In dieser Hausarbeit möchte ich mich mit der Zeit des Nationalsozialismus beschäftigen, welche im Jahr 1933 begann als Adolf Hitler zum Reichskanzler ernannt wurde und 1945 mit der Kapitulation der Wehrmacht endete. Den bisherigen Wohlfahrtsstaat verwandelten die Nationalsozialisten in einen Volkswohlfahrtsstaat, wobei lediglich die Aspekte der Rassenhygiene erhalten geblieben sind und dazu dienen sollten, die »wertvollen brauchbaren« von den »unbrauchbaren« Menschen kategorisch zu trennen. In der Zeit des Nationalsozialismus kam es zu zahlreichen Euthanasieverfahren an verschiedenen, der NS-Ideologie nicht entsprechenden, sogenannten »lebensunwerten« Menschen, wie Anfangs mit dem Aspekt der Rassenhygiene erwähnt. Sozialpädagogische Fachkräfte arbeiten täglich mit Menschen deren (sozialen) Probleme beispielsweise von (seelischen-) Behinderungen über Arbeits- und Wohnungslosigkeit bis hin zu Abhängigkeitserkrankungen reichen. Diese Menschen jedoch galten nach der NS-Ideologie als „Lebensunwerte“ (Münchmeier, 2014). Dementsprechend stelle ich die These auf, dass sich Fürsorgerinnen während der Zeit des Nationalsozialismus im Rahmen der negativen Eugenik am Euthanasieverfahren beteiligt haben. Demzufolge möchte ich Ihnen einen Ausblick über die folgenden Kapitel der Hausarbeit geben. Im zweiten Kapitel möchte ich mich einer kurzen Übersicht zur Volkspflege widmen, damit der weitere Verlauf der Hausarbeit verstanden werden kann, wobei sich ausführlichere Erläuterungen dessen im Anhang 1 und 2 befinden. Das dritte Kapitel soll von Gründen handeln, warum Fürsorgerinnen sich dem Nationalsozialismus anpassten. Das vierte Kapitel soll von den Aufgaben handeln, welche Fürsorgerinnen in der Zeit des Nationalsozialismus in ihrer Tätigkeit ausführten. Anschließend soll im fünften Kapitel ein Fazit der gesamten Erkenntnisse und ein Ausblick bezüglich der Hausarbeit gegeben werfen. Als Hinweis sei noch zu erwähnen: Diskriminierende oder ausgrenzende Begriffe des „Dritten Reiches“, welche die Verfasserin unter ausdrücklicher Distanzierung nutzt, werden in dieser Hausarbeit übernommen und kursiv in »eckigen Anführungszeichen« angeführt. Obwohl FürsorgerInnen 1933 in VolkspflegerInnen umbenannt wurden, wird aufgrund der begrifflichen Benutzung innerhalb der Hauptliteratur die Berufsbezeichnung „Fürsorgerin“ verwendet.
Inhaltsverzeichnis
1. Hinführung zum Thema
2. Die nationalsozialistische »Volkspflege«
3. Warum sich Fürsorgerinnen dem sozialen Rassismus anpassten
4. Aufgaben der FürsorgerInnen
5. Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle und das Verhalten von Fürsorgerinnen während der Zeit des Nationalsozialismus, mit dem zentralen Ziel zu belegen, dass diese durch ihre aktive Mitwirkung an der Erfassung und Dokumentation von als „minderwertig“ stigmatisierten Menschen maßgeblich an den Euthanasieverfahren und dem sozialen Rassismus des NS-Regimes beteiligt waren.
- Transformation des Wohlfahrtsstaates in den nationalsozialistischen „Volkswohlfahrtsstaat“.
- Analyse der Beweggründe für die Anpassung von Fürsorgerinnen an die NS-Ideologie.
- Die Funktion der Fürsorge innerhalb der „negativen Eugenik“ und „ausmerzenden Erbpflege“.
- Die Rolle der Dokumentation, insbesondere der Erstellung von „Sippentafeln“ und Berichten, als Grundlage für Zwangssterilisationen.
- Vergleich der damaligen Berufspraxis mit den heutigen ethischen Rahmenbedingungen der Sozialen Arbeit.
