Auslandsberichterstattung: "Das Eigene und das Fremde"

Mediale Stereotypisierung in der inter- und transnationalen Berichterstattung


Hausarbeit (Hauptseminar), 2005

36 Seiten, Note: 1,5


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Sozialpsychologische Dimension: Terminologie der Einstellungsforschung
2.1 Definition Image/ Bild
2.2 Nationenimage bzw. Nationenbild
2.3 Definition Stereotyp
2.4 Definition Vorurteil
2.5 Definition Feindbild

3. Kommunikationswissenschaftliche Dimension: Auslandsberichterstattung
3.1 Begriffliche Abgrenzungen: Auslands-; Reise-; Geo-Journalismus
3.2 Einflussfaktoren der Auslandsberichterstattung
3.2.1 Medieninstitutionen: Nachrichtenagenturen
3.2.2 Medienakteure: Korrespondenten
3.2.3 Zusammenarbeit von Korrespondenten und Gastland-Kollegen
3.3 Nachrichtenwerte in den Medien

4. Empirische Inhaltsanalyse

5. Fazit und Ausblick

Literaturverzeichnis

Anhang

1. Einleitung

"Was wir über unsere Gesellschaft, ja über die Welt, in der wir leben, wissen, wissen wir durch die Massenmedien" behauptet Luhmann (1996). Nicht nur viel von dem, was wir über unsere eigene Gesellschaft wissen, erfahren wir durch Medienberichte, sondern vor allem das, was wir über andere Länder und Kulturen wahrnehmen. Weil uns aufgrund der Distanz fast immer die Primärerfahrung über andere Völker, Länder und Kulturen fehlt, sind Stereotype in der Auslandsberichterstattung häufig. Wir nehmen verschiedene Länder auf eine ganz eigene, charakteristische Weise wahr. Es gibt zwar auf der einen Seite zahlreiche Erkenntnisse zum Thema `Medienimages´[1], auf der anderen Seite ist laut Hafez (2002, 178) bisher noch "keine homogene Theorie internationaler und interkultureller Darstellungsprozesse formuliert worden", obwohl wiederholt auf Mängel im Nachrichtenfluss zwischen Entwicklungsländern hingewiesen wurde.

Im Folgenden sollen Strukturen und Einflussfaktoren der Auslandsberichterstattung aufgezeigt werden, die zur Entstehung von Bildern über Länder beitragen. Die Arbeit steht unter der Fragestellung, wie Auslandsberichterstattung funktioniert und unter welchen Faktoren ein Bild vom `Anderen´ entstehen kann.

Zunächst werden die Begriffe der Einstellungsforschung definiert; danach wird die Meso- und die Mikroebene der Auslandsberichterstattung eingegangen, der Frage also, wer für die Stereotypisierung verantwortlich sein kann. Die Makroebene, also die gesellschaftlichen Normen, Werte und die Gesellschaft allgemein wird aufgrund der Themenspezialisierung nicht referiert. Abschließend wird auf das Problem der Verzerrung in der Berichterstattung eingegangen. Die Arbeit soll über die Art und Weise und die allgemeinen Faktoren der Stereotypisierung Aufschluss geben.

2. Sozialpsychologische Dimension: Terminologie der Einstellungsforschung

Das ` Eigene ´ und das ` Fremde ´ werden oft als absolute Gegensatzpaare dargestellt. Die Sozialisation des Menschen determiniert, welche Informationen in das menschliche kognitives System adaptiert werden. Je nach Lebensraum und sozialem Umfeld werden die ersten aufgenommenen Informationen als Normalität (als das Eigene) konstituiert. Eine unilineare Sichtweise auf das Eigene (Gesellschaft, Nation, Kultur etc.) und das Fremde, mit der sich die so genannte Xenologie beschäftigt, betont vor allem die Differenzen - vor allem sichtbar in der Historie der Kolonialvölker, die sich als etwas Besseres, Entwickelteres sahen. Heute lösen sich diese Strukturen in manchen Bereichen weitgehend auf. Das Fremde wird einerseits als gefährlich und bedrohend charakterisiert, anderseits hat es eine gewisse Anziehungskraft (Exotik). Die andere Seite hält dem Eigenen einen Spiegel vor - die eigenen Schwächen werden sichtbar, Hass entsteht.

