Vernachlässigung von Kindern. Sozialpädagogische Präventions- und Interventionsmöglichkeiten


Magisterarbeit, 2008
116 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

0 Einleitung

1 Bedürfnisse von Kindern aus entwicklungspsychologischer Sicht

2 Bedürfnisse von Kindern aus bindungstheoretischer Sicht
2.1 Bindungstheorie
2.2 Bindungsmuster
2.3 Anforderungen an das Verhalten der Eltern

3 Einordnung und Definition von Kindesvernachlässigung
3.1 Körperliche Misshandlung
3.2 Emotionale Misshandlung
3.3 Sexueller Missbrauch
3.4 Sonderformen
3.5 Abgrenzung von Vernachlässigung zu anderen Misshandlungen

4 Formen von Vernachlässigung
4.1 Körperliche Vernachlässigung
4.2 Emotionale Vernachlässigung

5 Häufigkeit von Vernachlässigung

6 Ursachen von Kindesvernachlässigung

7 Risikofaktoren für Kindesvernachlässigung
7.1 Allgemeine Risikofaktoren
7.2 Merkmale des Kindes
7.3 Psychisch kranke Eltern
7.4 Armut
7.5 Schutzfaktoren / Resilienz

8 Folgen von Vernachlässigung

9 Intervention bei Kindesvernachlässigung
9.1 Hilfen zur Erziehung
9.2 Sozialpädagogische Familienhilfe (SPFH)
9.3 Inobhutnahmen, Fremdunterbringung, Sorgerechtsentzug

10 Prävention von Kindesvernachlässigung
10.1 Familienhebammen
10.2 Modellprojekt Familienhebammen
10.3 Vorsorgeuntersuchungen
10.4 Kinderbetreuung
10.5 Vernetzung von Hilfen
10.6 Soziale Frühwarnsysteme
10.7 Situation in Chemnitz

11 Zusammenfassung und Ausblick

12 Abkürzungsverzeichnis

13 Literaturverzeichnis

14 Internetquellen

0 Einleitung

Das Mädchen Jessica ist am 1. März 2005 nach massiver, jahrelanger Unterernährung unter großen Qualen gestorben. Zum Zeitpunkt ihres Todes wog das siebenjährige Mädchen nur 9,6 Kilogramm. Davon entfielen noch knapp 900 Gramm auf einen verhärteten Kotballen im Darm. Mit einer Körpergröße von nur 105 Zentimetern entsprach das Kind damit etwa dem körperlichen Entwicklungsstand einer Dreijährigen. Etwa in diesem Alter hatte sie wahrscheinlich aufgehört zu wachsen. Die Obduktion hatte ergeben, dass das Mädchen wohl mangels anderer Nahrung sich in seiner Verzweiflung die eigenen Haare ausgerissen und zusammen mit Teppichfasern gegessen hatte.

Jessicas kleiner Körper litt aufgrund fehlender Flüssigkeitszufuhr unter einem Darmverschluss und einer eitrigen Nierenentzündung. Deshalb muss sie über einen langen Zeitraum starke, stechende Schmerzen gehabt haben. Bis kurz vor ihrem Tod war sie jedoch bei vollem Bewusstsein. Durch den Verschluss war der Darm nicht mehr im Stande, selbst kleinste Mengen verdauter Nahrung passieren zu lassen. Dies führte schließlich auch zu ihrem Tod. Jessica erbrach sich und erstickte durch das Einatmen der Dämpfe des Erbrochenen. Der Zustand ihrer Knochen ließ vermuten, dass sie sich in den letzten Monaten vor ihrem Tod nicht mehr auf zwei Beinen bewegen konnte. Wochenlang konnte sie allenfalls noch kriechen oder robben.

Den polizeilichen Ermittlern hatte sich beim Eindringen in die Wohnung ein Bild des Schreckens geboten. Die Kleidung des toten Mädchens war zum Teil mit Kabelbindern fest an ihrem Körper verschnürt. Das Kinderzimmer war durch die Eltern in ein Verlies umgebaut worden. Auf dem ausgerissenen Teppichboden lagen überall Teppichflocken herum. Neben der verschlossenen Tür befand sich ein offener Lichtschalter ohne Abdeckung. Aus diesem hing noch ein zusätzlicher, nicht isolierter Draht. Nach Annahmen der Anklage sollte dieses blanke Kabel zusammen mit dem auf dem Boden entfernten Teppich als tödliche Stromfalle für die Siebenjährige dienen. Die Fenster waren mit schwarzer Verdunklungsfolie beklebt. Außerdem war die Heizung des kleinen Raumes ausgeschaltet. Die von ihren Eltern wie eine Gefangene gehaltene Tochter lebte über Jahre in Dunkelheit und Kälte.1

Der Tod des Mädchens Jessica in einem Hamburger Wohnhochhaus ist einer der spektakulärsten Fälle von Kindesvernachlässigung der letzten Jahre. Nachrichten und Berichte über tote oder verwahrloste Kinder konnte man jedoch in den letzten Jahren gehäuft in der Tagespresse lesen. Auf die Titelseiten der Tageszeitungen schafften es jedoch meist nur die besonders schweren Fälle von Kindesvernachlässigung oder die Fälle mit einem tödlichen Ausgang. Diese bilden aber nur die Spitze eines Eisberges der alltäglichen Gewalt gegen Kinder. Dahinter stehen viele weniger spektakuläre und damit unsichtbare Fälle. Studien gehen von einer tausendfachen Anzahl von Misshandlungen und Vernachlässigungen für jeden Todesfall aus.2

Die Zahl der Nachrichten über Kinder, die von Vernachlässigung, Misshandlung und sexuellem Missbrauch bedroht sind, scheint zu wachsen. Meldungen über getötete, misshandelte und vernachlässigte Babys und Kleinkinder sind in erschreckendem Ausmaß fast schon alltäglich geworden. Gleichzeitig werden so intensiv wie schon lange nicht mehr die Probleme dieser Familien diskutiert. In den Diskussionen geht es insbesondere um Maßnahmen der Prävention für gefährdete Kinder, aber auch um das frühzeitige Erkennen von Risiken. Wenn ein Kind durch Verhungern oder Verdursten stirbt, sind alle erschrocken und empört. Das Bekanntwerden solcher Fälle löst bei den meisten Menschen ein Gefühl des Unverständnisses gegenüber den Eltern und großes Mitleid für die Kinder aus.

Auch die Fragen, ob man das nicht hätte früher bemerken können und warum das Jugendamt nicht rechtzeitig eingegriffen hat, sind immer wieder zu hören. Nachrichten dieser Art schockieren stets von Neuem. Vielen Menschen scheint es unvorstellbar ein Kind unter solch schlechten oder unwürdigen Bedingungen aufwachsen zu lassen. Die Fragen, was man unter schlechten Bedingungen versteht, wo Vernachlässigung beginnt und was noch in der zu tolerierenden Spanne elterlicher Erziehung liegt, kommen da fast automatisch auf. Natürlich ist auch nicht nur der Tod durch Nahrungsentzug als Vernachlässigung zu betrachten. Vernachlässigung ist oft ein schleichender, fortdauernder Prozess mit vielen Facetten. Eine verständliche Definition von Vernachlässigung zu finden, scheint sehr schwierig zu sein. Vernachlässigung ist ein gesellschaftliches Sozialproblem mit vielen Gesichtern. In der beruflichen Praxis der sozialen Arbeit können Sozialarbeiter und Sozialpädagogen in nahezu jedem Arbeitsfeld den Erscheinungsformen der Kindesvernachlässigung begegnen. Um die Vielgestaltigkeit eines solchen Geschehens greifbarer werden zu lassen, beschäftigt sich diese Arbeit mit der Vernachlässigung von Kindern. Sie will sich mit den Ursachen und Symptomen von Kindesvernachlässigung auseinander setzen, Hintergründe erkennen und eventuelle Lösungsansätze skizzieren.

Häufig sind Misshandlungen, Vernachlässigungen sowie sexueller Missbrauch Wiederholungstaten. Ein frühes Erkennen kann deshalb die Zahl schwerer, bleibender Schäden oder auch die Anzahl von Todesfällen verringern helfen. Dazu soll beim Thema der Vernachlässigung von Kindern auch auf bestehende und erst noch entstehende Möglichkeiten der Intervention und Prävention durch Sozialpädagogen und Sozialarbeiter eingegangen werden.

Nicht zuletzt werden im Jahr 2007 und in den folgenden Jahren von der Bundesregierung der Bundesrepublik Deutschland insgesamt 10 Millionen Euro für Projekte, welche sich mit dieser frühzeitigen Prävention von Kindesvernachlässigung und Misshandlung beschäftigen, bereitgestellt.3 Somit ist das Problem vernachlässigter Kinder auch endgültig im politischen Tagesgeschäft angekommen. Eine Auseinandersetzung mit der Thematik und zielgerichtetes Handeln sollen beginnen. Die Vernachlässigungsproblematik ist nun für mehr als nur ein ungläubiges Kopfschütteln und Nachdenken gut.

Doch die allgemein bekannt gewordenen Fälle zeigen, dass trotz einer Ausdifferenzierung der Unterstützungsangebote für Familien im Bereich der Kinderund Jugendhilfe noch kein wirksamer Kinderschutz vorhanden ist. Da leider auch immer wieder einige Fälle mit Todesfolge auftreten, scheint die Früherkennung von riskanten Entwicklungen bei Kindern und ihren Familien in der Praxis noch immer nur unzureichend zu gelingen.

Die vorliegende Arbeit ist, wie schon aus dem Titel ersichtlich, in zwei große Teilbereiche gegliedert. Der erste Teil befasst sich mit den theoretischen Zusammenhängen zur Thematik der Kindesvernachlässigung. Der zweite Teil orientiert sich an der Praxis und basiert auf ihr. Er beschäftigt sich mit den Präventionsund Interventionsmöglichkeiten von Sozialpädagogen und Sozialarbeitern im Bereich der Vernachlässigung von Kindern.

