Freitag siebte und achte Stunde Sportunterricht. Drei Schüler fehlen unentschuldigt, zwei weitere haben wie, auch schon öfter in den letzten Wochen, ihre Sportsachen vergessen, zwei Mädchen haben ihre Tage. Nach einer kurzen Erwärmung sollen Übungen am Reck geturnt werde. Ein Schüler hat plötzlich Kopfschmerzen und setzt sich auf die Bank. Eine andere kleine Gruppe von Schülern beginnt sich zu unterhalten und lässt die anderen vor. Wieder andere versuchen wenige Male einen Aufschwung und geben dann auf mit dem Satz: „Ich kann so was nicht.“
Diese Situation ist mit Sicherheit etwas überspitzt dargestellt. Andererseits finden sich Situationsbeschreibungen in ähnlicher Form mehrfach in der Literatur (vgl. z.B. Wolters/ Gebken: 2005, S. 4 / Allmer: 1984, S. 96, f.). Hinzu kommt, dass ich selbst ähnliche Erfahrungen bei einem Praktikum an einer Hauptschule gemacht habe.
Dies ist Anlass genug, nach Gründen für das Zustandekommen einer solchen Situation zu fragen.
Überlegt man sich, wie Antworten auf diese Frage aussehen könnten, kommt man vielleicht zu folgenden Ergebnissen: Der Lehrer könnte antworten: „Die Schüler sind einfach nicht motiviert, haben kein Interesse am Sport!“, Eltern eines Kindes würden vielleicht sagen: „ Ist doch ganz klar, der Lehrer kann die Schüler nicht motivieren.“ Und von Schülern würde man eventuell hören: „ Das ist doch doof und langweilig, da hab ich kein Bock drauf!“.
Jede dieser Aussagen soll hier nur kurz mit einem Satz kommentiert werden.
Dem Lehrer sei entgegnet, dass die aktuelle groß angelegte Untersuchung SPRINT (Sportunterricht in Deutschland) herausgestellt hat, dass Schüler grundsätzlich eher ein großes Interesse an Sport und Sportunterricht haben (vgl. Brettschneider, W.-D. et al.: 2005, S. 227 -230).
Zu den Eltern lässt sich sagen, dass ein Vorwurf besser lauten müsste: „Der Lehrer kann die Schüler nicht dazu bringen, sich selbst zu motivieren.“
Bei der möglichen Aussage des Schülers lässt sich die Gegenfrage stellen: „Warum genau ist das doof? Welche Verbesserungsvorschläge hättest Du?“
Solche und ähnliche Gedanken sollen Inhalt dieser Arbeit sein.
Hierzu soll zunächst ein Überblick über die grundlegenden Begriffe und Zusammenhänge beim Thema Motivation gegeben werden. In einem zweiten Schritt sollen mögliche Ursachen für Motivationsprobleme im Unterricht gesammelt und erläutert werden. Abschließend sollen Lösungsmöglichkeiten dieser Probleme herausgearbeitet werden um sie dann direkt in Bezug zu praktischen Anwendungsmöglichkeiten zu setzen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Grundlagen der Motivationspsychologie
3. Ursachen von Motivationsproblemen im Sportunterricht
3.1 Ursachen auf außerschulischer Ebene
3.2 Ursachen auf institutioneller Ebene
3.3 Ursachen auf Unterrichtsebene
3.4 Ursachen auf Beziehungsebene
3.5 Niedrige Leistungsmotivation
4. Motivationsstrategien
4.1 Motivationsstrategien auf institutioneller Ebene
4.2 Motivationsstrategien auf Unterrichtsebene
4.3 Motivationsstrategien auf Beziehungsebene
4.4 Positive Beeinflussung des Leistungsmotivs
4.5 Motivationsförderung durch eine individuelle Bezugsnorm
5. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Ursachen von Motivationsproblemen im Sportunterricht und erarbeitet darauf aufbauend praxisorientierte Strategien für Lehrkräfte, um die Motivation von Schülern nachhaltig zu fördern und Lernprozesse positiv zu beeinflussen.
- Theoretische Fundierung der Motivationspsychologie
- Differenzierte Analyse von Motivationshemmnissen auf verschiedenen Ebenen
- Bedeutung des Leistungsmotivs und der Kausalattribuierung
- Praktische Motivationsstrategien für den Sportlehrer
- Ansätze zur Motivationsförderung durch individuelle Bezugsnormen
Auszug aus dem Buch
2. Grundlagen der Motivationspsychologie
In diesem Abschnitt soll es darum gehen, für die Arbeit relevante und grundlegende Begriffe der Motivationspsychologie zu definieren und Zusammenhänge zwischen ihnen herzustellen.
