Katalonien und die Katholischen Könige (1469-1516): Gewinn oder Verlust?


Seminararbeit, 2007

21 Seiten, Note: 2,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Katalonien bevor der Zeit der Katholischen Könige
2.1 Die historischen Leitfaden
2.2 Die wirtschaftliche Entwicklung
2.3 Politische und gesellschaftliche Ordnung
2.4 Die kulturelle Entwicklung

3. Heirat Ferdinands und Isabellas, die Union von den Kronen Kastiliens und Aragons
3.1 Anfangen der Union
3.2 Die Union an sich
3.3 Die Gesellschaft
3.4 Die Außenpolitik
3.5 Der Staat
3.6 Die Unterschiede zwischen den beiden Kronen

4. Zusammenfassung

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Im Jahre 1469 findet Heirat Ferdinands von Aragon und Isabellas von Kastilien in Valladolid statt. Die Regierungszeit der Katholischen Könige, wie sie 1496 vom Papst genannt wurden, gilt allgemein als der Beginn der modernen Geschichte Spaniens. Der Vereinigungsprozess, der unter diesen beiden Monarchen eingeleitet wurde, hat das Bild der Iberischen Halbinsel nachhaltig bestimmt – in territorialer Hinsicht bis heute. Als sie die Herrschaft antraten, bestanden auf dem Iberischen Halbinsel fünf verschiedene Reiche: Kastilien-Leon, die Länder der Krone von Aragon, das Königreich Navarra, das Königreich Portugal und das muslimische Reich von Granada.

Die Krone von Aragon bestand aus den Königreichen Aragon, Valencia und Mallorca sowie dem Fürstentum Katalonien.[1]

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Geschichte Kataloniens vor und während der Zeiten der Katholischen Könige (1469-1516).

Ziele der Arbeit sind wie folgt zusammen zu fassen:

- einen Überblick über die Geschichtsentwicklung Kataloniens vom frühen Mittelalter bis zum Ende 15. Jahrhundert darzustellen.
- Die Ursachen der Entstehung der Union von den beiden Kronen, Kastilien und Aragon zu untersuchen.
- Unterschiedliche Aspekte des Zusammenlebens der beiden Kronen, positive, sowohl als auch negative zu definieren.
- Das Bild von Katalonien als Teil des Königreiches Aragon im Rahmen der Union zu zeigen.

Der Forschungsstand befindet sich auf einem guten Niveau. Die Zeit Ferdinands und Isabellas wurde von verschiedenen Autoren, sowie deutschsprachigen, als auch spanisch- und englischsprachigen erforscht. Es besteht Vielfalt der Meinungen zu den verschiedenen Aspekten des vorliegenden Themas. In der Arbeit wird versucht einige davon zusammen zu fassen und einige Meinung daraus zu bilden, und am Ende die objektive Schlussfolgerung zu ziehen.

2. Katalonien bevor der Zeit der Katholischen Könige.

2.1 Die historischen Leitfaden

Im Jahre 218 kam die erste römische Expedition nach Empuries[2] und gründete danach das Hauptquartier in Tarraco (Tarragona). 195 fand die zweite Ankunft der Römer nach Empuries statt.[3]

Die Römer haben einige Spuren hinterlassen, z. B. die städtische Ordnung, Aquaeducte, Strassen. Allein in Katalonien bauten sie etwa 20,000 km davon.

Damals spielte die Stadt Tarragona eine große Rolle, zuerst als militärischer Stürzpunkt und später als kulturelles Zentrum. Barcelona (Barcino), die während der Regierung des Augustus (29 v.Ch.-14 n.Ch.) gegründet wurde, hat ihre Blütezeit noch nicht erreicht.[4]

Das Jahr 711, Jahr der Ankunft der Muslimen auf die Iberische Halbinsel, kann man als der Beginn der mittelalterlichen Geschichte Kataloniens bezeichnen.

Im 8. Jahrhundert konstituierte sich im Osten der Halbinsel die “Spanische Mark” als Schutzzone an der südlichen Grenze des karolingischen Imperiums.

801 Karl der Große erobert Barcelona und kontrolliert die Gebiete bis zum Ebro. Anfänge der Grafschaften Aragon und Katalonien.

Im Jahre 985 eroberte Mohammed ibn Abi Amir al-Mansur Barcelona. Nach seinem Tod 1002 nahmen die Katalanen die Möglichkeit zum Rückschlag wahr und befreiten ihr Land.

