Diese Arbeit behandelt die zentrale Fragestellung: Wie wird die Hauptfigur in dem Bilderbuch „Irgendwie Anders“ dargestellt und wie wird über dieses besondere Wesen in Text und Bild erzählt? Welche literarischen Lernpotenziale ergeben sich für Kinder im Vorlesegespräch durch Einnehmen der Figurenperspektive?
"Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden." So steht es in Artikel 3, Absatz 3 des Grundgesetzes. Dennoch gehört Ausgrenzung in der Gesellschaft aufgrund Herkunft, Aussehen oder sozialem Status zum alltäglichen Leben vieler, auch junger Menschen. Aus diesem Grund hat das "Außenseitertum" Einzug in die Literatur gefunden und so werden auch Probleme und Konflikte, die Kinder betreffen seit den 70er Jahren in der Kinderliteratur aufgegriffen. Es geht um Figuren, die wegen ihres ungewöhnlichen äußeren Erscheinungsbildes oder besonderer Verhaltensweisen ausgegrenzt werden. Die Protagonisten sind oft im Kindesalter und besitzen Identifikationspotenzial, wodurch ihre Lage auf die kindliche, reale Lebenswelt übertragbar ist.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Außenseiter
2.1 Was ist ein Außenseiter?
3. Das Bilderbuch
3.1 Erzählen in Text und Bild
3.2 Literarisches Lernen mit Bilderbüchern
3.2.1 Ein Unterrichtskonzept: Das literarische Gespräch
4. Bilderbuch „Irgendwie Anders“ (Cave/Riddell 1994)
4.1 Inhalt
4.2 Bilderbuchanalyse nach Staiger
4.2.1 Außenseiter auf Text- und Bildebene
4.2.2 Kontrast zu den anderen Figuren
4.2.3 Diskussion
5. Literarisches Lernen durch Perspektiveneinnahme literarischer Figuren
5.1 Irgendwie Anders, Etwas und die Tiere
5.2 Irgendwie Anders zu Beginn und am Ende des Buches
5.3 Konzeption eines Vorlesegesprächs
5.4 Diskussion
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Darstellung von Außenseitern in der Kinderliteratur am Beispiel des Bilderbuchs „Irgendwie Anders“ von Kathryn Cave und Chris Riddell. Dabei steht die literaturdidaktische Analyse des Werkes sowie das Potenzial für literarisches Lernen durch die Einnahme von Figuren- und Perspektivwechseln im Rahmen von Vorlesegesprächen im Vordergrund der Untersuchung.
- Literaturwissenschaftliche Einordnung des Außenseiter-Begriffs.
- Methodische Bilderbuchanalyse nach dem fünfdimensionalen Modell von Staiger.
- Analyse der narrativen, bildlichen und intermodalen Ebenen des gewählten Werkes.
- Literarisches Lernen und Perspektiveneinnahme bei Grundschulkindern.
- Konzeptionelle Ansätze für das Vorlesegespräch im Unterricht.
Auszug aus dem Buch
4.2 Bilderbuchanalyse nach Staiger
In ihrem Bilderbuch thematisiert Cave die Ausgrenzung der Hauptfigur aus einer bereits bestehenden Gemeinschaft. Das Verhalten der anderen Tiere ihr gegenüber und die Emotionen, die sie dabei erlebt, werden verbal und piktoral vermittelt, weshalb es sich um ein erzählendes Bilderbuch handelt. Das Wesen entwickelt im Laufe des Buches eine eigene Vorstellung davon, wie es sich einen Freund vorstellt und was als normal gilt. Irgendwie Anders verschließt sich vor Etwas, merkt jedoch schnell, wohin ein vorurteilsfreies Verhalten führen kann.
Durch die Akzeptanz von Andersartigkeit und die respektvolle und tolerante gegenseitige Begegnung entsteht eine tiefe Freundschaft zwischen den Hauptfiguren.
Die Handlung verläuft einsträngig und klassisch mit Einleitung, steigender Spannung, einem schwankenden Spannungsbogen bis zum Höhepunkt und dem Schluss.
Zu Beginn des Buches wird der Rezipient/ die Rezipientin mitgenommen in das einsame Häuschen von Irgendwie Anders. Im weiteren Verlauf der Geschichte wird die Rolle des Außenseiters durch das ablehnende Verhalten der anderen ihm gegenüber und seinen Bemühungen, sich anzupassen und zu integrieren, kontrastreich dargestellt. Die LeserInnen möchten wissen, ob und wie es dem Wesen gelingen kann, sich in die Gemeinschaft zu integrieren. Der Knoten scheint sich zu lösen, als Etwas auftaucht. Die Ablehnung des Gastes ruft beim Leser eine Irritation hervor und führt dadurch zu einem weiteren Anstieg des Spannungsbogens.
