Dieses kurze Essay soll den Versuch unternehmen, sich dem von Wittgenstein gewählten Begriff des "Sprachspiels" anzunähern und diesen anhand von Beispielen verdeutlichen.
Hierzu sollte erwähnt werden, dass Wittgenstein jenen Begriff nicht definiert. Nein, er umreißt ihn, in dem er keine klare Grenze zieht, welche das „Sprachspiel“ etwa von dem Begriff der Sprache oder dem des Gesprächs absondert. Würde Wittgenstein einem jeden Begriff eine Bedeutung zuordnen, resultierte daraus eine Aufspaltung seiner eigenen Philosophie. Er zerlege sie in scheinbar eindeutig belegte Begriffe. Der Interpret jedoch soll Wittgensteins Anspruch auf das Wesentliche verstehen und den roten Faden erkennen, anhand dessen er das Werk untersucht. Die zahlreichen unterschiedlichen Bezüge des Sprachspiels auf unterschiedliche Situationen, Beispiele und Lebensformen zeigen, dass das Sprachspiel mit seinen umfangreichen Schattierungen, mit einer klaren Definition nicht erfasst werden können. Wittgenstein untersucht diese Nuancen aus möglichst vielen Blickwinkeln. Was sich in den Paragraphen der PU widerspiegelt, welche immer wieder vom Sprachspiel handeln und sich aufeinander beziehen. [...]
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Augustinische Sprachauffassung und Wittgensteins Kritik
3. Das Konzept der Familienähnlichkeit
4. Vergleich mit Ferdinand de Saussure
5. Sprachspiel und Lebensform
6. Synthese: Sprache als komplexes System von Sprachspielen
7. Resümee
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Das Ziel dieses Essays ist die Annäherung an den zentralen Begriff des „Sprachspiels“ in Ludwig Wittgensteins „Philosophischen Untersuchungen“, um das Wesen und die Funktionsweise menschlicher Sprache sowie deren Erwerb und Gebrauch zu erörtern.
- Kritische Auseinandersetzung mit der Augustinischen Sprachauffassung
- Analyse des Begriffs der Familienähnlichkeit zur Erklärung sprachlicher Nuancen
- Vergleich der Sprachauffassung Wittgensteins mit dem Modell von Ferdinand de Saussure
- Untersuchung des Zusammenhangs zwischen Sprachspiel und Lebensform
- Betrachtung der kreativen Weiterentwicklung sprachlicher Kompetenz im Kontext
Auszug aus dem Buch
Die Augustinische Sprachauffassung
Werden, lässt Wittgenstein seine PU mit einem Zitat von Augustinus aus den Konfessionen beginnen. In jener Passage beschreibt der Kirchenvater, wie er selbst als Kind seine ersten Wörter erlernt habe. Nach Augustinus ist jedes Wort mit einer Bedeutung belegt, die ein Kind anhand von hinweisenden Erklärungen erlernt. Der Lehrer deutet auf einen Gegenstand und sagt beispielweise „Tisch!“. Durch mehrmaliges Wiederholen der hinweisenden Erklärung in verschiedenen Situationen, lernt das Kind schließlich die Bedeutung des Wortes „Tisch“.
Dementsprechend lässt sich zum einen bemerken, dass die primäre Funktion der Sprache, die von der Augustinischen Sprachauffassung offenbar impliziert wird, in der Wirklichkeit beziehungsweise in der Bezeichnung von Alltagsgegenständen liegt. Zum anderen wird gemäß diesem Konzept der Erwerb einer Sprache durch kognitive Leitungen ermöglicht, durch welche die „Sprach-Welt-Verbindungen“ geistig erfasst werden.
Dieser Überzeugung steht Wittgenstein kritisch gegenüber. Er lässt das hinweisende Erklären zwar manchmal als Sprachspiel durchgehen, wie in dem augustinischen Beispiel. Bennent in diesem Fall das Sprachspiel aber als einfachste und offenkundigste Form und wird von Wittgenstein als „primitiven Sprache“ bezeichnet. Er wehrt sich aber vehement dagegen, dass ein Mensch auf diese Weise seine Muttersprache erlernt. Denn Worte haben die Eigenschaft mehrere Bedeutungen und Funktionen aufzuweisen und können dadurch auch auf verschiedene Weisen verwendet werden. Dies setzt voraus, dass ein Sprecher sich im Klaren darüber sein muss, wie der Gebrauch einer Definition funktioniert und wie sich diese auf eine bestimmte Situation bezieht.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in das Vorhaben, sich dem Begriff des „Sprachspiels“ bei Wittgenstein anzunähern, ohne eine starre Definition zu erzwingen.
