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Eine kritische Auseinandersetzung mit Fichtes Wissenschaftslehre

Anhand seiner Schrift: ‚Erste Einleitung in die Wissenschaftslehre’ aus dem Jahre 1797

Title: Eine kritische Auseinandersetzung mit Fichtes Wissenschaftslehre

Seminar Paper , 2007 , 21 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Mirko Wulf (Author)

Philosophy - Theoretical (Realisation, Science, Logic, Language)
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Summary Excerpt Details

Die Auseinandersetzung mit Fichtes ‚Erster Einleitung in die Wissenschaftslehre’ war nicht
leicht. Fichte neigt dazu, in seinen Argumentationen und textimmanenten Fokussierungen
dergestalt zu springen und Sachverhalte so kurz abzuhandeln, dass ein wirkungsvolles
Textverständnis kaum zu gewährleisten ist. Dazu kommt noch seine abstrakte Sprache, die in
ihrer Eindringlichkeit all denen, die Fichtes Anliegen auf begrifflicher Ebene nicht
hinterherzukommen vermögen, unterstellt, dass man sein System nicht verstanden habe.
Wolfgang Röd formuliert treffend:
„Fichtes System gehört zum Schwierigsten, was in der Philosophie je erdacht wurde, und
zwar nicht nur auf Grund seiner Abstraktheit, sondern auch wegen der spröden Sprache,
deren sich Fichte bediente.“ (Röd 2000; S. 215)
Mir sei also verziehen, wenn ich nicht auf jeden Punkt eingehe, den Fichte in seinem Text
anbringt. Weniger, dass ich seine einzelnen Gedanken nicht reproduzieren könnte, sondern
viel mehr, dass das ein oder andere zu erläutern bloß zur Verwirrung führte, da die
gelegentliche Unverständlichkeit zwischen einzelnen Aspekten durch den teilweise
indifferenten Gebrauch seines Vokabulars nicht zur Verständlichkeit beiträgt. Mein Anliegen
galt also der Vermittlung Fichtes Gesamtkonzeptes und nicht einer systematischen
Reproduktion des Textes, wenn das Vorhaben sein sollte, Fichtes Wissenschaftslehre
nachvollziehen und nicht bloß abtippen zu lernen, zumal ich nicht erbringen kann, was er
selber im Stande nicht zu leisten war – eine konkrete Theorie darbieten, auf konkreten
Argumenten beruhend, mit konkreten Beispielen erklärbar.
Auch sei mir verziehen, dass die Kritik etwas länger ausfällt. Aber diese Freiheit zur
Auseinandersetzung habe ich mir als theorienreflektierender Student genommen, zumal die
Erwähnung der Kritikpunkte, meines Erachtens nach, Sinn macht und der Kern einer
Philosophie-Hausarbeit nur ein reflektiertes und überprüfendes Verständnis des zu
bearbeitenden Gegenstandes sein kann.
Aus systematische Gründen habe ich mich anfangs dem Konflikt ‚Idealismus vs.
Dogmatismus’ gewidmet, in dem sich Fichte vorfindet. Weiter geht es sodann mit der
Erläuterung Fichtes idealistischen Konzeptes der ‚Wissenschaftslehre’ zur Falsifizierung des
Dogmatismus, gefolgt von der kritischen Reflexion derselben. Schlusslicht ist ein Résumé.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

0.Einleitung

1. Idealismus vs. Dogmatismus:

2. Die Wissenschaftslehre

2.a) Die Idee dahinter – das Vorbild Kant

2.b) Die Intelligenz und die Dialektik des Ich-an-Sich – absolute Immanenz

3. Eine kritische Reflexion

3.a) Fichte und die normative Kraft des Gesetzten

3.b) Fichtes methodische Inkonsequenz

3.c) Fichtes Fauxpas in der Determinismus-Debatte

3.d) Die solipsistische Verstrickung - Fehlendes Korrelat

3.e) Das Paradoxon der Kohärenztheorie

4. Résumé

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Diese Arbeit setzt sich kritisch mit Johann Gottlieb Fichtes Schrift „Erste Einleitung in die Wissenschaftslehre“ (1797) auseinander. Das primäre Ziel besteht darin, Fichtes idealistisches System nachzuvollziehen, dessen methodische Grundlagen zu hinterfragen und die systeminternen Widersprüche, insbesondere im Kontext der Determinismus-Debatte und des Solipsismus-Vorwurfs, aufzuzeigen.