Im Jahre 878 Graf Wilfred (el Pelos) von Barcelona und Gerona fügte die Gebiete von Urgel, Cerdana und Ausona hinzu, was der katalanische Geschichtsschreibung als Geburtstunde der katalanischen Nation gilt. Nach seinem Tod wurden die Gebiete aufgeteilt, ein zustand, der währen des gesamten 10. Jahrhundert aufhielt. Auf dieser Weise bestanden mehrere Grafschaften und Unterherrschaften. Die Grafen von Barcelona genossen eine gewisse Vorrangstellung. 987 wurde Katalonien eigenständig.[5] Der John Payne meint dazu, dass diese Tendenzen sollen nicht überschätzt werden, wie es ab und zu in den Werken der romantischen Nationalisten passiert. Die Kontakte zu der post-karolingischen Europa blieben fest, und die unabhängige Macht der isolierten Pyrenäischen Länder dauerte erst bis 11., 12. Jahrhunderten.[6] Seine Meinung nach, „Pyrenean Catalonia, one might say, cruising height in the eleventh century and has remained on autopilot ever since“.[7] Meiner Meinung nach, es war trotzdem schon das erste Zeichen der Fähigkeit Kataloniens, eine selbständige Existenz zu führen. Später wird es sich auch zeigen, dass in einer Union Katalonien eine bemerkenswerte, einflussreiche Rolle spielte.

Unter Alfons I. (el Batallador, 1104-1134) wurden die Kronen von Aragon und Kastilien-Leon kurzzeitig vereint (1109-1114). Doch nach seinem Tod wurden die Territorien getrennt, und das Königreich Aragon fiel an seinem Bruder Ramiro II. (el Monje, 1134-1137). Die Tochter Ramiros, Petronila, heiratete den Grafen von Barcelona, Ramon Berenguer IV. (1137).[8] Saragoza blieb die formale Hauptstadt während Barcelona das wirtschaftliche und administrative Zentrum war. Die Aragonesen brachten die Latifundien, große Landgute, auf denen, die Sklaven arbeiteten, mit. Die Katalanen siedelten auf der Küste. John Payne meint, dass diese Heirat die Richtung für die Katalanen komplett änderte. Früher war die Grafschaft von Barcelona mehr an die Verbreitung ihrer Einflüsse auf Norden, auf die Länder von Provence, interessiert. Danach konzentrierte sie sich auf südlichen Regionen und östlichen Länder des Mittelmeers.[9] Während des 13. Jahrhunderts und unter der Herrschaft Jakobs I. (el Conqueridor, 1213-1276) wurden 1229-1232 Mallorca, 1231 Menorca, 1235 Ibiza erobert.

Im 15. Jahrhundert während Kastilien das Bild eines beständigen Kampfes zwischen Krone und Adelfraktionen bot, erlebte Aragon eine gewisse politische Stabilität. Unter Jakob II. (1291-1327), Alfons IV. (1327-1336) und Peter IV. (el Ceremonios, 1336-1387) konsolidierte sich die katalanische Stellung im Mittelmeerraum durch die Einnahme Neopatrias (Herzogtum Athen) (1319) und die Eroberung Sardiniens (1324) sowie die erneute Bekräftigung des Besitzes der Balearen.

Nachdem Aussterben der aragonesischen Königsfamilie mit dem Tod Martins I. (1396-1410) einigte sich eine Kommission parlamentarischer Vertreter der Corts am 24. Juni 1412 in Caspe darauf, Ferdinand von Antequera, den Bruder des kastilischen Monarchen Heinrich III., zum König von Aragon zu erheben. Solchermaßen regierte nun die Familie Trastamara sowohl in Kastilien als auch in Aragon. Aufgrund dessen könnte man schon die mögliche gemeinsame Zukunft voraussehen.[10] Es geht hier nicht unbedingt um die komplette Vereinigung in allen Bereichen, zumindest die Zusammenarbeit auf den bestimmten Gebieten könnte möglich sein. Der J.H. Elliott hat aber dazu die andere Meinung:

„Se ha argüido que el nuevo linaje de reyes castellanos ni comprendia los ideales politicos i las instituciones de Cataluna, ni simpatizaba con ellos. Como consequencia de ello el siglo XV senalo el fin de aquella estrecha cooperacion entre la dinastia y el pueblo que habia sido caracteristica distintiva de Cataluna en tiempos de su grandesa”.[11]

Der Sohn und Nachfolger Ferdinands, Alfons V. (el Magnanimo, 1416-1458), konzentrierte sich auf Italien und den östlichen Mittelmeerraum. Er erreichte die Anerkennung als König von Neapel und verlegte den Hof dorthin. Zur Mitte des 15. Jahrhunderts geriet Aragon in eine Krise.[12] Diese Krise wurde schon vorher von der Pestepidemie (1347-1351, spätere Anschläge in 1362-63, 1371, 1396-97) in Katalonien vorbereitet. Im Jahre 1365 gab es 430.000 Einwohner, 1378 – 350.000, 1497 – 278.000[13] Einige Katalanische Landstriche verloren mehr als die Hälfte ihrer Bevölkerung. Ebenso ging es Barcelona, die sich von 50 000 vor der Pest auf weniger als die Hälfte zu Begin des 15. Jahrhunderts verminderte.[14]

Gesellschaftlich gesehen, erlebte Katalonien auch eine Krise. Die Lage der einfachen christlichen Bauern Kataloniens gestaltete sich weitaus problematischer. Infolge fränkischer Einflüsse waren die feudalen Strukturen tief verwurzelt. Die unfreien Bauern (payeses de remensa) hatten im Falle des Verlassens der Parzelle, bei Übergabe des Landes an die Nachkommen oder bei ähnlichen Anlässen Abgaben zu entrichten. 1462 brauch einen Bauernkrieg aus.

