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Die Bedeutung der symbolischen Kommunikation für das Verständnis des Mittelalters anhand des Eneasromans

Title: Die Bedeutung der symbolischen Kommunikation für das Verständnis des Mittelalters anhand des Eneasromans

Seminar Paper , 2007 , 17 Pages , Grade: 2,3

Autor:in: Nadja Gilch (Author)

German Studies - Linguistics
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In der heutigen Zeit ist es üblich, dass für Abmachungen und rechtliche Schritte eine schriftliche Fixierung stattfindet. Dies findet meist in Formen von Verträgen in jeglicher Art statt. Im Mittelalter war diese Vorgehensweise in dieser Form noch nicht möglich. Aus diesem Grund muss „die symbolische Kommunikation als die im Mittelalter dominante Form angesehen werden.“ [...] Im Mittelalter unterschied man drei verschiedene Formen von symbolischer Kommunikation. Das öffentliche Bitten, wurde durch Fürsprecher inszeniert, dabei wurde die Bitte an den Adressaten herangebracht, was diesem ermöglichte als gnädig angesehen zu werden, wenn der Bitte nachgegangen wurde. Durch den Einsatz der Fürsprecher wurde eine große Machtfülle und Entscheidungsfreiheit der Mächtigen suggeriert. Öffentliche Bitten liefen nach einem festen Schema ab. Dabei musste der Bittsteller eine unterwürfige Haltung, in Form eines in die Kniesinkens oder eines wortlosen Fußfalls, einnehmen. Darauf folgte dann das gnädige Gewähren, das sich darin äußert, dass „der Bittsteller vom Boden [aufgehoben wurde, an der Hand zu einem Ehrenplatz geleitet wurde und ihm die Erlaubnis zum Vortragen seiner Bitte gewährt wurde]“.
Das öffentliche Scherzen „signalisierte Frieden und symbolisierte Freundschaft“, und fand meist bei Mählern und Gelagen statt. Die öffentliche Unterwerfung diente dazu, das eigene Leben nach einer militärischen Niederlage zu retten. Das war für den Unterlegenen ein entwürdigendes Szenario, in dem er „barfuß und halbnackt, […], flehen[d] unter Tränen und stammelnd um Gnade, dabei Selbstbezichtigung und Formeln der Selbstaufgabe [dem siegreichen Kontrahenten vorbrachte]“. In der folgenden Arbeit wird auf die symbolische Kommunikation und ihre verschiedenen Formen anhand entsprechender Stellen im Eneasroman näher eingegangen. Hierbei wird auf die von Althoff vorgegebene Struktur geachtet und versucht zu analysieren, warum Heinrich von Veldeke meistens eine abgeänderte und oft stark reduzierte Handlung gewählt hat. Auch wird auf die unterschiedlichen äußeren, politischen und standesgesellschaftlichen Änderungen, vor allem bei den öffentlichen Bitten eingegangen. In der folgenden Arbeit werden jedoch die privaten Bitten die vorgetragen werden weggelassen, da von Althoff für diese keine festen Regeln aufgeführt wurden.

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Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Hauptteil

1.Das öffentliche Bitten im Eneasroman

1.1 Bitte um Aufnahme bei Dido

1.2 Bitte um Aufnahme bei Latinus

1.3 Bitte des Turnus um Unterstützung und Rat

1.4 Bitte des Eneas für freien Abzug seines Sohnes Ascanius

1.5 Bitte des Turnus am Leben bleiben zu dürfen

2 Das öffentliche Scherzen im Eneasroman

2.1 Spott wegen des Briefs von Lavinia

2.2 Spott über aufkommende Liebe zwischen Eneas und Lavinia

3. Die öffentliche Unterwerfung des Turnus im Eneasroman

III. Zusammenfassung und Schluss

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Bedeutung symbolischer Kommunikation im Mittelalter, basierend auf den Thesen von Gerd Althoff, und wendet diese Analyse auf den Eneasroman von Heinrich von Veldeke an. Ziel ist es, verschiedene Formen ritueller Kommunikation – namentlich öffentliches Bitten, öffentliches Scherzen und öffentliche Unterwerfung – im literarischen Kontext zu identifizieren und zu hinterfragen, warum der Autor von den historischen Konventionen abweicht.

  • Analyse öffentlicher Bittrituale und der Rolle von Fürsprechern.
  • Untersuchung von Scherz- und Spott-Szenen als Ausdrucksmittel für Frieden und Vertrauen.
  • Betrachtung der rituellen Unterwerfung als Mittel zur Lebensrettung nach militärischen Niederlagen.
  • Kontrastierung der literarischen Darstellung mit den historischen Forschungsergebnissen von Gerd Althoff.
  • Bewertung der Handlungsweise der Protagonisten Eneas und Turnus im Kontext mittelalterlicher Spielregeln.

