Der Zusammenhang zwischen Selbstwert, sozialem Vergleich und "fear of missing out" von Social Media Nutzern


Seminararbeit, 2021

28 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Fachlicher Hintergrund
2.1 Das Selbst
2.1.1 Selbstkonzept
2.1.2 Selbstwert
2.2 Sozialer Vergleich als psychologisches Konzept
2.3 fear of missing out
2.4 Forschungsstand – Zusammenführung der Ansätze

3 Forschungsziel und Hypothesen

4 Methodisches Vorgehen in der quantitativen Untersuchung
4.1 Datenerhebung
4.2 Sampling
4.3 Auswertung

5 Erwartete Ergebnisse

6 Herausforderungen und kritische Reflexion des Vorhabens

Literaturverzeichnis

Anhangsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1. Untersuchungsdesign - eigene Darstellung

Abbildung 2. Mein Zeitplan der Masterarbeit

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1 RSES nach Collani & Herzberg (2003) – eigene Darstellung

Tabelle 2 SCS nach Gibbson & Buunk (1999) – eigene Darstellung

Tabelle 3 Fomo-Skala nach Bosau &Ludwig (2017) – eigene Darstellung

Abkürzungsverzeichnis

bsp. Beispiel

bspw. beispielsweise

bzw beziehungsweise

ca. circa

d. h. das heißt

etc. et cetera

Fomo fear of missing out

RSES Rosenberg Self-Esteem Scale

SCS Social Comparision Scale

u.a. unter anderem

vgl. vergleiche

z. B. zum Beispiel

Zur formalen Grundlage wurde der Leitfaden zum wissenschaftlichen Arbeiten mit der Version 1.1 vom 01.08.2019 verwendet.

1 Einleitung

„Soziale Medien sind der gegenwärtige Stand der digitalen Gesellschaft, Taktgeber der Öffentlichkeit, der Politik, des Privatlebens weltweit“ (Lobo, 2018, S. 1).

Dieses Zitat aus dem Spiegel-Online hebt hervor, welche Bedeutung und allumfassende Reichweite die sozialen Medien in dem Rahmen der Digitalisierung für jeden einzelnen von uns haben. Nicht mehr wegzudenken ist das Internet in dem 21. Jahrhundert und damit verbunden die sozialen Netzwerke. Die Nutzerzahlen steigen und sind insbesondere bei der Altersgruppe 14 - 29 Jahre stark ausgeprägt, von denen 45 % permanent online ist (Anderson & Jiang, 2018). Eine Umfrage des ARD/ZDF im Jahr 2020 hat ergeben, dass Facebook mit 26 % sowie Instagramm mit 20 % nach WhatsApp mit 78 % die beiden wöchentlich am häufigsten genutzten Kanäle in Deutschland sind (ARD/ZDF, 2021). Soziale Plattformen werden verwendet, um mit Freunden in Kontakt zu bleiben sowie auf dem aktuellen Stand zu sein, was Neuigkeiten sowie bevorstehende Events betrifft (GlobalWebIndex, 2020). Weitere Nutzungsinteressen beziehen sich auf den Unterhaltungsfaktor und das Kaufinteresse von Produkten (GlobalWebIndex, 2020).

Bereits Gordon Allport, ein Mitbegründer1 der humanistischen Psychologie erkannte 1954, dass wir Menschen keine Einzelgänger sind. Unsere Gedanken, das Verhalten sowie Gefühle stehen laut ihm in Abhängigkeit zu unseren Mitmenschen. Das bedeutet, sie betreffen unser Gegenüber und werden gleichzeitig von diesem beeinflusst (Allport, 1954). Davon ausgehend stellt sich die Frage, wie dieser Prozess online abläuft. Bewusst oder unbewusst werden diese Netzwerke täglich neben der Selbstdarstellung zu sozialen Vergleichen herangezogen (Mussweiler, 2006). Durch den Zugang zu sozialen Medien besteht die Möglichkeit dem Bedürfnis nach sozialer Identität sowie Zugehörigkeit auch in virtueller Form nachzugehen. Die digitale Ebene kann laut Clayton, Leshner & Almond (2015) als eine Erweiterung des eigenen Selbst angesehen werden.

