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Sprachliche Kreativität und Grammatikalisierung. Das Beispiel des "bekommen-Passiv"

Title: Sprachliche Kreativität und Grammatikalisierung. Das Beispiel des "bekommen-Passiv"

Term Paper , 2021 , 19 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Yuting Zuo (Author)

German Studies - Linguistics
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Der Sprachwandel ist nichts anderes als die ständige historische Objektivierung des schöpferischen Charakters der Sprache, in dem eine Reihe von Grammatikalisierungs- und Lexiklalisierungsprozessen stattfinden. In dieser Arbeit möchte ich mich mit dem Zusammenhang der sprachlichen Kreativität und Grammatikalisierung als einen entscheidenden Prozess des Sprachwandels beschäftigen.

Zunächst fange ich mit der Fragestellung an, was mit sprachlicher Kreativität gemeint ist, indem die Chomskys rule-goverend und rule-changing creativity eingeführt wird. Darüber hinaus versuche ich, den Begriff der sprachlichen Kreativität in de Saussure zu verorten. Im zweiten Teil werden die grundsätzlichen Begrifflichkeiten der Grammatikalisierung thematisiert. Dabei werde ich den Fokus auf zwei wichtigen Mechanismen – Reanalyse und Analogie – legen, die mittels des Beispiels ,,bekommen-Passiv‘‘ deutlicher dargestellt werden. Im dritten Teil versuche ich die Grammatikalisierung in Zusammenhang mit sprachlicher Kreativität zu stellen und zu beantworten, inwiefern ein Grammatikalisierungsprozess wie ,,bekommen-Passiv‘‘ sich mit der sprachlichen Kreativität verhält.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Sprachliche Kreativität in der Sprachtheorie

2.1 Chomskys regelgeleitete vs. regelveränderte Kreativität

2.2 Die Kreativität in Saussure

3 Konzepte in der Grammatikalisierungsforschung

3.1 Reanalyse und Analogie als Grammatikalisierungsmechanismen

3.2 Das Beispiel ,,bekommen-Passiv‘‘

4 Zusammenhang zwischen sprachlicher Kreativität und Grammatikalisierung

5 Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen sprachlicher Kreativität und Grammatikalisierung, wobei sie insbesondere analysiert, wie kreative Prozesse des Sprachgebrauchs zur Entstehung neuer grammatischer Strukturen beitragen.

  • Definition und theoretische Einordnung sprachlicher Kreativität (Chomsky, Saussure).
  • Analyse zentraler Grammatikalisierungsmechanismen (Reanalyse und Analogie).
  • Untersuchung des „bekommen-Passivs“ als Fallbeispiel für eine Renovation im Sprachsystem.
  • Erörterung des Wechselspiels zwischen individueller Innovation und kollektiver Systemveränderung.
  • Optimierung der Sprache unter dem Aspekt der Sprachökonomie.

Auszug aus dem Buch

3.2 Das Beispiel ,,bekommen-Passiv‘‘

In diesem Unterkapitel werde ich mich mit dem Beispiel „bekommen-Passiv“ beschäftigt. Im Mittelpunkt steht die Fragestellung, welche sprachliche Kreativität sich hinter dem „bekommen-Passiv“ verbergen könnten. Um diese Frage genauer zu betrachten, wird das „bekommen-Passiv“ zunächst aus der Perspektive der zentralen kognitiven Mechanismen – Reanalyse und Analogie – dargestellt. Darüber hinaus wird es mit kanonischem „werden-Passiv“ verglichen.

Das Verb „bekommen“ wird üblicherweise als lexikalischen Vollverb verwendet, das mit einem Akkusativobjekt verbunden ist. Mit diesem Akkusativobjekt kann man ausdrücken, was jemand nach der Aktion wie „geben“ und „schenken“ besitzt. Wenn man diesem Satz ein Partizip II hinzufügt, dann haben wir z.B. Lisa bekommt ihre Wäsche gewaschen. Er lässt sich so interpretieren: Lisa bekommt ihre Wäsche, die in einem gewaschenen Zustand steht. Das Partizip II gewaschen wird hier adjektivisch verwendet und fungiert als ein Attribut für „ihre Wäsche“. Nach der Reanalyse bekommt der Satz eine passivische Interpretation: Ihre Wäsche wird gewaschen. In dieser reanalysierten Interpretation verblasst das Vollverb bekommen ihre ursprüngliche Bedeutung, und zugleich wird es zu einem Hilfsverb uminterpretiert. Dementsprechend wird gewaschen hier statt als ein adjektivisches Attribut eher als einen Prädikatsteil von „bekommen“ verwendet.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik ein, wie sich sprachliche Kreativität definieren lässt und in welcher Beziehung sie zum Sprachwandel durch Grammatikalisierungsprozesse steht.

