Simul iustus et peccator - Die Anthropologie der Rechtfertigungslehre Luthers


Seminararbeit, 2008
16 Seiten, Note: 1

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Gegenstand der Proseminararbeit
1.2 Methodisches Vorgehen

2. Die Rechtfertigungslehre allgemein und ihre Formen
2.1 Die Rechtfertigungslehre allgemein
2.2 die augustinische Gnadenlehre
2.3 Der Pelagianismus
2.4 Die paulinische Rechtfertigungslehre
2.5 Schlussfolgerungen zu den Rechtfertigungslehren vor Luther

3. Die Lutherische Rechtfertigungslehre
3.1 Biografischer Kontext
3.2 Auslegung von Römer 1,
3.3 Die Anthropologie in der Lutherischen Rechtfertigungslehre
3.4 Der Mensch als Sünder

4. Persönliche Stellungsnahme
4.1 Die Lutherische Rechtfertigungslehre im Spiegel der heutigen Zeit

5. Fazit

6. Literaturrecherche

1. Einleitung

1.1 Gegenstand der Proseminararbeit

In der vorliegenden Proseminararbeit wird die Rechtfertigungslehre Martin Luthers aus anthropologischer Sicht betrachtet. Die dazu analysierende These, was auch Kern der Lutherischen Rechtfertigung ist, ist folgende: “Simul iustus et peccator“.

Dieser lateinische Satz drückt aus, dass der Mensch ein Gerechter und ein Sünder zugleich ist. Er bildet das Kernstück der lutherischen Freiheitsschrift, die davon handelt, dass der Mensch nicht durch seine Werke gerecht vor Gott wird, sondern durch seinen Glauben. Die Rechtfertigungslehre setzt sich damit auseinander, wie ein Mensch vor Gott gerecht werden kann und, wie das rechte Verhältnis zwischen Mensch und Gott wiederhergestellt werden kann, welches durch die Sünde gestört ist. Diese Proseminararbeit hat sich nun zum Thema gemacht, welche Rolle der Mensch in der lutherischen Rechtfertigungslehre einnimmt und, inwiefern der Mensch unter der Macht der Sünde steht und, wie die Trennung des Menschen von Gott infolge der Sünde durchbrochen wird. Ein weiteres Anliegen der Proseminararbeit ist es, inwieweit sich die Anthropologie der lutherische Rechtfertigungslehre sich in der Rechtfertigungstheologie Pauli, in der Lehre des Pelagianismus’ sowie in der augustinischen Gnadenlehre widerspiegelt, weil diese Lehren als Vorläufer der Rechtfertigungstheologie Luthers gesehen werden können. Nicht unerheblich für die Proseminararbeit ist, welche aktuelle Bedeutung der Anthropologie von Luthers Rechtfertigungstheologie, was das Zentrum der persönlichen Stellungsnahme sein wird. Die Basis der Quellenbezüge bilden im Wesentlichen Luthers Werk “Von der Freiheit eines Christenmenschen“, der Römerbrief des Apostels Paulus sowie mit dazugehörigen Bibelkommentaren, ebenfalls Eberhard Jüngels Buch “Das Evangelium von der Rechtfertigung des Gottlosen als Zentrum des christlichen Glaubens“, sowie Udo Hahns Buch über die Rechtfertigung in seinem Band “Grundbegriffe Christentum“.

1.2 Methodisches Vorgehen

In diesem Punkt wird kurz dargestellt, welcher Gedankengang dieser Proseminararbeit zu Grunde liegt. Im ersten Punkt wird kurz und bündig dargestellt, was im Zentrum der Rechtfertigungslehre steht. Im Anschluss erfolgt ein Überblick über Rechtfertigungslehren, welche einerseits Grundlage der lutherischen Rechtfertigungslehre sind, sowie andererseits, welche im Kontrast zu ihr stehen. Danach wird die lutherische Rechtfertigungslehre vorgestellt und in diesem Zusammenhang wird eine Auseinandersetzung mit der These, dass ein

Mensch ein Gerechter und ein Sünder zugleich ist, erfolgen. Zum Abschluss erfolgt eine persönliche Stellungnahme vom Verfasser, deren Kern die Bedeutung der lutherischen Rechtfertigungslehre für die heutige Zeit ist.