Für diese Seminararbeit sowie die darauf aufbauende Masterthesis ergeben sich folgende Fragen: In welcher Beziehung stehen der soziale Vergleichsprozess und fear of missing out oder: Wie reagieren diese zwei Komponenten, wenn sich der Selbstwert einer Person verändert? Die Masterthesis zu diesem Exposé wird sich mit diesen Fragen detailliert auseinandersetzen. In dem Mittelpunkt der Thesis soll die Forschungsfrage stehen: „Wie beeinflusst sozialer Vergleich und “fear of missing out“ das Selbstwertgefühl von social Media Nutzern?“. Ziel ist es die Zusammenhänge der einzelnen Konstrukte näher zu untersuchen und damit einen Beitrag zu der bestehenden Forschungsliteratur zu leisten. In diesem Exposé ist ein erster Überblick der theoretischen Fundierung gegeben und die Hypothesen sind aus dem aktuellen Forschungsstand abgeleitet. Des Weiteren wird das methodische Vorgehen erläutert. Am Ende des Exposés steht der Ausblick auf die zu erwartenden Ergebnisse sowie eine kritische Reflexion des Vorgehens.

2 Fachlicher Hintergrund

2.1 Das Selbst

In der Psychologie wird „das Selbst“ häufig in Verbindung mit dem Selbstkonzept sowie dem Selbstwert erwähnt. Aufgrund dessen, ist es notwendig zu klären, was das Selbst einer Person ist.

Der Begriff Selbst stammt aus dem Germanischen und ist eine Reflexionsform des Begriffes „Selb“, was so viel bedeutet wie in sich verharrend (Grimm, J. & Grimm, W., 1905). In Kombination mit einem bestimmten Artikel bedeutet dieses Wort Identität (Milch, 2019). Daraus ist ersichtlich, wie eng das Selbst mit der Persönlichkeit verwurzelt ist. In der Literatur wird häufig diskutiert, ob das Selbst ein Teil der Persönlichkeit ist oder andersherum (Rauthmann, 2017). Der Begründer der amerikanischen Psychologie William James (1890) befasste sich mit der Dualität der Selbstwahrnehmung und unterteilte das Selbst in ein aktives Subjekt („I“) sowie ein Objekt („Me“) (Aronson, Wilson & Akert, 2011). Das aktive Subjekt (self as knower) ist charakterisiert durch die Verarbeitung interner sowie selbstbezogener Informationen und nimmt eine Selbstdefinition vor. Das Me (self as known) sind die Inhalte des Wissens über die eigene Person und damit das wahrgenommene Ich des Selbstkonzeptes (Aronson et al., 2011). Diese beiden Aspekte zusammengefasst bilden damit unser Identitätsgefühl.

2.1.1 Selbstkonzept

Das Selbstkonzept ist wie zuvor beschrieben als eine deskriptive Komponente des Selbst zu verstehen. Laut Rosenberg beinhaltet es „the totality of the individual’s thoughts and feelings with reference to [the] self as an object” (Rosenberg, 1989, S. 34).

Die Quellen, aus denen ein jeder sein Wissen über das eigene Wesen zieht, kann in drei Bereiche unterteilt werden (James, 2007). Dazu gehört das materielle Selbst, welches das Wissen über das physische Ich beinhaltet. Die anderen Bestandteile zur Konzeption des Selbst sind: das spirituelle sowie das soziale Selbst. Das soziale Ich definiert sich durch die Fremdwahrnehmung, wohingegen sich das spirituelle Selbst als Bewahrer von Eigenschaften, Fähigkeiten und Einstellungen beschreiben lässt (Lohaus, 2018). Zusammengefasst besteht das Selbstkonzept aus Informationen über das Selbst, welche durch die Wechselbeziehung zu Mitmenschen und der Umwelt geformt werden (Shavelson, Hubner & Stanton, 1976). Es ist ein sehr flexibles Konstrukt, in dessen Mittelpunkt Identitätsfragen stehen: „Wer/Wie/Was bin ich?“ (Langner, 2009).

