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Naturwissenschaft vs. Willensfreiheit?

Versuch der metaphysischen Widerlegung möglicher Folgerungen aus den Experimenten von Libet und Nachfolgern

Title: Naturwissenschaft vs. Willensfreiheit?

Term Paper (Advanced seminar) , 2007 , 15 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Felix Strüning (Author)

Philosophy - Theoretical (Realisation, Science, Logic, Language)
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Anfang der 80er Jahre versetzten die neurowissenschaftlichen Versuche von Benjamin Libet die Fachwelt, aber auch Philosophen und Medien in Aufruhr. Libet hatte seine Testpersonen an ein EEG (Elektroenzephalogramm) angeschlossen und sie gebeten, völlig spontan einen Finger der rechten Hand zu heben. Gleichzeitig sollten sie auf einer Uhr einen sehr schnell rotierenden Zeiger beobachten und sich die Zeigerposition merken, zu der sie sich der Entscheidung bewusst geworden waren, den Finger zu heben. Das erstaunliche Ergebnis war, dass sich im Gehirn bereits einige hundert Millisekunden vor dem berichteten Bewusstsein, den Finger heben zu wollen, ein Bereitschaftspotenzial aufbaute. Libet schlussfolgerte für diese spezielle Laborsituation, dass ein Bewusstsein über die Entscheidung zeitlich erst nach dem Einleiten der Bewegung, zu der sich der Proband entschieden hatte, stattfand, andere interpretierten sofort den Verlust des freien Willens in die beobachtete Reihenfolge hinein. In der Folge wurde viel Kritik am Versuchsaufbau Libets geäußert, zugleich fanden unzählige Verbesserungsvorschläge Einfluss in die Diskussion. Als beispielhaft für die Kritik mag der Text von Frank Rößler gelten, der in drei wichtigen Kategorien die Aussagekraft der Experimente in Frage stellte. Herausragende Verbesserungen bzw. Erweiterungen der Libet-Versuche lieferten Patrick Haggard und Martin Eimer in ihrem Versuch, Libet und sein Modell einer durch das Reaktionspotenzial vorbestimmten freien und spontanen Handlung zu widerlegen. Die Ergebnisse ihrer modifizierten Experimente bestätigten jedoch die Libets und gewährleisteten damit eine breitere Definition und Aussagekraft. Wie ungenau die Messergebnisse auch sein mögen und unabhängig davon, wie sehr eine Laborsituation bzw. die Entscheidung, einen Finger zu heben, etwas über unseren freien Willen aussagt, scheint hier durch die Naturwissenschaft unser intuitives Gefühl, dass wir uns selbst entscheiden, in Frage gestellt zu werden. Die Vertreter eines Determinismus haben mit den Libet-Experimenten ein starkes Argument in die Hand bekommen: Es sieht so aus, als wäre schon bestimmt, was wir tun, wenn wir denken uns zu entscheiden, das wir es tun. Wenn dem so wäre, hätten wir erstens nicht anders handeln können, als wir es getan haben und zweitens könnte keiner sagen, von wem die Entscheidung getroffen wurde und wann sie getroffen wurde, sie könnte dann zeitlich beliebig weit nach vorne verlagert werden.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einige Überlegungen zu Libet

2.1 Das Gedankenexperiment der eingetankten Wissenschaftlergehirne

2.2 Eigenes Gedankenexperiment

3. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Frage, ob die Ergebnisse der Libet-Experimente tatsächlich die menschliche Willensfreiheit widerlegen. Das primäre Ziel ist es, eine metaphysische Argumentation zu entwickeln, die den Entscheidungsprozess der naturwissenschaftlichen Messbarkeit entzieht und somit den Determinismus in Bezug auf den freien Willen aushebelt.

  • Kritische Analyse der Libet-Experimente und ihrer neurophysiologischen Deutung
  • Untersuchung von Gedankenexperimenten als methodisches Werkzeug zur Verteidigung der Freiheit
  • Diskussion des Verhältnisses von Bewusstsein, Geist und neuronalen Prozessen
  • Konzeptualisierung von Materie als Information zur Überwindung des klassischen Dualismus

Auszug aus dem Buch

2.2 Eigenes Gedankenexperiment

Um nun ein eigenes Gedankenexperiment aufzuziehen, stellt sich anfangs die Frage, ob es der Möglichkeit einer naturwissenschaftlichen Überprüfung bedarf, unabhängig von der technischen Realisierbarkeit. Obwohl dies für eine wissenschaftliche Theorie seit Roger Bacon gefordert wird, kann man hier natürlich mit Platon und David Hume entgegenhalten. Letzterer stellte die Vergesetzmäßigung wissenschaftlicher Beobachtungen in Frage, da niemals ausgeschlossen werden könne, dass identische Versuche außerhalb der schon beobachteten endlichen Zahl von Versuchen ein anderes Ergebnis liefern, als alle vorherigen. Platon hatte generell unser Konzept von richtigem Wissen hinterfragt, denn um zu behaupten, meine Beobachtung entspräche der Wahrheit, muss ich zunächst wissen, dass meine Beobachtungsart oder -grundlage richtig ist. Diese Kette kann man natürlich endlos zurück verfolgen. Diese grundsätzliche Kritik an der Beobachtbarkeit oder empirischen Nachweisbarkeit reicht mir, um das Gedankenexperiment so zu kreieren, dass es mittels der Naturwissenschaften nicht nachweisbar – und eben auch nicht widerlegbar – ist, denn genau dies ist ja das Ziel: Die untersuchte Willensfreiheit den empirischen Wissenschaften zu entziehen.