2. Die Augustinische Sprachauffassung und Wittgensteins Kritik: Darstellung des Modells des hinweisenden Lernens bei Augustinus und Wittgensteins Ablehnung dieses Modells als alleinige Erklärung für den Spracherwerb.
3. Das Konzept der Familienähnlichkeit: Erläuterung, wie Begriffe keine festen Grenzen haben, sondern durch überlappende Ähnlichkeiten in einem „Netz“ verbunden sind.
4. Vergleich mit Ferdinand de Saussure: Gegenüberstellung von Wittgensteins Sprachspiel mit dem Schach-Modell von Saussure hinsichtlich der Regeln und der Sprechsituation.
5. Sprachspiel und Lebensform: Diskussion der Einbettung von Sprache in konkrete Lebensformen und der Bedeutung dieser Wechselwirkung für die Sprachverwendung.
6. Synthese: Sprache als komplexes System von Sprachspielen: Zusammenführung der verschiedenen Aspekte zu einer Sichtweise der Sprache als ein aus vielen Sprachspielen zusammengesetztes Ganzes.
7. Resümee: Zusammenfassende Betrachtung der Entwicklung sprachlicher Kompetenz vom einfachen „Grundgerüst“ hin zur komplexen Kommunikation.
Schlüsselwörter
Ludwig Wittgenstein, Philosophische Untersuchungen, Sprachspiel, Augustin, Familienähnlichkeit, Sprache, Lebensform, Ferdinand de Saussure, Kommunikation, Sprachphilosophie, Bedeutung, Regelgebrauch, Spracherwerb, Kontext, Begriffe.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Der Essay befasst sich mit dem zentralen Begriff des „Sprachspiels“ aus Ludwig Wittgensteins Werk „Philosophische Untersuchungen“.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit thematisiert den Spracherwerb, die Bedeutung sprachlicher Ausdrücke, den Einfluss von Kontext auf Kommunikation und die Beziehung zwischen Sprache und Lebensform.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, den Begriff des „Sprachspiels“ durch die Analyse verschiedener Paragraphen aus Wittgensteins Werk besser zu verstehen und seine Rolle für das menschliche Sprachvermögen aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die interpretative Analyse der „Philosophischen Untersuchungen“ sowie den vergleichenden Bezug zu sprachphilosophischen Modellen, wie dem von Ferdinand de Saussure.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden Wittgensteins Kritik an Augustinus, das Konzept der Familienähnlichkeit, der Vergleich mit Saussures Schachspiel-Modell sowie die Vernetzung von Sprachspiel und Lebensform detailliert diskutiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kernbegriffe sind Sprachspiel, Familienähnlichkeit, Lebensform, Wittgenstein, Sprache, Kommunikation und Sprachphilosophie.
Warum lehnt Wittgenstein das Augustinische Modell des Spracherwerbs ab?
Er argumentiert, dass das hinweisende Erklären nicht ausreicht, da ein Kind bereits über ein Sprachverständnis verfügen muss, um Definitionen im richtigen Kontext anwenden zu können.
Wie unterscheidet sich Wittgensteins Begriff des „Sprachspiels“ vom Schachspiel bei Saussure?
Während beide das Spiel als Analogie nutzen, betont Wittgenstein stärker die Dynamik, Kreativität und die Einbettung in unzählige, veränderbare Lebensformen gegenüber festen Regelsystemen.
Was bedeutet „Familienähnlichkeit“ in diesem Kontext?
Es beschreibt, dass Begriffe keinen gemeinsamen Kern haben, sondern wie in einer Familie durch viele überschneidende Ähnlichkeiten in einem komplizierten Netz verbunden sind.
Inwiefern ist das Sprachspiel mit einer Lebensform verknüpft?
Sprache ist für Wittgenstein in Tätigkeiten und Lebensformen eingebettet; eine Sprache vorzustellen bedeutet somit auch, sich eine bestimmte Lebensform vorzustellen.
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- Anonym (Author), 2020, Über Ludwig Wittgenstein und das "Sprachspiel", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1126167