Crowdfunding als Instrument des Entrepreneurial Marketings. Zusammenhänge und Erfolgsfaktoren


Masterarbeit, 2020

76 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Inhaltsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Ausgangssituation
1.2 Zielsetzung und konkrete Fragestellung
1.3 Vorgehensweise

2 Crowdfunding
2.1 Definition
2.2 Grundlagen des Crowdfunding
2.2.1 Historie und Bedeutung
2.2.2 Formen des Crowdfunding
2.2.3 Prinzipien des Crowdfunding
2.3 Die Akteure des Crowdfunding
2.4 Plattformen und ihre Spezifikationen
2.5 Ablauf einer Crowdfunding-Kampagne und Erfolgsfaktoren

3 Entrepreneurial Marketing
3.1 Definition
3.2 Entrepreneurial Marketing in Startups und etablierten Unternehmen
3.3 Praktische Ansätze des Entrepreneurial Marketings
3.4 Merkmale des EM und seine Erfolgsfaktoren

4 Crowdfunding als Instrument des Entrepreneurial Marketings
4.1 Entrepreneurial Marketing-Aspekte des Crowdfundings
4.1.1 Kosten, Effektivität & Effizienz
4.1.2 Reichweite
4.1.3 Mundpropaganda
4.1.4 Soziale Netzwerke
4.1.5 Communities
4.1.6 Ressourceneinsatz
4.1.7 Kreativität bei der Entwicklung von Vorgehensweisen und Inhalten
4.1.8 Reputation und Glaubwürdigkeit
4.1.9 Marktforschung
4.1.10 Distributionskanäle und Kontaktpunkte
4.1.11 Das Preismodell
4.2 Fallbeispiele
4.3 Identifizierte Faktoren des EM in den betrachteten Fallbeispielen

5 Schluss
5.1 Fazit
5.2 Forschungsausblick

Literaturverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Definitionen des Crowdfundings (Eigene Darstellung)

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Ablauf Crowdfunding bei „Alles-oder-nichts-Prinzip“

Abbildung 2: Einordnung des Entrepreneurial Marketings

Abkürzungsverzeichnis

Crowd Beschreibt das Publikum, das Kleinbeträge zur Verfügung stellt

Funder Der Funder ist das Unternehmen/der Unternehmer, der die Finanzierung anstrebt

EM Entrepreneurial Marketing

CF Crowdfunding

GM Guerilla Marketing

Zusammenfassung

Für Startups stellen die Themen Crowdfunding und Entrepreneurial Marketing längst feste Bestandteile des Gründungsumfeldes dar, die bislang allerdings nur bedingt in unmittelbaren Zusammenhang gebracht werden. Während sich Entrepreneurial Marketing eindeutig in die Fachrichtung des Marketings einordnen lässt, wird Crowdfunding dem Bereich des Entrepreneurial Finance zugeordnet. Obwohl diese beiden Einzeldisziplinen bereits gut erforscht sind, existieren bisher aber nur sehr begrenzte Forschungsergebnisse bezüglich der Überschneidungen von Entrepreneurial Marketing und Crowdfunding. Diese Arbeit betrachtet beide Themengebiete mit dem besonderen Fokus auf die jeweiligen Erfolgsfaktoren, um diese dann auf Überschneidungen zu untersuchen. Auf Basis der zugrundeliegenden Fachliteratur ließen sich eine Vielzahl von Überschneidungen identifizieren, die eine Einordnung des Crowdfundings als Instrument des Entrepreneurial Marketings zulassen. Insbesondere durch die starken Überschneidungen in der Zielsetzung der beiden Themen, sowie den Spezifika des Crowdfunding, die wiederum zu den Erfolgsfaktoren des Entrepreneurial Marketings passen, wird die enge Verknüpfung beider Disziplinen deutlich. Die in der theoretischen Ausarbeitung identifizierten Erfolgsfaktoren und die damit einhergehende Korrelation beider Ansätze wird durch die Analyse zweier realer Fallstudien bestätigt, welche an erfolgreich verlaufenen Crowdfunding-Kampagnen verdeutlichen, welche Wirkung Crowdfunding in Bezug auf Entrepreneurial Marketing besitzt. Neben der theoretischen Erarbeitung der Zusammenhänge beider Disziplinen, soll diese Arbeit ebenfalls als Leitfaden für Startups dienen, um sich einen ersten Eindruck über Crowdfunding als Marketing-Instrument zu verschaffen und die wichtigen Erfolgsfaktoren zu identifizieren. Identifizierte Erfolgsfaktoren, die von Crowdfunding abgedeckt werden, sind dabei vor allem Multiplikatoren, wie Communities, Mundpropaganda und soziale Medien, aber auch Marktforschungsaspekte, in Form von direktem Feedback der Zielgruppe, ungewöhnliche Absatzkanäle wie der Pre-Sale als Crowdfunding-Format, und die effiziente Möglichkeit der Reichweitengewinnung.