Die Begriffe des ` Eigenen ´ und des ` Fremden ´ sind nach Ansicht Kleinsteubers (1997, 208ff.) keine absoluten, sondern relative Begriffe. In der Wissenschaft existieren verschiedene Termini, die aus unterschiedlichen Disziplinen heraus versuchen, die Konstitution des Fremden zu definieren. Eine Abgrenzung der Begriffe `Bild´, `Image´ und `Stereotyp´ ist gleichfalls notwendig, damit diesen Kategorien im Verlauf der Studie weitergehend gearbeitet werden soll, als auch schwierig. Die Termini werden sowohl im allgemeinen Sprachgebrauch verwendet, dort häufig synonym, als auch in der Wissenschaft.

Über die Differenzierung zwischen den Ausdrücken ` Image ´, ` Stereotyp ´ und ` Vorurteil ´ besteht nach Bassewitz (1990, 16) kein wissenschaftlicher Konsens. Auf der Grundlage der bisherigen Theorien sollen die Ausdrücke präzisiert werden. Dabei wird auf die Aspekte Definition, Komponenten, Merkmale, Funktionen und Entstehung eingegangen, wie sie auch von Nafroth (2002, 28) vorgenommen wurde.

2.1 Definition Image/ Bild

Die Begriffe `Image´ und `Bild´ werden am häufigsten synonym verwendet. Im Folgenden wird häufig Böhme-Dürr (2000) zitiert, die unter den Begriff `Image´ zusammenfasst, was auch für den Begriff `Bild´ gilt. In dieser Arbeit wird die Autorin, solange sie ihre eigene Meinung wiedergibt, über den Begriff `Bild´ sprechen, wenn allerdings Textstellen von Böhme-Dürr zitiert werden, wird auf ihre Sprache zurückgegriffen, d.h. von `Image´ gesprochen. Der Begriff `Image´[2] taucht in verschiedenen Disziplinen auf: In den Wirtschaftswissenschaften werden Images für Produkte (Waren, Marken, Personen, Institutionen etc.) mit der Anknüpfung an Bekanntes kreiert (vgl. Böhme-Dürr 2000, 33). Die Politikwissenschaft nutzt den Begriff der Nationenbilder bzw. -images, um sich auf Prozesse der öffentlichen Meinung zu beziehen.

Der Begriff stammt aus dem betriebswirtschaftlichen Marketing, der Absatzwirtschaft und der Wirtschaftspsychologie, die davon ausgehen, dass Images über Produkte recht leicht zu formende oder korrigierende Entitäten in den Köpfen von Menschen sind. In den 50er Jahren wurde dieser Begriff von Kenneth E. Boulding (1956) disziplinübergreifend definiert. Seine Unterscheidung von verschiedenen Image-Typen dient der Wissenschaft heute zur Differenzierung von Publikums- und Medienimages (Wernecken 2000: 117f).

Besonders wichtig ist das Bild aber für die Kommunikations-, speziell für die PR-Wissenschaft. Nach Böhme-Dürr (2000, 35) generieren Medien Images und erhalten diese. Diese medienvermittelten Images würden dadurch gestärkt, dass es allgemein akzeptierte Nachrichtenfaktoren gäbe, die eine immer gleiche Auswahl von Personen, Orten und Ereignissen wahrscheinlich machten. Etymologisch stammt die Terminologie aus dem lateinischen `Imago´ (`Bild´). In englischen Lexika des 18. Jahrhunderts bezog sich der Begriff auf ein rhetorisch bildhaften Ausdruck, einen Wandteppich, Skulpturen oder Gemälde mit abgebildeten Objekten oder Naturgegenständen (vgl. Böhme-Dürr, 2000, 27f.). Böhme-Dürr stellt fest, dass ein Image ein aktiv und subjektiv hergestellter Urteilsvergleich ist, der über verbale oder nonverbale Symbole vermittelt werden kann (2000, 28) und sich im Gegensatz zu Stereotypen auf Personen(-gruppen), Nationen, Objekte oder Institutionen sowie Organisationen beziehen kann. Images sind ihrer Überzeugung nach (28) antizipierte Wahrnehmungen, die neue Informationen daraufhin prüfen, ob sie sich im vorhandenen Image einordnen lassen. Ein Image kann zwar Tatsachen enthalten, muss aber nicht wahr sein.

Eine Imageveränderung kann nach Meinung von Böhme-Dürr (2000, 31) dann eintreten, wenn es viele neue Erfahrungen gibt, die mit dem noch nicht sehr gefestigten Image übereinstimmen. Die Funktion eines Images ist die Erhaltung des Kollektivs und die Orientierung in der Umwelt, denn das Individuum kann das eigene Verhalten bestimmen, dass sich ändert, wenn sich auch das Image modifiziert (Nafroth 2002, 28). Böhme-Dürr (2000, 37) sieht die Hauptfunktion in der eigenen Orientierung und -definition: Wer etwas über sein Image erfährt, erfährt auch etwas über sich selbst (Eigenbild).