2.1.2 Selbstwert

Das Wort Selbstwertgefühl kommt aus dem Griechischen und bedeutet frei übersetzt „die Ehrfurcht vor dem eigenen Wesen“ (Srivastava & Joshi, 2014). Im Vergleich zu dem Selbstkonzept, welches aus einer Reihe von Selbstaspekten besteht, handelt es sich bei dem Selbstwert um die Wertschätzung und den Wert, den sich eine Person zuschreibt sowie die interne Bewertung der selbstbezogenen Überzeugungen und Einstellungen (Rosenberg, 1989). Die individuelle Interpretation des Selbstwertes entsteht somit in Abhängigkeit zu dem Selbstkonzept und ist ab dem Erwachsenenalter als ein vergleichsweise solides Persönlichkeitsmerkmal (Trait) zu betrachten (Orth & Robins, 2014; Asendorpf, 2009). Die Startbasis für die Selbstbeurteilung ist bereits in früher Kindheit gelegt. Entscheidend ist dabei, ob wir von unseren Eltern und dem direkten Umfeld respektiert, geliebt sowie darin bestärkt worden sind, unseren Fähigkeiten zu vertrauen (Branden, 2011). Das Level des Selbstwertes ist nicht durch die erlebte Prägung in der Kindheit auf einen bestimmten Wert festgeschrieben. Wissenschaftliche Forschung konnte in den letzten Jahren belegen, dass die Höhe des Selbstwertes vom Jugend- bis zum Erwachsenenalter von 50 Jahren zunimmt (Orth & Robins 2014). Bei den angenommenen Gründen für diesen Wandel handelt es sich u.a. um prägende Lebensereignisse oder den Übergang in einen neuen Lebensabschnitt (vgl. Chung et al. 2014). Unser Selbstwertgefühl beeinflusst sowohl unsere Stimmung, als auch individuelle und soziale Verhaltensweisen. Dutton und Brown (1997) erklären diesen Vorgang anhand eines Beispiels: Kommt es zu einer Niederlage in der akademischen Leistung, dann wird jemand mit einem geringen Selbstwert dieses als eine persönliche Erniedrigung empfinden. Selbst bei einem Erfolg, ist die Wahrnehmung gegenüber dem Selbst negativ, obwohl die Person sich darüber im Klaren ist, dass sie vieles meistern kann und sehr intelligent ist: „Yes, I know I am smart and can do many things well, but I just don´t feel good about myself“ (Dutton & Brown, 1997, S.146). In dem Gegensatz dazu ist eine Niederlage bei einem hohen Selbstwert einer zu geringen Anstrengung zugeschrieben und nicht dem Mangel persönlicher Fähigkeiten (Jünemann, 2016). Durch diese Art der Interpretation kann das Selbst in seiner ursprünglichen Form geschützt werden. Daraus ist zu entnehmen, dass der Glaube an die eigenen Fähigkeiten stark von dem Selbstwert abhängig ist (Ryeng, Kroger & Martinussen, 2013). Individuen mit einem hohen Selbstwertgefühl nehmen wesentlich mehr positive Qualitäten an sich wahr, als Personen mit einem geringen Selbstwert. Die soziale Vergleichsforschung hat des Weiteren ergeben, dass der Selbstwert als ein Moderator zu sehen ist, der auf die Tendenz zu einem Vergleichsprozess einwirken kann (Jones & Buckingham, 2005). Nach Rosenbergs Definition eines globalen Selbstwertes, kann die subjektive Bewertung der eigenen Person in die zwei zuvor erläuterten Richtungen tendieren: Anerkennung oder Verachtung (Brown, Dutton & Cook, 2001). Neben einer hoch-niedrig Ausprägung, ist der Selbstwert des Weiteren in explizit und implizit zu unterteilen. Dabei handelt es sich um zwei in sich vernetzte psychologische Systeme, die unterbewusst sowie parallel agieren (Epstein, 2006). Die Grundsteine für das implizite Selbstsystem sind unterbewusste affektive Assoziationen mit Erfahrungen, wohingegen das explizite System auf einer rationalen, bewussten Logik basiert (Kernis, Lakey & Heppner, 2008). Daraus resultiert, dass mit zunehmender Lebenserfahrung die implizite Komponente stabiler wird, wohingegen das explizite System situationsabhängig variieren kann (Rosenberg, Schooler & Schoenbach, 1989). Damit erfasst der explizite Selbstwert den aktuellen Stand der Selbstbeurteilung und der implizite Faktor soll eine Gefühlserfassung ohne bewusste Verzerrung ermöglichen. Zur Messung der expliziten Komponente werden Selbstbeurteilungen, Fragebögen oder Interviews genutzt (Jordan, Whitfield & Zeigler-Hill, 2007). Die Erhebung des impliziten Elements erfolgt indirekt d. h. ohne Wissen über die gemessene Komponente, um eine willentliche Beeinflussung zu verhindern (De Houwer, 2006). Eine häufig genutzte Methode zur Messung des impliziten Selbstwertes ist der Name Letter Test (Nuttin, 1985). Dabei werden die Initialen bzw. Buchstaben des eigenen Namens bewertet, die meistens mit einer positiveren Assoziation einhergehen, als andere Buchstaben (Kernis et al., 2008).