Auszug aus dem Buch

1.1 Bitte um Aufnahme bei Dido

Nach der Flucht aus Troja landen die Schiffe des Eneas bei Karthago, in dem Dido herrscht. Da viele seiner Schiffe in den Stürmen beschädigt wurden und seine Gefolgschaft durch die jahrelange Irrfahrt auf dem Meer sehr strapaziert wurde, benötigt Eneas Hilfe und Unterstützung. Aus diesem Grund „sander boten in diu lant/ zwênzich ritter gûte.“ Nach einem längeren Marsch erreichen sie Didos Burg und werden freundlich von der Herrscherin empfangen. Als Fürsprecher hat Eneas Ilioneus gewählt, der Dido bittet, dass sie im wellet gnâdlich wesen und in hie lât bî û genesen […] un sîniu schif bereiten.“

Durch das Versprechen ihr zu dienen, wenn sie Eneas und seine Männer aufnimmt, hat die Herrscherin Dido einen Vorteil, da durch die Aufnahme in ihr Reich ihr Heer auf kurze Zeit verstärkt wird. Durch die Verstärkung ist ihre Herrschaft noch mehr gesichert und gegen einen möglichen Angriff von außen besser zu verteidigen, da Eneas „wol drû tûsent schilde unde ritter alsô vile“ mit an ihren Hof bringt. Auch Eneas bringt die Aufnahme bei Dido einen Vorteil. Durch ihre Hilfe ist nach den sieben Jahren Irrfahrt auf dem Meer gewährleistet, dass seine Schiffe repariert werden und für das Wohlergehen seiner Mannschaft gesorgt wird.

Zusammenfassung der Kapitel

I. Einleitung: Einführung in das Thema der symbolischen Kommunikation im Mittelalter nach Althoff und Erläuterung der Bedeutung für die Herstellung von Konsens.

II. Hauptteil: Detaillierte Analyse spezifischer Szenen aus dem Eneasroman, die als öffentliches Bitten, Scherzen oder Unterwerfung kategorisiert werden können.

1.Das öffentliche Bitten im Eneasroman: Untersuchung verschiedener Bitten, bei denen Eneas und Turnus unterschiedliche Strategien – teilweise unter Einsatz von Fürsprechern – anwenden, um politische oder persönliche Ziele zu erreichen.

2 Das öffentliche Scherzen im Eneasroman: Analyse des Spotts gegenüber Eneas und dessen freundschaftliche Reaktion, die als rituelles Signal für Frieden und Vertrauen interpretiert wird.

3. Die öffentliche Unterwerfung des Turnus im Eneasroman: Untersuchung des letzten Kampfes und der erzwungenen Demutsgeste des Turnus, die letztlich in der Exekution durch Eneas mündet.

III. Zusammenfassung und Schluss: Synthese der Ergebnisse, wobei festgestellt wird, dass Veldeke die Althoffschen Regeln adaptiert, aber oft abweicht, um die Handlung zu reduzieren oder den dramatischen Gehalt zu stärken.

Schlüsselwörter

Eneasroman, Heinrich von Veldeke, symbolische Kommunikation, Gerd Althoff, Mittelalter, rituelles Bitten, öffentliches Scherzen, Unterwerfung, höfische Literatur, Minne, Vasallität, Eneas, Turnus, Dido, mittelalterliche Gesellschaft.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der Anwendung des Konzepts der symbolischen Kommunikation, wie es der Historiker Gerd Althoff definiert hat, auf die literarische Welt des Eneasromans von Heinrich von Veldeke.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Die zentralen Felder sind die rituellen Formen der Interaktion: das öffentliche Bitten, das öffentliche Scherzen und die öffentliche Unterwerfung.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist herauszufinden, ob und wie diese literarischen Szenen den historischen Kommunikationsregeln des Mittelalters entsprechen und warum der Autor Abweichungen vornimmt.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die literarische Textstellen direkt mit den theoretischen Modellen der historischen Forschung zur symbolischen Kommunikation kontrastiert.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil analysiert spezifische Begebenheiten im Roman, wie beispielsweise die Bitten bei Dido und Latinus, die Scherze über den Liebesbrief und die Unterwerfung des Turnus.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Neben dem Eneasroman und seinem Autor sind dies vor allem Fachbegriffe wie symbolische Kommunikation, Rituale, Fürsprecher und mittelalterliche Verhaltensnormen.

Warum verwendet Eneas beim Bitten um Hilfe oft Fürsprecher?

Der Einsatz von Fürsprechern dient dazu, den Adressaten der Bitte zu entlasten und ihm die Möglichkeit zu geben, als gnädiger Herrscher zu agieren, während der Bittsteller sein eigenes Ansehen schützt.

Wie reagiert Eneas auf den Spott seiner Männer?

Eneas reagiert freundschaftlich und lachend, was verdeutlicht, dass zwischen ihm und seinen Männern ein enges Vertrauensverhältnis besteht und die Scherze als Ausdruck von Frieden und Freundschaft zu werten sind.

Inwieweit kann die Unterwerfung des Turnus als erfolgreich gewertet werden?

Die Unterwerfung als ritueller Akt zur Rettung des Lebens scheitert in diesem Fall, da Eneas aufgrund des getöteten Freundes Pallas und des Ringraubes zur Rache gedrängt wird.

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Details

Title
Die Bedeutung der symbolischen Kommunikation für das Verständnis des Mittelalters anhand des Eneasromans
College
University of Bayreuth
Grade
2,3
Author
Nadja Gilch (Author)
Publication Year
2007
Pages
17
Catalog Number
V112671
ISBN (eBook)
9783640115082
Language
German
Tags
Bedeutung Kommunikation Verständnis Mittelalters Eneasromans
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Nadja Gilch (Author), 2007, Die Bedeutung der symbolischen Kommunikation für das Verständnis des Mittelalters anhand des Eneasromans, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/112671
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