2.2 Nationenimage bzw. Nationenbild

Obwohl es in den vergangenen Jahren im technischen Bereich zahlreiche Entwicklungen gab, die eine internationale Kommunikation beschleunigen, haben die Konflikte zwischen Nationen nicht abgenommen. Deshalb sind die Fragen nach dem gegenseitigen Nationenbild weiterhin wichtig. Dabei ist die Abgrenzung des Terminus `Nation´ schwierig (vgl. Böhme-Dürr 2000, 46).

Böhme-Dürr (2000, 47) weist darauf hin, dass es nicht sinnvoll ist, Nationenimages4 als geschlossene Systeme aufzufassen, da sie veränderbar sind. Zur Entstehung von Nationenimages stellt Böhme-Dürr (2000, 47f.) drei Kognitionsprozesse heraus:

1) Kategorisierung: Dabei wird Ähnliches in einer Gruppe addiert. Je ähnlicher eine Nation der eigenen ist, je positiver wird diese dann bewertet, wobei die kulturelle Ähnlichkeit nicht mit der regionalen übereinstimmen muss.
2) Generalisierung: Dabei wird von einigen positiven oder negativen Eindrücken auf weitere geschlossen.
3) Akzentuierung: Zwischen Kategorien werden Ähnlichkeiten oder Unterschiede gesucht und die Differenzen zwischen dem eigenen und dem fremden Staat betont.

Abweichungen vom Stereotyp werden ignoriert (vgl. Böhme-Dürr 2000, 48).

Besonders Massenmedien haben eine besondere Aufgabe bei der Produktion und Vermittlung von Nationenbildern - wie eingangs betont, stellen sie bei fehlender Primärerfahrung die oft einzige und meist aktuellste Informationsquelle dar. Da sich Nationenbilder ändern können, bedingen sich Informationsaufnahme und Bilder (Gemeint ist hier `Nationenbild´, obwohl Böhme-Dürr von `Nationenimages´ spricht) wechselseitig. Wie Böhme-Dürr im gleichen Werk ausführt (2000, 54), muss sich dazu aber entweder etwas Spektakuläres ereignet haben oder es muss eine Veränderung in der Regierungspolitik stattgefunden haben, welches zu einer anderen Berichterstattung führte. Somit könnten traditionelle Symbole und Geschichte anders interpretiert werden und dadurch wechselseitig Einflüsse haben, wonach und wodurch das kollektive Gedächtnis[3] verändert wird.

Bereits Buchanan und Cantril (Buchanan/Cantril 1953) untersuchten in einer der ersten (cross-boarder) Studien das Image verschiedener Länder in zwei aufeinander folgenden Umfragen (1942 und 1948) das Russenbild in der amerikanischen Bevölkerung. Es veränderte sich innerhalb des Untersuchungszeitraumes sehr stark. Grund war der Beginn des kalten Krieges, welches das amerikanische Russenbild modifizierte – es wurde vom "grausamen Feind" gesprochen.

Es gibt in der Einstellungsforschung zahlreiche Methoden und Ansätze aus unterschiedlichen Disziplinen, wie Bilder von Nationen und Medienbilder untersucht werden. Besonders gut synthetisiert Luther (2001, 18) die Haupterkenntnisse der Image- oder Bilderforschung:

As can seen by this review of research, many of the studies that directly examine media images of nations take either a conflict or a power structure perspective in explaining the images. The conflict framework assumes that the level of conflict is what matters in the formation of images and that, if the conflict level subsides, the media-disseminated images would change to more favorable ones. In the studies adopting the structural perspective, it is similarly assumed that if the political economic power structure between two nations changes, so too will the images of those nations in the media. (Luther 2001, 18).

Luther verstärkt durch ihre Meinung die Annahme, dass Images bzw. -bilder durchaus veränderbar sind und mit der politischen Wirtschaftsordnung korrelieren: Wenn die Rolle der derzeitigen Entwicklungsländer6 im internationalen Kontext bedeutender würde, verändere sich auch das Image (vgl. Luther 2001, 19). Im Hinblick auf die fortschreitende Globalisierung werden Nationenbilder und -images immer wichtiger - sie steigen zum Wirtschafts-(Standort)Faktor auf.

