Predigtarbeit zu Apostelgeschichte 12,1-11

Der Tod des Jakobus und die Befreiung des Petrus


Ausarbeitung, 2007

16 Seiten, Note: 2+ (12 Punkte)


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Vorbemerkung

2. Exegese

3. Meditation

4. Predigt

5. Literaturverzeichnis

1. Vorbemerkung

Der Aufbau dieser Predigt folgt der klassischen Dreiteilung aus Exegese, Meditation und Predigt. Wohlwissend, dass besonders bei der Meditation eine Untergliederung möglich ist,[1] habe ich mich entschlossen, die systematischen und homiletischen Überlegungen in einer Zusammenschau zu behandeln. Eine Aufsplittung in zwei getrennte Bereiche hätte der Kontinuität der Ausführungen geschadet.

Die Meditation behandelt ausgehend von der zielorientierten Exegese einen durchgehenden Themenstrang, welcher möglichst klar zur Predigt überleiten soll. Außerdem wird die Meditation die wichtigsten Gedanken der Predigt in der Gestalt, wie sie vorliegt, verfolgen und ebenfalls eine rhetorische Aufgabe erfüllen; dass nämlich die Predigt als Rede gedanklich vorbereitet als Teil von Kommunikation dient. Daher behandelt die Meditation nicht bloß das Zustandekommen der Predigt, sondern auch Reflexion.

2. Exegese

In der Lutherbibel wird über die Verse 1-11 des 12. Kapitels der Apostelgeschichte die Überschrift „Der Tod des Jakobus und die Befreiung des Petrus“ gesetzt. Diese Inhaltsangabe ist korrekt, jedoch wird einem bei der Lektüre des Textes deutlich, dass die beiden Inhalte erheblich unausgewogen den Textbestandteil ausmachen. So wird der Tod des Jakobus nur in Vers 2 thematisiert und nicht weiter behandelt. Die Verse 3-11 erzählen dann ausschließlich von der Gefangennahme und der Befreiung des Petrus.

So ist die Notiz vom Tod des Jakobus als „Hintergrund“[2] zur Petrusgeschichte zu verstehen.[3] Die Erzählung über die Geschehnisse des Petrus ist vor diesem Hintergrund zu betrachten. Da keine konkrete Begründung für die Hinrichtung Jakobus gegeben wird und in Vers 3 steht, „dass es den Juden gefiel“, ist anzunehmen, dass das Bekenntnis zu Jesus Christus Grund für die Enthauptung ist.[4] Der Bezug des Petrusschicksals zu Jakobus schwingt in Vers 5 mit, da die Gemeinde stetig für ihn betet. Außerdem verrät Vers 3, dass eine Hinrichtung nur durch das Pessachfest aufgeschoben wurde.

Nach der Vorbereitung in Vers 6, in dem sich ein Zahlenspiel – „[…], schlief Petrus zwischen zwei Soldaten, mit zwei Ketten gefesselt, […]“ - wiederholt,[5] beginnt die eigentliche Wundergeschichte, welche dann mit dem letzten Vers des Predigttextes endet.

Dieses Befreiungswunder beginnt mit der „Überraschung der Engelepiphanie“[6] und schafft im Bilde der Erzählung sowie in der Symbolik einen Kontrast oder genauer eine Wendung: Das mit dem Engel einhergehende Licht erfüllt den dunklen Raum, in dem Petrus bewacht schläft. Die Symbolik, welche sich dahinter verbirgt ist der Situation entnommen einfach; denn es ist schlicht die bevorstehende Rettung, welche sich durch den Lichtglanz ankündigt.[7] Der Engel wird aktiv, indem er Petrus weckt und befiehlt aufzustehen, dabei fallen ihm die Ketten von den Händen. Die Tatsache, dass der Engel anthropomorph dargestellt wird, könnte auf den wirklichen Befreiungsvorgang zurückgeführt werden.[8] Weiter befiehlt der Engel Petrus, sich seine Schuhe und seinen Mantel anzuziehen, damit er ihm dann folgen könne. Die Dramatik in der Erzählung nimmt zu und es wird die Unsicherheit Petrus’ geschildert, ob er nun meint zu träumen oder nicht.[9] Darauf passieren der Engel und Petrus ungesehen die zwei Wachposten und erreichen, nachdem sie durch das sich „automatisch“ geöffnete eiserne Tor gegangen sind, die Straße. Schon in diesem Augenblick entschwindet der Engel und in Vers 11 erkennt Petrus und spricht es auch laut aus, dass es wirklich ein Engel war und keine Erscheinung oder Träumerei. Zudem wird die Rettung als Triumph über Herodes und dem Begehren des jüdischen Volkes betont, indem durch das Befreiungswunder festgestellt wird, „dass Gott auf Seiten des Petrus und der Christen steht, […].“[10]