Diese und weitere Faktoren lassen eine Einordnung des Crowdfundings als Instrument des Entrepreneurial Marketings zu und zeigen gleichzeitig, welche Hebel junge Unternehmen durch Crowdfunding benutzen können.

1 Einleitung

Die Einleitung dieser Arbeit dient der Darstellung der Ausgangssituation in Bezug auf Crowdfunding und Entrepreneurial Marketing. Ebenfalls beinhaltet sie die Zielsetzung der Arbeit, inklusive der konkreten Fragestellung. Zusätzlich erfolgt eine Beschreibung der Vorgehensweise zur Beantwortung der Forschungsfrage, sowie eine Erläuterung der inhaltlichen Struktur.

1.1 Ausgangssituation

Junge Unternehmen leiden oftmals von Natur aus unter diversen Belastungen, die ihnen den Markteintritt und die Etablierung erschweren. Ein wesentlicher Hemmfaktor sind zu Beginn häufig die finanziellen Mittel eines Startups, die einen Engpass darstellen. Herkömmliche Möglichkeiten der Finanzierung fallen allerdings meist aus, da solche Unternehmen hohe Risiken durch eine niedrige Unternehmensgröße und fehlende Marktpräsenz mit sich bringen.1 Grade Banken erweisen sich als ungeeignete und unwillige Partner bei solchen Finanzierungsbedarfen, da die benötigten Beträge zu gering sind und es an geeignetem Einschätzungsvermögen auf Seiten der Bank mangelt.2

Das genannte Hemmnis der fehlenden Marktpräsenz bringt gleichzeitig auch eine fehlende Bekanntheit mit sich, die unter anderem den Markeintritt erschwert. Zudem stehen innovative Gründungsunternehmen häufig vor dem Problem keinen bestehenden Markt zu bedienen, sondern als erste Anbieter einen Markt überhaupt erst bilden zu müssen. Grade in einem solchen Fall ist es besonders komplex den potenziellen Kunden ihren Bedarf erstmal aufzuzeigen.

Als geeignet Option finanzielle Engpässe solcher Unternehmen zu vermeiden existiert die Möglichkeit des Crowdfundings, welche sich steigender Beliebtheit erfreut seit es das Internet als Basis für einschlägige Crowdfunding-Plattformen ermöglicht viele Unterstützer zu erreichen. Diese sich bietende Reichweite und Vernetzung führt zu einer großen Chance für Startups und etablierte Unternehmen benötigtes Kapital über Crowdfunding-Plattformen von privaten Unterstützern zu sammeln. Dabei werden viele kleine Beträge der Unterstützer gesammelt, um eine größere Gesamtsumme zu realisieren.3

Im Zuge von Untersuchungen zu dem Thema Crowdfunding fanden Lambert und Schwienbacher nicht nur den finanziellen Aspekt als primäres Ziel der Unternehmen heraus, sondern identifizierten auch einen weiteren Fokus auf der Generierung von Aufmerksamkeit und Feedback zur Validierung des Vorhabens.4 Da private Unterstützer im Crowdfunding oft auch potenzielle Kunden für die Initiatoren darstellen, scheint es naheliegend diese Möglichkeit der Vernetzung mit potenziellen Kunden auch dazu zu nutzen die beiden genannten Aspekte zu bedienen und ebenso weitere Aspekte des Marketings zu involvieren. Denn grade für Gründungsunternehmen stellen sich traditionelle Vorgehensweisen des Marketings als ungeeignet dar, weil sie unter verschiedensten Belastungen leiden, die beispielsweise teure TV-Kampagnen nicht erlauben.