2.3 Definition Stereotyp

Nach Böhme-Dürr (2000, 40) bestehen die Wurzeln des Begriffs `Stereotyp´ aus den griechischen Wörtern stereos (`fest, starr, dauerhaft´) und typos (`Figur, Muster´). Im 19. Jahrhundert wurden Stereotypen für Vervielfältigungen in der Drucktechnik verwendet. Unter Stereotypie ist die Abformung in eine Hohlform gemeint, die durch den Abdruck aus beweglichen Druckbuchstaben entsteht. Dabei verfestigen sich die beweglichen und frei kombinierbaren Strukturen der Lettern (vgl. Kleinsteuber 1997, 211).

Eingeführt hat den Begriff der amerikanische Journalist Walter Lippmann, der in seinem bekannten Werk "Public Opinion" beschrieb, dass das, was der Mensch tut, nicht auf vorher präsentem Wissen beruht, sondern auf Bildern, "die er sich selbst geschaffen oder die man ihm gegeben hat" (Lippmann 1964, 25). "Sie bieten vielleicht kein vollständiges Weltbild, aber sie sind das Bild einer möglichen Welt, auf die wir uns eingestellt haben" (Lippmann 1964, 71). Er machte deutlich, wie Stereotype entstehen, indem diese nämlich "Pictures in our Heads" sind, die Vorstellungen vom Eigenen und vom Fremden aus der "World outside" vereinfachen, "denn der Versuch, alle Dinge frisch und im Detail zu sehen, erschöpft und kommt bei eiligen Angelegenheiten praktisch überhaupt nicht in Frage" (Lippmann 1964, 67). Er wollte den Erzeugern und Multiplikatoren von Stereotypen (den Journalisten bzw. redaktionellen Institutionen) aufzeigen, wie viel Verantwortung sie tragen und erkannte, wie wichtig die individuelle Einstellung von Journalisten im Entstehungsprozess von Stereotypen ist.

Nafroth nach (2002, 28) ist die antizipative Vorstellung von Menschen und Gruppen oftmals zwar nicht wahr, besitzt aber einen wahren Kern (einen "Funken Wahrheit"; vgl. Lippmann 1964, 71). Ihre Funktion ist die Orientierung in der Umwelt und die Definition des Kollektivs. Im Kontrast zum leichter veränderbaren Bild sind Stereotype eher starr.

Nach Wernecken (2000, 117f.) sind Stereotype unterteilbar in Autostereotype (für die eigene Gruppe) und Heterostereotype. Aufgrund der geographischen Nähe wird das Eigene seltener stereotypisiert als das Fremde.

2.4 Definition Vorurteil

Das Vorurteil ist nach Nafroth (2002, 28) eine meist fehlerhafte, negative Einstellung von einem Menschen oder einer Gruppe. Diese Einstellung ist kaum veränderbar. Böhme-Dürr (2000, 41) kritisiert, dass die Begriffe `Vorurteil´ und `Stereotyp´ oft synonym gebraucht werden. Oft gehe der Unterschied verloren, dass das Stereotyp neutral oder positiv ist, ein Vorurteil aber meist negativ, und, nach Meinung des Philosophen Francis Bacon im 17. Jahrhundert, durch eine negative geistige Einschränkung den klaren Blick von Menschen trübt. Die Vorurteilsforschung entwickelte sich in den 50er Jahren aufgrund des Sozialkonfliktes zwischen Weißen und verschiedenen ethnischen Minderheiten in den USA (vgl. Böhme-Dürr 2000, 41f.). Vorurteile können zwar durch Primärerfahrung entstehen, werden aber durch eine Vermittlung verstärkt und generalisiert. Nach Nafroth (2002, 28) kann man das Vorurteil aufteilen in Freund- bzw. Feindbild, auf das näher eingegangen werden soll.

2.5 Definition Feindbild

Hafez (2002, 179) grenzt das Feindbild zum Stereotyp ab, indem er auf seinen Bezugspunkt eingeht: Während das Stereotyp zur kognitiven Einordnung des `Anderen´ und zur Orientierung dient, stellt das Feindbild die konative Komponente (Handlungsmotivation) heraus. Außerdem gehe der Begriff eher auf die Relation zwischen dem Bild und der Realität ein, welche in dieser Arbeit keine weitere Bedeutung hat. Außerdem nicht näher referiert werden soll hier der eher umgangssprachliche Begriff des `Klischee´, da dieser keiner wissenschaftlichen Theorie zuzuordnen ist und nur umgangssprachlich benutzt wird.

