Überwältigung der Gesellschaft einsetzte.
Schlüsselwörter
Nationalsozialismus, Propaganda, Sprachmanipulation, Generalgouvernement, Krakauer Zeitung, Pressewesen, Lingua Tertii Imperii, Politischer Wortschatz, Ideologie, Herrschaftsmittel, Antisemitismus, NS-Sprache, Medienmanipulation, Kriegführung, Euphemismen
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Rolle der Sprache und Propaganda als Machtinstrument des Nationalsozialismus im besetzten Generalgouvernement während des Zweiten Weltkriegs.
Welches ist das zentrale Thema?
Das zentrale Thema ist die sprachliche Analyse der NS-Besatzungspresse, wobei die „Krakauer Zeitung“ als primäres Untersuchungsobjekt dient.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die Erforschung der propagandistischen Strategien und der spezifischen Wortwahl, mit denen das NS-Regime die öffentliche Wahrnehmung im Generalgouvernement steuern und legitimieren wollte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine vergleichende, sprachwissenschaftliche Methode angewandt, um die propagandistischen Lexemklassen und stilistischen Merkmale (z.B. Superlative, Euphemismen) in den Quellen zu isolieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Struktur und Form der „Krakauer Zeitung“, die Verwendung von Fachsprache, Euphemismen, Pathos und Neologismen sowie die gezielte propagandistische Darstellung einzelner Gruppen wie Polen, Juden oder Bolschewisten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Nationalsozialismus, Propaganda, Sprachmanipulation, Generalgouvernement und „Krakauer Zeitung“.
Welche Rolle spielten Euphemismen in der Berichterstattung?
Euphemismen dienten dazu, grausame Handlungen des Regimes, wie Deportationen oder Gewaltmaßnahmen, zu verschleiern und durch positiv besetzte oder neutrale Begriffe zu ersetzen.
Wie wurde die „Krakauer Zeitung“ von den Machthabern instrumentalisiert?
Sie diente als „tägliches Sprachrohr“, um deutsche Stärke zu demonstrieren, die Herrschaft zu legitimieren und die Bevölkerung durch gezielte Informationslenkung in eine bestimmte politische Richtung zu drängen.
Warum war der Einsatz von „Fremdwörtern“ für die NS-Propaganda wichtig?
Fremdwörter wurden eingesetzt, um klangvoller zu erscheinen und das Denken der Rezipienten durch Begriffe, die nicht vollständig durchdrungen wurden, zu beirren und zu betäuben.
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- Magister Radoslaw Lis (Autor), 2008, Propagandasprache im Dritten Reich anhand der NS-Besatzungspresse im Generalgouvernement, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/112334