Der Ansatz des Entrepreneurial Marketings beschreibt eine Form des Marketings für Gründungsunternehmen, die auf die bestehenden Belastungen und Einschränkungen aufbaut und dessen Zweck es ist den Marketing-Mix so kreativ zu gestalten, dass die Belastungen keine Nachteile, sondern Vorteile darstellen. Dieses Vorhaben soll im Sinne des Entrepreneurial Marketings besonders durch unkonventionelles Vorgehen ermöglicht werden.5

Für Startups gilt es demnach ihre Marketingaktivitäten möglichst unkonventionell zu gestalten und durch ein hohes Maß an Kreativität bestehende Nachteile gegenüber etablierten Unternehmen in Vorteile zu transformieren.

1.2 Zielsetzung und konkrete Fragestellung

Im Fokus dieser Arbeit stehen die betriebswirtschaftliche Disziplin des Entrepreneurial Marketings und das Crowdfunding als Instrument des Bereichs Entrepreneurial Finance. Auf Basis der entsprechenden Fachliteratur werden diese beiden Themen zunächst einzeln betrachtet und detailliert untersucht. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf den relevanten Merkmalen des Entrepreneurial Marketings und des Crowdfundings, worüber diese sich definieren und inwiefern sie übereinstimmen. Da in beiden Themengebieten junge Gründungsunternehmen im Mittelpunkt stehen, liegt ein besonderes Augenmerk auf den Belastungen (Liabilities) junger Unternehmen und den davon ausgehenden Auswirkungen auf das Marketing eben dieser.

Anhand der Überschneidungen der Merkmale von Crowdfunding und Entrepreneurial Marketing soll untersucht werden, ob und inwiefern Crowdfunding eine Wirkung im Sinne des Entrepreneurial Marketings aufweist. Exemplarisch dienen zwei Fallstudien der Visualisierung der marketingtechnischen Wirkungsweisen von Crowdfunding in der Realität. In der Untersuchung der beiden Fallstudien sollen die vorher identifizierten Merkmale als Indikatoren dienen, um die Wirkungsweise im Sinne des Entrepreneurial Marketings nachzuweisen.

Kapitelübergreifend dienen die beschriebenen Untersuchungen der Beantwortung der konkreten Forschungsfrage dieser Arbeit:

Besitzt Crowdfunding eine nachweisbare Wirkung nach den Kriterien des Entrepreneurial Marketings?

Mit der Beantwortung dieser Frage soll geklärt werden, ob Crowdfunding als ursprüngliches Instrument des Bereichs Entrepreneurial Finance ebenfalls als Instrument des Entrepreneurial Marketings genutzt werden kann, und in welchem Maß es den Ansprüchen des Entrepreneurial Marketings gerecht wird.

1.3 Vorgehensweise

Zum Zwecke einer detaillierten Untersuchung der entwickelten Fragestellung werden in den nachfolgenden Kapiteln zunächst die einzelnen Fachgebiete des Crowdfundings und des Entrepreneurial Marketings separat betrachtet. Auf Basis der jeweiligen Definitionen und den entsprechenden weiterführenden Theorien erfolgt eine intensive Betrachtung beider Thematiken mit dem Ziel wichtige Merkmale und Spezifika herauszustellen über die sich die beiden Ansätze definieren. Anhand der jeweilig identifizierten Spezifika der Themen Crowdfunding und Entrepreneurial Marketing erfolgt ein Abgleich der Crowdfunding-Merkmale mit jenen des Entrepreneurial Marketings, um so herauszufinden, ob Crowdfunding als ursprüngliches Werkzeug des Entrepreneurial Finance-Bereichs ebenfalls eine Relevanz im Kontext des Entrepreneurial Marketings aufweist. Anhand zweier realer Fallstudien erfolgt dann eine praxisorientierte Darstellung der marketingtechnischen Wirkungsweise des Crowdfundings, unter Berücksichtigung der identifizierten Merkmale des EM.

2 Crowdfunding

Die Kapitalbeschaffung durch Crowdfunding ist eine Finanzierungsform, die sich steigender Beliebtheit erfreut. Dabei sind es vor allem junge Unternehmen und Gründer, die diese Art der Kapitalbeschaffung nutzen, anstatt traditionellere Wege wie Bankkredite in Anspruch zu nehmen. In den nachfolgenden Kapiteln werden verschiedene Spezifika des Crowdfunding dargestellt und näher beleuchtet, um einen vollumfänglichen Gesamtüberblick zu erlangen und neben den Finanzierungsaspekten auch mögliche Marketingaspekte sichtbar zu machen.

