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Der burgenländische Autor Siegmund Kleinl

Ein großer Unbekannter für die Literaturwissenschaft

Title: Der burgenländische Autor Siegmund Kleinl

Diploma Thesis , 2007 , 138 Pages , Grade: Sehr gut

Autor:in: Mag. Manuel Marold (Author)

German Studies - Miscellaneous
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Die besten Gedanken kommen nicht zwangsläufig von den bekanntesten Autoren – das ist eine literaturgeschichtliche Tatsache. Es mag also nicht weiter verwundern, dass es in dieser Arbeit um den „großen Unbekannten“ Siegmund Kleinl geht. „Großer Unbekannter“, das ist ein Ausdruck, der vor allem in der Charles Sealsfield-Forschung gebräuchlich ist. Die wahre Identität von Sealsfield war zeit seines Lebens ein Mysterium, sein kritisches Anti-Metternich-Pamphlet Austria as it is veröffentlichte er anonym. Siegmund Kleinl hingegen ist alles andere als namenlos, er ist in der burgenländischen Literaturszene eine Karyatide, aber im Vergleich zum literarischen Kanon – und damit auch im Vergleich zu den Themen, die sonst in Abschlussarbeiten behandelt werden – ist Kleinl eben ein „großer Unbekannter“.
Diese Arbeit möchte keine „Werbung“ für burgenländische Literatur betreiben, versteht sich aber sehr wohl als Beitrag zur wissenschaftlichen Erfassung der burgenländischen Gegenwartsliteratur – in der germanistischen Forschung derzeit eher noch eine Grauzone; so ist dies nicht nur die erste wissenschaftliche Annäherung an Siegmund Kleinl, sondern auch die erste an einen nach 1950 geborenen burgenländischen Autor. Im Zuge dessen möchte die Arbeit beweisen, dass auch jenseits der literarisch großen Namen hochwertige Literatur entsteht: der (universitären) Öffentlichkeit wird hier ein neuer, hochinteressanter Autor vorgestellt, sein umfangreiches Werk wird an ausgewählten Texten literaturwissenschaftlich analysiert. Die Arbeit soll zeigen, dass Siegmund Kleinl keineswegs „im luftleeren Raum“ schreibt und seine Texte nicht nur für sich selbst stehen, sondern dass sich verschiedene Bezüge zur literarischen Tradition ergeben – wenn sich Kleinl auch keiner Denkschule widerspruchsfrei zuordnen lässt.
Es wird also nicht ein einzelner Aspekt von Siegmund Kleinls Werk näher analysiert, sondern – da es ja noch keine wissenschaftliche Arbeit gibt, auf der die vorliegende aufbauen könnte – der Autor monographisch und ganzheitlich erfasst.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Vorwort

