Verfolgt man die unterschiedlichsten Fachforen, Medienbeiträge oder Veröffentlichungen mittelstandsbezogener Verbände, hat es den Anschein, die Existenz des Mittelstandes sei sichtlich bedroht. Geplagt durch Steuerbelastung, marktbedingte Rezession oder den Strukturwandel auf den Finanzmärkten und im Bankensektor, die Rahmenbedingungen für den Mittelstand werden häufig beklagt. Viele Mittelständler machen sich sogar existenzielle Sorgen.
Denn in Zeiten von Basel II mit verschärften Kredit–Rating-Verfahren ziehen sich Banken nicht nur aus der Mittelstandsfinanzierung zurück, sondern Bankdarlehen werden entsprechend des bestehenden Kreditrisikos bzw. der Bonität des Kreditnehmers teilweise auch teurer. Hinzu kommt die aus historischen Gründen relativ niedrige Eigenkapitalquote, die Kredite nach neuen Richtlinien für die überwiegende Anzahl von Mittelständlern aus Kostengründen nahezu unerreichbar erscheinen lässt. Darum wird der deutsche Mittelstand nicht umhin kommen, seine Finanzierungsstruktur zu verändern und insbesondere seine Eigenkapitalausstattung zu verbessern.
Diese Entwicklungen betreffen nicht nur mittelständische Familienunternehmen traditioneller Branchen, sondern gehen an Unternehmensgründungen und jungen Wachstumsunternehmen ebenso wenig spurlos vorbei. Angesichts der wirtschaftlichen Situation und der vielen Insolvenzen, besonders von jungen Unternehmen, ist verstärkt Vorsicht und Zurückhaltung zu spüren, und das sowohl seitens potentieller Unternehmer als auch auf Seiten der Investoren.
Deshalb soll Ziel dieser Arbeit sein, zu zeigen, dass neue Wege zur Eigenkapitalbeschaffung als Finanzierungsalternative bestehen, und deren Eigenheiten und Einsatzformen darzustellen. Schwerpunkt hierbei bilden Business Angels als eine der Möglichkeiten im Rahmen der Beteiligungsfinanzierung. Diese sind besonders für Existenzgründer und junge Unternehmen interessant.
Zuvor jedoch soll die thematische Abgrenzung zur Einführung wichtige Grundlagen
schaffen und einen Überblick über die Thematik dieser Arbeit vermitteln. Dazu werden der deutsche Mittelstand sowie der formelle und informelle Venture-Capital-Markt betrachtet, und die Bedeutung des Eigen- bzw. Beteiligungskapitals mit den Begriffen des Private Equity und des Venture Capital erörtert.[...]
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. THEMATISCHE ABGRENZUNG
2.1 DER DEUTSCHE MITTELSTAND
2.1.1 KURZCHARAKTERISIERUNG UND WIRTSCHAFTLICHE BEDEUTUNG DES MITTELSTANDES IN DEUTSCHLAND
2.1.2 DIE WIRTSCHAFTLICHE SITUATION MITTELSTÄNDISCHER UNTERNEHMEN
2.1.2.1 Die Finanzsituation traditioneller Mittelständler
2.1.2.2 Rahmenbedingungen für Unternehmensgründer und junge Unternehmen in Deutschland
2.2 ENTWICKLUNG UND GEGENWÄRTIGE SITUATION DES FORMELLEN VENTURE CAPITAL-MARKTES
2.3 ENTWICKLUNG UND AKTUELLE SITUATION DES INFORMELLEN VENTURE CAPITAL-MARKTES
2.4 BEDEUTUNG VON BETEILIGUNGEN ALS FORM DER EIGENKAPITALFINANZIERUNG
2.4.1 EINORDNUNG UND ABGRENZUNG DER BETEILIGUNGSFINANZIERUNG ALS FINANZIERUNGSFORM
2.4.2 DIE BEGRIFFE DES PRIVATE EQUITY UND DES VENTURE CAPITAL IM AUßERBÖRSLICHEN BEREICH