Es zeigt sich klar, dass in dem Predigttext die Befreiungsgeschichte, das Wunder der Befreiung, strukturell im Vordergrund steht. Kontextuell gehört noch ein zweites „Traditionsstück“[11] dazu. Nämlich die Darstellung des Todes von Herodes Agrippa I. in den Versen 18-23. Zwischen diesem Bericht und dem Predigttext wird in den Versen 12-17 beschrieben wie Petrus zum Haus der Maria kommt und in dieser Hausgemeinde wohl stellvertretend für die gesamte christliche Gemeinde seine Befreiung offenbart.[12] Diese Textstücke sind in dem Bericht, welcher in 11,27-30 beginnt und in 12,24-25 endet, über die Kollekte der Antiochener für die Jerusalemer Gemeinde von Lukas eingeschachtelt.[13]

Ob die Notiz vom Tod des Jakobus eine gewollte Verknappung aus einer ausführlichen Darstellung ist oder schon von Anfang an ein Teil der Petrusgeschichte war, ist ungeklärt;[14] darüber hinaus ist der Ursprung dieser Martyriumsnotiz nicht relevant. Zumal Vers 3 für den Hergang und das Verständnis der Petruserzählung notwendig ist und dadurch auch erst ein Gewicht für die Einordnung in den „Sitz des Lebens“ erhält. Der schon erwähnte Bezug vom Tod Jakobus’ in Vers 5 hinsichtlich der Vergegenwärtigung der Gefahr, in der sich Petrus befindet, trägt noch einen gemeindlichen Aspekt mit sich: Die Gemeinde[15], die nach der Hinrichtung von Jakobus die Situation richtig einschätzt, betet ohne Unterlass für ihn zu Gott. Die Tatsache, dass Petrus dann von Gott befreit wird, kann als Antwort des gemeinsamen Gebetes gedeutet werden und hat somit ihren „Sitz im Leben“ in dem Zuspruch der Gemeinde und „in der Ermutigung der Gemeinschaft“[16]. Der Text ist also auf eine gefährdete Lebenssituation bezogen. Nicht zwangsläufig auf einzelne Personen der Gemeinde, wie es Lukas schreibt, denn der Ursprung kann auch in der Gefahr ganzer Gruppen liegen.[17] So ist das gemeinsame Gebet als Stärkung der Gemeinde verständlich, aber auch als möglicher Anstoß für die Rettung, da ein Gebet für die Errettung von Jakobus verschwiegen wird beziehungsweise nicht stattfand.

Als Skopus ist besonders hervorzuheben, dass der Text trotz seiner legendarischen Eigenart auf historischen Fakten basiert.[18] Das nimmt den Ereignissen nicht den wunderlichen Charakter, da dieser durch die damaligen Empfindungen der Personen bestimmt ist. Daher darf auch historisch korrekt von einer wunderbaren Befreiung gesprochen werden, sofern eine subjektive Tendenz in der Betrachtung von Historie akzeptiert wird.

3. Meditation

Durch die Textabgrenzung der Perikope wird eindeutig, dass die Befreiung im Vordergrund steht und nicht etwa die Gegenüberstellung von Herodes und dem christlichen Gott. Zwar ist die Befreiung durch Gott auch eine Machtdemonstration, wie auch die Gefangennahme eine war, doch ist mit Vers 11 als Ende der Perikope das Gewicht auf die Befreiung gelegt. So geht es auch mit der Erwähnung des Gemeindegebets in Vers 5. Dieses Thema wird nur angerissen. Eine weitere Ausführung oder Bezugnahme hierzu erfolgt auch erst nach Vers 11, als Petrus zu dem Haus der Maria, einer Hausgemeinde, kommt.[19] Daher halte ich die Problemlosigkeit, eine „Identifikation mit der betenden Gemeinde im Kontext heutiger Erfahrung von Gefangenschaft und Befreiung“[20] hervorzuheben, hinsichtlich der Textabgrenzung für nicht angemessen. Auch die Ansicht, dass die Verse 1 und 2 „nicht als dunkle Folie für die Befreiung des Petrus herhalten“[21] sollen, kann ich mit der Begründung, dass bezüglich des Gemeindegebets „die Kontingenz des Handelns Gottes“[22] gewahrt wird, nicht teilen. Gerade in dieser „dunklen Folie“ sehe ich Potential oder „homiletische Tauglichkeit“[23] im Text, dass eine Beziehung und Verbindung zur Gegenwartssituation hergestellt werden kann.

