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Interindividuelle Unterschiede in der Emotionsentwicklung - Eine bindungstheoretische Perspektive

Title: Interindividuelle Unterschiede in der Emotionsentwicklung - Eine bindungstheoretische Perspektive

Examination Thesis , 2008 , 67 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Lena Linden (Author)

Psychology - Developmental Psychology
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Im Verlauf der menschlichen Ontogenese erwirbt der zunächst noch unreife Säugling zahlreiche Fähigkeiten, Strategien und Verhaltensweisen, welche ihm eine gelungene Interaktion mit der Umwelt erleichtern und nicht zuletzt sein Überleben sichern. Viele dieser Entwicklungsschritte sind genetisch vorgegeben, andere werden, vollständig oder auch nur teilweise, durch die Interaktion mit anderen Menschen in dyadischen oder Gruppenstrukturen erworben. Eine zentrale Entwicklungsaufgabe, die sich dem jungen Menschen stellt, ist der Aufbau eines funktionalen Emotionssystems. Im Zuge der emotionalen Entwicklung lernt der Mensch, seine Emotionen auszudrücken und sie zu benennen, er erwirbt die Fähigkeit zur Emotions- und Handlungsregulation und baut mit zunehmendem Alter ein immer komplexeres Emotionswissen auf. Jedoch gelingt nicht allen Menschen die Erfüllung dieser Entwicklungsaufgabe im gleichen Maße. Während einige Menschen emotionsgenerierende Situationen realistisch bewerten und ihre Emotionen dazu nutzen können, die gegebenen Umstände durch gezielte Handlungen ihren Zielen und Motivationen dienlich zu beeinflussen, sind andere zu einer solch objektiven Situationsanalyse und situationsspezifischen, flexiblen Handlungen nicht in der Lage. Zudem sind nicht alle Menschen in gleicher Weise zu der effektiven Regulation ihrer Emotionen fähig. Ebenso treten Unterschiede in der Qualität und Organisation des deklarativen Emotionswissens auf.

Es stellt sich daher die Frage, welche Ursachen diesen interindividuell verschiedenen Entwicklungsverläufen und -ausgängen zugrunde liegen. Basis für eine Erklärung dieser Unterschiede kann selbstverständlich nur eine Theorie der ontogenetischen Emotionsentwicklung sein. Die Bindungstheorie, welche auf die Erforschung der engen Bindungsbeziehung zwischen Kind und Bezugsperson, sowie deren Folgen im Verlauf der Ontogenese fokussiert, bietet einen interessanten Ansatz zur Erklärung solcher interindividuellen Unterschiede in der Emotionsentwicklung. Im Rahmen der Bindungsforschung konnten verschiedene Interaktionsmuster von Mutter-Kind Dyaden identifiziert werden, welche sich mit bestimmten Tendenzen in der emotionalen Entwicklung in Verbindung bringen lassen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