2 Sprachliche Kreativität in der Sprachtheorie: Das Kapitel kontrastiert Chomskys Modell der regelgeleiteten und regelverändernden Kreativität mit Saussures Dichotomie von langue und parole, um die menschliche Sprachfähigkeit theoretisch zu verorten.

3 Konzepte in der Grammatikalisierungsforschung: Hier werden Reanalyse und Analogie als zentrale Mechanismen des Sprachwandels eingeführt und anhand des „bekommen-Passivs“ detailliert erläutert.

4 Zusammenhang zwischen sprachlicher Kreativität und Grammatikalisierung: Dieses Kapitel synthetisiert die vorangegangenen Erkenntnisse und argumentiert, dass Grammatikalisierung eine Form der regelverändernden Kreativität darstellt, die der Sprachökonomie dient.

5 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bestätigt, dass der Sprachwandel ein komplexes Zusammenspiel aus individueller kognitiver Leistung und kollektiver Systemkonservierung ist.

Schlüsselwörter

Sprachliche Kreativität, Grammatikalisierung, Reanalyse, Analogie, bekommen-Passiv, Sprachwandel, Chomsky, Saussure, Sprachökonomie, langue, parole, kognitive Mechanismen, Sprachsystem, linguistische Innovation, Renovation.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht, wie sprachliche Kreativität den Sprachwandel beeinflusst und inwiefern Grammatikalisierungsprozesse als kreative Leistungen des Sprachgebrauchs verstanden werden können.

Welche zentralen Themenfelder deckt die Untersuchung ab?

Die zentralen Felder sind die Sprachtheorie (Chomsky/Saussure), Mechanismen der Grammatikalisierung (Reanalyse/Analogie) und die empirische Anwendung auf das „bekommen-Passiv“.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?

Das Ziel ist es zu klären, in welcher Wechselwirkung individuelle sprachliche Kreativität und die historische Grammatikalisierung von Sprachformen wie dem „bekommen-Passiv“ stehen.

Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewandt?

Die Arbeit nutzt eine theoretisch-analytische Methode, indem sie bestehende sprachtheoretische Konzepte auf konkrete Sprachphänomene anwendet und diese mittels Reanalyse- und Analogie-Modellen dekonstruiert.

Was steht im Hauptteil der Arbeit im Fokus?

Der Hauptteil widmet sich der theoretischen Fundierung der Kreativität sowie der detaillierten Beschreibung, wie durch Reanalyse und Analogie neue grammatische Funktionen entstehen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?

Wichtige Begriffe sind sprachliche Kreativität, Grammatikalisierung, Reanalyse, Analogie, Sprachökonomie und das bekommen-Passiv.

Wie unterscheidet sich das „bekommen-Passiv“ vom „werden-Passiv“?

Das „bekommen-Passiv“ ist laut der Analyse sprachökonomischer, da es auf den Dativ verzichtet und sich stärker am geläufigen Satzbau des Deutschen orientiert.

Welche Rolle spielt die „Sprachökonomie“ bei der Entwicklung des „bekommen-Passivs“?

Die Sprachökonomie dient als treibende Kraft, da sie den sprachlichen Aufwand für den Sprecher verringert, indem komplexe Konstruktionen durch einfachere grammatische Strukturen ersetzt werden.

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Details

Title
Sprachliche Kreativität und Grammatikalisierung. Das Beispiel des "bekommen-Passiv"
College
Bielefeld University
Grade
1,0
Author
Yuting Zuo (Author)
Publication Year
2021
Pages
19
Catalog Number
V1126862
ISBN (eBook)
9783346487490
ISBN (Book)
9783346487506
Language
German
Tags
Grammatikalisierung Sprachliche Kreativität bekommen-Passiv
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Yuting Zuo (Author), 2021, Sprachliche Kreativität und Grammatikalisierung. Das Beispiel des "bekommen-Passiv", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1126862
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