Zeitgleich mit dem katalanischen Bauernaufstand erlebte Barcelona eine sehr schwerere Krise. Zur Mitte des 15. Jahrhunderts rangen dort zwei große Fraktionen um die Kontrolle der Stadt. 1462 standen sich die aristokratischen Biga (Balken) und Busca (Splitter) gegenüber, unzufrieden Kaufleute, aber auch Handwerkmeister. Hierhin kam auch ein Richtungsstreit, um die Wirtschaftspolitik zum Ausdruck, da die Biga für Freihandel stand, während die Handwerkmeister für Protektionismus eintraten.[15] John Payne aüßert die Gedanke, dass der König die Unterstützung und die Hilfe von Kastilien bekommen wollte. Deswegen sah er die Heirat zwischen seinem Sohn und Prinzessin Isabella als die Möglichkeit dafür. Aber die Union brachte die neue Richtung mit, was nicht unbedingt zugunsten Kataloniens war. Aragon was bound into Castile with Catalonia thrown in for good measure. There was trouble ahead.[16]

[...]


[1] Edelmayer, Friedrich: „Die spanische Monarchie der Katholischen Könige und der Habsburger“, in: Schmidt, Peer (Hg): Kleine Geschichte Spaniens, Stuttgart (Philipp Reclam jun.) 2004, s. 128-129.

[2] Stadt, 35 km östlich der französischen Grenze in Katalonien, an der Ostküste Nord Spaniens.

[3] Payne, John: „Catalonia. History and Culture“, Nottingham 2004, in: Prof. Dr. Rehrmann, Norbert: Reader zum Proseminar “Regionalismus in Katalonien”, WS 2006/07, TU Dresden 2006, s. 21.

[4] Vgl. ebd., s. 22, 24, 28.

[5] Vgl. ebd., s. 45-47, 88-89.

[6] Payne, John: „Catalonia. History and Culture“, Nottigham 2004, in: Prof. Dr. Rehrmann, Norbert: Reader zum Proseminar “Regionalismus in Katalonien”, WS 2006/07, TU Dresden 2006, s. 37.

[7] ebd., s. 38.

[8] Martin Martin, Jose L.: „Die christlichen Königreiche des Mittelalters“, in: Schmidt, Peer (Hg): Kleine Geschichte Spaniens, Stuttgart (Philipp Reclam jun.) 2004, s. 56.

[9] Payne, John: „Catalonia. History and Culture“, Nottingham 2004, in: Prof. Dr. Rehrmann, Norbert: Reader zum Proseminar “Regionalismus in Katalonien”, WS 2006/07, TU Dresden 2006, s. 48.

[10] Martin Martin, Jose L.: „Die christlichen Königreiche des Mittelalters“, in: Schmidt, Peer (Hg): Kleine Geschichte Spaniens, Stuttgart (Philipp Reclam jun.) 2004, s. 56, 67-68.

[11] Elliott, J. H.: „La Espana Imperial“, Barcelona 1998, in: Prof. Dr. Rehrmann, Norbert: Reader zum Proseminar “Regionalismus in Katalonien”, WS 2006/07, TU Dresden 2006, s. 32.

[12] Martin Martin, Jose L.: „Die christlichen Königreiche des Mittelalters“, in: Schmidt, Peer (Hg): Kleine Geschichte Spaniens, Stuttgart (Philipp Reclam jun.) 2004, s.68.

[13] Elliott, J. H.: „La Espana Imperial“,Barcelona 1998, in: Prof. Dr. Rehrmann, Norbert: Reader zum Proseminar “Regionalismus in Katalonien”, WS 2006/07, TU Dresden 2006, s.32-33.

[14] Martin Martin, Jose L.: „Die christlichen Königreiche des Mittelalters“, in: Schmidt, Peer (Hg): Kleine Geschichte Spaniens, Stuttgart (Philipp Reclam jun.) 2004, s.66.

[15] ebd., s.71.

[16] Payne, John: „Catalonia. History and Culture“, Nottingham 2004, in: Prof. Dr. Rehrmann, Norbert: Reader zum Proseminar “Regionalismus in Katalonien”, WS 2006/07, TU Dresden 2006, s. 65-66.

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Details

Titel
Katalonien und die Katholischen Könige (1469-1516): Gewinn oder Verlust?
Hochschule
Technische Universität Dresden  (Institut für Romanistik)
Veranstaltung
Regionalismus in Katalonien
Note
2,7
Autor
Jahr
2007
Seiten
21
Katalognummer
V112527
ISBN (eBook)
9783640121663
ISBN (Buch)
9783640121724
Dateigröße
466 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Katalonien, Katholischen, Könige, Gewinn, Verlust, Regionalismus
Arbeit zitieren
Olga Risukhina (Autor), 2007, Katalonien und die Katholischen Könige (1469-1516): Gewinn oder Verlust?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/112527

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