2.2 Sozialer Vergleich als psychologisches Konzept

Aufkommende Informationen jeglicher Art werden täglich von uns in Beziehung zu der eigenen Person gesetzt, egal ob es bei dieser Information darum geht, wie andere sind, welche Ziele diese (nicht) erreicht haben, welche Fähigkeiten sie besitzen oder auch nicht (Dunning & Hayes, 1996). Laut Mussweiler (2006) vergleichen wir uns, ob bewusst oder unbewusst mit unseren Mitmenschen, was wiederum unser Empfinden, Urteilen sowie Agieren steuert. Daraus ist zu entnehmen, dass der komplexe soziale Vergleichsprozess eine zentrale Rolle bei der Entwicklung des Selbstkonzeptes einnimmt und das Wohlbefinden beeinflusst. Der thematische Ursprung geht auf den Sozialpsychologen Leon Festinger (1954) zurück und wurde inzwischen zu der Theorie des sozialen Vergleiches (social comparison theory) weiterentwickelt. Sozialer Vergleich kann definiert werden als „…process of thinking about information about one or more other people in relation to the self” (Wood, 1996, S. 520). Die Forscher Choi & Hogg (2020) bezeichnen die Validierung der eigenen Person als unabdingbar für den Aufbau einer positiven individuellen sozialen Identität und als Fundament einer starken Gruppenidentifikation. Die Validierung oder auch nicht Validierung der persönlichen Identität in dem Rahmen eines Merkmals kann unterschiedlichen Quellen entspringen. In Japan wurde 2015 die erste „Miss mixed-race Japan“ gekürt, ihre Mutter ist Japanerin und ihr Vater Afro-Amerikaner. Die Gewinnerin Ariana Miyamoto ist mit Kommentaren konfrontiert worden, dass sie „nicht Japanisch genug“ sei, was wiederum von anderen dementiert wurde (Choi & Hogg, 2020). Laut Festinger (1954) ist es ein Grundbedürfnis des Menschen, sich mit ähnlichen Personen zu vergleichen, um sich ein reales sowie präzises Wissen über die eignen Fähigkeiten und Eigenschaften anzueignen. Einzelne Aspekte wie bspw. sozialer Status, berufliche Leistungsfähigkeit oder auch die ethnische Herkunft, wie aus dem genannten Beispiel, können bei einem sozialen Vergleich im Mittelpunkt stehen und dadurch das Verlangen nach Selbsterkenntnis stillen (Döring, 2013; Festinger 1954). Soziale Vergleiche beeinflussen zentral unsere Emotionen (Selbstwertgefühl), haben einen kognitiven Einfluss (Selbstkonzept) und Auswirkungen auf der motivationalen sowie verhaltensbezogenen Ebene (Selbstwirksamkeit, Selbstentwicklung) (Döring, 2013).