Das erste Kapitel der Arbeit ist der Entwicklung von kindlichen Bedürfnissen aus entwicklungspsychologischer Sicht gewidmet. Im nächsten Kapitel werden die Bedürfnisse von Kindern auf Grundlage der Bindungstheorie nach Bowlby beleuchtet. Damit wird in den ersten beiden Kapiteln aufgezeigt, was Kinder in der heutigen Zeit für eine gesunde körperliche und seelische Entwicklung benötigen und unter welchen Voraussetzungen diese gelingen kann. Im Rahmen dessen wird sich auch mit den erforderlichen Fähigkeiten und Verhaltensweisen der Eltern beschäftigt. Diese sind bedeutsam um die kindlichen Entwicklungsbedürfnisse erfüllen zu können.

Daraufhin wird im dritten Kapitel versucht, sich dem allgemeinen Konstrukt der Kindesmisshandlung als Kindeswohlgefährdung anzunähern. Nach der separaten Darstellung von anderen Gewalthandlungen an Kindern wird im dabei die Besonderheit der Vernachlässigung herausgestellt. Durch diese Abgrenzung wird versucht einen eigenen Zugang zu dem Phänomen der Kindesvernachlässigung zu schaffen.

Die Erörterung der einzelnen Misshandlungsformen scheint auch deshalb von großer Bedeutung, da die Vernachlässigung von Kindern nicht selten in Kombination mit anderen misshandelnden Verhaltensweisen vorkommt. Durch die anschließende vergleichende Darstellung verschiedener Definitionen von Vernachlässigung und die verschiedenen Vernachlässigungsformen wird im vierten Kapitel versucht, ein angemessenes Verständnis dieses Phänomens herauszustellen. Dies ist sehr bedeutsam, da die Vernachlässigung in verschiedenen Bereichen der kindlichen Lebensbedürfnisse bestehen und auch in unterschiedlicher Intensität auftreten kann.

Danach erfolgt im fünften Kapitel eine Auseinandersetzung mit der Häufigkeit und aktuellen Fallzahlen von Kindesvernachlässigung. Dies geschieht, um das Ausmaß des Bereiches der Vernachlässigung von Kindern zu verdeutlichen.

Im sechsten Kapitel sollen nunmehr Ursachen von Kindesvernachlässigung untersucht werden. Das anschließende siebente Kapitel behandelt Risikofaktoren der Familien, in denen die kindliche Vernachlässigung häufig vorkommt. Einige der Risikofaktoren werden nochmals einzeln in den Blick genommen. Hierbei werden besondere Merkmale, Beziehungsmuster und Persönlichkeitsstrukturen der Risikofamilien er- örtert. Die Suche nach den verschiedensten Hintergründen der Vernachlässigung von Kindern soll zeigen, unter welchen Umständen sich eine solche Deprivationslage entwickeln kann. Das Erkennen von Faktoren aus der individuellen Lebenswelt von Familien kann wichtige Anhaltspunkte für eine mögliche Intervention bei und Prävention von Vernachlässigung geben.

Des Weiteren werden die möglichen Auswirkungen und Folgen für die vernachlässigten Kinder im Kapitel acht näher beschrieben.

Am Anfang des zweiten Teils der Arbeit werden in Kapitel neun die derzeit bestehenden Möglichkeiten einer helfenden Einflussnahme unter den bestehenden rechtlichen

Gesichtspunkten beschrieben. Hierbei werden insbesondere die bestehenden Hilfsmöglichkeiten durch Hilfen zur Erziehung nach §§ 28 bis 35 SGB VIII kurz vorgestellt. Es werden auch die Grenzen bestehender Interventionen bei Kindesvernachlässigung aufgezeigt.

Im anschließenden letzten Teil des Werkes soll ab Kapitel zehn das Augenmerk auf zukunftsweisenden Möglichkeiten der Prävention liegen. Hierbei wird zuerst das prä- ventive Konzept der Familienhebammen erklärt. Anschließend wird sich mit der Einführung verpflichtender Vorsorgeuntersuchungen auseinandergesetzt. Nach diesen Konzepten zur Früherkennung von Vernachlässigung wird die Einflussnahme durch Kindertageseinrichtungen betrachtet. Daran schließt der Aspekt einer Vernetzung von Präventionsangeboten an. Es werden hierbei die von der Bundesregierung unterstützten Sozialen Frühwarnsysteme näher untersucht.

Diese Arbeit möchte für das Thema der Vernachlässigung von Kindern sensibilisieren. Es sollen ihre spezifischen Eigenschaften gegenüber anderen Formen der Gewalt, denen Kinder ausgesetzt sind, herausgearbeitet werden. Ein Verständnis für die Komplexität des Vernachlässigungsgeschehens soll erzeugt werden. Dabei sollen auch die gesellschaftlichen Hintergründe, welche zu Vernachlässigung führen, begutachtet werden. Noch wichtiger erscheint in diesem Zusammenhang die Prävention von Kindesvernachlässigung. Dazu werden einige schon bestehende Hilfsmöglichkeiten für Familien mit Kindern erläutert und bewertet. Diese Ausarbeitung soll auch eine Aufforderung für jeden Leser sein, Fachwissen in diesem Bereich zu erweitern und selbstständig zum Wohle von Kindern aktiv zu werden. Eine abschlie- ßende Zusammenfassung und ein Ausblick sollen eine perspektivische Ausrichtung für sozialpädagogische Fachkräfte diesem Arbeitsfeld bieten.

Bei den Ausführungen wird bevorzugt auf kleine Kinder im ersten Lebensjahr oder bis zum dritten Lebensjahr eingegangen. Eine Vielzahl der Beispiele und wesentliche Schwerpunkte konzentrieren sich auf das Lebensalter der frühen Kindheit. Diese Differenzierung wird gewählt, da die Folgen von Vernachlässigung gerade im Säuglings- und Kleinkindalter besonders gravierend sind. Viele Themen des Komplexes der Vernachlässigung treten bei kleinen Kindern gehäuft auf. Auch bei den staatlich unterstützten Präventionsprogrammen stehen besonders Kinder bis zu einem Lebensalter von etwa 3 Jahren im Mittelpunkt.4 Eine alleinige Eingrenzung auf die frühe Kindheit wiederum reicht nicht aus, um mit dem zur Verfügung stehenden Material ausführlich genug zu arbeiten.

Die Benutzung der männlichen Berufsbezeichnungen im Text erfolgt nur um eine bessere Überschaubarkeit und ein flüssigeres Lesen des Textes zu ermöglichen. Ich möchte damit keinesfalls Unterschiede in Fachlichkeit und Arbeitsweise zwischen Männern und Frauen implizieren. Die weiblichen Formen der Berufsbezeichnungen sind vollkommen gleichwertig einsetzbar.

Die Vernachlässigung von Kindern ist ein fachübergreifendes Problem. An seiner Erforschung und Verhinderung arbeiten verschiedenste berufliche Professionen mit, beispielsweise Ärzte, Psychiater, Psychotherapeuten, Psychologen, Juristen, Erzieher und Lehrer. Die Prävention von Kindesvernachlässigung ist ein Bereich, in dem alle Professionen zum Wohle der Kinder zusammen arbeiten müssen. Im zweiten Teil der Arbeit soll gezielt auf die Möglichkeiten von Sozialpädagogen eingegangen werden. Diese bestehen jedoch oft erst bei einem Verdacht oder schon bestehender Kindesvernachlässigung. Bei einer Prävention am Beginn eines Kinderlebens können eher medizinische Berufe verstärkten Einfluss nehmen. Somit werden auch einige Aspekte eines eher medizinischen Arbeitsfeldes betrachtet. Allerdings ist das berufliche Spektrum von Sozialpädagogen wiederum so breitgefächert, dass sie in vielen Arbeitsbereichen mit der Kindesvernachlässigung in Berührung kommen.

Durch die erfolgte Rechtschreibreform werden im Text sowohl die alte, als auch die neue Rechtschreibung angewendet. Dies geschieht entsprechend der Entstehungszeit von Literatur und Zitaten.

1 Bedürfnisse von Kindern aus entwicklungspsychologischer Sicht

Um die Problematik vernachlässigter Kinder besser zu verstehen, soll die Betrachtung vom Kind aus beginnen. Kinder sind kleine menschliche Wesen mit ihren eigenen Bedürfnissen und Vorstellungen. Wenn diese Bedürfnisse gestillt werden, geht es dem Kind gut und es kann sich gesund entwickeln. So ein kleines, aber schon so vielfältiges Wesen hat viele Bedürfnisse an seine Eltern und seine Umwelt. Die Erfüllung dieser Bedürfnisse ist wichtig für eine gesunde körperliche und seelische Entwicklung des Kindes. Für eine positive Persönlichkeitsentwicklung ist das Erfüllen dieser Bedürfnisse eine wichtige Grundvoraussetzung. Man könnte also davon ausgehen, das vernachlässigte Kinder nicht in ihren Bedürfnissen befriedigt werden. Was unter kindlichen Bedürfnissen zu verstehen ist, hängt in hohem Maße von geltenden Normen und vom jeweiligen Lebensstandard ab.5 In den letzten 200 Jahren haben sich in unserer Gesellschaft menschliche Werte wie Liebe und Verständnis, Verlässlichkeit und Kontinuität, Schutz und Geborgenheit als Voraussetzungen für eine gelingende Erziehung entwickelt. Für die Interaktion zwischen Eltern und Kind scheinen dies wichtige Faktoren zu sein, wie auch für ein sonstiges menschliches Miteinander. Daher ist es als besonders alarmierend zu werten, das Kindesvernachlässigung wieder eine verschärfte Brisanz erhält.6

Im sozialpädagogischen Handbuch Kindeswohlgefährdung des ASD werden nur drei elementare kindliche bzw. menschliche Bedürfnisse beschrieben. Hier hat das Kind das Bedürfnis nach Existenz, das Bedürfnis nach sozialer Bindung und Verbundenheit und das Bedürfnis nach Wachstum. Die genannten Bedürfnisse werden als grundlegend und gleichrangig betrachtet.7 Allerdings sind Wachstum und Existenz derart umfassende Begriffe, dass sie noch weiter differenziert werden müssen. Sie stellen eher Bedürfniskategorien dar. Die zugrunde gelegte Theorie von Alderfer versuchte die Theorie von Maslow zusammenzufassen und zu modifizieren. Seine Weiterentwicklung der Maslowschen Theorie war auf Bedürfnisse in Organisationen und Unternehmen ausgerichtet. Vielleicht ist sie deshalb nicht die geeignetste Variante, um kindliche Bedürfnisse besser zu verstehen. In den näheren Erklärungen werden die drei Bedürfnisse auch weiter differenziert. Es werden grundsätzlich auch alle Bedürfnisse aus der fünfstufigen Maslowschen Bedürfnishierarchie genannt. Diese wird auch heute noch gern zur Erklärung der menschlichen Bedürfnisse verwendet.

