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Wie funktioniert Kommunikation? - Die Theorie der Implikatur des Paul Grice

Title: Wie funktioniert Kommunikation? - Die Theorie der Implikatur des Paul Grice

Intermediate Examination Paper , 2008 , 15 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Matthias Wühle (Author)

Philosophy - Theoretical (Realisation, Science, Logic, Language)
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Summary Excerpt Details

Ein Sprecher, nennen wir Ihn S, äußert einen Satz: „Ich muss heute Abend noch einen Bericht schreiben“. Was meint S mit diesem Satz? Dass er zum Zeitpunkt der Äußerung plant, einen Bericht zu schreiben. Setzen wir diesen Satz jedoch in einen bestimmten Gesprächskontext, so kommt es zu einem Bedeutungswandel der Äußerung. Ging z.B. die Frage eines Gesprächspartners, nennen wir ihn G1 voraus, „Kommst Du heute mit, ein Bier trinken?“, so beabsichtigt S mit seiner Äußerung, das Angebot abzulehnen, und zwar mit der implizierten Begründung, dass er noch einen Bericht schreiben müsse. Setzen wir den Satz des S in einen anderen Gesprächskontext, bei dem ein anderer Gesprächspartner, nennen wir Ihn G2 die Frage äußert: „Kannst Du für mich diesen Text übersetzen?“, so könnten wir den Satz des S interpretieren als „Ja, solange es bis Morgen Zeit hat“. Der Gesprächskontext verleiht einundderselben Aussage jeweils eine unterschiedliche Bedeutung, die im Falle des G1 eine Ablehnung und im Falle des G2 eine einschränkende Zustimmung bedeuten könnte.

Ein anderes Beispiel – mit höherer Praxisrelevanz: Ein Bewerber, Herr B., erhält von seinem letzten Arbeitgeber ein Arbeitszeugnis, in dem der Satz steht: „Herr B. zeichnete sich durch stete Pünktlichkeit aus“. Wie kommt es, das ein Satz, der zunächst unverfänglich wirkt, da er eine positive Aussage transportiert, im Kontext des Arbeitszeugnisses ein mulmiges Gefühl bei Herrn B. hinterlässt, und auch beim Personalchef des neuen Arbeitgebers, dem dieses Arbeitszeugnis vorliegt?

Wie kommen derartige Bedeutungswechsel zustande und ist es tatsächlich so, dass die Mehrheit der Gesprächspartner genau diese Bedeutung korrekt erfasst? Und falls ja, wie ist es möglich, dass man mit einer Aussage unterschiedliches Meinen zum Ausdruck bringen kann, so dass es der Gesprächspartner auch im Sinne des Sprechers versteht? Durch Intuition? Durch Interpretation? Paul Grice hat in seiner Sprachphilosophie diese Fragen näher untersucht.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 EINLEITUNG: KOMMUNIKATION UND BEDEUTUNG

2 DIE BEDEUTUNG DER SPRACHPHILOSOPHIE FÜR DIE KOMMUNIKATION

3 DAS GRICESCHE PROGRAMM

3.1 Die Maximen der rationalen Verständigung

3.2 Die Theorie der Implikatur

3.3 Die bedeutungstheoretische Funktion der Implikatur

4 PROBLEME, DIE SICH AUS DER IMPLIKATUR ERGEBEN

5 FAZIT: FUNKTION UND BEDEUTUNG DER IMPLIKATUR

6 QUELLEN

Zielsetzung und Themenfelder

Die vorliegende Arbeit untersucht die Funktionsweise menschlicher Kommunikation und analysiert, wie trotz kontextueller Bedeutungsverschiebungen ein Verständnis zwischen Gesprächspartnern gelingt. Zentral ist dabei die Theorie der Implikatur von Paul Grice, deren Mechanismen und Bedeutung für die Sprachphilosophie kritisch beleuchtet werden.

  • Grundlagen der Sprachphilosophie und Kommunikation
  • Das Gricesche Kooperationsprinzip und die Gesprächsmaximen
  • Differenzierung zwischen konventionalen und konversationalen Implikaturen
  • Die Rolle von Kontext und Hintergrundwissen in der Bedeutungsbildung
  • Herausforderungen durch Regelverletzungen wie Ironie oder Metaphern

Auszug aus dem Buch

3.2 Die Theorie der Implikatur

Zwar haben Wittgenstein und Austin die Bedeutung von Regeln für die Sprechakte hervorgehoben, diese jedoch nie explizit bezeichnet. Grice entwickelte vier Gesprächsmaximen zur Verwendung innerhalb der kommunikativen Sprachfunktion, die er analog des Kooperationsprinzips und anhand Kants Kategorien mit den Begriffen Quantität, Qualität, Relation und Modalität bezeichnet.

i. Quantitätsmaxime:

- Versuche deinen Beitrag informativ adäquat zu machen

a) Mache Deinen Beitrag so informativ wie nötig

b) Mache Deinen Beitrag nicht informativer wie nötig

ii. Qualitätsmaxime

- Versuche Deinen Beitrag so zu machen, dass er wahr ist

a) Sage nichts, was Du für falsch hältst

b) Sage nichts, wofür Dir angemessene Gründe fehlen

iii. Relationsmaxime

- Sei relevant.

iv. Modalitätsmaxime

- Sei klar

a) Vermeide Dunkelheit des Ausdrucks

b) Vermeide Mehrdeutigkeit

c) Vermeide unnötige Weitschweifigkeit

d) Halte die Reihenfolge (der Ereignisse beim Bericht) ein

Bei illokutionären Sprechakten muss immer davon ausgegangen werden, dass die Griceschen Gesprächsmaximen eingehalten werden. Würde ein Sprecher willentlich gegen eine dieser Maximen verstoßen, würde er in Kauf nehmen, dass seine Absicht nicht den Empfänger erreicht, also dass nicht das verstanden wird, was der Sprecher mit dem Satz gemeint hat. Umgekehrt muss der Sprecher immer davon ausgehen, dass der Hörer davon ausgeht, dass der Sprecher die Gesprächsmaximen einhält. Nur dadurch lassen sich die eingangs geschilderten Bedeutungsunterschiede der Aussage von S. „Ich muss heute Abend noch einen Bericht schreiben“ erklären.

