Die Ortsnamen werden den schriftlichen Quellen zugeordnet, mundartliche Formen sind aber auch im heutigen Sprachgebrauch lebendig. Die Wissenschaft, die sich mit der Entstehung und Ent-wicklung der Ortsnamen beschäftigt, ist die Toponymie, welche wiederum ein Teilgebiet der O-nomastik, der Namensforschung, darstellt.
Ihre „gelehrte“ Erforschung erfolgte schon im 18. Jahrhundert und bezog sich auf die Volksetymo-logie. Als systematische Wissenschaft beginnt sie in Deutschland Mitte des 19. Jahrhunderts auf der Basis der Grimmschen Spracharbeiten. Zu einem der wichtigsten Vertreter des vorletzten Jahr-hunderts gehört A. Bach, welcher der Namenskunde den Weg zu einer eigenständigen sprachwis-senschaftlichen Disziplin bereitete, und eine wesentliche Grundlage dieser Arbeit bildet.
Ortsnamen sind also sprachliche Zeichen und somit Untersuchungsgegenstand der diachronen – historisch-vergleichenden – Sprachwissenschaft: „es gibt keine umfassende Sprachwissenschaft ohne Namenkunde bzw. Namengeschichte, und es gibt keine wissenschaftliche Namenkunde bzw. Namengeschichte ohne Verankerung in der historischen Sprachwissenschaft.
Inhaltsverzeichnis
1. Zur Beschreibung der Quellengattung „Ortsname“
2. Die Untersuchung mittelalterlicher Ortsnamen
3. Der Informationsgewinn für den Historiker
4. Der kritische Gebrauch der Ortsnamen und Interpretationsprobleme
5. Der Landkreis Uecker-Randow im Spiegel seiner mittelalterlichen Ortsnamen
5.1 Der interdisziplinäre Ansatz als Grundprinzip
5.2 Der Beitrag der Namensgeschichte
5.3 Die Analyse der mittelalterlichen Ortsnamen des Landkreises Uecker-Randow
5.3.1 Sammeln der Ortsnamensbelege
5.3.2 Zeitliche Einordnung der Ortsnamen aufgrund von historischen Anhaltspunkten
5.3.2.1 Die slawische Siedlungsphase
5.3.2.2 Die deutsche Siedlungsphase
5.3.3 Formale Systematisierung – Morphologie der Ortsnamentypen
5.3.3.1 Die slawischen Siedlungsnamen
5.3.3.1.1 Derivata
5.3.3.1.2 Simplizia
5.3.3.1.3 Komposita
5.3.3.2 Die deutschen Siedlungsnamen
5.3.3.2.1 Komposita
5.3.3.2.2 Mittels unterscheidender Zusätze gebildete Ortsnamen
5.3.3.2.3 Simplizia
5.3.3.2.4 Nachbenennungen
5.3.3.3 Interferenzerscheinungen
5.3.4 Inhaltliche Kategorisierung der Ortsnamen
5.4 Schlussfolgerungen für die Siedlungsgeschichte aufgrund der Ortsnamen
6. Der Ortsname – Eine einfache Quelle?
7. Literatur
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Entwicklung und Bedeutung der Ortsnamen im Landkreis Uecker-Randow während des Mittelalters, um Erkenntnisse über die slawische und deutsche Siedlungsgeschichte sowie über den Sprachkontakt zwischen beiden Kulturen zu gewinnen.
- Interdisziplinäre Analyse von Ortsnamen als historische Quelle.
- Systematisierung der Ortsnamensmorphologie (slawische und deutsche Typen).
- Zeitliche Einordnung der Siedlungsphasen anhand urkundlicher Belege.
- Untersuchung von Interferenzerscheinungen und sprachlicher Adaptation.
Auszug aus dem Buch
3. Der Informationsgewinn für den Historiker
Neue Ortsnamen entstanden durch Erstbenennung neuer Siedlungen oder einen Namenswechsel, welcher dort seltener stattfand, wo der Ortsname im kirchlichen oder administrativen Bestand verankert war, denn für die Beständigkeit spielten Bekanntheitsgrad und Gebrauchshäufigkeit eine große Rolle.
„Im Allgemeinen lässt sich sagen, dass Ortsnamen eine lediglich indirekte Quelle für die Geschichtswissenschaft darstellen und dass sie dort, wo direkte Quellen zur Verfügung stehen, eine bloß illustrierende Funktion haben. Daraus folgt, dass je weiter wir in die Geschichte zurückgehen und je seltener die direkten Quellen werden, die Ortsnamen umso wichtiger werden […].“ Außerdem wird durch sie das schon Bekannte konkret lokalisiert, und dies gibt ihnen ihren historischen Wert. Am fruchtbarsten erweisen sich dabei für den Historiker die Punkte der Bearbeitung, die Schwierigkeiten aufwerfen.