Der Begriff Motivation findet häufige Anwendung im Alltag und meint in der Regel etwas in einer Person, das bewirkt, dass diese aus eigenem Antrieb Anstrengung aufbringt um ein Ziel zu erreichen. DeCharms pointiert dies mit der Definition: „Motivation ist so etwas wie eine milde Form der Besessenheit (DeCharmes, zitiert bei Rheinberg/Gold: 2005, S.55).“
Rheinberg definiert Motivation als die „aktivierende Ausrichtung des momentanen Lebensvollzugs auf einen positiv bewerteten Zielzustand“ (Rheinberg: 2004, S. 15).
Alltagsgebräuchliche Vorstellungen vom Begriff der Motivation und wissenschaftliche Definitionen weisen viele Gemeinsamkeiten auf. Jeweils erkennt man etwas, wie eine Bereitschaft, sich intensiv mit einer Sache zu beschäftigen um dadurch einen Zielzustand zu erreichen, den man als wünschenswert ansieht. Weiterhin ist damit in der Regel eine daraus resultierende Handlung zu erkennen (vgl. Rheinberg/Krug: 2005, S. 23).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung thematisiert Motivationsprobleme im Sportunterricht anhand eines konkreten Praxisbeispiels und skizziert das Ziel der Arbeit, diese Probleme theoretisch zu durchdringen und Lösungswege aufzuzeigen.
2. Grundlagen der Motivationspsychologie: Hier werden zentrale Begriffe wie Motivation, intrinsische/extrinsische Motivation und das Motivsystem definiert, um ein Verständnis für die psychologischen Mechanismen hinter Leistungshandlungen zu schaffen.
3. Ursachen von Motivationsproblemen im Sportunterricht: Dieses Kapitel systematisiert mögliche Gründe für mangelnde Motivation, unterteilt in außerschulische, institutionelle, unterrichtsbezogene und beziehungsrelevante Ebenen sowie die Rolle der Leistungsmotivation.
4. Motivationsstrategien: Es werden konkrete pädagogische Handlungsoptionen vorgestellt, um Motivationsproblemen entgegenzuwirken, wobei ein Schwerpunkt auf Mitbestimmung, Zielsetzung und der individuellen Bezugsnorm liegt.
5. Schlussbetrachtung: Das Fazit fasst die theoretischen Erkenntnisse zusammen und betont die Notwendigkeit, dass Lehrer proaktiv eine motivierende Lernumgebung schaffen, in der Schüler zur Selbstmotivation befähigt werden.
Schlüsselwörter
Motivation, Sportunterricht, Motivationsprobleme, Leistungsmotivation, Intrinsische Motivation, Extrinsische Motivation, Fähigkeitsselbstkonzept, Kausalattribuierung, Individuelle Bezugsnorm, Zielsetzung, Sportpädagogik, Lehrerverhalten, Selbststeuerung, Schülermotivation, Erfolgsmotiviertheit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse von Motivationsproblemen im Sportunterricht und zeigt Wege auf, wie Lehrkräfte durch fundierte Strategien die Motivation der Schüler fördern können.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die theoretischen Grundlagen der Motivationspsychologie, die Identifikation von Ursachen für Motivationsmangel und die Anwendung von Motivationsstrategien in der Schulpraxis.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, ein theoretisches Verständnis für Motivationsprozesse zu vermitteln und konkrete Handlungsmöglichkeiten für Lehrer abzuleiten, um den Sportunterricht motivierender zu gestalten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf einer Literaturanalyse basiert, wobei zusätzlich empirische Studien (z.B. zum Risiko-Wahl-Modell oder individuellen Bezugsnormen) herangezogen werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Ursachenanalyse auf verschiedenen Ebenen und die Darstellung praktischer Strategien zur Motivationssteigerung, insbesondere der individuellen Leistungsbewertung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe umfassen Motivation, Sportunterricht, Leistungsmotivation, Kausalattribuierung und individuelle Bezugsnormorientierung.
Welche Rolle spielt die Pubertät bei Motivationsproblemen im Sport?
Die Pubertät wird als kritische Phase identifiziert, in der Jugendlichen oft ihr Körperbild problematisch erscheint, was zu Vermeidungsstrategien im Sportunterricht führen kann.
Warum ist die individuelle Bezugsnorm so wichtig?
Sie ermöglicht es Schülern, ihre Fortschritte an ihrem eigenen Lernzuwachs statt am sozialen Vergleich zu messen, was die Motivationsstärke maximiert und die Angst vor Misserfolg reduziert.
- Quote paper
- Stefan Reuter (Author), 2005, Motivationsprobleme im Sportunterricht, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/112583