I. Emotionen

1.1 Paradigmata der Emotionsforschung

1.2 Emotions- und Handlungsregulation

1.3 Die emotionale Entwicklung

1.3.1 Im Säuglings- und Kleinkindalter

1.3.2 Im Kleinkind- und Vorschulalter

1.3.3 Im Schulalter

1.3.4 Im Jugendalter

1.4 Interindividuelle Unterschiede in der Emotions- und Handlungsregulation

II. Die Bindungstheorie

2.1 Die Entstehung der Bindungstheorie

2.1.1 John Bowlby

2.1.2 Bindungstheorie und Psychoanalyse

2.1.3 Ethologische Einflüsse

2.2 Die Bindungstheorie

2.2.1 Bindungs- und Explorationsverhalten

2.2.2 Unterschiedliche Bindungsmuster in der „Fremden Situation“

2.2.3 Das Konzept der „inneren Arbeitsmodelle“

2.2.4 Ursachen für die Ausbildung unterschiedlicher Bindungsqualitäten

III. Bindungstheorie und Emotionsentwicklung

3.1 Innere Arbeitsmodelle und emotionale Entwicklung

3.2 Bindungsspezifische Emotionsentwicklung

3.2.1 Sicher gebundene Kinder und Jugendliche

3.2.2 Unsicher-ambivalent gebundene Kinder und Jugendliche

3.2.3 Unsicher-vermeidend gebundene Kinder und Jugendliche

IV. Implikationen für die psychologische Praxis

V. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht den bindungstheoretischen Erklärungsansatz für die Entstehung interindividueller Unterschiede in der Emotionsentwicklung von Kindern und Jugendlichen, wobei der Fokus auf dem Einfluss früher Bindungserfahrungen auf die Emotions- und Handlungsregulation liegt.

  • Interaktion zwischen Bindungstheorie und Emotionsentwicklung
  • Funktion und Entwicklung innerer Arbeitsmodelle
  • Einfluss der elterlichen Feinfühligkeit und des kindlichen Temperaments
  • Zusammenhänge zwischen Bindungsmustern und Regulationsstrategien
  • Implikationen für die psychologische Praxis und Präventionsmaßnahmen

Auszug aus dem Buch

1.3 Die emotionale Entwicklung

Emotionsforscher haben in den vergangenen Jahrzehnten verschiedenste Theorien zur emotionalen Entwicklung im Verlauf der Ontogenese entwickelt, welche sich zum Teil beträchtlich in den angenommenen Einflüssen von genetischen Anlagen und Umwelteinflüssen unterscheiden. Manfred Holodynski schlägt ein „Internalisierungsmodell der Emotionsentwicklung“ vor, welches die drei genannten Forschungsparadigma verbindet und sowohl Aspekte intrapsychischer als auch interpsychischer Emotionstheorien berücksichtigt. Somit verbindet diese Theorie viele grundlegende Annahmen der Emotionsforschung und schließt biologische wie auch soziale bzw. kulturelle Aspekte mit ein. Dieser Ansatz wurde auch deshalb gewählt, weil er einige Basisannahmen, besonders bezüglich der ontogenetischen Bedeutung früher Interaktionen zwischen Säugling und primärer Bezugsperson, mit der Bindungstheorie teilt.

Dem Internalisierungsmodell entsprechend findet im Laufe der Ontogenese eine Internalisierung dyadischer Kommunikation statt: eine Entwicklung von der dyadischen interpsychischen Emotionsregulation zur autonomen intrapsychischen Emotionsregulation. Manfred Holodynski unterscheidet fünf Phasen der ontogenetischen Entwicklung, wobei jede dieser Phasen durch spezifische Entwicklungsaufgaben charakterisiert wird. Da der Fokus dieser Arbeit auf der frühen dyadischen Kommunikation und der daraus resultierenden Entwicklung im Kindes- und Jugendalter liegt und auch Holodynski in seinem Modell bislang noch stark auf die Emotionsentwicklung in der Kindheit fokussiert, werden im Folgenden besonders die ersten vier Phasen der ontogenetischen Emotionsentwicklung beschrieben. Die emotionale Entwicklung vollzieht sich selbstverständlich nicht isoliert, sondern steht mit der kognitiven und sozialen Entwicklung in Verbindung und sollte somit als Teil der Entwicklung einer umfassenden Verhaltensorganisation verstanden werden.

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Einführung in die Problematik interindividueller Unterschiede in der Emotionsentwicklung und Vorstellung des bindungstheoretischen Ansatzes.

I. Emotionen: Darstellung verschiedener Paradigmen der Emotionsforschung sowie der Mechanismen der Emotions- und Handlungsregulation im Entwicklungsverlauf.

II. Die Bindungstheorie: Überblick über die Entstehung der Bindungstheorie durch John Bowlby und die zentralen Konzepte wie Bindungsverhalten und innere Arbeitsmodelle.