Nach dem amerikanischen Psychologen Maslow wird der Mensch und somit auch das Kind in seinem Verhalten von hierarchisch strukturierten Bedürfnissen geleitet. Diese lassen sich als Pyramide darstellen. An ihrer Basis befinden sich die grundlegenden körperlichen Bedürfnisse. An der Spitze steht das Bedürfnis nach Selbstverwirklichung. Dazwischen befinden sich Sicherheitsbedürfnisse, Zugehörigkeitsund Liebesbedürfnisse (soziale Bedürfnisse) sowie Wertschätzungsund Geltungsbedürfnis. Wird das unterste Bedürfnis nach physiologischer Befriedigung nicht erfüllt, können sich die höheren Bedürfnisse gar nicht erst entwickeln. Das Bedürfnis nach Selbstverwirklichung kann demnach erst dann realisiert werden, wenn alle grundlegenderen, niedrigrangigeren Bedürfnisse befriedigt sind.8 Die ersten vier werden auch Mangeloder Defizitbedürfnisse genannt. Das Selbstverwirklichungsbedürfnis dagegen wird als ein Wachstumsbedürfnis bezeichnet.

Auf dieses Modell baut auch der Kinderpsychotherapeut Schmidtchen auf. Er erweitert die elementaren Grundbedürfnisse für eine gesunde seelische und körperliche Entwicklung von Kindern auf insgesamt sechs. Ähnlich wie bei Maslow sind auch diese hierarchisch strukturiert. Er fügt noch das Bedürfnis nach Anregung, Spiel und Leistung ein. Es befindet sich unterhalb des höchsten Bedürfnisses der Selbstverwirklichung. Bei vernachlässigten Kindern werden die unterschiedlichsten Bedürfnisse nicht adäquat erfüllt. Für die Erklärung kindlicher Bedürfnisse aus entwicklungspsychologischer Sicht scheint deshalb die vielfältigste Bedürfnisauswahl nach Schmidtchen am geeignetsten. Außerdem ist bei ihm das Bedürfnis nach Anregung und Spiel enthalten. Dieses stellt im allgemeinen Verständnis ein besonders kindertypisches Bedürfnis dar. Die von Schmidtchen genannten Bedürfnisse sollen hier noch etwas detaillierter erklärt werden.

Um das Leben und Überleben eines Kindes überhaupt zu ermöglichen, müssen seine physiologischen Bedürfnisse befriedigt werden. Diese körperlichen Bedürfnisse sind Bedürfnisse nach Essen, Trinken, Ausscheidungen, Schlaf, Wach-Ruhe-Rhythmus und Sexualität.9

Das neugeborene Kind ist in diesem Bereich fast völlig abhängig von seinen Eltern. Ein Kind braucht eine angemessene Ernährung mit Essen und Trinken. Die Eltern müssen dafür sorgen, dass das Kind ausreichend mit Essen und Trinken versorgt wird. Sie sollten also seine Ernährung sicherstellen. Die Nahrung sollte in Zusammensetzung und Nährwert dem jeweiligen Bedarf des Kindes angepasst sein. Für Kinder im ersten halben Lebensjahr ist beispielsweise die Muttermilch die am besten geeignetste Nahrungsversorgung. Später können Kinder zwar selbstständig Nahrung zu sich nehmen, jedoch müssen der Zeitpunkt der Nahrungsaufnahme und die angemessene Menge noch durch die Eltern vorgegeben werden. Das Zubereiten und Bereitstellen von Nahrung durch das Kind selbst, ist erst in einem deutlich höheren Alter möglich. Es vergehen also viele Jahre, in denen die Versorgung mit Nahrung durch die Eltern geschehen muss.

Des Weiteren benötigt das Kind eine ausreichende Körperhygiene. Kleine Kinder können ihre Ausscheidung von Urin und Kot noch nicht selbständig kontrollieren. Deshalb müssen sie gewindelt werden. Das Windeln muss auch sehr regelmäßig geschehen, da sonst die Verdauungsrückstände die empfindliche Haut des Babys angreifen. Auch das Waschen und Baden muss bei Kindern häufig erfolgen. Wenn kleine Kinder im Freien spielen, machen sie sich schnell dreckig. Mit dem Erscheinen der ersten Zähne gehört auch die Zahnpflege mit dazu. Auch kleine Zähne sind schon von Krankheitserregern bedroht.

Besonders Kinder brauchen auch viele Stunden Schlaf. Dieser wird benötigt, um sich von der täglichen Vielzahl an Sinneswahrnehmungen zu erholen und diese zu verarbeiten.

Was unter kindgerechter Pflege, Versorgung und Förderung zu verstehen ist, variiert jedoch je nach Schichtzugehörigkeit deutlich.10 Eigentlich müssten diese grundlegenden Kenntnisse über menschliche Bedürfnisse im Repertoire von Müttern und Vätern vorhanden sein. In Fällen von Vernachlässigung ist dies aber häufig nicht der Fall.

Die Befriedigung von Schutzbedürfnissen als nächste Stufe erscheint genauso wichtig und selbstverständlich. Kinder benötigen Schutz vor körperlichen und seelischen Krankheiten, Gefahren, Unbilden des Wetters wie Kälte und Wärme, Schutz im Stra- ßenverkehr und vor schädigenden Umwelteinflüssen und materiellen Unsicherheiten.11

Um vor den Naturelementen geschützt zu sein, müssen Kinder von ihren Eltern mit entsprechender Kleidung angezogen werden. Sie sollte der Körpergröße des Kindes entsprechen, zu kleine oder zu große Kleidung ist nicht geeignet. Außerdem muss die Bekleidung einen ausreichenden Schutz vor den jeweiligen Temperaturen und Niederschlägen bieten.

Das Wohnumfeld von Kindern sollte vor Gefahren gesichert sein. Kinder sollten keine Möglichkeiten haben mit elektrischem Strom in Berührung zu kommen. Es darf auch keinen Zugang zu gesundheitsgefährdenden oder gar giftigen Stoffen für Kinder geben. Beim Auftreten von Verletzungen oder Unfällen sollte ein Arzt aufgesucht werden. Bei einem Aufenthalt außerhalb der Wohnung sollte immer eine Begleitperson in der Nähe des Kindes sein.

Ein Schutz vor materiellen Unsicherheiten ist sehr individuell einzuordnen. Vernachlässigte Kinder leben oft unter katastrophalen Wohnbedingungen. Die Familien vernachlässigter Kinder haben oft starke finanzielle Probleme. Dagegen besteht die Gefahr einer Reizüberflutung in unserer heutigen, modernen Gesellschaft wahrscheinlich für fast jedes Kind. Die Bedürfnisse nach physiologischer Befriedigung und Schutz stellen elementare Bedürfnisse dar.

Auch die weiteren Bedürfnisse nach einfühlendem Verständnis und sozialer Bindung an eine Person (Vater, Mutter, Freund etc.) sind zentrale Grundbedürfnisse von Kindern und Erwachsenen. Seelisches Einfühlungsvermögen (Empathie) einer Bezugsperson ist wichtig, damit Kinder überhaupt in einen entwicklungsfördernden Dialog mit anderen Personen finden können.12 Das Bedürfnis nach sozialer Bindung wird ausführlich im nächsten Kapitel mit der Bindungstheorie nach John Bowlby erklärt. Des Weiteren besteht ein Bedürfnis nach seelischer und körperlicher Wertschätzung. Kinder wollen um ihrer selbst Willen geliebt werden und sehnen sich nach bedingungsloser Anerkennung als seelisch und körperlich wertvoller Mensch.13 Vernachlässigte Kinder werden dagegen von ihren Eltern oft nur wenig wahrgenommen. Sind Kinder unerwünscht oder haben Missbildungen und Behinderungen fällt die Annahme des Kindes den Eltern nicht immer leicht. „Wer als Kind zu selten erlebt hat, daß er positive Affekte bei seinen Bezugspersonen auslösen kann, wer also nicht gelernt hat, liebenswert zu sein, entwickelt auch keine Selbstwahrnehmung und entsprechend kein Selbstwertgefühl.“14

Schon Säuglinge und Kleinkinder benötigen vielfältige Anregungen aus ihrer Außenwelt. Die Bedürfnisse nach Anregung, Spiel und Leistung müssen natürlich passend zu den Fähigkeiten der Kinder in ihrer jeweiligen Altersstufe sein.15 Kinder müssen herausgefordert werden ihre Umwelt zu erkunden. Bei der Entwicklung ihrer motorischen Fähigkeiten wird Unterstützung und Herausforderung benötigt. Das gemeinsame Spiel mit Kindern stellt eine hohe zeitliche Anforderung an die Eltern. Eltern müssen sich also intensiv mit ihrem Nachwuchs beschäftigen und auseinander setzen. Ein Kind kann sich noch nicht über längere Zeit selbst beschäftigen. Die Hospitalismusforschung von Spitz hat gezeigt, dass die Interaktion mit anderen Personen überlebenswichtig ist.

Das höchst stehende Bedürfnis nach Selbstverwirklichung und Bewältigung existentieller Lebensängste ist für den Bereich der Kleinkinder nicht gut erforscht. Obwohl Kinder es meist nicht bewusst erfassen können, werden auch sie den mit den existentiellen menschlichen Erfahrungen konfrontiert.16 Dazu gehören die Themen Tod, Krankheit und Alleinsein, die Frage nach dem Sinn des Lebens und viele weitere. Da in diesem Bereich sehr viel philosophisches Gedankengut einfließt, wird dieses Bedürfnis in der Regel erst bei älteren Kindern aufkommen. Dieses Bedürfnis entsteht der Theorie nach auch nur, wenn die niedriger angesiedelten Bedürfnisse befriedigt sind.