Des Weiteren ist die Bezeichnung der Verse 1 und 2 hinsichtlich der folgenden Verse als „dunkle Folie“ nicht unbedingt negativ konnotiert, sondern unterstützt als „Gegengewicht“[24] Spannung und Dramatik des Textes. Die ohnehin schon dramatisch komponierte Erzählung erhält durch die Ermordung des Jakobus eine psychologische Tiefe. Zwar erfährt man nichts von der Gefühlswelt Petrus’, darf aber eine annehmen und diese aus den Wirkungen der literarischen Fähigkeiten des Verfassers ableiten. Es geht also um die Möglichkeit den Text symbolisch zu interpretieren und die „dunkle Folie“ als Hintergrund von Emotionen und Stimmungen zu deuten. Hinsichtlich des Todes von Jakobus soll dies im Begriff der Trauer deutlich werden. Am Text lässt sich dies an den Kontrasten festmachen. Zum einen steht die strenge und sehr auffällige Fesselung von Petrus gegenüber der äußerst leichten und lockeren Befreiung aus eben dieser. Zum anderen stehen sich der schlafende und dann der wache Petrus gegenüber. Weiter gibt es den Kontrast von Dunkelheit und Licht und nicht zuletzt die augenfälligste Gegenüberstellung von Gefangenschaft und Befreiung beziehungsweise Freiheit. Es zieht sich eine Bipolarität durch den Text, welche unter der Überschrift der Lutherbibel „Der Tod des Jakobus und die Befreiung des Petrus“ steht. Mit anderen Worten: Es stehen sich Leben und Tod gegenüber, die durch die Personen Jakobus und Petrus verkörpert werden. Die Situation von Petrus kann die eines trauernden Menschen in literarisch symbolischer Weise ausgedrückt sein.

[...]


[1] Meyer-Blanck, Michael, Arbeitsbuch praktische Theologie: ein Begleitbuch zu Studium und Examen in 25 Einheiten, Gütersloh 1999, 226.

[2] Schneider, Gerhard, Die Apostelgeschichte II. Teil. Kommentar zu Kap. 9,1 – 28,31 (HThK), Freiburg/Basel/Wien 1982, 101.

[3] Schneider zählt in diesem Zusammenhang noch die Notiz der Verfolgung unter Herodes zu dem erwähnten „Hintergrund“.

[4] Vgl.: Pesch, Rudolf, Die Apostelgeschichte. 1. Teilband Apg 1-12 (EKK), Neukirchen-Vluyn 1986, 363.

[5] In Vers 4 gibt es ein ähnliches Zahlenspiel: „… und überantwortete ihn vier Wachen von je vier Soldaten, …“.

[6] Pesch, Apostelgeschichte, 364.

[7] Vgl.: Ebd., 335.

[8] Vgl.: Ebd.

[9] Vgl.: Schneider, Apostelgeschichte, 104.

[10] Ebd., 105.

[11] Ebd., 101.

[12] Vgl.: Pesch, Apostelgeschichte, 366.

[13] Vgl.: Ebd., 360.

[14] Vgl.: Ebd., 360f.

[15] Mit „Gemeinde“ ist in dem Text die Hausgemeinde gemeint, die in den Versen 12-17 beschrieben wird. Da aber diese auch eine stellvertretene Funktion hat, kann in diesem Fall auch von der gesamten christlichen Gemeinde gesprochen werden, welche für einen ihrer Führer betet.

[16] Pesch, Apostelgeschichte, 362.

[17] Die Tatsache, dass Jakobus schon vorher der Gefahr ausgesetzt war, beinhaltet die Möglichkeit auch hier in der Apostelgeschichte von einer Gruppe zu sprechen. Jedoch ist die Befreiung nur einer Person vorbehalten.

[18] Nähere Beschreibung zur Datierbarkeit der Ereignisse: Pesch, Apostelgeschichte, 368f.

[19] Vgl.: Egelkraut, Helmuth, 16. Sonntag nach Trinitates – Apg 12,1-11, in: Bornhäuser, Hans (Hg.), Exaudi bis Ende des Kirchenjahres (NCPH 4/B), Stuttgart, 187.

[20] Dembek, Jürgen, 16. Sonntag nach Trinitates. Apostelgeschichte 12,1-11: Gott unsere Welt zu sagen, in: Krusche, Peter / Rössler, Dietrich / Roessler, Roman (Hg.), Predigtstudien für das Kirchenjahr 1988. Perikopenreihe IV – Zweiter Halbband, Stuttgart 1988, 232.

[21] Ebd.

[22] Ebd.

[23] Beutel, Albrecht, 16. Sonntag nach Trinitates. Apostelgeschichte 12,1-11: Schatten und Licht, in: Krusche, Peter / Rössler, Dietrich / Roessler, Roman (Hg.), Predigtstudien für das Kirchenjahr 1994. Perikopenreihe IV – Zweiter Halbband, Stuttgart 1994, 218.

[24] Egelkraut, Apg 12,1-11, 193.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Predigtarbeit zu Apostelgeschichte 12,1-11
Untertitel
Der Tod des Jakobus und die Befreiung des Petrus
Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel
Veranstaltung
Homiletik
Note
2+ (12 Punkte)
Autor
Jahr
2007
Seiten
16
Katalognummer
V112662
ISBN (eBook)
9783640111145
ISBN (Buch)
9783640111299
Dateigröße
442 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Kommentar des Dozenten: Die Predigt und die vorbereitende Arbeit ist gelungen, der Umgang mit der Wunderthematik und der Hörerbezug ist prima. Die Predigt wird gegen Ende rhetorisch immer besser.
Schlagworte
Predigtarbeit, Apostelgeschichte, Homiletik
Arbeit zitieren
Patrick Wacker (Autor), 2007, Predigtarbeit zu Apostelgeschichte 12,1-11, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/112662

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