Ziel des folgenden Experimentes ist es, Willensfreiheit zu beweisen. Dazu müssen wir uns zunächst genau anschauen, was wir unter Willensfreiheit verstehen: Willensfreiheit bedeutet, in jeder Situation auch anders gewollt haben zu können, als ich konkret gewollt habe. Allerdings unterliegt auch Willensfreiheit einer Einschränkung, die sich jedoch im praktischen Leben nicht bemerkbar machen kann. Wenn wir nämlich genau überlegen, kann ich in jeder Situation nur das wollen, was ich mir zu diesem Zeitpunkt vorstellen kann. Bei einem Kleinkind ist das wesentlich weniger, als bei einem Erwachsenen und auch ein Erwachsener kann ungebildet in der afrikanischen Wüste leben oder Physiker an einer Eliteuniversität sein. Willensfreiheit ist also durch unsere Erfahrungswelt begrenzt, so wie es Handlungsfreiheit durch unsere Möglichkeiten, in der Welt zu handeln, ist.

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den historischen Aufruhr um die Libet-Experimente und stellt die wissenschaftliche Kritik sowie die deterministische Herausforderung für den freien Willen dar.

1. Einige Überlegungen zu Libet: Dieses Kapitel hinterfragt, ob Libets Versuche tatsächlich die Willensfreiheit messen oder lediglich eine Handlungsauslösung untersuchen, und analysiert das Modell des Vetos sowie die dualistische Analogie zwischen Gehirn und Bewusstsein.

2.1 Das Gedankenexperiment der eingetankten Wissenschaftlergehirne: Hier wird Olaf Müllers Ansatz untersucht, der mittels einer Computeranalogie versucht, die Entscheidungsebene der neurowissenschaftlichen Forschung zu entziehen, was jedoch durch das Festhalten an der Rechneranalogie problematisch bleibt.

2.2 Eigenes Gedankenexperiment: Der Autor entwickelt ein eigenes Modell, das Materie als Information definiert, um die Ebene der Willensentscheidung metaphysisch zu verankern und somit der rein naturwissenschaftlichen Untersuchung zu entziehen.

3. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Entscheidungen nicht zwingend an neuronale Strukturen gebunden sind und dass eine Geist-Raum-Analogie neue Wege eröffnet, Willensfreiheit trotz naturwissenschaftlicher Erkenntnisse plausibel zu machen.

Schlüsselwörter

Willensfreiheit, Libet-Experimente, Bereitschaftspotenzial, Determinismus, Bewusstsein, Gehirn, Metaphysik, Gedankenexperiment, Dualismus, Information, Kausalität, Geist-Raum-Analogie, Handlungsfreiheit, Neurophilosophie, Quantenphysik

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht, ob die neurowissenschaftlichen Experimente von Benjamin Libet den freien Willen tatsächlich widerlegen oder ob es metaphysische Deutungsspielräume gibt, die menschliche Freiheit erhalten.

Welches Ziel verfolgt die Forschungsarbeit?

Das primäre Ziel ist es, die Willensfreiheit gegen deterministische Interpretationen der Neurowissenschaften zu verteidigen, indem der Entscheidungsprozess als metaphysischer Vorgang definiert wird.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Die Arbeit nutzt primär philosophische Analyse, Literaturkritik sowie das Entwerfen und Diskutieren von Gedankenexperimenten.

Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?

Die Arbeit bewegt sich im Spannungsfeld zwischen Philosophie und Naturwissenschaft, insbesondere in der Neurophilosophie und Metaphysik.

Welche Rolle spielt die Rechneranalogie bei Olaf Müller?

Müller versucht mittels einer Computersimulation, den Entscheidungsprozess einer Beobachtung zu entziehen, was der Autor jedoch als unzureichend kritisiert, da die Analogie das Problem der Kausalität nur verschiebt.

Was zeichnet die hier vorgestellte Geist-Raum-Analogie aus?

Sie schlägt vor, Materie als Information zu begreifen, wodurch eine Trennung zwischen Geist und Welt aufgehoben wird und der Geist als nicht-materieller Raum Entscheidungen jenseits neuronaler Messbarkeit treffen kann.

Kann das Libet-Veto die Willensfreiheit retten?

Der Autor argumentiert, dass das Libet-Veto das Bereitschaftspotenzial seiner Aussagekraft beraubt, da es technisch nicht messbar ist, wenn keine Handlung erfolgt, und daher für den Ansatz der Arbeit nicht sinnvoll ist.

Warum ist die Definition von Materie als Information für die Arbeit wichtig?

Durch diese Definition kann der klassische Dualismus aufgelöst werden, wodurch die kausale Wirkung eines nicht-physischen Bewusstseins auf die physischen Strukturen des Gehirns erklärbar wird, ohne den Gesetzen der Naturwissenschaften zu widersprechen.

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Details

Title
Naturwissenschaft vs. Willensfreiheit?
Subtitle
Versuch der metaphysischen Widerlegung möglicher Folgerungen aus den Experimenten von Libet und Nachfolgern
College
Humboldt-University of Berlin  (Institut für Philosophie)
Course
Naturwissenschaft und Willensfreiheit
Grade
1,3
Author
Felix Strüning (Author)
Publication Year
2007
Pages
15
Catalog Number
V112405
ISBN (eBook)
9783640120369
Language
German
Tags
Naturwissenschaft Willensfreiheit Naturwissenschaft Willensfreiheit
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Felix Strüning (Author), 2007, Naturwissenschaft vs. Willensfreiheit?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/112405
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