III. Bindungstheorie und Emotionsentwicklung: Analyse des Zusammenhangs zwischen Bindungsmustern, inneren Arbeitsmodellen und der spezifischen Emotionsentwicklung bei Kindern und Jugendlichen.

IV. Implikationen für die psychologische Praxis: Diskussion der Bedeutung sicherer Bindung als Schutzfaktor und Vorstellung von Interventionsmaßnahmen zur Verbesserung der Bindungsqualität.

V. Fazit: Zusammenfassung der Kernergebnisse zur Rolle der Bindung für die emotionale Kompetenz und Ausblick auf weiteren Forschungsbedarf.

Schlüsselwörter

Bindungstheorie, Emotionsentwicklung, Emotionsregulation, Handlungsregulation, Innere Arbeitsmodelle, Feinfühligkeit, Bindungsmuster, Fremde Situation, Ontogenese, Interaktionsmuster, Kindheit, Jugendalter, Bindungsrepräsentation, Psychologische Praxis, Prävention.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert, wie Bindungserfahrungen zwischen Kind und Bezugsperson die individuelle Entwicklung von Emotionen und die Fähigkeit zur Emotionsregulation beeinflussen.

Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?

Die Arbeit verknüpft die Bindungstheorie mit der Emotionsforschung, untersucht den Einfluss mütterlicher Feinfühligkeit sowie des Kindertemperaments und beleuchtet verschiedene Bindungsmuster über die Lebensspanne.

Was ist das primäre Ziel oder die zentrale Forschungsfrage?

Ziel ist es, den bindungstheoretischen Erklärungsansatz für interindividuelle Unterschiede in der Emotions- und Handlungsregulation darzustellen und zu zeigen, wie sich diese Unterschiede durch dyadische Interaktionsgeschichten manifestieren.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf einer umfassenden Literaturanalyse und der Zusammenführung aktueller psychologischer Forschungsergebnisse basiert.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die theoretischen Grundlagen der Emotionsforschung und Bindungstheorie sowie die detaillierte Analyse der bindungsspezifischen Emotionsentwicklung, differenziert nach sicheren und verschiedenen unsicheren Bindungsmustern.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit ist zentral durch Begriffe wie "Bindungssicherheit", "Interne Arbeitsmodelle", "Emotionsregulation", "Feinfühligkeit" und "Ontogenese" definiert.

Was besagt das Konzept der "inneren Arbeitsmodelle" in dieser Arbeit?

Es beschreibt mentale Repräsentationen, die Kinder aus ihren Bindungserfahrungen konstruieren; diese dienen als unbewusste "Regeln" zur Organisation der Aufmerksamkeit und zur Steuerung des emotionalen Verhaltens in zukünftigen Situationen.

Wie unterscheidet sich die Emotionsregulation bei sicher vs. unsicher gebundenen Kindern?

Sicher gebundene Kinder nutzen die Bindungsbeziehung als "sichere Basis" zur Regulation und zeigen eine höhere Kompetenz im Umgang mit Emotionen, während unsicher gebundene Kinder oft ineffektive Strategien entwickeln oder ihre Emotionen unterdrücken müssen.

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Details

Title
Interindividuelle Unterschiede in der Emotionsentwicklung - Eine bindungstheoretische Perspektive
College
University of Cologne  (Institut III, Humanwissenschaftliche Fakultät)
Grade
1,0
Author
Lena Linden (Author)
Publication Year
2008
Pages
67
Catalog Number
V112597
ISBN (eBook)
9783640128709
ISBN (Book)
9783640130184
Language
German
Tags
Interindividuelle Unterschiede Emotionsentwicklung Eine Perspektive bindungstheorie john bowlby ainsworth unsicher-vermeidend unsicher ambivalent bindungsmuster
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Lena Linden (Author), 2008, Interindividuelle Unterschiede in der Emotionsentwicklung - Eine bindungstheoretische Perspektive, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/112597
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