Zusammenfassung der Kapitel

1 EINLEITUNG: KOMMUNIKATION UND BEDEUTUNG: Das Kapitel führt anhand von Beispielen in die Problematik ein, wie Sätze in unterschiedlichen Kontexten verschiedene Bedeutungen annehmen können.

2 DIE BEDEUTUNG DER SPRACHPHILOSOPHIE FÜR DIE KOMMUNIKATION: Es wird der theoretische Rahmen skizziert, in dem Sprache als Handlungsform und intersubjektives Phänomen begriffen wird.

3 DAS GRICESCHE PROGRAMM: Dieses Kapitel erläutert das Kooperationsprinzip, die Gesprächsmaximen und die Theorie der Implikatur als Werkzeuge zur Analyse von Kommunikation.

4 PROBLEME, DIE SICH AUS DER IMPLIKATUR ERGEBEN: Die Grenzen des Griceschen Ansatzes werden diskutiert, insbesondere im Hinblick auf Ironie, Metaphern und bewusste Regelverletzungen.

5 FAZIT: FUNKTION UND BEDEUTUNG DER IMPLIKATUR: Das Fazit resümiert die Bedeutung der Implikatur für die Sprachakttheorie und stellt fest, dass Grice durch die Einbeziehung von Kontexten den Bereich der Kommunikation maßgeblich erweitert hat.

6 QUELLEN: Ein Verzeichnis der verwendeten wissenschaftlichen Literatur.

Schlüsselwörter

Paul Grice, Implikatur, Kommunikation, Sprachphilosophie, Kooperationsprinzip, Gesprächsmaximen, Sprechakte, Semantik, Pragmatik, Kontext, Bedeutungstheorie, Intersubjektivität, Sprachanalyse, Sprachhandlung, Sprachspiel.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die Bedingungen für erfolgreiche Kommunikation und analysiert, wie Sprecher und Hörer über den wörtlichen Gehalt einer Aussage hinaus zu einem gemeinsamen Verständnis gelangen.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Im Zentrum stehen die Gricesche Theorie der Implikatur, das Kooperationsprinzip, die Unterscheidung zwischen Semantik und Pragmatik sowie die Rolle sozialer und kontextueller Faktoren.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es zu erklären, wie Kommunikation trotz potenzieller Mehrdeutigkeiten funktioniert und inwieweit die Theorie der Implikatur zur Lösung sprachphilosophischer Dilemmata beiträgt.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine theoretisch-analytische Arbeit, die auf der kritischen Auseinandersetzung mit sprachphilosophischen Standardwerken und Modellen von Autoren wie Grice, Austin und Wittgenstein basiert.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung des Griceschen Programms, die Erläuterung der Gesprächsmaximen und eine kritische Auseinandersetzung mit den Problemen, die sich aus der Theorie ergeben.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit lässt sich primär über Begriffe wie Implikatur, Kooperationsprinzip, Sprachphilosophie, Pragmatik und intersubjektive Kommunikation definieren.

Wie unterscheidet Grice zwischen konventionalen und konversationalen Implikaturen?

Konventionale Implikaturen sind sprachlich durch spezifische Ausdrücke wie "aber" markiert, während konversationale Implikaturen aus dem Kontext und der Annahme rationalen, kooperativen Verhaltens resultieren.

Warum spielt das Kooperationsprinzip bei Grice eine so wichtige Rolle?

Das Kooperationsprinzip ist die Voraussetzung dafür, dass Hörer bei einer Äußerung davon ausgehen können, dass der Sprecher einen bestimmten Sinn transportieren möchte, selbst wenn dieser nicht explizit wörtlich ausgesprochen wird.

Was bedeutet das "nichtnatürliche Meinen" im Kontext der Griceschen Theorie?

Es bezeichnet die Absicht eines Sprechers, beim Hörer einen bestimmten Gedanken hervorzurufen, der über die wörtliche Bedeutung des verwendeten Zeichens hinausgeht.

Wie trägt die Implikatur zur Lösung des Dilemmas zwischen Regelhaftigkeit und Regelverletzung bei?

Indem Grice Kontext und Hintergrundwissen in die Analyse einbezieht, macht er auch Äußerungen verständlich, die oberflächlich betrachtet gegen logische Maximen verstoßen, und bewahrt so die Notwendigkeit von Kommunikationsregeln.

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Details

Title
Wie funktioniert Kommunikation? - Die Theorie der Implikatur des Paul Grice
College
University of Frankfurt (Main)  (Philosophie)
Course
Analytische Philosophie
Grade
1,0
Author
Matthias Wühle (Author)
Publication Year
2008
Pages
15
Catalog Number
V112485
ISBN (eBook)
9783640108381
ISBN (Book)
9783640109951
Language
German
Tags
Kommunikation Implikatur Paul Grice Analytische Philosophie Sprechakte Austin Sprachphilosophie
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Matthias Wühle (Author), 2008, Wie funktioniert Kommunikation? - Die Theorie der Implikatur des Paul Grice, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/112485
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