Die Aufzählung der verschiedensten Bedürfnisse zeigt, dass Vernachlässigung nicht zwangsläufig nur ein Problem von Familien aus der Unterschicht ist. Die Vernachlässigung oder Versagung physiologischer Bedürfnisbefriedigung führt nach einer gewissen Zeit zum Tod. Die Befriedigung der höheren Bedürfnisebenen verträgt dagegen einen Aufschub, ohne die Existenz des Kindes zu gefährden.17 Die Vernachlässigung höher gestellter Bedürfnisse betrifft vielmehr eine psychische Dimension. Für eine gesunde körperliche und seelische Entwicklung von Kindern sind also auch diese Bedürfnisse keinesfalls zu vernachlässigen. Eine Vernachlässigung dieser Bedürfnisse kann jedoch auch in jeder Familie der Mittelschicht und der Oberschicht stattfinden.

2 Bedürfnisse von Kindern aus bindungstheoretischer Sicht

2.1 Bindungstheorie

Bei der Erfassung von Vernachlässigungen wird besonders der vom englischen Kinderpsychiater John Bowlby aufgestellten Bindungstheorie eine sehr große Bedeutung beigemessen. Es wird angenommen, dass ausgehend vom Bindungsmuster und dem Verhalten des Kindes, Rückschlüsse auf seine Situation und eventuelle Vernachlässigungen zu ziehen sind.18 Es deutet viel auf einen Zusammenhang zwischen verschiedenen Bindungsmustern und der Situation von Kleinkindern hin.

Ein Säugling baut im Laufe des ersten Lebensjahres eine starke emotionale Bindung zu einer Hauptbezugsperson auf. Diese Bezugsperson sucht das Kind bei Gefahr oder Schmerz als Erstes auf. In den meisten Fällen ist diese wichtige Bezugsperson seine leibliche Mutter. Bis etwa zur Vollendung des dritten Lebensjahres braucht es diese Person stets in seiner erreichbaren Gegenwart.19

Kleinkinder ab etwa einem Jahr zeigen bei innerer Belastung (Krankheit, Schmerz, Müdigkeit, Hunger) oder äußerer Bedrohung (Trennung, Unsicherheit, Reizüberflutung) Verhaltensweisen wie Suchen der Bindungsperson, Weinen, Rufen, Festklammern oder Nachfolgen.20 Darüber versuchen sie Nähe zu ihrer wichtigen Bezugsperson herzustellen. Ist die Hauptbindungsperson für das Kind nicht erreichbar, können ersatzweise auch andere Bezugspersonen aufgesucht werden. Wenn eine enge Beziehung zum Kind aufgebaut ist, kann dies beispielsweise der Vater sein. Aber auch die Großeltern und Geschwisterkinder, beziehungsweise später ein Erzieher im Kindergarten sind mögliche Ersatzpersonen. Entsprechend hat das Weinen eines kranken Kindes zum Ziel, dass die Mutter in seiner Nähe bleibt. Das Anklammern am Hosenbein des Vaters unter fremden Menschen gibt Sicherheit.

Derartiges Verhalten nannte Bowlby Bindungsverhalten. Er ging davon aus, dass Bindungsverhalten angeboren ist. Dieses Verhalten bietet für das Kleinkind in gefährlichen Situationen Schutz durch vertraute Erwachsene und ist damit wichtig für sein Überleben. Dieses Bindungssystem entwickelt sich im ersten Lebensjahr. Es bleibt während des gesamten Lebens aktiv bestehen. Auch ältere Kinder und Erwachsene suchen in gefährlichen oder schwierigen Situationen die Nähe von Personen, von denen sie Schutz oder Hilfe und Unterstützung erwarten.

Zusätzlich zum Bindungsverhalten gibt es noch eine weitere Gruppe an kindlichen Verhaltensweisen. Sie kennzeichnen das neugierige Auskundschaften und Erkunden der Umgebung. Die selbstständige Entdeckung von Neuem und Unbekannten ist eine wichtige Voraussetzung für das Lernen und die Entwicklung des Kindes. Dieses Verhalten bezeichnete Bowlby als Explorationsverhalten. Es wird von den Kindern dann gezeigt, wenn sie sich sicher fühlen. Seine Verhaltensweisen treten abwechselnd mit dem Bindungsverhalten auf.

Nach dem Modell von Bowlby suchen Kinder immer dann die Nähe zur Mutter, zum Vater oder zu einer anderen wichtigen Bezugsperson, wenn sie unsicher sind oder sich unwohl fühlen. Wenn sie dagegen sicher sind und sich wohl fühlen, bewegen sie sich von der Bezugsperson weg und erkunden ihre unbekannte Umgebung. Die beiden Verhaltensweisen stehen also im ständigen Wechsel. Die erwachsene Bezugsperson wird als sichere Basis genutzt.21

2.1 Bindungsmuster

Heute unterscheidet man im Bindungsverhalten vier verschiedene Bindungsmuster. Man differenziert zwischen der sicheren Bindung und der unsicheren Bindung. Die unsichere Bindung tritt in den zwei Formen der unsicher-ambivalenten Bindung und der unsicher-vermeidenden Bindung auf. Des Weiteren unterscheidet man noch die desorganisierte Bindung. Sie wird auch als hoch unsichere Bindung beschrieben.

Die Kanadierin Ainsworth untersuchte zusammen mit ihren Forscherkollegen die beschriebene Bindungstheorie von Bowlby. Sie beobachtete dazu das Bindungsverhalten von einjährigen Kindern mit ihren Müttern. Sie führte lange Feldbeobachtungen von Müttern und Kindern in natürlicher Umgebung durch. Danach entwickelte sie eine standardisierte Methode der Verhaltensbeobachtung, die „Fremde Situation“. Deren Untersuchungsanordnung gleicht einem Spielzimmer, wie es häufig in Beratungsstellen zu finden ist. Die einjährigen Kinder werden von der Mutter für kurze Zeit getrennt. Die unbekannte Umgebung des Spielzimmers stellt somit eine Belastung dar und soll das Bindungsverhalten auslösen. Bei Anwesenheit der Mutter dagegen sollen die Kinder sich sicher fühlen. Sie sollen in der Lage sein, die Umgebung zu erkunden. Insgesamt fanden Ainsworth und ihre Kollegen drei unterschiedliche Gruppen von Kindern.

Bei einer Gruppe von Kindern zeigt sich genau das von Bowlbys Theorie vorhergesagte Wechselspiel zwischen Nähe suchen und Erkundung. Die Kinder nutzen ihre Mutter als sichere Ausgangsbasis. Dieses Bindungsmuster wird als sichere Bindung bezeichnet.

Bei den anderen Gruppen scheint jeweils entweder das Bindungsverhalten oder das Explorationsverhalten besonders ausgeprägt zu sein. Einige Kinder beschäftigen sich sehr stark mit der Erkundung ihrer Umgebung und den vorhandenen Spielsachen. Sie scheinen wenig unter der Trennung von der Mutter zu leiden. Beim Wiedersehen mit der Mutter suchen sie kaum Nähe und Kontakt zu ihr. Sie zeigen also kaum das Bindungsverhalten. Diese Kinder vermeiden den Körperund Blickkontakt zur Mutter. Deshalb wird dieses Bindungsmuster als unsicher-vermeidend bezeichnet.

Im Gegensatz dazu gibt es Kinder, welche kaum Explorationsverhalten zeigen. Diese Kinder sind vor allem damit beschäftigt, die Nähe und den Kontakt zur Mutter aufrecht zu erhalten. Solche Kinder sind kaum in der Lage sich von der Mutter zu lösen. Es fällt ihnen schwer die Umgebung zu erkunden oder einfach frei zu spielen. Die Kinder leiden sehr stark unter einer Trennung von der Mutter. Sie suchen nach einer Trennung sofort wieder engen Kontakt zur Mutter. Gleichzeitig zeigen sie aber Wut und Ärger gegenüber ihrer Mutter, weil diese nicht zur Verfügung stand. Das Suchen der Nähe der Mutter und das teilweise Zeigen von Wut und Ärger gegenüber der Mutter sind gegensätzliche Verhaltensweisen. Das Bindungsmuster dieser Kinder wird als unsicher-ambivalent bezeichnet.

In weiteren Studien wurde neben den drei beschriebenen Gruppen noch eine vierte, zusätzliche Gruppe von Kindern entdeckt.22 Sie kommt vor allem in Stichproben mit vielen psychosozialen Risikofaktoren vor. Diese Bindung ist typisch für Familien, in denen Vernachlässigung von Kindern vorkommt.23

Die Beziehungserfahrungen von Kindern mit der hoch unsicheren Bindung unterscheiden sich deutlich von den anderen Beziehungsmustern. Kinder dieser vierten Gruppe haben kurze Momente, in denen sie weder Bindungsverhalten noch Explorationsverhalten zeigen. Sie wirken teilweise wie erstarrt, verstecken sich und führen begonnenes Verhalten nicht zu Ende. Oft zeigen sie auch gleichzeitig oder kurz hintereinander stark widersprüchliches Verhalten. Die Kinder weisen für kurze Zeit keine organisierte Verhaltensstrategie auf. Das Bindungsmuster dieser Gruppe wird deshalb als desorganisiert bezeichnet.

Vermutlich entsteht diese Verhaltensform dadurch, dass die erwachsene Bezugsperson bei den Kindern Angst auslöst. Die Bindungsperson reagiert teilweise, durch eigene unverarbeitete Traumata, geängstigt auf das Kind. Das Kind wird nicht durch die externe Situation, sondern durch die Bezugsperson selbst in einen Alarmzustand versetzt. Angst einflößendes oder ängstliches Verhalten der Bezugsperson bringt Kinder auf ihrer Suche nach Schutz in eine unlösbare Situation. Die Person, die das Kind schützen soll, ist selbst Quelle von Angst. Möglicherweise führt dies zu den beobachteten kurzen Momenten desorganisierten Verhaltens. Die betroffenen Kinder haben einfach keine Strategie mit dem elterlichen Verhalten umzugehen.