2. Biographisches

2.1. Lebensgeschichte

2.2. Veröffentlichungen

3. TextKörper – Kleinls Poetik

3.1. Textanalyse

3.1.1. Das Erzählen als Gehen

3.1.2. Autonomie des Erzählens und Abkehr von Mimesis

3.1.3. Sprachliche „Entgrenzung“

3.1.4. Organisches Verständnis vom Erzählen

3.1.5. Die „Male“

3.2. Apotheose und Rehabilitierung des Erzählens

3.2.1. Topos der Scheherazade, Intertextualität und Metafiktion

3.2.2. Schreiben gegen den Tod der Literatur

3.2.3. Konkrete Einflüsse auf TextKörper

3.3. Semantische Ebene und Bedeutungsebene

3.3.1. Kleinls Stil als Resultat der Poetik

3.3.2. Kein einheitlicher Sinn, der Leser in Bewegung

3.4. Exkurs I: Kleinl und Derrida

3.5. Exkurs II: Kleinl als Rezeptionsästhet

3.6. Exkurs III: TextKörper im Spiegel der Essaytheorie

3.7. Zusammenfassung

4. Kleinls literarisches Schaffen im Kontext seiner Poetik

4.1. Tugend. Szenische Anspielungen

4.1.1. Kleinls Vorwort

4.1.2. Kleinls Nachwort

4.1.3. Textanalyse

4.1.3.1. Akt I

4.1.3.2. Akt II

4.1.3.3. Akt III

4.1.3.4. Akt IV

4.1.3.5. Akt V

4.1.3.6. Akt VI

4.1.3.7. Akt VII

4.1.4. Die Makrostruktur des Texts

4.1.5. Exkurs: Siegmund Kleinl im literarischen Feld und mit „Einflussangst“

4.1.6. Zusammenfassung

4.2. DorfMale. Ein Umsinnen

4.2.1. Kleinl über Kleinl

4.2.2. Aufbau des Texts

4.2.3. Analyse ausgewählter Kapitel

4.2.3.1. Erste Liebe. VerSuche

4.2.3.2. Schule 2. Fiktiefen. Ein Essei

4.2.3.3. Weinfest. SprachTaumel

4.2.4. Exkurs I: DorfMale und die Erzähltheorie

4.2.5. Exkurs II: Ansicht des Lektors / Lesers

4.2.6. Zusammenfassung

4.3. EineWelt. Mit Teilungen

4.3.1. Textanalyse

4.3.2. Exkurs I: Der E-Mail Roman als Weiterentwicklung des Briefromans

4.3.3. Exkurs II: Das Tagebuch des „Trebor“

4.3.4. Zusammenfassung

5. Die Welt des Siegmund Kleinl

5.1. Interview mit dem Autor

5.2. Abbildungsteil

6. Nachwort

6.1. Fazit

6.2. Forschungsperspektiven

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Diplomarbeit widmet sich einer monographischen Erschließung des burgenländischen Autors Siegmund Kleinl. Ziel ist es, das umfangreiche und komplexe Werk des bisher literaturwissenschaftlich kaum beachteten Autors systematisch zu analysieren, seine Poetik darzulegen und diese in einen größeren literaturtheoretischen Kontext (unter anderem Postmoderne, Dekonstruktion, Rezeptionsästhetik) einzuordnen.

  • Analyse der Poetik Siegmund Kleinls anhand seines Essays „TextKörper“
  • Untersuchung von Schlüsselwerken (Tugend, DorfMale, EineWelt) unter Einbeziehung des theoretischen Rahmens
  • Reflexion der Verflechtung von Leben, Autorschaft und Kunst (Begriffe wie „Male“ und „Textkörper“)
  • Beleuchtung der Rolle des Lesers als aktive, mitgestaltende Instanz
  • Diskussion von Intertextualität und der Relevanz für zeitgenössische burgenländische Literatur

Auszug aus dem Buch

3.1.1. Das Erzählen als Gehen

Bereits der Untertitel des Essays ist doppeldeutig: so bedeutet Erzählen über Erzählen einerseits eine erläuternde Meta-Erzählung, andererseits kann die Präposition „über“ eine Anhäufung des Erzählens meinen und damit zum Ausdruck bringen, dass der Autor gar nicht anders über das Erzählen sprechen kann als eben erzählend.

Diese Theorie wird im Folgenden untermauert; bereits im ersten Satz von TextKörper schreibt Kleinl: „Ein Wort, das zählt, ist ein Wort, das erzählt.“ Ein solches erzählendes Wort, so Kleinl, ist „gehen“. Durch das Gehen, glaubt Kleinl, wachse dem Körper eine Kraft zu, „die dann am Ende eines Weges als ergangene Energie auf einen Menschen übergehen und ihn retten kann.“ In diesem Zusammenhang nennt Kleinl „große Geher“ aus der Vergangenheit, wie etwa Johann Gottfried Seume, der von 1801 an mehrere lange Fußreisen in weite Teile Europas unternahm; am berühmtesten ist sein literarisch verewigter Spaziergang nach Syrakus im Jahre 1802, der von Kleinl erwähnt wird. Weiters führt Kleinl Hölderlin an, der über die Auvergne nach Bordeaux wanderte. Die Wahl dieser Beispiele geht über das bloße Nennen von „literarischen Vorbildern“ hinaus, da beide Dichter (Hölderlin im Besonderen) eher singuläre Figuren sind und sich keiner Epoche eindeutig zuordnen lassen. Kleinl suggeriert dadurch eine eigene, ähnlich singuläre Position (quasi als Schlusspunkt setzt Kleinl am Ende von TextKörper noch eine weitere Hölderlin-Anspielung ein und spannt damit einen Bogen zum Beginn). Außerdem wird durch das Erwähnen der Dichter im Zusammenhang mit dem Gehen der Konnex zwischen Gehen und Schreiben angedeutet, und das Bild des Gehens wird zur Metapher: das Gehen verlagert sich von der Realität auf die Literatur.

Dieser Konnex wird gleich darauf manifest, wenn es heißt: „Ein solches Gehen ist das Erzählen.“ Hier zeigt sich also, dass Kleinl das Gehen nicht als peripatetische Gedankenentwicklung versteht, nicht als nachdenkliches Umherwandeln, während dessen der Autor sich eine Geschichte überlegt. Vielmehr werden hier Erzählen und Gehen gleichgeschaltet – wer erzählt, der geht.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Vorwort: Einleitung in das Thema, Vorstellung von Siegmund Kleinl als „großer Unbekannter“ und Erläuterung des methodischen Vorgehens der Arbeit.

