Die Nachtseite der Seele in Novalis' Hymnen an die Nacht


Hausarbeit, 2007

11 Seiten, Note: Sehr gut


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Epoche der Romantik
2.1. Der Jenaer Kreis
2.2. Hauptmerkmale der Dichtung
2.3. Der Geist als Ziel der Entwicklung
2.4. Das Ich als Schöpfer einer sinnvollen Welt

3. Novalis – Leben und Schaffen

4. Die Nachseite der Seele – „Hymnen an die Nacht“
4.1. Das Todeserlebnis des Novalis
4.2. Zur Form des Werks
4.3. Motiv der Nacht – Versuch einer Interpretation

5. Schlussbemerkung

6. Literaturverzeichnis
6.1. Primärliteratur
6.2. Sekundärliteratur

1. Einleitung

Die Deutsche Romantik war keine nur literarische, sondern eine das gesamte Geistesleben der Zeit prägende Bewegung. Ein neuer Lebensstil, eine neue Kunst- und Weltanschauung, die Überwindung der Krise der Gesellschaftsordnung um 1800 waren die führenden lebensphilosophischen Ziele der Romantiker und wurden von ihnen bewusst und unerschöpft realisiert.

Für Novalis war die romantische Poesie in erster Linie Ausdruck seines innersten Wesens, Aussage seiner tiefsten Gedanken, die nach dem Wunderbaren und Geheimnisvollen drängen. Als seine Verlobte starb, verspürte er einen solchen Schmerz, dass auch er sterben wollte. In seinem Kummer schrieb er dann ein wunderschönes Werk – „Hymnen an die Nacht“.

2. Die Epoche der Romantik

Am Ende des 18. Jahrhunderts begann ein neues Lebens- und Kunstverständnis, und zwar die Romantik, die dem Rationalismus der Spätaufklärung Gefühl und Innerlichkeit, der strengen Form der Weimarer Klassik die freie Subjektivität des Geistes entgegensetzte. Diese von europäischem Ausmaß künstlerische Bewegung äußerte sich nicht nur in Literatur und Philosophie, sondern auch in der Musik und in der Malerei[1]. Die Romantik lebte aus der Sehnsucht nach der Vereinigung mit dem Unendlichen. Alle festen, begrifflichen Umrisse wurden aufgelöst, die Grenzen zwischen Traum und Phantasie und Wirklichkeit aufgehoben. In einer mystischen Unruhe wurden die Verbindungen zwischen Geist und Natur, Endlichem und Unendlichem, Ich und All, Geschichte und Gegenwart gesucht. Das Reale wurde als eine Funktion des Geistigen interpretiert. Durch Auflösung aller Grenzen sollte eine kosmische Einheit erreicht werden. Die künstlerische Form für solche Ideen war das „Gesamtkunstwerk“, das alle Gattungen und Gehalte in sich vereinen sollte[2].

Die Romantik war im Gegensatz zur Klassik keine einheitliche Bewegung, sondern setzte sich aus vielen Teilbewegungen zusammen. Darüber hinaus kann man die Strömung nochmals differenzieren und in weitere Einheiten zerlegen, sowohl zeitlich, wie auch örtlich[3]:

a. 1797-1801 Frühromantik (Jenaer Romantik): Ludwig Tieck, Novalis, August Wilhelm Schlegel, Friedrich Schlegel, Friedrich Wilhelm Schelling
b. 1805-1808 Hochromantik (Heidelberg): Clemens Brentano, Achim von Arnim
c. 1809-1835 Spätromantik (Berliner Romantik): Adalbert von Chamisso, Friedrich de la Motte Fouqué, E.T.A. Hoffmann, Joseph von Eichendorff

