Schiller ist in seinem literarischen Werk weder auf eine einzige Gattung noch auf eine einzige Literaturepoche zu reduzieren. Hatte sich der junge Schiller noch mit Werken wie Die Räuber oder Don Karlos einen Namen als Vertreter des Sturm und Drang gemacht, so ist der späte Schiller mit Werken wie Wallenstein, Wilhelm Tell oder auch Maria Stuart zu einem der bedeutendsten Vertreter der Weimarer Klassik avanciert. Das Bindeglied zwischen diesen beiden Phasen seines Lebens bildet seine theoretische Schaffensphase, in der er sich mit der griechischen Antike, mit den Lehren Kants und den Werken von Winckelmann und Moritz beschäftigte. Das Resultat dieser Phase sind zahlreiche Schriften zur Ästhetik und zur Dramentheorie, aber auch viele Briefe, in denen er sich mit diesen Fragen auseinander setzte.
Ziel dieser Arbeit wird es sein, zunächst Schillers theoretisches Schaffen näher zu untersuchen und einige wesentliche Punkte zu analysieren. In einem zweiten Schritt wird dann Schillers Maria Stuart untersucht und auf Einflüsse seiner theoretischen Schriften und Briefe hin überprüft werden. Zum Schluss werden die Ergebnisse dieser Untersuchungen noch einmal kurz in einem Fazit zusammengefasst werden. Die grundsätzliche Methode dieser Arbeit wird es sein, Schillers Positionen zur Ästhetik und zur Dramentheorie aus Schillers Schriften herauszuarbeiten und diese an einigen Stellen durch Zitate, teils von Schiller selbst, teils aus Quellen, teils aus Sekundärmaterialien zu untermauern.
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung
2. Schillers klassizistische Ästhetik
2.1. Kunstautonomie
2.2. Schillers Konzept der schönen Seele
2.3. Schillers Anforderungen an das Drama
3. „Maria Stuart“
3.1. Schillers Bearbeitung des historischen Stoffs
3.1.1. Das Verhältnis von Maria und Leicester
3.1.2. Die Gestalt des „Doppelagenten“ Mortimer
3.1.3. Das Treffen der Königinnen
3.2. Die formale Gestaltung von „Maria Stuart“
3.2.1. Die Euripidische Methode
3.2.2. Metrik und Stilmittel
3.2.3. Symmetrie
3.3. Maria als schöne Seele
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert Schillers theoretisches Konzept der klassizistischen Ästhetik und Dramentheorie, um dessen praktische Umsetzung und Einfluss in seinem Werk "Maria Stuart" aufzuzeigen.
- Schillers theoretische Schriften zur Ästhetik und Kunstautonomie
- Das Konzept der "schönen Seele" im Kontext des Dramas
- Die Anwendung der "Euripidischen Methode" in "Maria Stuart"
- Formale Gestaltungsmittel wie Metrik, Stil und Symmetrie
- Die moralische Entwicklung der Protagonistin Maria
Auszug aus dem Buch
3.1.2. Die Gestalt des „Doppelagenten“ Mortimer
Mortimer spielt, ähnlich wie Leicester, ein doppeltes Spiel. Offiziell ist er ein Anhänger Elisabeths und lässt sich von ihr sogar zum Schein für einen Mordanschlag auf Maria anwerben. In Wahrheit aber ist er nur daran interessiert Maria zu retten und verachtet Elisabeth und ihre Anhänger. Allerdings ist es nicht hauptsächlich politisches Interesse, das ihn antreibt, obwohl er des Öfteren Marias legitimen Herrschaftsanspruch betont: „Euch / Allein gebührt in Engelland zu herrschen, / Nicht dieser Afterkönigin“78. Vielmehr ist er wie schon viele vor ihm daran interessiert Maria zu retten, um sie anschließend zu besitzen. In seiner letzten gemeinsamen Szene mit Maria eröffnet er seine wahren Motive, die Maria vor ihm zurückschrecken lassen: „Ich will dich retten, kost es tausend Leben, / Ich rette dich, ich will es, doch so wahr / Gott lebt! Ich schwörs, ich will dich auch besitzen“.
Mortimer ist von Beginn des Dramas bis zu seinem Selbstmord völlig der Sinnlichkeit verhaftet. Es ist nicht etwa das Nachdenken über das Für und Wider des katholischen bzw. protestantischen Glaubens, das ihn veranlasst, zum katholischen Glauben überzutreten, sondern es ist seine Begegnung mit den Kunstschätzen der katholischen Kirche, die seine Glaubenswelt ins Wanken bringen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung: Darstellung der theoretischen Phase Schillers als Bindeglied zwischen Sturm und Drang und Weimarer Klassik sowie Erläuterung der Zielsetzung dieser Arbeit.
2. Schillers klassizistische Ästhetik: Analyse von Kunstautonomie, dem Konzept der schönen Seele und den dramaturgischen Anforderungen Schillers.
3. „Maria Stuart“: Untersuchung der historischen Bearbeitung, formaler Gestaltungselemente und der moralischen Entwicklung Marias.
4. Fazit: Zusammenfassende Betrachtung der Verschränkung von Schillers Ästhetiktheorie mit der Praxis in Maria Stuart.
Schlüsselwörter
Schiller, Maria Stuart, Weimarer Klassik, Ästhetik, Kunstautonomie, schöne Seele, Drama, Mitleid, Euripidische Methode, Metrik, Symmetrie, moralische Freiheit, Tragödie, Erhabenheit, Affekt.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht, wie Schiller seine ästhetischen Theorien zur Kunst, die er nach einer intensiven philosophischen Auseinandersetzung mit Kant und der Antike entwickelte, in seinem Drama "Maria Stuart" praktisch umgesetzt hat.
Welche zentralen Themenfelder behandelt der Text?
Zentrale Themen sind die Kunstautonomie, das moralische Konzept der "schönen Seele", die Dramentheorie im Hinblick auf Mitleid und die spezifische formale Strukturierung durch Metrik und Symmetrie.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist der Nachweis von Kontinuitätslinien zwischen Schillers theoretischen Schriften und der inhaltlichen sowie formalen Ausgestaltung des Stückes "Maria Stuart".
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Methode besteht in der Erarbeitung von Schillers Positionen aus dessen theoretischen Schriften und deren Anwendung bzw. Überprüfung am konkreten Text des Dramas unter Zuhilfenahme von Zitaten und Sekundärliteratur.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Analyse der theoretischen Grundlagen Schillers sowie eine detaillierte Untersuchung des Dramas "Maria Stuart", unterteilt in historische Bearbeitung, formale Gestaltung und die Charakterisierung Marias.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Schiller, Maria Stuart, Weimarer Klassik, Kunstautonomie, schöne Seele, Dramentheorie und Euripidische Methode.
Warum musste Mortimer als Figur in "Maria Stuart" scheitern?
Mortimers Scheitern ist laut Autor konsequent, da er als Revolutionär Schillers politischen Ansichten entgegensteht und sich zudem ausschließlich von Affekten leiten lässt, was seiner Idealvorstellung eines harmonischen Menschen widerspricht.
Welche Funktion hat die "Euripidische Methode" im Drama?
Die Methode dient der Aufarbeitung der Vorgeschichte durch Dialoge innerhalb des Dramas, wodurch Schiller den "prägnanten Moment" findet, um das Stück nach der Verurteilung Marias, aber vor ihrer Hinrichtung, einsetzen zu lassen.
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- B.A. Dennis Alexander Goebels (Author), 2008, Schillers klassizistische Ästhetik und "Maria Stuart", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/112519