Der Höhepunkt wird erst erreicht, als Irgendwie Anders seinen Fehler erkennt. Hier tritt der Wendepunkt der Geschichte ein, als es dem noch unbekannten Etwas hinterherrennt und es auffordert, bei ihm zu bleiben „Als er Etwas eingeholt hatte, griff er nach seiner Pfote und hielt sie ganz fest“ (Cave 1994: 20). Dadurch führt die Begegnung der beiden zu einem positiven Schluss.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die gesellschaftliche Thematik der Ausgrenzung ein und begründet die Relevanz der Analyse des Bilderbuchs „Irgendwie Anders“ als Medium zur Förderung literarischer Kompetenzen.
2. Außenseiter: Dieses Kapitel definiert den Begriff des Außenseiters theoretisch und erläutert die soziologischen Hintergründe von Ausgrenzung und stigmatisiertem Verhalten.
3. Das Bilderbuch: Hier werden theoretische Grundlagen des Mediums Bilderbuch sowie das fünfdimensionale Analysemodell nach Staiger und die Bedeutung des literarischen Lernens für Kinder dargelegt.
4. Bilderbuch „Irgendwie Anders“ (Cave/Riddell 1994): Dieses Kapitel widmet sich der inhaltlichen Zusammenfassung und der konkreten Anwendung des Analyserahmens auf das ausgewählte Bilderbuch.
5. Literarisches Lernen durch Perspektiveneinnahme literarischer Figuren: Der Fokus liegt hier auf der praktischen Anwendung literarischen Lernens, insbesondere durch die Analyse von Perspektiveneinnahmen im Vorlesegespräch mit Kindern.
6. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse der Analyse zusammen und betont die Bedeutung früher Erfahrungen mit Andersartigkeit für die Entwicklung toleranter Einstellungen im Schulkontext.
Schlüsselwörter
Irgendwie Anders, Außenseiter, Kinderliteratur, Bilderbuchanalyse, Staiger, literarisches Lernen, Perspektiveneinnahme, Vorlesegespräch, Ausgrenzung, Andersartigkeit, Heterogenität, Identifikation, Empathie, Grundschule, Sozialisation
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie das Thema „Außenseitertum“ im Kinderbuch „Irgendwie Anders“ narrativ und bildlich gestaltet wird und welche didaktischen Lernpotenziale sich daraus für Grundschulkinder ergeben.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Arbeit verknüpft literaturwissenschaftliche Aspekte wie die Bilderbuchanalyse mit pädagogischen Konzepten des literarischen Lernens, speziell der Empathieentwicklung und Perspektivübernahme.
Welches ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es aufzuzeigen, wie das Bilderbuch durch gezielte Vorlesegespräche ein Bewusstsein für Andersartigkeit schaffen und die Toleranz gegenüber Heterogenität bei Kindern fördern kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Analyse verwendet?
Die Autorin nutzt das fünfdimensionale Bilderbuchanalyse-Modell nach Staiger, um Text- und Bildebene des Werkes systematisch zu untersuchen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung zum Außenseiter-Begriff und Bilderbüchern, eine detaillierte Analyse von „Irgendwie Anders“ sowie eine fachdidaktische Diskussion zur Gestaltung von Vorlesegesprächen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Besonders prägend sind die Begriffe Außenseiter, literarisches Lernen, Bilderbuchanalyse, Perspektiveneinnahme und Andersartigkeit.
Wie trägt das Bilderbuch konkret zur Perspektivübernahme bei?
Durch die Darstellung des Protagonisten Irgendwie Anders und dessen Entwicklung vom Außenseiter hin zur Akzeptanz des Fremden können Kinder die Gedanken- und Gefühlswelt der Figur nachvollziehen und eigene soziale Einstellungen reflektieren.
Welche Rolle spielt das „Etwas“ in der Geschichte laut der Analyse?
Das „Etwas“ fungiert als Wendepunkt der Handlung, da es Irgendwie Anders zeigt, dass Andersartigkeit nicht negativ ist, und somit den Weg für eine tolerante Freundschaft ebnet.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2021, Außenseiter in der Kinderliteratur. "Irgendwie Anders" von Kathryn Cave und Chris Riddell, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1127118