In der Literatur werden drei Arten des sozialen Vergleiches Unterschieden: Aufwärts-, Abwärts- und horizontale Vergleiche. Bei abwärts gerichteten Vergleichen (downward comparision) soll das Selbstwertgefühl wiederhergestellt bzw. gestärkt werden (Wills, 1981). Durch den Vergleich mit Menschen, dessen spezifisches Merkmal dem eigenen unterlegen ist. Diese Variante wird u.a. in herausfordernden Lebenssituationen angewendet. Die Forscher Wood & VanderZee (1997) stellten fest, dass Brustkrebspatientinnen ihre eigene Situation als positiver wahrnahmen, nachdem sie sich mit schwerer erkrankten Krebspatienten verglichen hatten. Durch diese Methode werden Ängste reduziert und Gefühle wie Erleichterung können entstehen (Jankowski & Takahashi, 2014). Im Vergleich dazu orientiert sich eine Person bei Aufwärts-Vergleichen (upward comparison) an einem Gegenüber, der ihr in einem bestimmten Merkmal überlegen ist. Solche Vergleichsprozesse dienen der Leistungsmotivation und werden angestrebt, wenn die betroffene Person den Unterschied als nicht existent oder sehr gering deutet (Gerber, Suls & Wheeler, 2017). Realistische Selbsteinschätzungen werden durch den dritten Typ der sozialen Vergleichsprozesse gefördert. Dabei handelt es sich um einen horizontalen Vergleich (horizontal comparison) bei Personen, die eine ähnliche Ausprägung des interessierten Aspekt aufweist (Döring, 2013). Vergleiche mit Personen auf der gleichen Ebene werden laut Tiggemann & Zaccardo, (2015) bevorzugt. Soziale Plattformen wie Facebook oder Instagram bieten ein großes Repertoire an möglichen Vergleichsoptionen für jedes Mitglied der Community, egal ob dieses aktiv Mitteilungen bzw. Fotos teilt oder diese passiv betrachtet. Studien haben vermehrt einen negativen Einfluss von geteilten Bildinhalten auf die Wahrnehmung des eigenen Körperbildes durch die aktive Auseinandersetzung mit der jeweiligen Peergroup feststellen können (Bair, Kelly, Serdar & Mazzeo, 2012; Ahadzadeh, Sharif & Ong, 2017).

2.3 fear of missing out

Herman (2000) hat „fear of missing out“ (Fomo) als Begriff eingeführt, um das Phänomen zu beschreiben, dass limitierte Auflagen einer Marke in einer Marktwirtschaft mit vielen Wahlmöglichkeiten erfolgreich sind. Daraus kann entnommen werden, dass dieses Konzept u.a. als eine Verbrauchermotivation fungieren könnte (Herman, 2019).