So kann es Identifikationsprobleme geben, wenn sich das Bezeichnete in Art oder Umfang ändert: Burgnamen konnten ältere Ortsnamen verdrängen, Wüstungen entstehen, die nur noch als Flurnamen weiterleben, oder ein Siedlungskern erweiterte sich zu einem Siedlungsraum und umgekehrt. Hier sind dann nur noch sprachliche und keine örtlichen Kontinuitäten wahrzunehmen. Ausschlaggebend für die Identifikation ist dann die Siedlungsgeschichte, die hierfür klärend herangezogen wird und dadurch ihrerseits eine Bereicherung erfährt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Zur Beschreibung der Quellengattung „Ortsname“: Dieses Kapitel definiert die Ortsnamenforschung als Teilgebiet der Onomastik und unterstreicht ihre Bedeutung als historische Hilfswissenschaft.
2. Die Untersuchung mittelalterlicher Ortsnamen: Es werden methodische Schritte zur Analyse wie das Sammeln von Belegen und die formale Systematisierung von Ortsnamentypen erläutert.
3. Der Informationsgewinn für den Historiker: Das Kapitel beschreibt den Wert von Ortsnamen als indirekte historische Quellen für Siedlungsprozesse und Migrationen.
4. Der kritische Gebrauch der Ortsnamen und Interpretationsprobleme: Hier wird die Notwendigkeit der Quellenkritik hervorgehoben, um Fehlinterpretationen durch Schreibvarianten oder Sprachwandel zu vermeiden.
5. Der Landkreis Uecker-Randow im Spiegel seiner mittelalterlichen Ortsnamen: Dies ist der empirische Hauptteil, der den interdisziplinären Ansatz anwendet und die Analyse der spezifischen Namenslandschaft der Region vornimmt.
6. Der Ortsname – Eine einfache Quelle?: Ein kritisches Fazit, das die Hürden der Interpretation und den hohen Stellenwert der Konkretisierung bereits bekannter Fakten durch die Namenforschung zusammenfasst.
Schlüsselwörter
Ortsnamenforschung, Onomastik, Mittelalter, Landkreis Uecker-Randow, Siedlungsgeschichte, Slawisch-deutscher Sprachkontakt, Sprachgeschichte, Toponymie, Quellenkritik, Siedlungsnamen, Namengeschichte, Sprachwissenschaft, Historische Geographie, Namensbildung, Interferenzerscheinungen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die mittelalterlichen Ortsnamen im Landkreis Uecker-Randow, um diese als historische Quellen für die Siedlungsentwicklung und den Sprachkontakt zwischen Slawen und Deutschen zu erschließen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die formale morphologische Analyse der Namen, ihre zeitliche Einordnung in Siedlungsphasen sowie die Untersuchung von sprachlicher Anpassung und Interferenz.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, durch die sprachliche Untersuchung der Ortsnamen fundierte Einblicke in die Siedlungsgeschichte des untersuchten Raumes zu gewinnen und die ursprüngliche Bedeutung der Namen zu klären.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird ein interdisziplinärer Ansatz verfolgt, der die Sprachwissenschaft (Toponymie) mit historischen und siedlungsgeographischen Kriterien kombiniert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich detailliert mit der Analyse des Ortsnamenkorpus, der Kategorisierung nach slawischen und deutschen Namentypen sowie der Schlussfolgerung für die Siedlungsgeschichte.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Ortsnamenforschung, Siedlungsgeschichte, Slawisch-deutscher Sprachkontakt, Toponymie, Namengeschichte und Quellenkritik.
Was bedeutet der Begriff „Eindeutschung“ im Kontext der Arbeit?
Eindeutschung beschreibt die Anpassung slawischer Ortsnamen an die deutsche Laut- und Formenbildung während des Prozesses der Kolonisation und der zunehmenden Dominanz der deutschen Sprache.
Wie gehen die Autoren mit der Problematik von Wüstungen um?
Wüstungen werden als Belege für den Wandel in der Siedlungsstruktur betrachtet, wobei der Abbruch der Namensüberlieferung oft ein Schlüssel für das Verständnis der neuen Siedlungsverhältnisse ist.
Welche Bedeutung hat das „-hagen“ Suffix in der Region?
Ortsnamen mit dem Grundwort „-hagen“ deuten meist auf mittelalterliche Rodungssiedlungen hin, die oft durch geistliche oder weltliche Feudalherren initiiert wurden.
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- Marlen Frömmel (Author), 2008, Entwicklungstendenzen der Ortsnamensgebung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/112566