  • Die Gegenüberstellung von Idealismus und Dogmatismus als Ausgangspunkt für die Erkenntnissuche.
  • Die Analyse der „Wissenschaftslehre“ und deren Abgrenzung bzw. Fortführung des kantischen Systems.
  • Die dialektische Konstruktion des Ich-an-Sich als Basis für absolute Immanenz.
  • Kritische Reflexion der methodischen Inkonsequenz und des sogenannten „geforderten Denkakts“.
  • Fichtes Einfluss als Vorreiter für spätere phänomenologische Ansätze bei Hegel und Husserl.

Auszug aus dem Buch

3.c) Fichtes Fauxpas in der Determinismus-Debatte

Der Punkt, an dem Fichte am meisten Gefahr läuft, sich in seinen textimmanenten Argumentationen zu verstricken, ist eindeutig innerhalb der Textstelle zu finden, in der er den ‚geforderten Denkakt’ expliziert (vgl. 149/50). Fichte wusste um die Dringlichkeit auf diesen Prozess des geforderten Denkens einzugehen, da in seiner Wissenschaftslehre der absoluten Immanenz kein Platz für eine wie auch immer geartete Form des von außen einwirkenden Determinismus ist. Jedoch liegt dem Idealisten in Hinsicht des ‚geforderten Denkaktes’ eine solche Diskrepanz zu Grunde, so dass er sich präventiv gegen Determinismus-Vorwürfe zu wehren versuchen muss, um nicht den Anschein zu erwecken, er hätte diesen Vorwurf nicht berücksichtigt. Fichte möchte klar machen, dass er jeden Punkt in seiner Theorie unterbringen kann, und dass der geforderte Denkakt etwas ist, was er auf idealistischer Hinsicht zu beschreiben vermag. Dass er sich aus der dogmatischen Schlinge nicht retten kann und die Auseinandersetzung mit diesem Thema einem Fauxpas gleicht, möchte ich nach Kenntnisnahme folgender Textstelle zeigen:

1. „[Der kritische Idealismus] fordert den Zuhörer oder Leser auf, mit Freiheit einen bestimmten Begriff zu denken;“ (S. 149)

2. „[Der geforderte Denkakt] wird durch Freiheit vollzogen [...] und die notwendige Weise, wie er zu vollziehen ist; diese ist in der Natur der Intelligenz gegründet, und hängt nicht ab von der Willkür; sie ist etwas Notwendiges, das aber nur in und bei einer freien Handlung vorkommt.“ (S. 150)

Zusammenfassung der Kapitel

0.Einleitung: Der Autor erläutert die Herausforderungen bei der Analyse von Fichtes abstrakter Sprache und legt die Vorgehensweise sowie den systematischen Aufbau der Untersuchung dar.

1. Idealismus vs. Dogmatismus:: Dieses Kapitel definiert die Gegensätze zwischen Dogmatismus (Ding-an-Sich) und Idealismus (Intelligenz) und untersucht, warum für Fichte die Wahl der Philosophie eine Frage des menschlichen Charakters ist.

2. Die Wissenschaftslehre: Hier wird Fichtes Versuch eines wissenschaftlichen Neuanfangs dargestellt, der sich zwar auf Kant bezieht, aber in seinem Verfahren eine absolute Immanenz anstrebt.

2.a) Die Idee dahinter – das Vorbild Kant: Die Untersuchung beleuchtet Fichtes Bezugnahme auf die kopernikanische Wende Kants und die kritische Abgrenzung zu deren erkenntnistheoretischen Kategorien.

2.b) Die Intelligenz und die Dialektik des Ich-an-Sich – absolute Immanenz: Dieser Abschnitt erklärt die drei Grundsätze Fichtes, in denen sich das Ich ein Nicht-Ich entgegensetzt, um die Notwendigkeit von Erfahrung rein immanent zu begründen.

3. Eine kritische Reflexion: Der Autor hinterfragt Fichtes Argumentationsweise und deckt methodische Widersprüche auf, die Fichte hinter einer eindringlichen, normativen Sprache verbirgt.

3.a) Fichte und die normative Kraft des Gesetzten: Kritisiert wird Fichtes rhetorischer Stil, der Behauptungen als Selbstverständlichkeiten suggeriert, ohne sie ausreichend argumentativ zu stützen.