2. Biographisches: Darstellung der Lebensgeschichte Siegmund Kleinls unter Berücksichtigung autobiographischer Grundierungen in seinen Texten sowie eine Auflistung seiner Veröffentlichungen.

3. TextKörper – Kleinls Poetik: Analyse des zentralen Essays „TextKörper“, in dem Kleinl seine poetischen Prinzipien (Erzählen als Gehen, organische Metaphorik, Intertextualität) entfaltet.

4. Kleinls literarisches Schaffen im Kontext seiner Poetik: Anwendung der theoretischen Erkenntnisse aus Kapitel 3 auf die Werke „Tugend“, „DorfMale“ und „EineWelt“.

5. Die Welt des Siegmund Kleinl: Präsentation eines ausführlichen Interviews mit dem Autor sowie ein Abbildungsteil mit Einblicken in sein künstlerisches Umfeld.

6. Nachwort: Fazit der Arbeit und Ausblick auf künftige Forschungsperspektiven zur Literatur von Siegmund Kleinl.

7. Verzeichnis der zitierten Quellen: Bibliographische Auflistung aller verwendeten Primär- und Sekundärquellen sowie Internetquellen und Abbildungsnachweise.

Schlüsselwörter

Siegmund Kleinl, burgenländische Literatur, Poetik, TextKörper, Erzählen als Gehen, Postmoderne, Intertextualität, Metafiktion, DorfMale, E-Mail-Roman, organische Metaphorik, Rezeptionsästhetik, Autorenschaft, Identität, Literaturtheorie.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit bietet eine umfassende literaturwissenschaftliche Analyse des burgenländischen Autors Siegmund Kleinl, dessen Werk bisher kaum wissenschaftlich erschlossen wurde.

Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?

Im Zentrum stehen die Poetik des Autors, die Verknüpfung von Leben und Werk durch autobiographische Elemente sowie die Analyse von drei ausgewählten Hauptwerken im Lichte seiner poetischen Prinzipien.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist die ganzheitliche monographische Erfassung von Kleinls Werk, um diesen wichtigen, aber bisher unbekannten Autor der universitären Öffentlichkeit zugänglich zu machen und seine komplexen poetologischen Ansätze zu systematisieren.

Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?

Die Arbeit folgt einem monographischen Ansatz. Sie analysiert primär Kleinls poetologische Grundlagentexte (insbesondere den Essay „TextKörper“) und wendet diese theoretischen Erkenntnisse hermeneutisch auf seine dramatischen, erzählerischen und epistolaren Texte an.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Analyse der Poetik, gefolgt von einer praktischen Untersuchung von „Tugend“, „DorfMale“ und „EineWelt“. Zudem wird ein Interview mit dem Autor geführt, das Einblicke in seine Selbstreflexion gewährt.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit zeichnet sich durch Begriffe wie „Textkörper“, „Male“ (im Sinne von autobiographischen Spuren und künstlerischen Werken), Intertextualität, Metafiktion sowie die spezifische Verbindung von Erzählen und Gehen aus.

Warum ist der Begriff „Male“ für Siegmund Kleinl so bedeutend?

Der Begriff ist zentral, da er bei Kleinl als Schnittstelle fungiert: Einerseits verweist er auf autobiographische Verletzungen oder Erfahrungen, andererseits beschreibt er den Text selbst als ein vom Künstler errichtetes, sichtbares Werk.

Wie geht Siegmund Kleinl mit dem „Tod der Literatur“ um?

Kleinl wehrt sich gegen diesen Diskurs. In seiner Poetik rehabilitiert er das Erzählen durch allegorische Motive wie Scheherazade, wodurch das Erzählen als Rettung vor dem Tod und als lebendiger Prozess dargestellt wird.

Excerpt out of 138 pages  - scroll top

Details

Title
Der burgenländische Autor Siegmund Kleinl
Subtitle
Ein großer Unbekannter für die Literaturwissenschaft
College
University of Vienna
Grade
Sehr gut
Author
Mag. Manuel Marold (Author)
Publication Year
2007
Pages
138
Catalog Number
V112443
ISBN (eBook)
9783640121021
ISBN (Book)
9783640120772
Language
German
Tags
Autor Siegmund Kleinl
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Mag. Manuel Marold (Author), 2007, Der burgenländische Autor Siegmund Kleinl, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/112443
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