3. DIE FINANZIERUNGSPHASEN IM BEREICH DES PRIVATE EQUITY
3.1 ÜBERBLICK ÜBER DIE FINANZIERUNGSPHASEN
3.2 DIE EARLY – STAGE – PHASE
3.2.1 DIE SEED-PHASE
3.2.2 DIE START – UP – PHASE
3.3 DIE EXPANSIONSPHASE
3.4 DIE LATE – STAGE – PHASE
3.4.1 MANAGEMENT-BUY-FORMEN
3.4.2 BRIDGE-FINANZIERUNG
3.5 SONDERANLÄSSE DER FINANZIERUNG
3.5.1 LEVERAGED-BUY-OUT (LBO)
3.5.2 REPLACEMENT CAPITAL
3.5.3 TURNAROUND-FINANZIERUNG
4. BUSINESS ANGELS ALS FINANZIERUNGSINSTRUMENT DER FRÜHEN UNTERNEHMENSPHASEN
4.1 CHARAKTERISTIKA DER BUSINESS ANGELS ALS FORM DES INFORMELLEN VENTURE CAPITAL-MARKTES
4.1.1 WESENTLICHE MERKMALE EINES BUSINESS ANGELS
4.1.2 BETEILIGUNGSMOTIVE
4.1.3 BETEILIGUNGSPRÄFERENZEN
4.1.4 MÖGLICHE FORMEN EINER BUSINESS ANGEL-BETEILIGUNG
4.1.4.1 Die stille Beteiligung
4.1.4.2 Kombination offener und stiller Beteiligungen
4.1.4.3 Die offene Beteiligung
4.1.4.4 Das Gesellschafterdarlehen mit Rangrücktritt
4.1.4.5 Das Genussscheinkapital
4.1.5 DIE PERSON DES BUSINESS ANGELS
4.1.6 TYPOLOGISIERUNG
4.2 ABLAUF EINER BUSINESS ANGELS-BETEILIGUNG
4.2.1 ÜBERBLICK
4.2.2 DER BUSINESS-PLAN ALS ÜBERZEUGUNGSINSTRUMENT
4.2.3 DER MATCHING-PROZESS
4.2.4 DUE DILIGENCE – DIE PRÜFUNG ZUR ERMITTLUNG DES UNTERNEHMENSWERTES
4.2.4.1 Die Ertragswertmethode
4.2.4.2 Marktorientierte Bewertungsverfahren: Die Vergleichswert- und die Multiplikatormethode
4.2.4.3 Die Exitwertmethode
4.2.4.4 Die Scoring-Methode
4.2.5 WICHTIGE VERTRÄGE
4.2.6 DAS LEBEN MIT DEM PARTNER
4.2.7 EXIT - BEENDIGUNGSMÖGLICHKEITEN DER PARTNERSCHAFT
4.3 DIE FUNKTION DER NETZWERKE
5. SCHLUSSBETRACHTUNG
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser Arbeit besteht darin, Business Angels als eine moderne und relevante Form der Eigenkapitalfinanzierung für den Mittelstand sowie für Unternehmensgründer zu identifizieren und deren Einsatzmöglichkeiten sowie Rahmenbedingungen darzustellen.
- Der deutsche Mittelstand: Wirtschaftliche Bedeutung und aktuelle Finanzierungssituation.
- Die Rollen von Private Equity und Venture Capital im Finanzierungskreislauf.
- Detaillierte Analyse von Business Angels als informelle Finanzierer in Frühphasen.
- Prozessgestaltung: Vom Matching-Prozess bis zum Exit-Szenario.
- Bedeutung von Netzwerken bei der Zusammenführung von Kapitalgebern und Gründern.
Auszug aus dem Buch
4.2.1 Überblick
Die Bindung zwischen „Engel“ und Gründer ist in der Regel von längerer Dauer und zum Teil mit hohen, aber auch unterschiedlichen Erwartungen an die Zusammenarbeit ausgestattet. Wie bereits erwähnt, beruht diese Partnerschaft auf Kooperationsbereitschaft, Vertrauen und Transparenz. Gerade deshalb ist es wichtig, dass sich beide Seiten über ihre Zielsetzungen und Erwartungen klar werden und diese von Beginn an deutlich kommunizieren. Das ist gerade in der Phase der Kontaktaufnahme von besonderer Bedeutung, um eine solide Grundlage für die gemeinschaftliche Arbeit zu schaffen. Damit ist also der erste Schritt auf Unternehmerseite das Setzen von Finanzierungszielen und die Konkretisierung der zukünftig gewünschten Unternehmensentwicklung.