Auszug aus dem Buch
Die nationalsozialistische »Volkspflege«
Durch die Machtübernahme der Nationalsozialisten im Jahre 1933 wurde die Sozialpolitik und somit das Fürsorge- bzw. das Wohlfahrtswesen der nationalsozialistischen Ideologie angepasst und von dieser instrumentalisiert, wodurch ein Volkswohlfahrtsstaat entstand (vgl. Münchmeier, 2015, S. 589f.). Die nationalsozialistische Ideologie dahinter hatte das Kernziel, den Gebrauch Sozialer Arbeit auf ein Minimum zu reduzieren, diese außerhalb des Gesundheitswesens gar überflüssig zu machen (vgl. Münchmeier, 2014, S.177). Ihrer Überzeugung nach – basierend auf Rassenbiologie und Vererbungslehre – würde dies geschehen, wenn „den Starken („Erbgesunden“) geholfen, die Schwachen („Lebensunwerte“ […]) aber ausgeschieden werden“ (ebd., S.177). Gesprochen wird jedoch von einem „Ausscheiden“, eine sanfte Umschreibung eines unsanften Euthanasieprozesses. Schlussfolgernd gilt das Interesse nicht mehr individuell dem einzelnen Klienten und dessen Konfliktlage, sondern dem Erhalt und Aufbau des gesunden, »erbreinen Volkskörpers« welcher der Volksgemeinschaft dienen sollte. Bürger sollten diesbezüglich nach rassenbiologischen, sozialhygienischen und eugenischen Prinzipien in unterschiedliche Kategorien unter dem Namen der Vorsorge eingeteilt werden, welche sich zwischen »rassisch rein« und »rassisch unrein«, »wertvoll« und »lebensunwert« bzw. »minderwertig« und »vollwertig« unterschieden (vgl. ebd., S.171f.).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Hinführung zum Thema: Einleitung in die historische Kontextualisierung der Sozialen Arbeit unter dem Nationalsozialismus und Formulierung der These über die Beteiligung von Fürsorgerinnen an Euthanasieverfahren.
2. Die nationalsozialistische »Volkspflege«: Erläuterung der Transformation des Wohlfahrtswesens in eine rassenbiologisch ausgerichtete Ideologie, die zwischen „wertvollen“ Mitgliedern und „auszumerzenden“ Individuen unterschied.
3. Warum sich Fürsorgerinnen dem sozialen Rassismus anpassten: Analyse der sozioökonomischen Faktoren, wie der Weltwirtschaftskrise und dem Druck auf das Berufsbild, die zur Anpassung und Ideologisierung der Fürsorgerinnen führten.
4. Aufgaben der FürsorgerInnen: Darstellung der konkreten Tätigkeiten, insbesondere der Erfassung und Dokumentation von Klienten, die als Grundlage für Zwangssterilisationen und Verfolgungsmaßnahmen dienten.
5. Fazit: Zusammenfassende Bestätigung der These, dass Fürsorgerinnen durch ihre Zuarbeit zu einer tragenden Rolle bei der Umsetzung des nationalsozialistischen Vernichtungsprogramms wurden.
Schlüsselwörter
Nationalsozialismus, Fürsorgerinnen, Volkspflege, negative Eugenik, soziale Arbeit, Euthanasie, Zwangssterilisation, Minderwertige, Volksgemeinschaft, Sippentafeln, Wohlfahrtsstaat, Berichterstattung, Auslese, Ausmerze, rassenbiologische Prinzipien.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit der Rolle von Fürsorgerinnen im Nationalsozialismus und hinterfragt deren Beteiligung am Euthanasie- und Sterilisationsgeschehen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die thematischen Schwerpunkte liegen auf der ideologischen Umgestaltung des Wohlfahrtswesens zur „Volkspflege“, den Motiven der Anpassung des Personals und der operativen Beteiligung an den NS-Maßnahmen.
Was ist die Forschungsfrage der Arbeit?
Die zentrale These lautet, dass sich Fürsorgerinnen während der Zeit des Nationalsozialismus aktiv im Rahmen der negativen Eugenik an Euthanasieverfahren beteiligt haben.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine literaturgestützte Analyse, wobei sie Fachliteratur und historische Interviewsequenzen ehemaliger Fürsorgerinnen heranzieht, um ihre Thesen zu belegen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Gründe für die Anpassung an das NS-Regime sowie die konkreten beruflichen Aufgaben, wie das Anfertigen von Sippentafeln und Gutachten zur Erfassung „minderwertiger“ Menschen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie „Volkspflege“, „negative Eugenik“, „Zwangssterilisation“ und die Rolle der „Fürsorgerinnen“ als Akteurinnen der Ausgrenzung bestimmt.
Warum war die Dokumentation durch Fürsorgerinnen so entscheidend?
Ihre Berichte und Sippentafeln lieferten die notwendige Datenbasis für ärztliche Entscheidungen über Zwangssterilisationen und Tötungen; ohne diese Erfassung wäre das Ausmaß der Verfolgung nicht möglich gewesen.
Welchen Stellenwert nimmt die heutige Soziale Arbeit im Vergleich ein?
Die Arbeit stellt die heutigen ethischen Grundsätze der Menschenrechte und Antidiskriminierung den Handlungen der Fürsorgerinnen während des Nationalsozialismus als scharfen Kontrast gegenüber.
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- Anonym (Author), 2021, Soziale Arbeit im NS-Staat, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1127111