Traumatische Erfahrungen wie eine Vernachlässigung können zur Bindungslosigkeit beziehungsweise Bindungsstörung führen. Sie werden einerseits als Reaktion auf, andererseits als Folge von, Vernachlässigung aufgefasst.24

In vielen Studien wurde weltweit untersucht, wie häufig die einzelnen Bindungsgruppen bei Kleinkindern vorkommen. In einem Überblick über deutschsprachige Studien war die sichere Mutter-Kind-Bindung die häufigste Bindungskategorie. Etwa 45 Prozent der Kinder gelten als sicher gebunden. Bei 28 Prozent der Kinder liegt das unsicher-vermeidende Bindungsverhalten vor. Nur sieben Prozent der Kinder wurden als unsicher-ambivalent gebunden eingestuft. Etwa ein Drittel aller Kleinkinder entwickelt somit eine Form einer unsicheren Bindungsbeziehung. Bei der überwiegenden Mehrzahl der Studien liegt der Anteil der Kinder mit desorganisiertem Bindungsverhalten bei rund 20 Prozent.25

2.2 Anforderungen an das Verhalten der Eltern

Eine entscheidende Bedeutung für die psychische Entwicklung des Kindes hat die Fähigkeit der Eltern zur Empathie für ihr Kind. Empathie oder Einfühlungsvermögen bedeutet, dass sie in der Lage sind, die wechselnden Bedürfnisse ihres Kindes wahrzunehmen. Die Bedürfnisse und das Erleben des Kindes können den eigenen Wünschen der Eltern auch völlig zuwiderlaufen. Zusätzlich muss den Eltern bewusst sein, dass ein Kind unter gewissen Aspekten des Elternverhaltens leiden kann. Diese selbstreflexive Funktion ist bei gesunden Eltern vorhanden. Sie ist Grundlage zur Ausprägung einer sicheren Bindung.26 Vernachlässigte Kinder kennen dieses Erfüllen ihrer Bindungsbedürfnisse und eine sichere Basis nicht. „Sie sorgt dafür, dass Eltern dann Hilfe holen, wenn sie den Bedürfnissen ihres Kindes allein nicht gerecht werden können.“27

Ainsworth definierte mütterliche Feinfühligkeit mit den folgenden vier Merkmalen:

- Der Wahrnehmung der Befindlichkeit des Säuglings, das heißt, die Mutter muss das Kind aufmerksam im Blick haben und darf keine zu hohe Wahrnehmungsschwelle haben.
- Der richtigen Interpretation der Äußerungen des Säuglings, und zwar aus der Lage des Kindes heraus und nicht nach ihren eigenen Bedürfnissen.
- Einer unmittelbaren Reaktion darauf, damit das Kind eine Verbindung zwischen seinem Verhalten und einem Effekt der mütterlichen Handlung knüpfen kann. Dies vermittelt dem Kind ein Gefühl von Effektivität gegenüber seiner sonstigen Hilflosigkeit.
- Der Angemessenheit der mütterlichen Reaktion, die nicht mehr, aber auch nicht weniger beinhalten soll, als was vom Kind verlangt wurde. Diese sollte im Einklang mit seinen Entwicklungsprozessen stehen.28

Ainsworth und ihre Kollegen stellten bei ihren Untersuchungen fest, dass sich nicht nur die Kinder, sondern auch ihre Mütter unterschiedlich verhalten. Die Mütter der Kinder mit sicherer Bindung gehen einfühlsam und feinfühlig auf das Bindungsverhalten ihrer Kinder ein. Sie gewähren ihnen Nähe und Schutz, wenn die Kinder es brauchen. Gleichzeitig unterstützen sie entwicklungsangemessen ihre Kinder beim Erkunden der Umwelt.

Mütter von Kindern mit vermeidender Bindung wehren das Bedürfnis ihrer Kinder nach Nähe und Kontakt in neuen Situationen häufig ab. Sie geben selbst an, dass ihnen enger Körperkontakt eher unangenehm ist. Die Kinder scheinen sich dem Verhalten der Mutter anzupassen. Sie legen ihre Aufmerksamkeit vermehrt auf ihre Sachumwelt und weniger auf den Kontakt zur Mutter.

Die Mütter der Kinder mit ambivalenter Bindung reagieren unterschiedlich. Auf der einen Seite gehen sie feinfühlig auf die Bindungsbedürfnisse ihrer Kinder ein. In anderen Momenten weisen sie ihre Kinder zurück. Die Kinder können sich dementsprechend nie sicher über die Reaktion ihrer Mutter sein. Die Kinder richten demnach ihre vermehrte Aufmerksamkeit auf den Kontakt zur Mutter. Sie zeigen ein verstärktes Bindungsverhalten.29

Je nach Verhalten der Mütter entwickeln Kinder also unterschiedliche Strategien. Sie passen ihr Bindungsund Explorationsverhalten entsprechend der mütterlichen Reaktionen an.30 Auch wenn die sichere und die unsicheren Bindungsbeziehungen unterschiedliche Auswirkungen auf die weitere sozial-emotionale Entwicklung des Kindes haben, so sind doch alle Strategien als Ausdruck einer normalen Verschiedenartigkeit von Bindungserfahrungen zu verstehen.31

Die hoch unsichere desorganisierte Bindung dagegen ist typisch für Risikofamilien, in denen Vernachlässigung stattfindet.32 Vernachlässigte Kinder zeigen auch häufig in besonders intensiver Weise ein unsicheres Bindungsverhalten des vermeidenden Typs. In der Regel haben sie Eltern, welche in besonders geringem Maße auf sie reagieren und emotional sehr zurückgezogen sind.33

Auch Bindungsstörungen als „reaktive Bindungsstörung des Kleinkinalters“ oder „Bindungsstörung des Kindesalters mit Enthemmung“ können bei vernachlässigten Kindern auftreten. Mit der ersten Störung werden Kinder beschrieben, welche in ihrer Bindungsbereitschaft gegenüber fremden Personen sehr gehemmt sind und mit Ambivalenz und Furchtsamkeit reagieren. Kinder des zweiten Types weisen ein entgegengesetzes Verhalten auf. Ihre Kontaktbereitschaft gegenüber anderen Personen ist ungehemmt und distanzlos. Sie äußern Bindungsbedürfnisse nach Nähe und Trost unterschiedslos auch gegenüber vollkommen fremden Personen. Beide Stö- rungen mit ihren Verhaltensweisen werden als Folge von extremer emotionaler und/oder körperlicher Vernachlässigung angesehen.34

3 Einordnung und Definition von Kindesvernachlässigung

Wenn man von den vorangegangenen Kapiteln zu einer Definition von Vernachlässigung finden will, könnte man sagen, Vernachlässigung ist ein Nichtbeachten kindlicher Entwicklungsund Bindungsbedürfnisse. Diese Aussage wird jedoch der Komplexität des Themas weder gerecht, noch kann man damit eindeutig arbeiten. Außerdem könnte ein derart weiter Vernachlässigungsbegriff zur Annahme führen, dass eigentlich alle Eltern ihre Kinder vernachlässigen. Alle Bedürfnisse von Kindern sind von keinen noch so pädagogisch erfahrenen Eltern umfassend und zum richtigen Zeitpunkt zu befriedigen.

Die Vernachlässigung von Kindern einzuordnen ist recht schwierig und uneindeutig. Bei der Beschäftigung mit der Problematik lässt sich feststellen, dass es auch in der Fachliteratur nicht die eine Definition gibt.

In sehr allgemeinen Ansätzen wird der Begriff „Gewalt gegen Kinder“ verwendet. Gewalt meint alle Formen von Handlungen, Einwirkungen, Akten und Unterlassungen, welche als negativ bewertet werden. In erster Linie wird unter Gewalt physische Gewalt verstanden. Als Gewalt wird solches Verhalten bezeichnet, bei dem schädigende Reize auf einen Organismus einwirken. Bei Gewalt geht es darum, dass Anderen etwas gegen ihre Bedürfnisse, gegen ihren Willen geschieht. Von Gewalthandlungen geht man allgemein aus, wenn sozial mächtigere Personen gegen schwächere Personen handeln.35 Es existiert also oft der Oberbegriff Gewalt gegenüber dem Kind um dieses Themenfeld zu charakterisieren.

Ein Grund für die Vernachlässigung des Begriffes Vernachlässigung ist, dass Kindesvernachlässigung in der Kinderschutzliteratur oftmals mit unter dem Begriff der Kindesmisshandlung erfasst wird.36 Dadurch fehlt ein eigenständiger Problemzugang.

Weiter erschwert wird die Begriffsbestimmung durch ein generelles Forschungsund Informationsdefizit. Vernachlässigung hat weder in der öffentlichen noch in der fachlichen Diskussion so viel Aufmerksamkeit wie Kindesmisshandlung und sexueller Missbrauch. Es gibt bisher nur sehr wenig deutschsprachige Literatur zu diesem Themengebiet. Insgesamt ist das Phänomen einer Vernachlässigung relativ „unsichtbar“. Vernachlässigung vollzieht sich nicht laut und spektakulär, sondern eher still und unauffällig.37 Zudem bleibt die Vernachlässigung von Säuglingen und Kleinkindern, größtenteils im familiären Bereich, vor der Umwelt verborgen.38

Da sich mit dem Bereich der Gewalt gegen Kinder viele Berufsgruppen beschäftigen, gibt es auch sehr viele unterschiedliche Definitionsansätze. „So bestimmen berufsgruppenspezifische Wahrnehmungsund Handlungsperspektiven (fachspezifische

„Schablonen“ oder „Register“) Kindesmißhandlung/Vernachlässigung beispielsweise als „Straftat“, „Abweichung“, „Krankheit“ oder als „Konflikt“ bzw. als „soziales Problem“.39

Vom sozialpädagogischen Standpunkt ist der Fachterminus der Kindeswohlgefährdung als Kategorie der Einteilung zu sehen. Dieser wird ansonsten nur noch im juristischen Bereich verwendet. Er entstammt dem Kindschaftsrecht aus dem BGB.40 Kindeswohlgefährdung ist jedoch ein unbestimmter Rechtsbegriff und eine unklare soziale Konstruktion.41

In der juristischen Rechtssprechung stellt Vernachlässigung eine eigenständige Fallkategorie der verschiedenen Formen von Kindeswohlgefährdung dar. So heißt es in

