Vor dem Hintergrund leerer Haushaltskassen wird immer wieder die Frage aufgeworfen, was Privat-öffentliche Partnerschaften zu leisten im Stande sind. Dabei werden oftmals hohe Erwartungen an diesen Ansatz geknüpft: Zum einen sollen Investitionsstaus beseitigt, und zum anderen Arbeitsplätze geschaffen werden. Es bleiben jedoch oft einige Fragen ungeklärt: Wann sind Verkehrsinfrastrukturprojekte für die Beteiligung Privater geeignet? Welche generellen Anforderungen müssen an solche Projekte gestellt werden? Und wie müssen notwendige Rahmenbedingungen auf staatlicher Seite ausgestaltet sein, um ein Gelingen Privat-öffentlicher Partnerschaften zu gewährleisten? Diese und weitere Fragen sollen in vorliegender Arbeit beantwortet werden. Dabei wird zunächst auf das Gut Verkehrsinfrastruktur als solches eingegangen, wobei vor allem die Besonderheiten des Gutes dargestellt werden. In einem sich anschließenden Abschnitt wird die klassische, staatliche Bereitstellung erläutert. Hierbei werden die einzelnen Verkehrsträger Straße, Schiene, Luftverkehr und Wasserstraße einzeln betrachtet und mögliche Probleme, die sich aus der traditionellen Bereitstellung ergeben könnten, dargestellt. Im dann folgenden Kapitel über eine private Bereitstellung von Verkehrsinfrastruktur werden verschiedene Privatisierungsmodelle präsentiert und deren Vor- und Nachteile dargestellt. Auch werden die Grenzen von Privat-öffentlichen Partnerschaften gezeigt und Chancen dargelegt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Das Gut Verkehrsinfrastruktur und seine Besonderheiten
2.1 Die Bedeutung von Verkehrsinfrastruktur
2.2 Gründe für staatliche Bereitstellung und Möglichkeiten zur Privatisierung
3. Die traditionelle Bereitstellung von Verkehrsinfrastruktur
3.1 Heutige Finanzierung
3.1.1 Straße
3.1.2 Schiene
3.1.3 Luftverkehr
3.1.4 Wasserstraße
3.2 Mögliche Probleme des traditionellen Modells
4. Privat-öffentliche Partnerschaften
4.1 Was verspricht man sich von Privatisierung?
4.2 Privatisierungsmodelle
4.2.1 Straße
4.2.2 Luftverkehr
4.2.3 Häfen
4.3 Grenzen der Privatisierung und Handlungsempfehlungen
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Möglichkeiten und Grenzen von Privat-öffentlichen Partnerschaften (ÖPP) bei der Finanzierung der Verkehrsinfrastruktur vor dem Hintergrund öffentlicher Haushaltsdefizite. Ziel ist es, die Eignung privater Beteiligungsmodelle für verschiedene Verkehrsträger zu analysieren und Erfolgsfaktoren für deren Implementierung zu identifizieren.
- Besonderheiten des Gutes Verkehrsinfrastruktur
- Traditionelle staatliche Finanzierungsmodelle und deren Defizite
- Strukturen und Definition von Privat-öffentlichen Partnerschaften
- Spezifische Privatisierungsmodelle in den Bereichen Straße, Luftverkehr und Häfen
- Kritische Erfolgsfaktoren und Handlungsempfehlungen
Auszug aus dem Buch
4.2.1 Straße
Privatwirtschaftliche Betreibermodelle sind besonders für Fernstraßen international weit verbreitet. Von den 51.242 Autobahnkilometern in Europa wurden im Jahr 1999 17.009 km (ca. 33 %) im Rahmen von Betreibermodellen unterhalten. Das relativ dichte europäische Fernstraßennetz bietet jedoch auch vielfältige Möglichkeiten der Mautumgehung. Dadurch erhöht sich das wirtschaftliche Risiko der privaten Betreiber. Der öffentlichen Hand kommt somit ein erhöhtes ordnungspolitisches Gewicht zu. Neben den Strecken wird in vielen europäischen Ländern auch bei Bauwerken, wie etwa Brücken oder Tunneln, auf Privat-öffentliche Partnerschaften zurückgegriffen.