2. Die Rechtfertigungslehre allgemein und ihre Formen

2.1 Die Rechtfertigungslehre allgemein

Der Begriff Rechtfertigung wird damit verbunden, Gründe für sein eigenes Verhalten anzuführen, um „seine eigene Person in ein rechtes Licht zu rücken“.1 Sich zu rechtfertigen erfolgt immer vor einer Instanz, wie vor einem Gericht, vor seinem Vorgesetzten im Beruf oder vor Gott selbst. Eine Rechtfertigung besteht demnach aus einem Verhältnis zwischen dem, der sich rechtfertigt und jemanden, vor dem man sich rechtfertigt. Die Rechtfertigungslehre setzt sich mit dem Verhältnis zwischen dem Menschen und Gott auseinander. Die Basis der Rechtfertigung im Christentum ist das rechte Verhältnis zwischen Gott und Mensch. Diese Beziehung wird durch die Sünde gestört und die Sünde ist das, womit sich der Mensch immer weiter von Gott entfernt. Die Sünde ist so gesehen die Entfremdung von Gott. Sie ist bildlich gesprochen eine den Menschen von Gott trennende Wand. Alles, was den Menschen von Gott trennt, kann somit als Sünde bezeichnet werden. Die Rechtfertigung bedeutet im Grunde genommen, wie diese Trennung überwunden wird, damit das rechte Verhältnis zwischen Gott und Mensch wiederhergestellt ist. Martin Luther äußerte selbst über den Rechtfertigungsartikel, dass “mit dem Rechtfertigungsartikel die Kirche steht und fällt“. Ein weiteres Anliegen der Rechtfertigung ist es, wie der Mensch vor Gott Anerkennung findet. Mit dieser Frage befassten sich schon vor Martin Luther der Apostel Paulus, der Kirchenvater Augustin und der britische Mönch Pelagius. Vor allem die paulinische Rechtfertigungslehre prägte Martin Luthers Verständnis von der Rechtfertigung, aber das wird erst im weiteren Verlauf der Proseminararbeit erläutert. Der nächste Abschnitt stellt in Kürze die Anthropologie der Rechtfertigungslehren dar, welche vor dem lutherischen Rechtfertigungs - verständnis entstanden.

2.2 Die augustinische Gnadenlehre

Die augustinische Gnadenlehre geht davon aus, dass alle Menschen durch Adam mit der Erbsünde (“peccatum haereditarium“2) belastet sind. Demzufolge ist kein Mensch frei von Sünde, so dass jeder Einzelne dem Tode verfallen ist. Der Grundgedanke in dieser Gnadenlehre ist, dass alle Menschen Adams Sündhaftigkeit erben, was für jeden ewige Verdammnis bedeutet. Es wird jetzt schon deutlich, dass der Mensch sich aus seiner Sündhaftigkeit nicht aus eigener Kraft befreien kann. Nach dem Kirchenvater Augustin befreit einzig und allein nur die Taufe den Menschen von der Erbsünde. Das bedeutet, dass Gott in seiner

Gnade und durch seine Barmherzigkeit den Menschen erlöst. Die Erlösung gilt nicht allen, sondern nur den Auserwählten. Im Großen und Ganzen wird deutlich, dass sich in der augustinischen Gnadenlehre Ansätze der Prädestinationslehre finden lassen.

2.3 Der Pelagianismus

Die Basis des Pelagianismus’ ist, dass die Erbsünde nicht die menschliche Natur verdirbt, sondern, dass der Mensch eine Selbsterlösungsfähigkeit aufweist. Nach Pelagius lässt es sich daraus schließen, dass der Mensch einen sterblichen Willen hat, womit der zwischen Gut und Böse unterscheiden kann. Demnach ist Adam ein schlechtes Beispiel für einen Menschen und Jesus Christus ein gutes Bespiel für einen Menschen. Des Weiteren besagt der Pelagianismus, dass die gesamte Menschheit die volle Verantwortung für ihr eigenes Seelenheil und ihrer Sünde trägt. Alles im allem lässt sich daraus schließen, dass der Mensch aus eigener Kraft sein eigenes Heil bewirken kann, indem er ohne Sünde ist. („posse sine peccato esse“, dt.: “ohne Sünde sein zu können“)

2.4 Die paulinische Rechtfertigungslehre

Die paulinische Rechtfertigungslehre bildet die Grundlage für Luthers Theologie von der Rechtfertigung. Im Römerbrief ist die paulinische Rechtfertigungslehre zusammengefasst wieder zu finden. Während Luthers Studium des Römerbriefes fand er darin den Anstoß seine Rechtfertigungslehre zu entfalten, aber dazu in den nächsten Abschnitten. Der Ausgangspunkt der paulinischen Rechtfertigungslehre ist ebenfalls im Vergleich zur augustinischen Gnadenlehre, dass der Mensch die Sündhaftigkeit von Adam erbt. Die Erlösung erfolgt nur durch den Sühnetod Christi. Christus gab sein Leben hin, um die Welt zu erlösen. Nach Paulus reichen nicht gute Werke und alle 613 Vorschriften des jüdischen Gesetzes aus, um den inneren Menschen zu erneuern. Durch den Stellvertretertod Christi ist die Herrschaft des Gesetzes beendet, das im Grunde genommen reinste Werkgerechtigkeit gewesen ist. Für Paulus steht das Evangelium an erster Stelle, in dessen Zentrum der Glaube an Jesus Christus steht und, dass die Liebe Gottes den Menschen von der Sünde befreit.

