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Zum Begriff von Macht und Gewalt bei Hannah Arendt

Title: Zum Begriff von Macht und Gewalt bei Hannah Arendt

Term Paper , 2002 , 20 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Patrick Nitsch (Author)

Politics - Political Theory and the History of Ideas Journal
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ZUM BEGRIFF VON MACHT UND GEWALT BEI HANNAH ARENDT

EINLEITUNG

„Es gibt nämlich keine wissenschaftliche Disziplin, deren spezifisches Objekt die Natur, der Ursprung und die Ausübung der Macht ist, obwohl dieses Phänomen seit langem die Überlegungen der großen Denker angeregt hat“(1).

Als Arendt die wichtigsten politischen Theoretiker der Neuzeit studierte, kam sie zu dem Ergebnis, dass es von Links bis Rechts eine Übereinstimmung gäbe, dass Macht und Gewalt dasselbe wären, oder sogar dass „Gewalt nichts weiter ist als die eklatanteste Manifestation von Macht“(2). Im Gegenteil dazu will sie aber auf eine ganz andere Tradition hinweisen, nämlich auf die griechische Polis und die römische Res publica(3), denen ein ganz anderer Machtbegriff vorschwebte.
Die Hauptintention, die man bei Arendt zu einer klaren Definition des Begriffs der Macht ausformuliert findet, ist die Kritik an der politischen Wissenschaftler, die die Begriffe Macht, Stärke, Kraft, Autorität, Gewalt nicht gut trennt. Das resultiert nach Arendt aus einer theoretischen Überzeugung heraus, dass die einzige wichtige Frage in der Politik die nach der Herrschaft Wessen über Wen sei, und nur noch die dazu erforderlichen Mittel weiteres Interesse haben. Die Vermischung dieser Begriffe führt dazu, auch die Begriffe von Macht und Gewalt zu vermischen. Gewalt ist nach ihr nie als eigenständiges Phänomen betrachtet worden. Dies ist der Grund, warum „die Probleme der Gewalt (...) immer noch sehr dunkel“(4)sind.
Hannah Arendt wollte diese Probleme der Gewalt „heller“ machen. Dafür versucht sie, die Begriffe Macht, Stärke, Kraft, Autorität und Gewalt(5)zu klären, um besonders die zwei Begriffe der Macht und der Gewalt stark zu unterscheiden. Mit ihrem auf Theorie beruhenden Verständnis des Verhältnisses der Macht und der Gewalt als „absolute Gegensätze“ trennt sich Arendt scharf von den traditionellen Denkern wie Max Weber.
In der Praxis sind aber Macht und Gewalt nicht so stark getrennt, und Arendt gibt selbst zu, dass sie fast nie in ihrer Reinheit zu finden sind, und dass sie öfters zusammen auftreten. [...]
____
1 Lefort, S. 25, von mir übersetzt.
2 Arendt, S. 36.
3 Arendt, S. 41.
4 Sorel, zitiert nach Arendt, S. 36.
5 Arendt, S. 45 ff.

[...]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

EINLEITUNG

I. DER BEGRIFF DER MACHT: INWIEFERN UNTERSCHEIDET SICH ARENDTS „VERSTEHEN DER MACHT“ VON DEM DER TRADITIONELLEN DENKER (WIE WEBER)

A. DIE TRADITIONELLEN MACHTBEGRIFFE

B. ARENDTS BEGRIFF DER MACHT

II. DAS VERHÄLTNIS VON MACHT UND GEWALT BEI HANNAH ARENDT

A. MACHT UND GEWALT ALS „ABSOLUTE GEGENTEILE“

B. DAS VERHÄLTNIS ZWISCHEN MACHT UND GEWALT IN DER PRAXIS

III. INWIEFERN SIND ARENDTS UND WEBERS BEGRIFFE DER MACHT UND DER GEWALT NICHT SO ENTFERNT VONEINANDER

SCHLUSS

Zielsetzung und Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das Verhältnis von Macht und Gewalt bei Hannah Arendt im Kontrast zu traditionellen staatstheoretischen Ansätzen, insbesondere denen von Max Weber. Das Ziel ist es, Arendts strikte begriffliche Trennung von Macht als kommunikativem Vermögen einer Gruppe und Gewalt als instrumentalem Mittel kritisch zu hinterfragen und zu prüfen, inwieweit diese Gegensätze in der politischen Realität tatsächlich bestehen.

  • Die begriffliche Differenzierung von Macht, Gewalt, Autorität und Stärke.
  • Gegenüberstellung des Arendt’schen Machtbegriffs mit klassischen, transitiven Machtmodellen.
  • Die Analyse der instrumentalen Natur von Gewalt und ihre Abgrenzung zur Macht.
  • Das Spannungsfeld zwischen theoretischer Begriffsreinheit und praktischer Vermischung in der Politik.

Auszug aus dem Buch

B. ARENDTS BEGRIFF DER MACHT

Bei Hannah Arendt existiert Macht nur als wirksame Macht. Sie versteht Macht als ein kommunikatives Vermögen, und nicht als etwas individuelles. „Macht entspricht der menschlichen Fähigkeit, nicht nur zu handeln oder etwas zu tun, sondern sich mit anderen zusammenzuschließen und im Einvernehmen mit ihnen zu handeln“ . Das heißt, dass über Macht niemals ein Einzelner verfügt, da Macht im Besitz einer Gruppe ist, und nur solange existieren kann, wie diese Gruppe zusammenhält. Ohne ein Volk oder eine Gruppe gibt es also keine Macht, da es diese Gruppe ist, die ihre Macht dem Machthaber verleiht. Macht stammt also aus einer Gruppe (potestas in populo) und ist von niemand besetzt, da sie zwischen Menschen entsteht, wenn sie zusammen handeln, und verschwindet, sobald die Gemeinsamkeit vergeht. Macht ist nach Arendt prinzipiell ein Phänomen menschlicher Kommunikation und Interaktion. Auch Lefort schreibt: „Macht gehört zur Gemeinschaft der Bürgern“.