§ 1666 BGB: „Wird das körperliche, geistige oder seelische Wohl des Kindes [...] durch Vernachlässigung des Kindes [...] gefährdet [...].“42

Werden Gefährdungen des Kindeswohls danach unterschieden, ob die Gefahr von bestimmten Handlungen der Betreuungspersonen oder vom Unterlassen bestimmter Handlungen durch die Betreuungspersonen ausgeht, so unterscheiden sich die verschiedenen Formen deutlich. Auf der einen Seite stehen die elterlichen Handlungen, wie bei körperlicher Misshandlung und sexuellem Missbrauch. Andererseits bezeichnet der Begriff der Vernachlässigung das gesamte Spektrum an Unterlassungen durch die Eltern.43

In der deutschsprachigen Literatur beziehen sich deshalb viele Autoren auf die Definition von Schone et al. „Vernachlässigung ist die andauernde oder wiederholte Unterlassung fürsorglichen Handelns sorgeverantwortlicher Personen (Eltern oder andere von ihnen autorisierte Betreuungspersonen), welches zur physischen und psychischen Versorgung des Kindes notwendig wäre. Diese Unterlassung kann aktiv oder passiv (unbewusst), aufgrund unzureichender Einsicht oder unzureichenden Wissens erfolgen. Die durch Vernachlässigung bewirkte chronische Unterversorgung des Kindes durch die nachhaltige Nichtberücksichtigung, Mißachtung oder Versagung seiner Lebensbedürfnisse hemmt, beeinträchtigt oder schädigt seine körperliche, geistige und seelische Entwicklung und kann zu gravierenden bleibenden Schä- den oder gar zum Tode des Kindes führen.“44

Ein ausreichendes Verständnis von Vernachlässigung setzt also einen guten Informationsstand über altersabhängige Bedürfnisse und Entwicklungsaufgaben von Kindern voraus.

Im Handbuch Kindeswohlgefährdung wird Vernachlässigung als „andauerndes oder wiederholtes Unterlassen fürsorglichen Handelns bzw. Unterlassen der Beauftragung geeigneter Dritter mit einem solchen Handeln durch Eltern oder andere Sorgeberechtigte, das für einen einsichtigen Dritten vorhersehbar zu erheblichen Beeinträchtigungen der physischen und / oder psychischen Entwicklung des Kindes führt oder vorhersehbar ein hohes Risiko solcher Folgen beinhaltet“ definiert.45

An dieser Stelle wird die „Vorhersehung“ durch „einsichtige Dritte“ erwähnt. Qualifizierte Fachkräfte des Jugendamtes oder aufmerksame Nachbarn können eine Vernachlässigung eventuell schon erkennen, wenn die betroffene Familie noch keinen Handlungsbedarf sieht. Im Gegensatz zur vorherigen Definition wird nicht zwischen aktiver und passiver Vernachlässigung unterschieden. Auch die Folgen von Vernachlässigung werden etwas allgemeiner gesehen. „Bezogen auf das Kind sind solche Grenzziehungen auch nicht von Bedeutung.“46

Für die Handlungsstrategien der Jugendhilfe kann die Unterscheidung von passiver (unbewusster) Vernachlässigung und aktiver (wissentlicher) Vernachlässigung jedoch sehr bedeutsam sein.47

Passive Vernachlässigung entsteht aus mangelnder Einsicht, schlichtem Nichterkennen von Bedarfssituationen oder aufgrund unzureichender Handlungsmöglichkeiten der Eltern (z. B. das Alleinlassen von Kindern über eine unangemessen lange Zeit, unzureichende Pflege und Mangelernährung oder das Vergessen von notwendigen Versorgungsleistungen). Aktive Vernachlässigung dagegen stellt die wissentliche Verweigerung von Handlungen durch die Sorge berechtigte Person dar. Der Bedarf des Kindes an Versorgung, Körperhygiene, Nahrung und Schutz wird erkannt, wäre nachvollziehbar und leistbar, wird aber verweigert.48

Ob Vernachlässigung ein Resultat von Überforderung und Nichtwissen ist, oder ob Eltern die Vernachlässigung erkennen und trotzdem keine Abhilfe schaffen, bzw. sie im Extremfall sogar bewusst herbeiführen, stellt in der Fallbearbeitung durch das Jugendamt einen wesentlichen Unterschied dar.49 Durch diese häufig zu findende Unterteilung in aktive und passive Vernachlässigung soll es jedoch nicht zu einer Unterscheidbarkeit in verschuldete und unverschuldete Vernachlässigung kommen.50 Vernachlässigung von Kindern wird auch als Wahrnehmungsstörung angesehen. Die Eltern nehmen die Bedürfnisse ihrer Kinder nicht mehr oder nur noch verzerrt wahr.51 Für Psychologen und Mediziner sieht eine Einordnung von Vernachlässigung wiederum ganz anders aus. „Die Internationale Klassifikation psychischer Störungen ICD- 10 ordnet den Begriff „Vernachlässigung“ der Zusatzkategorie „Verletzungen, Vergiftungen und andere Folgen äußerer Ursachen“ zu.“52

Vernachlässigung von anderen Formen der Gewalt gegen das Kind, Formen von Kindeswohlgefährdung oder Kindesmisshandlung abzugrenzen ist somit ziemlich schwierig. Häufig sind Kindesmisshandlungen auch keine einmaligen Vorgänge, sondern häufige, oft langjährige Aneinanderreihungen von Gewalt an den Kindern. Nach einer Abgrenzung verschiedener Merkmale unterscheidet man im Wesentlichen jedoch vier verschiedene Misshandlungsformen: die körperliche Misshandlung, die Vernachlässigung, die emotionale bzw. seelische oder psychische Misshandlung und den sexuellen Missbrauch.53

Die anschließende kurze separate Darstellung der anderen Gewalthandlungen an Kindern erfolgt, da die Vernachlässigung von Kindern nicht selten in Kombination mit anderen misshandelnden Verhaltensweisen vorkommt. Meist treten die verschiedenen Formen auch nicht isoliert und exakt ab grenzbar auf. Sie lassen sich nicht klar trennen und überschneiden sich oft.54 Eine Vernachlässigung von Kindern kommt selten allein vor. In der Praxis begegnen uns vielmehr komplexe Mischformen der verschiedenen Misshandlungen.55 „Mehrere Studien deuten zudem darauf hin, dass vernachlässigte Kinder in der Mehrzahl zeitgleich oder später auch noch andere Formen der Kindeswohlgefährdung erleben.“56

3.1 Körperliche Misshandlung

Die körperliche Misshandlung ist sicher die am leichtesten von den anderen Formen zu unterscheidende Form. Sie ist mit ihrer typischen, direkten Handlungsstruktur und offensichtlichen Symptomen noch am schnellsten zu erkennen.57 In der Auffassung der Allgemeinheit wird sicher das Schlagen von Kindern als Kindesmisshandlung verstanden. Erkennbar wird sie durch die Ausbildung von „blauen Flecken“.

Der Begriff der körperlichen Misshandlung enthält alle gewaltsamen Handlungen von Eltern, welche bei einem Kind körperliche Verletzungen hervorrufen können.58 „Darunter werden z. B. gefasst: Ohrfeigen; Schlagen mit Händen, Stöcken, Peitschen; Stoßen von der Treppe; Schleudern gegen die Wand; Schütteln eines Kleinstkindes;

Verbrennen mit heißem Wasser oder Zigaretten; auf den Ofen setzen; Einklemmen in Türen oder Autofensterscheiben; Pieksen mit Nadeln; ins kalte Badewasser setzen und untertauchen; eigenen Kot essen und Urin trinken lassen; Würgen; Vergiftungen.“59

Körperliche Misshandlung wird oft als Strafe von Eltern gegen ihre Kinder eingesetzt. Häufig werden jedoch körperliche Verletzungen nicht als Folge einer Misshandlung erkannt. Die misshandelnden Eltern erfinden bei der Vorstellung des Kindes beim Arzt schwer zu durchschauende Ursachenzuschreibungen. „Unterblutungen an den Schienbeinvorderkanten stellen in der Regel kindertypische Verletzungen dar, sind diese Verletzungen jedoch zirkulär um die Gliedmaßen verteilt, liegt der Verdacht einer fremden äußeren Gewalteinwirkung bereits sehr nahe.“60

Etwa die Hälfte bis zwei Drittel der deutschen Kinder werden durch ihre Eltern körperlich bestraft. Schwerwiegende und relativ häufige Bestrafungen finden sich bei 10 bis 15 Prozent der Betroffenen.61 Unter Einbeziehung von seltener und leichterer physischer Gewalt erleben etwa 80 Prozent aller Kinder physische Gewalt durch ihre Eltern.62

Viele moderne Eltern wollen ihr Kind absolut gewaltfrei erziehen. Die große Mehrheit der Eltern ist für eine gewaltfreie Erziehung. Über 85 Prozent halten eine gewaltfreie Erziehung für eine wichtige Zielsetzung in der Erziehung. Ebenso viele meinen, dass Eltern bei Konflikten lieber mit ihren Kindern reden sollten. Diese gute Idee ist praktisch kaum umsetzbar. Nach eigenen Angaben schlagen mehr als die Hälfte der Eltern nur aus Hilflosigkeit. Fast 75 Prozent der Eltern halten das Schlagen für eine Körperverletzung. Die Gruppe der gewaltbelasteten Eltern steht mit ihren Einstellungen allerdings hinter der mehrheitlichen Meinung in der Bevölkerung zurück. Viele Eltern handeln immer noch gegen ihre eigene Überzeugung63

Bei der Betrachtung von Misshandlung erscheint es wichtig, zwischen moderater Gewalt und starker, eventuell sogar wiederkehrender körperlicher Züchtigung zu unterscheiden. So kann man beispielsweise bei einer Mutter, welcher einmal in einer angespannten Situation „die Hand ausrutscht", nur schwerlich von einer Misshandlung sprechen, obwohl diese Tat körperliche Verletzungen hervorrufen kann. Ebenso stellen gezielte, aber harmlose Erziehungsmethoden, wie das starke Ziehen am Arm eines Kindes, um es zum Mitkommen aufzufordern, noch keine Misshandlung dar.