Zusammenfassend lässt sich in den Begriffen der Einstellungsforschung die Funktion der Komplexitätsreduktion und der Konstruktion von Wirklichkeit feststellen. Darüber hinaus enthalten sie kognitive, affektive und konative Elemente: So sind Nationenbilder, nationale Stereotype und Vorurteile immer Vorstellungen (kognitives Element) und Gefühle (affektives Element)sowie ein bestimmtes Verhalten (konatives Element)gegenüber anderen (Nationen) (vgl. Nafroth 2002, 29).

Im Folgenden wird aufgezeigt, wie Massenkommunikation zur Stereotypisierung beiträgt.

3. Kommunikationswissenschaftliche Dimension: Auslandsberichterstattung

3.1 Begriffliche Abgrenzungen: Auslands-; Reise-; Geo-Journalismus

Wenn wir heute eine gewöhnliche Tageszeitung aufschlagen, ist diese aufgeteilt in die Ressorts Inland und Ausland, eine gewöhnliche Einteilung. Doch ist diese Aufteilung keineswegs völlig klar und logisch, denn der Begriff `Ausland´ ist nicht einfach fassbar, er existiert in anderen Sprachen gar nicht (Kleinsteuber 2004, 42): Andere Zeitungen machen keinen Unterschied zwischen In- und Ausland, sondern differenzieren nach nationalen oder internationalen/globalen Nachrichten. Nach Kleinsteuber macht dies einen großen Unterschied: Die Grenzziehung lässt sich in Zeiten der Globalisierung nicht mehr aufrechterhalten, die Schranken zwischen Ausland und Inland öffnen sich zunehmend. Verdeutlicht werden kann dies am Beispiel Europa, wo es auf politischer Ebene Mehrebenenstrukturen (lokale, regionale, nationale und kontinentale) gibt. Ist Europa nun unter das Ressort In- oder Ausland zu fassen? Der Begriff `Auslandjournalismus´ macht hier auf dieses Problem aufmerksam, ist aber dennoch den monothematischen Begriffen `Geo-Journalismus´ und dem des `Reise-Journalismus´ (welches ein Ressort fokussiert) vorzuziehen. Im Folgenden wird deshalb von den Strukturen des Auslandsjournalismus/der Auslandsberichterstattung gesprochen.

Der Begriff `interkulturellen Kommunikation´ stammt ursprünglich in der Diplomatenausbildung. Gemeint ist damit der Austausch von Informationen zwischen einzelnen abgegrenzten Nationen/ Staaten, wobei die Kommunikatoren Staaten sind. Transkulturelle Kommunikation bezeichnet eine Art der globalen Kommunikation, die versucht, eine Verbindung von Kulturen durch den Austausch von Inhalten herzustellen.

Die transkulturelle Kommunikation wird vor allem durch Nichtregierungsorganisationen gefördert und bildet die Multikulturalität moderner Gesellschaften ab. Die Nation mit ihren starren Grenzen verliert an Bedeutung.

[...]


[1] Wenn im Folgenden von dem Begriff `Medienimage´ gesprochen wird, ist damit das von Medien

veröffentlichte Image (Kommunikatorforschung) gemeint und nicht das Image der Rezipienten über die

Medien (Medienwirkungsforschung).

[2] Im Folgenden wird hier immer wieder die Sprache von Böhme-Dürr übernommen: Sie spricht hier von

`Image´, meint aber `Bild´. Es ist, laut allgemeiner Forschermeinung, die auch Nafroth (2002, 28) vertritt, relativ neutral und veränderbar.

[3] Das `kollektive Gedächtnis´ wie das `soziale Gedächtnis´ sind eine Voraussetzung für die Imagebildung, indem es soziale Identität aufbaut. Das für die Gesellschaft in der jeweiligen Zeit als Wesentlich erachtete wird in das kollektive Gedächtnis übernommen; es ändert sich mit einem veränderten Wertesystem. So wird die Vergangenheit zu verschiedenen Zeiten unterschiedlich interpretiert.

Ende der Leseprobe aus 36 Seiten

Details

Titel
Auslandsberichterstattung: "Das Eigene und das Fremde"
Untertitel
Mediale Stereotypisierung in der inter- und transnationalen Berichterstattung
Hochschule
Universität Hamburg  (Institut für Geographie)
Veranstaltung
Geojournalismus
Note
1,5
Autor
Jahr
2005
Seiten
36
Katalognummer
V112642
ISBN (eBook)
9783640132836
ISBN (Buch)
9783656486367
Dateigröße
438 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Auslandsberichterstattung, Eigene, Fremde, Geojournalismus
Arbeit zitieren
M.A. Sarah Lindner (Autor), 2005, Auslandsberichterstattung: "Das Eigene und das Fremde", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/112642

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