2.1. Der Jenaer Kreis

In der Stadt Jena, die zum Herzogtum Sachsen-Weimar gehörte, formierte sich in Jena ein Kreis um den Philosophen Johann Gottlieb Fichte. Dort wirkten in den letzten Jahren des 18. Jahrhunderts die Brüder August Wilhelm und Friedrich Schlegel, die sich als Literaturtheoretiker verstanden, der Philosoph Friedrich Wilhelm Schelling und die beiden Dichter Ludwig Tieck und Novalis zusammen[4]. Sie waren Studenten oder freie Schriftsteller, alle zwischen 25 und 30 Jahre alt und fest entschlossen, ihr Leben anders zu gestalten als die „philisterhaften Bürger“, nämlich als exzentrische Bohemiens, die nicht nur ein neues Kunstprogramm, sondern auch die Emanzipation der Frau und die freie Liebe durchsetzen wollten. Die Gruppe verstand sich zunächst als Gegengewicht zur Spätaufklärung und deren Vernunftkult[5].

Sie fand sich bestätigt durch Herder und Hamann, die sich bereits in den sechziger Jahren auf die Kräfte des leidenschaftlichen Fühlens, auf die Phantasie und die Ahnung berufen hatten. Nur im Traum, in der Vision und in der Ekstase vermögen Menschen die wahre Welt zu ahnen. Von da her wird die romantische Poesie eine Poesie der Sehnsucht, der Phantasie und Phantastik[6].

Natürlich setzten sich die Frühromantiker mit dem Erbe des Sturm und Drang und auch mit den ersten Werken der Klassik auseinander. Die Leitbegriffe des Sturm und Drang, nämlich Natur, Genie, Gefühl, Freiheit, wurden als unabdingbare Voraussetzungen für die Poesie übernommen. Während jedoch der Sturm und Drang jede Führungsrolle der Wissenschaft abgelehnt hatte, ließen sich die Romantiker in hohem Maß von ihr leiten. Für sie waren literaturtheoretische Erörterungen sehr wichtig, Sie suchten nach einer philosophischen Begründung ihres Weltbildes, sie wollten ihre Ideen auch in die Rechts- und Staatswissenschaft und die Naturwissenschaften tragen[7].

2.2. Hauptmerkmale der Dichtung

Friedrich Schlegel forderte Überwindung der Trennung zwischen den literarischen Gattungen, zwischen Verstand, Bildung und Gefühl, um in allen Bereichen des Lebens zu neuen Gestaltungsformen zu gelangen. Darüber hinaus übte er Kritik an künstlerischer und gesellschaftlicher Erstarrung[8]. Weder Form noch Inhalt waren also festgelegt. So wurden Lieder, Erzählungen, Märchen und Gedichte ineinander vermischt. Poesie, Wissenschaft und Philosophie wurden miteinander verbunden. Zum Vorschein in der romantischen Literatur kam das Unbewusste, und die Schauplätze waren nicht selten Friedhöfe, Ruinen, dunkle Wälder und Naturlandschaften. Die dargestellte Inhalt war entweder naturmagischen Charakters, übernatürlich, oder märchenhaft[9].

[...]


[1] vgl. Kasper 1983: 161

[2] vgl. Müller 1972b: 31

[3] vgl. Killinger 1997: 178

[4] vgl. Baumann et al. 1996: 127

[5] vgl. Killinger 1997: 164

[6] vgl. Kasper 1983: 161

[7] vgl. Müller 1972b: 31

[8] vgl. Žmegač et al. 1981: 142f.

[9] vgl. Papiór 1994: 110f.

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Die Nachtseite der Seele in Novalis' Hymnen an die Nacht
Hochschule
Uniwersytet Warszawski (Universität Warschau)
Note
Sehr gut
Autor
Jahr
2007
Seiten
11
Katalognummer
V112389
ISBN (eBook)
9783640119776
ISBN (Buch)
9783640156436
Dateigröße
392 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Nachtseite, Seele, Novalis, Hymnen, Nacht
Arbeit zitieren
Magister Radoslaw Lis (Autor), 2007, Die Nachtseite der Seele in Novalis' Hymnen an die Nacht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/112389

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