Die Bedeutung der symbolischen Kommunikation für das Verständnis des Mittelalters anhand des Eneasromans


Seminararbeit, 2007

17 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Hauptteil
1.Das öffentliche Bitten im Eneasroman
1.1 Bitte um Aufnahme bei Dido
1.2 Bitte um Aufnahme bei Latinus
1.3 Bitte des Turnus um Unterstützung und Rat
1.4 Bitte des Eneas für freien Abzug seines Sohnes Ascanius
1.5 Bitte des Turnus am Leben bleiben zu dürfen
2 Das öffentliche Scherzen im Eneasroman
2.1 Spott wegen des Briefs von Lavinia
2.2 Spott über aufkommende Liebe zwischen Eneas und Lavinia
3. Die öffentliche Unterwerfung des Turnus im Eneasroman

III. Zusammenfassung und Schluss

IV. Literaturverzeichnis

I. Einleitung

In der heutigen Zeit ist es üblich, dass für Abmachungen und rechtliche Schritte eine schriftliche Fixierung stattfindet. Dies findet meist in Formen von Verträgen in jeglicher Art statt.

Im Mittelalter war diese Vorgehensweise in dieser Form noch nicht möglich. Aus diesem Grund muss „die symbolische Kommunikation als die im Mittelalter dominante Form angesehen werden.“[1]. In der Neuzeit gibt es auch symbolische Kommunikation, aber in veränderter Form und Bedeutung.

Althoff versteht unter symbolischer Kommunikation „alle die kommunikativen Aktivitäten, bei denen Zeichen mit bestimmten Bedeutungsfunktionen benutzt werden.“[2] Wichtig hierbei war, dass alle Beteiligten das bestehende Regelwerk kannten und akzeptierten und somit Einigkeit in Umgang und Einhaltung darüber herrschte. Symbolische Kommunikation im Mittelalter diente dazu, einen Konsens und Einverständnis aller Beteiligten zu bestehenden Zuständen und Verhältnissen wieder herzustellen oder eventuell bestehende Missstimmungen früh genug anzuzeigen.

Im Mittelalter wurde die symbolische Kommunikation instrumentalisiert, was zur Folge hatte, dass dadurch ein Risiko bestand, dass die Bitte abgelehnt wurde. Dadurch mussten beide Seiten einen Prestigeverlust und einen Bruch mit dem Gegenüber fürchten. Aber in der Regel war von vornherein klar, dass die Bitte gewährt wurde und so keine nachhaltige Verschlechterung des Verhältnisses eintrat. Zu erwähnen ist außerdem, dass Bitten von Fürsten laut Althoff Zwangscharakter besaßen.

Rituale des Bittens und ihre symbolische Ausdrucksform konnten im Mittelalter bewusst und reflektiert benutzt werden, aber auch verändert und neu ausgelegt werden.

Im Mittelalter unterschied man drei verschiedene Formen von symbolischer Kommunikation.

Das öffentliche Bitten, wurde durch Fürsprecher inszeniert, dabei wurde die Bitte an den Adressaten herangebracht, was diesem ermöglichte als gnädig angesehen zu werden, wenn der Bitte nachgegangen wurde. Durch den Einsatz der Fürsprecher wurde eine große Machtfülle und Entscheidungsfreiheit der Mächtigen suggeriert. Öffentliche Bitten liefen nach einem festen Schema ab. Dabei musste der Bittsteller eine unterwürfige Haltung, in Form eines in die Kniesinkens oder eines wortlosen Fußfalls, einnehmen. Darauf folgte dann das gnädige Gewähren, das sich darin äußert, dass „der Bittsteller vom Boden [aufgehoben wurde, an der Hand zu einem Ehrenplatz geleitet wurde und ihm die Erlaubnis zum Vortragen seiner Bitte gewährt wurde]“[3].

Das öffentliche Scherzen „signalisierte Frieden und symbolisierte Freundschaft“[4], und fand meist bei Mählern und Gelagen statt.

Die öffentliche Unterwerfung diente dazu, das eigene Leben nach einer militärischen Niederlage zu retten. Das war für den Unterlegenen ein entwürdigendes Szenario, in dem er „barfuß und halbnackt, […], flehen[d] unter Tränen und stammelnd um Gnade, dabei Selbstbezichtigung und Formeln der Selbstaufgabe [dem siegreichen Kontrahenten vorbrachte]“[5].

In der folgenden Arbeit wird auf die symbolische Kommunikation und ihre verschiedenen Formen anhand entsprechender Stellen im Eneasroman näher eingegangen. Hierbei wird auf die von Althoff vorgegebene Struktur geachtet und versucht zu analysieren, warum Heinrich von Veldeke meistens eine abgeänderte und oft stark reduzierte Handlung gewählt hat. Auch wird auf die unterschiedlichen äußeren, politischen und standesgesellschaftlichen Änderungen, vor allem bei den öffentlichen Bitten eingegangen.

In der folgenden Arbeit werden jedoch die privaten Bitten die vorgetragen werden weggelassen, da von Althoff für diese keine festen Regeln aufgeführt wurden.