Es ist allerdings schwer zu sagen, wo die Grenze zwischen harmlosen Formen der Erziehung und ausufernder Gewalt liegt. Oft hängt diese Einschätzung auch vom moralischen Stand der Gesellschaft und den persönlichen Auffassungen der Eltern ab. Sieht man beispielsweise das gezielte Einsetzen von Ohrfeigen als Erziehungsmethode noch als legitim an, oder nicht. Zum Gebrauch von Ohrfeigen bekennen sich immerhin noch knapp 60 Prozent der Eltern, obwohl auch diese Zahl rückläufig ist.64 Bei den vorher erwähnten extremen Formen und dem starken und wiederholten Schlagen von Kindern ist die Grenze der legitimen Erziehung allerdings klar überschritten.

Das „Gesetz zur Ächtung der Gewalt in der Erziehung“ ist im November des Jahres- 2000 in Deutschland in Kraft getreten.65 Es verleiht Kindern erstmals ein Recht auf völlig gewaltfreie Erziehung. Die Formulierung lautet: „Kinder haben ein Recht auf gewaltfreie Erziehung. Körperliche Bestrafungen, seelische Verletzungen und andere entwürdigende Maßnahmen sind unzulässig.“66 Es ersetzte die bis dahin im Recht geltende Regelung. Mit dem neuen Gesetz wurde das auch bei Erziehungswissenschaftlern umstrittene „elterliche Züchtigungsrecht“ komplett abgeschafft. Dem Kind wird ein Recht auf Erziehung ohne jegliche Gewalt, nicht nur ohne Misshandlung eingeräumt. Es wird damit noch stärker hervorgehoben, dass Gewalt nicht aus dem Erziehungszweck heraus gerechtfertigt werden kann. Zeitgleich mit dem Gesetz wurde auch der § 16 des SGB VIII um einen Satz ergänzt.67 „Sie sollen auch Wege aufzeigen, wie Konfliktsituationen in der Familie gewaltfrei gelöst werden können.“68 Dieser Paragraph regelt die allgemeine Förderung der Erziehung in der Familie.

[...]


1 vgl. Freiburg,F.: Das langsame Sterben der kleinen Jessica 13.9.2005 http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,374485,00.html und >Friedrichsen, G.: Kinder sind wie Unkraut. In: Der Spiegel., Nr. 39/2005, S.77-80

2 vgl. http://www.unicef.de/3180.html

3 vgl. BMFSFJ: Auszüge aus dem Koalitionsvertrag zum geplanten Frühwarnsystem 02.01.2006 http://www.bmfsfj.de/bmfsfj/generator/Kategorien/aktuelles,did=65480.html

4 vgl. BMFSFJ: Frühe Hilfen für Eltern und Kinder und soziale Frühwarnsysteme 27.11.2007 http://www.bmfsfj.de/bmfsfj/generator/Politikbereiche/Kinder-und-Jugend/fruehe-hilfen,did=86930.html

5 vgl. Engelbert, A.: Vergessene Kinder? Gesellschaftliche Hintergründe von Kindesvernachlässigung. In: Landesstelle Jugendschutz Niedersachsen (Hrsg.): Vernachlässigung. Erscheinungsformen – Hintergründe – Hilfen.2. Auflage. Hannover: Eigenverlag, 2000, S.6

6 vgl. Schone, R.; Gintzel, U.;Jordan, E.; Kalscheuer, M.; Münder, J.: Kinder in Not. Vernachlässigung im frühen Kindesalter und Perspektiven Sozialer Arbeit. Münster: Votum Verlag, 1997, S. 23

7 vgl. Werner, A.: Was brauchen Kinder um sich altersgemäß entwickeln zu können? In: Kindler, H.; Lillig, S.; Blüml, H.; Meysen, T.; Werner, A. (Hrsg.): Handbuch Kindeswohlgefährdung nach § 1666 BGB und Allgemeiner Sozialer Dienst (ASD). München: DJI e.V., 2006,Kapitel 13

8 vgl. Maslow, A.H.: Eine Theorie der menschlichen Motivation. In: Maslow, A.H.: Motivation und Persönlichkeit. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt Taschenbuch Verlag,1981, S. 62-87

9 vgl. Schmidtchen, S. Kinderpsychotherapie – Grundlagen, Ziele, Methoden. Stuttgart, Berlin, Köln: Kohlhammer,1989, S. 106

10 vgl. Engelbert, A. : Vergessene Kinder? Gesellschaftliche Hintergründe von Kindesvernachlässigung. In: Landesstelle Jugendschutz Niedersachsen (Hrsg.): Vernachlässigung. Erscheinungsformen – Hintergründe – Hilfen. 2. Auflage Hannover: Eigenverlag, 2000, S. 6

11 vgl. Schmidtchen, S. Kinderpsychotherapie – Grundlagen, Ziele, Methoden. Stuttgart, Berlin, Köln: Kohlhammer,1989, S. 107

12 vgl. Schmidtchen, S. Kinderpsychotherapie – Grundlagen, Ziele, Methoden. Stuttgart, Berlin, Köln: Kohlhammer,1989, S. 108

13 vgl. Schmidtchen, S. Kinderpsychotherapie – Grundlagen, Ziele, Methoden. Stuttgart, Berlin, Köln: Kohlhammer,1989, S. 110

14 Motzkau, E.: Was braucht ein Kind? Hintergründe und Folgen der Vernachlässigung von Kindern. In: Landesstelle Jugendschutz Niedersachsen (Hrsg.): Vernachlässigung. Erscheinungsformen – Hintergründe – Hilfen. 2. Auflage Hannover: Eigenverlag, 2000, S. 35

15 vgl. Schmidtchen, S. Kinderpsychotherapie – Grundlagen, Ziele, Methoden. Stuttgart, Berlin, Köln: Kohlhammer,1989, S. 111

16 vgl. Schmidtchen, S. Kinderpsychotherapie – Grundlagen, Ziele, Methoden. Stuttgart, Berlin, Köln: Kohlhammer,1989, S. 112/113

17 vgl. Schone, R.; Gintzel, U.;Jordan, E.; Kalscheuer, M.; Münder, J.: Kinder in Not. Vernachlässigung im frühen Kindesalter und Perspektiven Sozialer Arbeit. Münster: Votum Verlag, 1997, S. 25

18 vgl. Strauß, B.: Vernachlässigung und Misshandlung aus der Sicht der Bindungstheorie. In: Egle, U.T.; Hofmann, S.O.; Joraschky, P. (Hrsg.): Sexueller Missbrauch, Misshandlung, Vernachlässigung. Erkennung, Therapie und Prävention der Folgen früher Stresserfahrungen. 3.,vollständig aktualisierte und erweiterte Auflage Stuttgart: Schattauer, 2005, S. 105

19 vgl. Bowlby, J.: Frühe Bindung und kindliche Entwicklung. 5., neu gestaltete Auflage München, Basel: Ernst Reinhardt Verlag, 2005, S. 50

20 vgl. Christ, H.: Dissoziative Bindung und familiale Traumatisierung. In: Zenz, W.M.; Bächer, K.; Blum- Maurice, R. (Hrsg.): Die vergessenen Kinder. Vernachlässigung, Armut und Unterversorgung in Deutschland. Köln: PapyRossa, 2007, S. 90

23 vgl. Christ, H.: Dissoziative Bindung und familiale Traumatisierung. In: Zenz, W.M.; Bächer, K.; Blum- Maurice, R. (Hrsg.): Die vergessenen Kinder. Vernachlässigung, Armut und Unterversorgung in Deutschland. Köln: PapyRossa, 2007, S. 95

24 vgl. Gloger-Tippelt, G.; König, L.: Bindungsentwicklung bei Kindern und Jugendlichen mit Misshandlungs-und Missbrauchserfahrung. In: Deegener, G.; Körner, W. (Hrsg.): Kindesmisshandlung und Kindesvernachlässigung. Ein Handbuch. Göttingen: Hogrefe, 2005, S. 350

25 vgl. Gloger-Tippelt, G.; Vetter, J.; Rauh, H.: Untersuchungen mit der „Fremden Situation“ in deutschsprachigen Ländern: Ein Überblick. In: Psychologie in Erziehung und Unterricht, Nr. 2/2000, S. 93

26 vgl. Deneke, C.: Misshandlung und Vernachlässigung durch psychisch kranke Eltern. In: Deegener, G.; Körner, W. (Hrsg.): Kindesmisshandlung und Kindesvernachlässigung . Ein Handbuch. Göttingen: Hogrefe, 2005, S. 149

27 Deneke, C.: Misshandlung und Vernachlässigung durch psychisch kranke Eltern. In: Deegener, G.; Körner, W. (Hrsg.): Kindesmisshandlung und Kindesvernachlässigung . Ein Handbuch. Göttingen:

28 vgl. Grossmann,K.E. et al: Die Bindungstheorie. Modell, entwicklungspsychologische Forschung und Ergebnisse. In: Keller,H. (Hrsg.): Handbuch der Kleinkindforschung, 2., vollständig überarbeitete Auflage Bern, Göttingen, Toronto, Seattle: Verlag Hans Huber, 1997, S. 62

29 vgl. Brisch, K. H.: Bedeutung von Vernachlässigung und Gewalt gegenüber Kindern aus der Sicht der Bindungstheorie. In: Finger-Trescher, U.; Krebs, H. (Hrsg): Mißhandlung, Vernachlässigung und sexuelle Gewalt in Erziehungsverhältnissen. Gießen: Psychosozial-Verlag, 2000, S. 92

30 vgl. Zweyer, K.: Bindung im Kindergartenalter http://www.familienhandbuch.de/cmain/f_Fachbeitrag/a_Kindheitsforschung/s_1509.html und

31 vgl. Brisch, K. H.: Bedeutung von Vernachlässigung und Gewalt gegenüber Kindern aus der Sicht der Bindungstheorie, In: Finger-Trescher, U.; Krebs, H. (Hrsg): Mißhandlung, Vernachlässigung und sexuelle Gewalt in Erziehungsverhältnissen. Gießen: Psychosozial-Verlag, 2000, S. 94

32 vgl. Christ, H.: Dissoziative Bindung und familiale Traumatisierung in: Zenz, W.M.; Bächer, K.; Blum- Maurice, R. (Hrsg.): Die vergessenen Kinder Vernachlässigung, Armut und Unterversorgung in Deutschland, Köln,PapyRossa, 2007 S. 95