2.5 Schlussfolgerungen zu den Rechtfertigungslehren vor Luther

Im Pelagianismus wird der Mensch so gesehen, dass er in der Lage ist, sein eigenes Heil selbst zu bewirken und aufgrund seiner Willenfreiheit zwischen Gut und Böse wählen kann. Im Kontrast dazu steht die paulinische Rechtfertigungslehre. Der Apostel Paulus sieht jeden Menschen als fehlbares Wesen an, der in einer heillosen und gebrochenen Existenz lebt. Der Mensch ist demzufolge nicht im Stande, sich selbst aus seiner eigenen Sündhaftigkeit zu befreien. Der Mensch wird nach Paulus allein durch die Gnade Gottes gerecht. Die augustinische Gnadenlehre geht ebenfalls davon aus, dass der Mensch ein fehlbares Wesen ist, jedoch ist das Heil nur auserwählten Menschen gewiss.

3. Die Lutherische Rechtfertigungslehre

3.1 Biografischer Kontext

Die Ursprünge seiner Rechtfertigungslehre liegen in seiner Biografie. In den jungen Jahren des Martin Luthers litt er unter ständiger Todesangst aus Angst vor dem strafenden Gott. Luther kam mit der Erfahrung nicht zu Recht, dass er nicht zu der vom Evangelium geforderten “vollkommenen Gottesliebe“ nicht fähig ist. Das Ganze wurde noch gefördert durch die Angst vor dem jüngsten Gericht, die das Mittelalter prägte. Für Luther kam die Frage nach einem gnädigen Gott auf.

Seines Erachtens führten das Leben und die Frömmigkeitspraxis im Kloster nicht zu einer Entlastung. Die Antwort darauf fand er 1513 während seines Studiums des Römerbriefes. Er stieß auf die Verse 16-17 im Kapitel 1 des Römerbriefes. Dazu wird es noch eine nähere Erläuterung im nächsten Abschnitt geben, wie dieser Bibelvers auszulegen ist. Darin war die Rede von der Gerechtigkeit Gottes und Martin Luther erkannte die schenkende Gerechtigkeit Gottes. Damit stand das dem Gottesbild des strafenden Richters entgegen. Kurz gesagt, erkannte Luther in dieser Bibelstelle die Bedingungslosigkeit der Gnade Gottes.

3.2 Auslegung von Römer 1, 16-17

„16Denn ich schäme mich des Evangeliums nicht; denn es ist eine Kraft Gottes, die selig macht alle, die daran glauben, die Juden zuerst und ebenso die Griechen.

17Denn darin wird offenbart die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, welche kommt aus

Glauben in Glauben, wie geschrieben steht: >> Der Gerechte wird aus Glauben leben. <<“ (Römer 1, 16-17 nach der Lutherübersetzung). Die Quellengrundlage für die Auslegung von Römer 1, 16-17 bildet zum einen “Kommentar zur Bibel“3 von Donald Guthrie sowie von J. Alec Motyer und zum anderen “Der Römerbrief 1922“4 von Karl Barth. Nach Foulkes ist Römer 1, 16 – 17 die Grundlage der paulinischen Rechfertigungstheologie. Ihre Kernaussage ist, dass sich “Gerechtigkeit aus Glauben“ ergibt. Die Gerechtigkeit kann man im “forensischen und ethischen Sinne“ verstehen. Die Gerechtigkeit wird als “Wesenszug Gottes“ dargestellt. Dies hat ein „sehr hohes Vorbild“ für den Menschen, aber zugleich ein

„unerreichbares Vorbild für menschliches Verhalten“. In Psalmen sind oft

„Bekenntnisse des eigenen Versagens“ zu finden. Die Gerechtigkeit Gottes prägt “Gottes Handeln“, durch das “sein Volk ins gerechte Verhältnis gebracht wird“. Das Ergebnis dessen ist “Heil und Errettung“. Die Gerechtigkeit ist eine vom

„Glaubenden zu erwartende Eigenschaft im Umgang mit anderen und im persönlichen Bereich.“ „Der innewohnende und Kraft gebende Geist Gottes trägt dazu bei, was dem Menschen aus eigener Kraft nicht möglich ist. Paulus selbst verfasste den Bibelvers Römer 1, 16-17 auf der Basis von Habakuk 2,14:„Siehe, wer halsstarrig ist, der wird keine Ruhe in seinem Herzen haben, der Gerechte aber aus Glauben leben.“

[...]


1HAHN, U., Grundbegriffe Christentum: Rechtfertigung, 2001, 9

2 A. AUGUSTIN, Retractationes I, 13,5, CChr. SL 57 38,69

3 FOULKES, F., Brief an die Römer, in:D. Guthrie & J.A. Motyer (Hg.), Kommentar zur Bibel – C Neues Testament ,2006, 262

4 BARTH, K., Der Römerbrief 1922, 2005, 11-18

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Simul iustus et peccator - Die Anthropologie der Rechtfertigungslehre Luthers
Hochschule
Universität Rostock  (Evangelisch-Theologische Fakultät)
Veranstaltung
Proseminar
Note
1
Autor
Jahr
2008
Seiten
16
Katalognummer
V112675
ISBN (eBook)
9783640115099
ISBN (Buch)
9783640116140
Dateigröße
440 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Simul, Anthropologie, Rechtfertigungslehre, Luthers, Proseminar
Arbeit zitieren
Wilhelm Weber (Autor), 2008, Simul iustus et peccator - Die Anthropologie der Rechtfertigungslehre Luthers, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/112675

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