Dieser einvernehmliche Zusammenschluss und die Gemeinsamkeit des Handelns sind zwei Elemente, die für Arendts Verständnis von Macht als gesellschaftliches Vermögen (im Unterschied zu Macht als Verfügungsgewalt) konstitutiv sind. Macht ist also nicht etwas, was man macht, sondern immer ein Machtpotential und nicht etwas, wie Kraft oder Stärke, das man messen oder verlassen kann. Nach ihr sollte man über „Stärke“ statt „Macht“ sprechen, wenn es sich um individuelle Fähigkeiten handelt. Wenn es von einem Einzelnen gesagt wird, dass er Macht hat, ist es nur in einem metaphorischen Sinn zu verstehen, und bedeutet, dass er von einer Gruppe „ermächtigt“ worden ist, „in ihrem Namen zu handeln“.

Zusammenfassung der Kapitel

EINLEITUNG: Die Einleitung umreißt die Motivation der Arbeit, das oft undifferenzierte Verständnis von Macht und Gewalt bei politischen Theoretikern durch eine präzise Untersuchung der Arendt’schen Konzepte zu klären.

I. DER BEGRIFF DER MACHT: INWIEFERN UNTERSCHEIDET SICH ARENDTS „VERSTEHEN DER MACHT“ VON DEM DER TRADITIONELLEN DENKER (WIE WEBER): Dieses Kapitel analysiert Webers transitiven Machtbegriff, der auf Zwang und Gehorsam beruht, und kontrastiert ihn mit Arendts Definition, die Macht als kollektives, konsensbasiertes Handeln begreift.

II. DAS VERHÄLTNIS VON MACHT UND GEWALT BEI HANNAH ARENDT: Der Autor untersucht hier Arendts Einstufung von Macht und Gewalt als absolute Gegensätze und diskutiert, warum Gewalt als instrumentales Mittel stets die Abwesenheit oder den Verlust von Macht signalisiert.

III. INWIEFERN SIND ARENDTS UND WEBERS BEGRIFFE DER MACHT UND DER GEWALT NICHT SO ENTFERNT VONEINANDER: Das Kapitel hinterfragt die vermeintliche Unvereinbarkeit beider Denker und legt dar, dass in der politischen Praxis beide Ansätze ineinandergreifen können.

SCHLUSS: Die Zusammenfassung resümiert, dass Arendts strikte Trennung zwar theoretisch scharf, in der Realität jedoch aufgrund der ständigen Vermischung von Macht und Gewalt nur bedingt anwendbar ist.

Schlüsselwörter

Hannah Arendt, Max Weber, Macht, Gewalt, Herrschaft, Politik, Konsens, Gehorsam, Machtverlust, politische Theorie, kollektives Handeln, Kommunikation, Legitimität, Staatstheorie, Gewaltmonopol.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht das Verständnis von Macht und Gewalt bei Hannah Arendt und vergleicht dieses mit klassischen, insbesondere Weberschen Ansätzen, um die begriffliche Unschärfe in der politischen Wissenschaft zu analysieren.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Felder sind die Unterscheidung zwischen Macht als kommunikativem Potenzial einer Gruppe und Gewalt als instrumentellem Zwangsmittel, sowie die Rolle der Legitimität und des Gehorsams in staatlichen Systemen.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?

Das Ziel ist es, Arendts These zu prüfen, dass Macht und Gewalt absolute Gegensätze darstellen, und zu ergründen, ob diese strenge Trennung der Realität politischen Handelns standhält.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine theoretische Analyse und Literaturarbeit, in der Originaltexte von Arendt und Weber sowie Sekundärliteratur vergleichend gegenübergestellt werden.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die methodische Differenzierung der Machtbegriffe, die Erörterung des Verhältnisses von Macht und Gewalt bei Arendt und die anschließende kritische Synthese beider Denker.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Macht, Gewalt, Konsens, Herrschaft und Kommunikation charakterisiert.

Inwiefern unterscheidet sich die Auffassung von Macht bei Weber und Arendt?

Während Weber Macht als die Fähigkeit definiert, den eigenen Willen gegen Widerstand durchzusetzen (transitiv), sieht Arendt Macht als eine zwischen Menschen entstehende Eigenschaft, die auf gemeinsamem Handeln und Einvernehmen basiert (intransitiv).

Welche Bedeutung kommt dem Begriff "Gewalt" bei Arendt zu?

Gewalt ist für Arendt rein instrumental. Sie fungiert als Mittel zum Zweck, ist jedoch niemals legitim. Ihr Auftreten deutet für Arendt stets auf den Verlust von tatsächlicher Macht hin.

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Details

Title
Zum Begriff von Macht und Gewalt bei Hannah Arendt
College
University of Freiburg  (Seminar für wissenschaftliche Politik)
Course
Staatstheorie
Grade
1,0
Author
Patrick Nitsch (Author)
Publication Year
2002
Pages
20
Catalog Number
V11259
ISBN (eBook)
9783638174657
ISBN (Book)
9783640856565
Language
German
Tags
Harendt Macht Gewalt
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Patrick Nitsch (Author), 2002, Zum Begriff von Macht und Gewalt bei Hannah Arendt, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/11259
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