Dadurch kann anschließend herausgefunden werden, welcher Input materieller und immaterieller Art vom Business Angel benötigt und gewünscht wird. Nur auf diese Weise kann der passende Partner unter den vorher aufgeführten Engel-Typen gefunden werden, was, wie bereits im Vorfeld erläutert, von besonderer Bedeutung ist. Um die Ziele und die angestrebte Entwicklung des Unternehmens zu dokumentieren und auch für Außenstehende nachvollziehbar zu machen, ist ein so genannter Business Plan anzufertigen. Dieser leistet einen wesentlichen Beitrag zum Erfolg einer Beteiligungsanfrage und ist oft Ausschlag gebend für das Interesse eines Investors an einem Unternehmen oder einer Idee.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Die Einleitung beleuchtet die schwierige Finanzierungslage des Mittelstands durch Basel II und zeigt die Notwendigkeit auf, neue Wege zur Eigenkapitalbeschaffung wie Business Angels zu erschließen.
2. THEMATISCHE ABGRENZUNG: Dieses Kapitel definiert den deutschen Mittelstand sowie die Venture-Capital-Märkte und ordnet Beteiligungsfinanzierungen in das System der Unternehmensfinanzierung ein.
3. DIE FINANZIERUNGSPHASEN IM BEREICH DES PRIVATE EQUITY: Hier werden die verschiedenen Phasen einer Unternehmensentwicklung sowie die entsprechenden Finanzierungsinstrumente vom Seed-Stadium bis zum Late-Stage-Bereich systematisiert.
4. BUSINESS ANGELS ALS FINANZIERUNGSINSTRUMENT DER FRÜHEN UNTERNEHMENSPHASEN: Dieses Hauptkapitel analysiert die Charakteristika von Business Angels, den Ablauf der Beteiligung, Bewertungsverfahren sowie die strategische Bedeutung von Netzwerken.
5. SCHLUSSBETRACHTUNG: Die Arbeit schließt mit einem Resümee über die Notwendigkeit der Förderung von Business Angels zur Stärkung der deutschen Gründerszene und der wirtschaftlichen Zukunftsfähigkeit.
Schlüsselwörter
Business Angels, Eigenkapitalfinanzierung, Mittelstand, Venture Capital, Private Equity, Finanzierungsphasen, Unternehmensgründung, Business Plan, Due Diligence, Matching-Prozess, Exit-Strategie, Beteiligungsfinanzierung, Start-up, Seed-Phase, Netzwerk
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit Business Angels als moderne Form der Eigenkapitalfinanzierung, die insbesondere für den Mittelstand und junge, innovative Unternehmen eine wichtige Alternative zu traditionellen Bankkrediten darstellt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Einordnung von Beteiligungsfinanzierungen in die Unternehmensstruktur, die Analyse verschiedener Finanzierungsphasen sowie die detaillierte Betrachtung des Wirkens von Business Angels.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Business Angels durch Kapitalbereitstellung und Know-how-Transfer Gründungsaktivitäten fördern und somit die Wettbewerbsfähigkeit des Mittelstandes stärken können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine fundierte Literaturanalyse, die theoretische Grundlagen aus der Betriebswirtschaftslehre mit empirischen Daten und Studienergebnissen zu Finanzierungsmärkten verknüpft.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden neben den Finanzierungsphasen die Charakteristika von Business Angels, deren Typologisierung, der Prozess einer Beteiligung (vom Matching bis zum Exit) und die Bedeutung von Netzwerken erörtert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Business Angels, Eigenkapitalfinanzierung, Mittelstand, Venture Capital, Private Equity, Business Plan, Due Diligence und Exit-Strategien.
Welche Rolle spielen Netzwerke für Business Angels?
Netzwerke dienen als entscheidende Vermittlungsinstanzen, die den intransparenten informellen Kapitalmarkt strukturieren und den Kontakt zwischen Gründern und geeigneten Investoren erleichtern.
Warum ist die „Due Diligence“ für Business Angels wichtig?
Die Due Diligence dient als Prüfungsinstrument, um das Risiko einer Fehlinvestition zu senken, indem sie die Stärken und Schwächen eines Geschäftskonzepts im Vorfeld einer Kapitalbeteiligung analysiert.
- Arbeit zitieren
- Dipl.-Betriebswirtin (FH) Sabrina Hamann (Autor:in), 2004, Business-Angels als moderne Form der Eigenkapitalfinanzierung für den Mittelstand, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/112565