In Deutschland finden derzeit drei Privatisierungsmodelle zur Einbindung privater Partner Anwendung:
• Das F-Modell,
• das A-Modell und
• der Funktionsbauvertrag.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den Finanzierungsdruck auf die öffentliche Hand und führt in die Fragestellung ein, ob und unter welchen Bedingungen private Beteiligungen bei Infrastrukturprojekten sinnvoll sind.
2. Das Gut Verkehrsinfrastruktur und seine Besonderheiten: Dieses Kapitel erläutert die ökonomische Bedeutung der Infrastruktur sowie die Gründe für staatliche Eingriffe, wie externe Effekte und natürliche Monopole.
3. Die traditionelle Bereitstellung von Verkehrsinfrastruktur: Hier wird die aktuelle Finanzierungssituation der einzelnen Verkehrsträger (Straße, Schiene, Luftverkehr, Wasserstraße) dargestellt und die Unterfinanzierung des Modells kritisch analysiert.
4. Privat-öffentliche Partnerschaften: Dieser Hauptteil definiert ÖPP-Konzepte, stellt verschiedene Privatisierungsmodelle für unterschiedliche Verkehrsbereiche vor und diskutiert zentrale Erfolgsfaktoren sowie ordnungspolitische Rahmenbedingungen.
5. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass ÖPP kein automatischer Erfolgsgarant sind, aber ein bedeutendes Potenzial zur Effizienzsteigerung bieten, sofern das Projekt eine ausreichende Rentabilität und ein hohes Verkehrsaufkommen aufweist.
Schlüsselwörter
Verkehrsinfrastruktur, Privat-öffentliche Partnerschaften, ÖPP, Finanzierung, Privatisierung, Infrastrukturprojekte, natürliche Monopole, externe Effekte, Betreibermodelle, Maut, öffentliche Hand, Effizienzsteigerung, Straßenbau, Flughäfen, Häfen
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Anwendung von Privat-öffentlichen Partnerschaften (ÖPP) als alternative Finanzierungsform für die Verkehrsinfrastruktur in einem Umfeld knapper öffentlicher Haushaltsmittel.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Schwerpunkte liegen auf der ökonomischen Rechtfertigung staatlicher Bereitstellung, den Defiziten der traditionellen Infrastrukturfinanzierung und der Bewertung verschiedener Privatisierungsmodelle.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es zu klären, unter welchen Bedingungen Projekte für private Beteiligungen geeignet sind und welche ordnungspolitischen Anforderungen erfüllt sein müssen, um eine erfolgreiche Kooperation zwischen privatem und öffentlichem Partner zu gewährleisten.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit nutzt eine ökonomische Analyse, bei der theoretische Grundlagen der Infrastrukturfinanzierung auf praktische Privatisierungsmodelle übertragen und international verglichen werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der traditionellen Bereitstellung, die Definition von ÖPP-Strukturen sowie die detaillierte Vorstellung spezifischer Modelle für Straße, Luftverkehr und Häfen inklusive einer Diskussion der Erfolgsfaktoren.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Privat-öffentliche Partnerschaften, Infrastrukturfinanzierung, natürliche Monopole, Maut, Effizienzsteigerung und betriebswirtschaftliche Rentabilität.
Welche Bedeutung haben externe Effekte für die staatliche Infrastrukturpolitik?
Da Verkehrsinfrastruktur sowohl positive als auch negative externe Effekte auslöst, rechtfertigt dies staatliche Eingriffe, um diese Kosten oder Nutzen durch Abgaben oder Subventionen zu internalisieren.
Warum stoßen rein privat finanzierte Projekte bei Verkehrswegen oft an Grenzen?
Wenn ein Projekt keine ausreichenden Nutzerzahlen aufweist, um eine Rendite für den privaten Investor zu ermöglichen, ist eine rein private Finanzierung meist nicht realisierbar, auch wenn das Projekt gesamtwirtschaftlich sinnvoll wäre.
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- Stefan Baltzer (Author), 2006, Privat-öffentliche Partnerschaften bei der Finanzierung der Verkehrsinfrastruktur, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/112488