2.1 Definition

Als relativ neue aber mittlerweile etablierte Finanzierungsform für junge und innovative Unternehmen ist Crowdfunding ein Finanzierungstool, das sich steigender Beliebtheit erfreut. Trotz der fortschreitenden Etablierung im Markt der Finanzierungsmöglichkeiten, gibt es keine allgemeingültige Definition des Begriffs Crowdfunding.

Im Verlauf der vergangenen Jahrzehnte wurden diverse Definitionen des Begriffs entwickelt, die ähnliche und unterschiedliche Aspekte in den Fokus stellten, und von denen einige nachfolgend tabellarisch dargestellt sind. Als grundsätzlicher Ansatz gilt die Finanzierung von Unternehmensgründungen, Produktentwicklungen oder Unternehmenswachstum, durch die Crowd.6 Der Begriff der Crowd steht dabei für die Menschenmenge bzw. das Publikum auf den entsprechenden Plattformen. Dieses Publikum ermöglicht das Erreichen eines größeren Finanzierungsziels durch die Sammlung von Kleinbeträgen. Dabei besteht häufig ein regionaler oder emotionaler Bezug zwischen der Crowd und dem zu finanzierenden Vorhaben.7

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1: Definitionen des Crowdfundings (Eigene Darstellung)

Die tabellarisch aufgeführten Definitionen sollen exemplarisch darstellen in welchem Rahmen sich die verschiedenen definitorischen Ansätze bewegen.8 Bei näherer Betrachtung werden unterschiedliche Schwerpunktsetzungen deutlich, aber auch Gemeinsamkeiten.9 So sind die Aspekte der Crowd, der Sammlung von Kleinbeträgen, sowie der Plattformen als Intermediäre häufig thematisierte Inhalte. Hinzu kommt die einheitliche Einschränkung auf den Kontext des Entrepreneurships bzw. der Startups.10

Um eine einheitliche Grundlage mit hoher Relevanz für diese Arbeit zu legen gilt im weiteren Verlauf dieser Arbeit folgende Arbeitsdefinition:

Crowdfunding beschreibt eine Art der Finanzierung von Unternehmensgründungen, Neuproduktentwicklungen oder Produkteinführungen, bei der auf die Crowd als soziales Netzwerk zurückgegriffen wird. Motiviert durch einen emotionalen oder lokalen Bezug zum Finanzierungsgegenstand finanziert die Crowd das Fundingziel durch einzelne Kleinbeträge. Entsprechende Onlineplattformen dienen der Abwicklung des Crowdfundings und fungieren als Intermediär zwischen dem Funder und der Crowd.

2.2 Grundlagen des Crowdfunding

Wie im Vorhinein schon erwähnt, handelt es sich beim Crowdfunding um eine neuartige Form der Unternehmensfinanzierung und bringt so einige Eigenheiten mit, die im Folgenden näher betrachtet werden. Dabei stehen besonders die Betrachtung der Relevanz von Crowdfunding, sowie der Details in der Ausgestaltung einer Crowdfunding-Kampagne im Vordergrund.

2.2.1 Historie und Bedeutung

Auch wenn Crowdfunding häufig als eine neue Form der Unternehmensfinanzierung kategorisiert wird, so ist die Grundidee an sich hinter diesem Konzept keine Neuheit. Als eines der prominentesten Umsetzungsbeispiele des Konzeptes gilt die Finanzierung des Sockels der Freiheitsstatue von Amerika. Zu der Zeit, in der sie aufgestellt werden sollte, fehlte es der Stadt an finanziellen Mitteln, um einen entsprechenden Sockel zu bauen. Abhilfe schaffte der Aufruf einer Zeitung, der die Leser bat Spenden für dieses Projekt zu sammeln. Dabei sollten die Leser allerdings nicht leer ausgehen, sondern in neuzeitlicher Crowdfunding-Manier eine Gegenleistung in Form einer namentlichen Nennung in der Zeitung erhalten. Die damalige Zielsumme betrug 100.000 US$ und wurde in kurzer Zeit erreicht.11