33 vgl. Ziegenhain, U.: Kindesvernachlässigung aus bindungstheoretischer Sicht. In: IKK-Nachrichten. Nr. 2/2001, S. 7

34 vgl. Brisch, K. H.: Bedeutung von Vernachlässigung und Gewalt gegenüber Kindern aus der Sicht der Bindungstheorie, In: Finger-Trescher, U.; Krebs, H. (Hrsg): Mißhandlung, Vernachlässigung und sexuelle Gewalt in Erziehungsverhältnissen. Gießen: Psychosozial-Verlag, 2000, S. 96

35 vgl. Selg, H., Mees, U.,Berg, D.: Psychologie der Aggressivität. 2., überarbeitete Auflage Göttingen, Bern, Toronto, Seattle: Hogrefe, 1997, S.8

36 vgl. Schone, R.; Gintzel, U.;Jordan, E.; Kalscheuer, M.; Münder, J.: Kinder in Not. Vernachlässigung im frühen Kindesalter und Perspektiven Sozialer Arbeit. Münster: Votum Verlag, 1997, S. 18

37 vgl. Buskotte, A. : Einleitung. In: Landesstelle Jugendschutz Niedersachsen (Hrsg.): Vernachlässigung. Erscheinungsformen – Hintergründe – Hilfen. 2. Auflage Hannover: Eigenverlag, 2000, S. 4

38 vgl. Engelbert, A. : Vergessene Kinder? Gesellschaftliche Hintergründe von Kindesvernachlässigung. In: Landesstelle Jugendschutz Niedersachsen (Hrsg.): Vernachlässigung. Erscheinungsformen – Hintergründe – Hilfen. 2. Auflage Hannover: Eigenverlag, 2000, S. 6

39 Kinderschutz-Zentrum Berlin: Kindesmisshandlung. Erkennen und Helfen. 9. Auflage Berlin: Eigenverlag, 2000, S. 24

40 vgl. Schmid, H.; Meysen, T.: Was ist unter Kindeswohlgefährdung zu verstehen? In: Kindler, H.; Lillig, S.; Blüml, H.; Meysen, T.; Werner, A. (Hrsg.): Handbuch Kindeswohlgefährdung nach § 1666 BGB und Allgemeiner Sozialer Dienst (ASD). München: DJI e.V., 2006, Kapitel 2

41 vgl. Kinderschutz-Zentrum Berlin: Kindesmisshandlung. Erkennen und Helfen. 9. Auflage Berlin: Eigenverlag, 2000, S. 24

42 vgl. Bürgerliches Gesetzbuch 61., überarbeitete Auflage München:Deutscher Taschenbuch Verlag, 2008, S. 351

43 vgl. Kindler, H.: Was ist unter Vernachlässigung zu verstehen? In: Kindler, H.; Lillig, S.; Blüml, H.; Meysen, T.; Werner, A. (Hrsg.): Handbuch Kindeswohlgefährdung nach § 1666 BGB und Allgemeiner Sozialer Dienst (ASD). München: DJI e.V., 2006, Kapitel 3

44 Schone, R.; Gintzel, U.;Jordan, E.; Kalscheuer, M.; Münder, J.: Kinder in Not. Vernachlässigung im frühen Kindesalter und Perspektiven Sozialer Arbeit. Münster: Votum Verlag, 1997, S. 21

45 Kindler, H.: Was ist unter Vernachlässigung zu verstehen? In: Kindler, H.; Lillig, S.; Blüml, H.; Meysen, T.; Werner, A. (Hrsg.): Handbuch Kindeswohlgefährdung nach § 1666 BGB und Allgemeiner Sozialer Dienst (ASD). München: DJI e.V., 2006, Kapitel 3

46 DKSB NRW e.V.; ISA e.V. : Kindesvernachlässigung. Erkennen Beurteilen Handeln. 2. Auflage Wuppertal, Münster: Eigenverlag, 2006, S. 16

47 vgl. Deegener, G.: Formen und Häufigkeiten der Kindesmisshandlung. In: Deegener, G.; Körner, W. (Hrsg.): Kindesmisshandlung und Kindesvernachlässigung . Ein Handbuch. Göttingen: Hogrefe, 2005,

S. 37

48 vgl. Schone, R.; Gintzel, U.;Jordan, E.; Kalscheuer, M.; Münder, J.: Kinder in Not. Vernachlässigung im frühen Kindesalter und Perspektiven Sozialer Arbeit. Münster: Votum Verlag, 1997, S. 22

49 vgl. DKSB NRW e.V.; ISA e.V. : Kindesvernachlässigung. Erkennen Beurteilen Handeln. 2. Auflage Wuppertal, Münster: Eigenverlag, 2006, S. 16

50 vgl. Engelbert, A. : Vergessene Kinder? Gesellschaftliche Hintergründe von Kindesvernachlässigung. In: Landesstelle Jugendschutz Niedersachsen (Hrsg.): Vernachlässigung. Erscheinungsformen – Hintergründe – Hilfen. 2. Auflage Hannover: Eigenverlag, 2000, S. 9

51 vgl. Brinkmann, W.: Arme Kinder.Armes Deutschland. Wie Kinder durch Armut zu Schaden kommen. In: Zenz, W.M.; Bächer, K.; Blum-Maurice, R. (Hrsg.): Die vergessenen Kinder. Vernachlässigung, Armut und Unterversorgung in Deutschland. Köln: PapyRossa, 2007, S. 54-68

52 Frank, R.; Kopecky.Wenzel, M.: Vernachlässigung von Kindern. In: Monatsschrift Kinderheilkunde, 11/2002, S. 1339

53 vgl. Deegener, G.: Formen und Häufigkeiten der Kindesmisshandlung. In: Deegener, G.; Körner, W. (Hrsg.): Kindesmisshandlung und Kindesvernachlässigung . Ein Handbuch. Göttingen: Hogrefe, 2005,

S. 37

54 vgl. Mutke, B.: Gefährdungen des Kindeswohls – Ergebnisse einer empirischen Untersuchung.

In:IKK-Nachrichten, Nr. 2/2001, S. 2

55 vgl. Kinderschutz-Zentrum Berlin: Kindesmisshandlung. Erkennen und Helfen. 9. Auflage Berlin: Eigenverlag, 2000, S. 27

56 Kindler, H.: Was ist unter Vernachlässigung zu verstehen? In: Kindler, H.; Lillig, S.; Blüml, H.; Meysen, T.; Werner, A. (Hrsg.): Handbuch Kindeswohlgefährdung nach § 1666 BGB und Allgemeiner Sozialer Dienst (ASD). München: DJI e.V., 2006, Kapitel 3

57 vgl. Kinderschutz-Zentrum Berlin: Kindesmisshandlung. Erkennen und Helfen. 9. Auflage Berlin: Eigenverlag, 2000, S. 27

58 vgl. Engfer, A.: Kindesmißhandlung. Stuttgart: Ferdinand Enke Verlag, 1986, S.10

59 Deegener, G.: Formen und Häufigkeiten der Kindesmisshandlung. In: Deegener, G.; Körner, W. (Hrsg.): Kindesmisshandlung und Kindesvernachlässigung . Ein Handbuch. Göttingen: Hogrefe, 2005,

S. 37

60 Erfurt, C., Schmidt, U.: Diagnostische Probleme bei Kindesmisshandlung und sexuellem Missbrauch aus forensischer Sicht. In: Sächsische Landesärztekammer: Gewalt gegen Kinder. Misshandlung Minderjähriger. Dresden: Eigenverlag, 2006, S. 10

61 vgl. Engfer, A.: Formen der Misshandlung von Kindern – Definitionen, Häufigkeiten, Erklärungsansätze. In: Egle, U.T.; Hofmann, S.O.; Joraschky, P.: Sexueller Missbrauch, Misshandlung, Vernachlässigung: Erkennung, Therapie und Prävention der Folgen früher Stresserfahrungen. 3. Auflage, Stuttgart: Schattauer GmbH, 2005 S.4

62 vgl. Wetzels, P.; Pfeiffer, C.: Kindheit und Gewalt: Täterund Opferperspektiven aus Sicht der Kriminologie. In: Praxis der Kinderpsychologie und Kinderpsychiatrie, Nr. 3/1997, S. 148

63 vgl. Dwertmann, M.: Zwei Jahre „Gesetz zur Ächtung der Gewalt in der Erziehung“ – Rückblick, erste Ergebnisse, Projekte und Ausblick http://www.berlin.de/imperia/md/content/lblkbgg/bfg/nummer11/11_dwertmann.pdf

64 vgl. Dwertmann, M.: Zwei Jahre „Gesetz zur Ächtung der Gewalt in der Erziehung“ – Rückblick, erste Ergebnisse, Projekte und Ausblick http://www.berlin.de/imperia/md/content/lblkbgg/bfg/nummer11/11_dwertmann.pdf

65 vgl. Bundesgesetzblatt Nr. 48 07.11.2000 http://www.bgblportal.de/BGBL/bgbl1f/b100048f.pdf

66 § 1631 Abs. 2 In: Bürgerliches Gesetzbuch. 61., überarbeitete Auflage München:Deutscher Taschen-

buch Verlag, 2008, S. 348

67 vgl. Bundesgesetzblatt Nr. 48 http://217.160.60.235/BGBL/bgbl1f/b100048f.pdf

68 Sozialgesetzbuch. 34. Auflage München:Deutscher Taschenbuch Verlag, 2007,S.1085

Ende der Leseprobe aus 116 Seiten

Details

Titel
Vernachlässigung von Kindern. Sozialpädagogische Präventions- und Interventionsmöglichkeiten
Hochschule
Technische Universität Chemnitz
Note
1,0
Autor
Jahr
2008
Seiten
116
Katalognummer
V112579
ISBN (eBook)
9783640108558
ISBN (Buch)
9783640110070
Dateigröße
2981 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Vernachlässigung, Kindern, Präventions-, Interventionsmöglichkeiten
Arbeit zitieren
Thomas Morgenstern (Autor), 2008, Vernachlässigung von Kindern. Sozialpädagogische Präventions- und Interventionsmöglichkeiten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/112579

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