Fomo vermittelt auf Grundlage eines sozialen Vergleichsprozesses die allumfassende Angst: „a pervasive apprehension that others might be having rewarding experiences from which one is absent” (Przybylski, Murayama, DeHaan & Gladwell, 2013, S.1841). Die Wahrnehmung, etwas zu verpassen, ist durch die vielfältig geteilten Erfahrungen sowie die Selbstdarstellungen über die sozialen Netzwerke verstärkt anzutreffen und wird aufgrund dessen auch als eine Social-Media-Krankheit bezeichnet (Zhang, Jiménez & Cicala, 2020). Dreiviertel jungen Erwachsenen gaben an, schon einmal die Angst etwas zu verpassen, selber erlebt zu haben, infolge der online geteilten Informationen von Freunden (Przybylski et al., 2013). Menschen mit hohen Fomo-Werten haben das Verlangen über das aktuelle Geschehen im Leben von anderen auf dem aktuellen Stand zu sein sowie mit ihnen in Verbindung zu stehen (Franchina, Abeele, Rooij, Coco & Marez, 2018; Przybylski et al., 2013). Verbraucher haben ausgesagt, dass Fomo u.a. empfunden wird, wenn sie keine Möglichkeit haben, sich den sozialen Plattformen zu bedienen (Zhang et al, 2020). Merkmale für dieses Phänomen sind, dass man eine Schwäche für soziale Plattformen hat und ein Gefühl von Zufriedenheit bei dessen Verwendung entsteht (Dossey, 2014). Als problematisch wird dies von Dossey eingestuft, weil die Empfindung nur dann eintritt, wenn die online verbrachte Zeit stetig erhöht wird. Laut den Forschern Abel, Buff & Burr (2016) ist eine Konsequenz von Fomo, dass die Furcht vor einer sozialen Ausgrenzung aktiviert wird und ein Gefühl von Wertlosigkeit eintritt. Da fast jeder heutzutage ein Smatphone mit Internetzugang besitzt, kann daraus ein Teufelskreis resultieren. Durch Fomo kann ein Gefühl von Einsamkeit aufkommen, welches versucht wird mit visuellen Kontakten zu bekämpfen, wodurch eine Empfindung von Isolation entsteht, welches wiederum Fomo erhöht (Dossey, 2014). Auf der anderen Seite kann Fomo positiv zur Bedürfnisbefriedigung beitragen, indem es einen Anreiz setzt, um soziale Verbindungen zu reaktivieren oder neue Beziehungen anzustoßen. Zusammengefasst bedeutet es: „ FoMo lures us out of our integrity with whispers about what we could or should be doing.” (Brown, 2015, zitiert nach Baker, Krieger & LeRoy, 2016, S.275). Die erste empirische Studie auf diesem Gebiet ist 2013 durch Przybylski und seine Kollegen veröffentlicht worden. Sie stellen fest, dass Fomo als Mediator zwischen geringem psychischem Wohlbefinden und der Nutzung von sozialen Netzwerken fungiert. Die Autoren sind davon überzeugt, dass dieses Konstrukt Individuen dazu antreibt sich vertieft mit sozialen Medien auseinanderzusetzen, um Möglichkeiten zur Bedürfnisbefriedigung zu finden. In der aktuellen wissenschaftlichen Arbeit von Zhang et al. (2020) ist erstmals die Vermutung aufgestellt und überprüft worden, dass sich dieses Konstrukt in zwei unterschiedliche Dimensionen unterteilen lässt. Sie nehmen an, dass es eine persönliche und eine soziale Ebene innerhalb der Fomo-Gesamtheit gibt. Ausgehend von dem Selbstkonzept definiert der persönliche Bereich das Ausmaß an Fomo, welches in direkter Verbindung zu den Erfahrungen des eigenen Selbst steht. In dem Unterschied dazu, bezieht sich das soziale Fomo auf den Grad der Angst, welcher sich aus den Ereignissen ergibt, die andere Mitmenschen gerade genießen (Zhang et al., 2020). In weiteren Studien konnten erhöhte Fomo-Werte in mit einem geringen Selbstwertgefühl (Buglass, Binder, Betts & Underwood, 2017) und einer Übermäßigen Nutzung des Smartphones (Elhai, Levine, Dvorak & Hall, 2016) in Verbindung gebracht werden. Beyens, Frison & Eggermont (2016) und Salim, Rahardjo, Tanaya & Qurani (2017) nutzten Fomo als Indikator zur Vorhersage des Konsums von Facebook sowie Instagram.

2.4 Forschungsstand – Zusammenführung der Ansätze

Durch die Sichtung der Forschungsliteratur verdeutlicht, dass die einzelnen Konstrukte stark miteinander vernetzt sind. Im Folgenden werden aktuelle Studien beleuchtet, die sowohl die Elemente an sich näher beforschen, als auch ihre Verbindung untereinander detailliert betrachten. Die jeweiligen Samples der im folgenden genannten Forschungsarbeiten umfassen 267 bis 11.199 befragte Personen.