II. Hauptteil

1. Das öffentliche Bitten im Eneasroman

1.1 Bitte um Aufnahme bei Dido

Nach der Flucht aus Troja landen die Schiffe des Eneas bei Karthago, in dem Dido herrscht. Da viele seiner Schiffe in den Stürmen beschädigt wurden und seine Gefolgschaft durch die jahrelange Irrfahrt auf dem Meer sehr strapaziert wurde, benötigt Eneas Hilfe und Unterstützung. Aus diesem Grund „sander boten in diu lant/ zwênzich ritter gûte.“[6] Nach einem längeren Marsch erreichen sie Didos Burg und werden freundlich von der Herrscherin empfangen. Als Fürsprecher hat Eneas Ilioneus gewählt, der Dido bittet, dass sie im wellet gnâdlich wesen und in hie lât bî û genesen […] un sîniu schif bereiten.“[7] Als Gegenleistung bietet er der Herrscherin an, dass Eneas und seine Gefolgschaft ihr dienen werden, wenn sie es verlangt.

Durch das Versprechen ihr zu dienen, wenn sie Eneas und seine Männer aufnimmt, hat die Herrscherin Dido einen Vorteil, da durch die Aufnahme in ihr Reich ihr Heer auf kurze Zeit verstärkt wird. Durch die Verstärkung ist ihre Herrschaft noch mehr gesichert und gegen einen möglichen Angriff von außen besser zu verteidigen, da Eneas „wol drû tûsent schilde unde ritter alsô vile“[8] mit an ihren Hof bringt. Auch Eneas bringt die Aufnahme bei Dido einen Vorteil. Durch ihre Hilfe ist nach den sieben Jahren Irrfahrt auf dem Meer gewährleistet, dass seine Schiffe repariert werden und für das Wohlergehen seiner Mannschaft gesorgt wird.

Dido zeigt sich gnädig und sichert den Vertriebenen ihre Hilfe zu, da sie einst das gleiche Schicksal erlitten hat. Mit dieser frohen Botschaft kehren die Gesandten zu ihrem Herrn zurück. Nach einer kurzen Beratung über die nächsten Schritte, begeben sich Eneas und seine Männer zu Dido, wo di beiden sich gegenseitig reich beschenken.

An dieser Textstelle liegt eine Form der öffentlichen Bitte vor, wenn auch der Ablauf, wie Althoff in beschreibt, nicht vollständig ist. Eneas schickt einen Fürsprecher vor, der seine Bitte angemessen der Herrscherin vorträgt, dadurch kann Dido auf die Bitte gnädig reagieren und schickt die Boten mit einer positiven Entscheidung zu ihrem Herrn zurück. Es findet allerdings keine unterwürfige Handlung, in Form eines Kniefalls oder Fußfalls, von Eneas statt.

Da allein durch die Tatsache, dass Eneas dazu in der Lage ist Boten auszuschicken, klar wird, dass er ein Anführer ist und dadurch über den Stand eines Adligen verfügt. Eneas hat mit Absicht die Form einer Bitte eingesetzt, um eine positive Zusage Didos sicherzustellen. Würde ihm Dido seine Bitte nach Hilfe abschlagen, könnte dies zu einem folgenschweren Eklat führen, der die erfolgreiche Abwicklung des Auftrags der Götter, die Eneas gesandt haben um seiner Bestimmung zu folgen, verzögern oder gar in Gefahr bringen.

1.2 Bitte um Aufnahme bei Latinus

Nachdem er Karthago aufgrund der Prophezeiung seines Vaters in der Unterwelt verlassen hatte, kommt Eneas nach Italien. Dort schickt er wieder Ilioneus und Boten mit Geschenken zu dem dort herrschenden König Latinus. „Diu botschaft [die sie ihm brachten] dûhte in gût un diu gebe êrsam.“[9] König Latinus sagt:

„ûwer frunt Ênêas

sal mir willikomen sîn!

Das wirt ime wole schîn,

mûz ich und her leben.“[10]

Latinus weiß durch eine Prophezeiung von Eneas, seiner göttlichen „mage“ und dessen Zukunft in Italien und nimmt ihn deshalb sehr herzlich auf. Mit vielen Geschenken und der guten Botschaft sendet er die Bittsteller zu ihrem Herrn zurück. Eneas vernimmt mit Freude die guten Nachrichten, die ihm übermittelt werden und beginnt kurz darauf mit dem Bau der Burg Montalbane.

[...]


[1] Althoff, 1997, S. 373

[2] Ebd., S. 373

[3] Althoff, 1997, S. 375

[4] Ebd., S. 379

[5] Ebd., S. 383

[6] Von Veldeke, 2004, V. 24

[7] Von Veldeke,2004, V 30

[8] Ebd., V. 21

[9] Von Veldeke, 2004, V. 115

[10] Ebd., V. 115

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Die Bedeutung der symbolischen Kommunikation für das Verständnis des Mittelalters anhand des Eneasromans
Hochschule
Universität Bayreuth
Note
2,3
Autor
Jahr
2007
Seiten
17
Katalognummer
V112671
ISBN (eBook)
9783640115082
Dateigröße
438 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bedeutung, Kommunikation, Verständnis, Mittelalters, Eneasromans
Arbeit zitieren
Nadja Gilch (Autor:in), 2007, Die Bedeutung der symbolischen Kommunikation für das Verständnis des Mittelalters anhand des Eneasromans, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/112671

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