3.b) Fichtes methodische Inkonsequenz: Dieses Kapitel arbeitet einen methodischen Kategorienfehler heraus, bei dem Fichte die Falsifizierung des Dogmatismus bereits voraussetzt, während er sie gleichzeitig beweisen will.

3.c) Fichtes Fauxpas in der Determinismus-Debatte: Es wird aufgezeigt, wie Fichtes Versuch, Freiheit und Notwendigkeit im „geforderten Denkakt“ zu vereinen, logisch scheitert und das Problem lediglich verschiebt.

3.d) Die solipsistische Verstrickung - Fehlendes Korrelat: Der Autor argumentiert, dass Fichtes absolute Immanenz zwangsläufig in einen Solipsismus führt, da das ontologische Korrelat der Außenwelt wegfällt.

3.e) Das Paradoxon der Kohärenztheorie: Es wird die Frage aufgeworfen, warum die Annahme eines Ding-an-Sich kontraintuitiv bleibt, obwohl Fichtes System das Gegenteil fordert.

4. Résumé: Das Resümee ordnet Fichtes Lehre in die Philosophiegeschichte ein und diskutiert seinen Einfluss auf Hegels Dialektik und Husserls Phänomenologie.

Schlüsselwörter

Johann Gottlieb Fichte, Wissenschaftslehre, Idealismus, Dogmatismus, Ich-an-Sich, absolute Immanenz, Erkenntnistheorie, Determinismus, Freiheit, Solipsismus, Kohärenztheorie, Immanuel Kant, Phänomenologie, Dialektik.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit bietet eine kritische philosophische Auseinandersetzung mit Fichtes „Erster Einleitung in die Wissenschaftslehre“ und hinterfragt die Konsistenz seines idealistischen Systems.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die zentralen Felder umfassen die erkenntnistheoretische Abgrenzung zwischen Idealismus und Dogmatismus sowie die Probleme von Freiheit, Determinismus und die logische Struktur des Ich.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Ziel ist es, Fichtes komplexes System nicht nur zu erläutern, sondern dessen methodische Schwachstellen und Widersprüche im Rahmen einer kritischen Reflexion aufzudecken.

Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?

Der Autor wendet eine textanalytische und kritisch-philosophische Methode an, um Fichtes Argumentation in ihrem historischen Kontext zu prüfen und gegen moderne Denkanstöße abzuwägen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung von Fichtes idealistischem Konzept sowie eine umfangreiche kritische Reflexion, die Fichtes Methodik, Determinismus-Debatte und den Vorwurf des Solipsismus diskutiert.

Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?

Schlüsselbegriffe sind vor allem „absolute Immanenz“, „Ich-an-Sich“, „normative Kraft des Gesetzten“, „Dialektik“ und die „Kohärenztheorie“.

Warum hält der Autor Fichtes Methode für inkonsequent?

Der Autor sieht eine methodische Inkonsequenz darin, dass Fichte notwendige Ergebnisse (wie die Falsifizierung des Dogmatismus) bereits als Voraussetzung in seine Argumentation einfließen lässt, statt sie schrittweise herzuleiten.

Was bedeutet der „Solipsismus-Vorwurf“ im Kontext der Arbeit?

Der Vorwurf besagt, dass Fichtes radikale Rückverlagerung aller Erkenntnis in das Ich dazu führt, dass eine ontologisch existierende Außenwelt als Korrelat verloren geht, was den Autor in einen unüberwindbaren Solipsismus treibt.

Inwiefern beeinflusste Fichte spätere Denker wie Husserl?

Der Autor sieht Schnittpunkte in der Art, wie das Ich als tätig begriffen wird und wie die Evidenzkraft durch Introspektion gewonnen wird, obwohl Husserls System methodisch grundlegend anders aufgebaut ist.

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Details

Title
Eine kritische Auseinandersetzung mit Fichtes Wissenschaftslehre
Subtitle
Anhand seiner Schrift: ‚Erste Einleitung in die Wissenschaftslehre’ aus dem Jahre 1797
College
University of Dortmund
Course
Idealismus und Empirismus im 19. Jh.
Grade
1,7
Author
Mirko Wulf (Author)
Publication Year
2007
Pages
21
Catalog Number
V112341
ISBN (eBook)
9783640117451
ISBN (Book)
9783640117895
Language
German
Tags
Eine Auseinandersetzung Fichtes Wissenschaftslehre Idealismus Empirismus
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Mirko Wulf (Author), 2007, Eine kritische Auseinandersetzung mit Fichtes Wissenschaftslehre, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/112341
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