Wie bereits unter Punkt 2.2 erwähnt kann ein sozialer Vergleich sich auf das Wohlbefinden niederschlagen. Die aktuelle Metaanalyse von Yang, Wei & Tang (2019) verdeutlicht dies durch die Untersuchung der Indikatoren Lebenszufriedenheit, Selbstwertgefühl und psychologisches Wohlbefinden. Sie stützen die bisherigen Erkenntnisse, dass Wohlbefinden sich durch einen Vergleichsprozess verringert. Yang et al. (2019) legen nahe, dass sich die zukünftige Forschung auf einen möglichen Alterseffekt in den Faktoren konzentrieren sollte, indem sie die zwei Gruppen, Erwachsene und Jugendliche, in einer Studie genauer untersucht. Bisherige Forschungen betrachten diese beiden Gruppen häufig getrennt voneinander. Von den in der Metastudie betrachteten Forschungen fokussieren drei die Altersgruppe 13 - 18 Jahre, 13 Studien bestehen aus einem Sample von 18 - 23-Jährigen und vier analysieren die Gruppe ab 23. Eine weitere Korrelation zwischen den Elementen soziale Vergleichsorientierung und Selbstwert konnten die Wissenschaftler Cramer, Song & Drent (2016) bei Facebook-Nutzern feststellen. Die Studie stellt heraus, dass Menschen mit einem geringen Selbstwert eher dazu neigen sich mit anderen zu vergleichen. Dies geschieht mit dem Ziel der Selbstevaluation, Selbstverbesserung, Selbstwerterhöhung oder Selbstzerstörung. Kommt es zu einer Steigerung des Selbstwertes, ist das Ende von diesem Prozess, eine erreichte Selbstverbesserung (Cramer et al., 2016).

Die empirische Verbindung von Fomo und der sozialen Vergleichsorientierung wurde erstmals von den Autoren Reer, Tang & Quandt (2019) untersucht. Dabei hat sich Fomo als ein Prädiktor für die soziale Vergleichsorientierung herausgestellt. Es besteht ein positiver Zusammenhang der Erhöhung des Vergleichsprozesses mit der Steigerung von Fomo (Reer et al, 2019). Reer und seine Kollegen glauben, dass Fomo zu einem gewissen Grad auf einem sozialen Vergleich basiert. Jedoch ist es strittig, ob Fomo Ursache oder Wirkung eines Vergleichsprozesses ist (Reer et al, 2019). Unteranderem dies zeigt, dass noch viel Forschungspotential in diesem Bereich besteht.

[...]


1 Zur Aufrechterhaltung eines guten Leseflusses nutzt die Autorin dieser Seminararbeit häufig die maskuline Form. Dies stellt keine Diskriminierung der Geschlechter dar.

Ende der Leseprobe aus 28 Seiten

Details

Titel
Der Zusammenhang zwischen Selbstwert, sozialem Vergleich und "fear of missing out" von Social Media Nutzern
Hochschule
FOM Hochschule für Oekonomie und Management gemeinnützige GmbH, Hochschulstudienzentrum Hamburg
Veranstaltung
Wirtschaftspsychologische Forchung
Note
1,0
Autor
Jahr
2021
Seiten
28
Katalognummer
V1126864
ISBN (eBook)
9783346487308
ISBN (Buch)
9783346487315
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Eine sehr gute Ausarbeitung laut des Dozenten
Schlagworte
Social Media, Selbstwert, sozialer Vergleich, Fear of missing out, FoMo, soziale Medien, Social Comparision Scale, Rosenberg Self-Esteem Scale, Quantitative Forschung, Hypothesen
Arbeit zitieren
B.A. Sozialökonomie Lena Vogel (Autor:in), 2021, Der Zusammenhang zwischen Selbstwert, sozialem Vergleich und "fear of missing out" von Social Media Nutzern, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1126864

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