Crowdfunding in seiner heutigen Form unterscheidet sich in einem wesentlichen Punkt von früheren Versionen – dem Internet. Dieses Medium revolutioniert den Crowdfunding-Grundgedanken von einer lokalen Sammlung von Spenden zu einer Möglichkeit globale Unterstützer für ein Projekt zu akquirieren und eine weitreichende Bekanntheit zu erlangen. In seiner aktuellen Form wird Crowdfunding häufig auch als Teil des Crowdsourcing gesehen bzw. als Entwicklung daraus.12 Crowdsourcing als Oberbegriff beschreibt dabei den Vorgang von Unternehmen, Probleme auszulagern und durch die Crowd lösen zu lassen.13 Dreht es sich beim Crowdsourcing darum mit möglichst geringem Kapitaleinsatz Wissen der Crowd in das Unternehmen zu holen14, so fokussiert Crowdfunding sich auf eine andere Ressource der Crowd. Geld!

Als Vorreiter des Ganzen, waren es Künstler, die Unterstützung ihrer Fans ersuchten und auf Online-Plattformen wie „ArtistShare“ um Geld warben. „ArtistShare“ gilt mit seiner Gründung im Jahr 2000 als eine der ersten Funding-Plattformen für Künstler.15 Die erste europäische Plattform „Sellaband“ wurde 2006 gegründet.16

Der Grundstein einer der erfolgreichsten modernen Crowdfunding-Plattformen, wurde 2009 mit der Gründung von „Kickstarter“ gelegt. Die Besonderheit der US-Amerikanischen Plattform war, dass sie nicht nur auf Künstler ausgelegt war, sondern auch auf Unternehmen und Projekte. 2010 folgte die erste deutsche Crowdfunding-Plattform „Startnext“, die bis heute den deutschen Markt dominiert.17

Die folgenden Zahlen veranschaulichen die Bedeutung der Plattformen allgemein und ihre Relevanz als Finanzierungsinstrument für Unternehmen und Projekte.

Nach eigener Aussage vermittelte die US-Amerikanische Plattform „Kickstarter“ bislang 180.739 erfolgreich finanzierte Projekte, die ein Gesamtfinanzierungsvolumen von 4,99 Milliarden US$ erreichten. Aktuell sollen 17.680.815 Unterstützer auf der Plattform aktiv sein.18

Zum Vergleich gibt die deutsche Plattform „Startnext“ an 7.000 erfolgreich finanzierte Projekte begleitet zu haben, die insgesamt ein Finanzierungsvolumen von 63,5 Millionen € erreichten. Dies gelang der Plattform mit insgesamt 1.038.600 Nutzern.19

Das Crowdfunding-Barometer verfolgt seit einigen Jahren die Anzahl der Deutschen, die sich an Crowdfunding-Kampagnen beteiligen und zeigt einen Anstieg von 9% in 2016 auf 15,9% in 2020.20

Die steigende Anzahl der Beteiligten, sowie die Zahlen der Plattform „Startnext“ deuten auf eine entsprechend steigende Bedeutung der Thematik allgemein in Deutschland hin. Abgeleitet von den Zahlen der amerikanischen Plattform scheint der deutsche Crowdfunding-Markt sehr viel kleiner zu sein. Zu beachten ist allerdings die internationale Ausrichtung von „Kickstarter“ im Gegensatz zu der ausschließlich in Deutschland agierenden Plattform „Startnext“.

2.2.2 Formen des Crowdfunding

In der zeitlichen Entwicklung ergaben sich verschiedene Modelle des Crowdfunding. Mit ihren unterschiedlichen Spezifika bieten sich Vor- und Nachteile für verschiedene Fundingziele. Im Folgenden werden die unterschiedlichen Unterformen detailliert dargestellt.

Das spendenbasierte Crowdfunding (engl. donation-based Crowdfunding) definiert sich über den Aspekt, dass das Geld der Unterstützer gespendet wird, und diese somit keine Gegenleistung erhalten. Der Fokus liegt dabei auf der Finanzierung eines bestimmten Projektes oder Projektgegenstandes.21 Bei einer solchen Ausgestaltung ist es besonders wichtig eine hohe Transparenz gegenüber den Spendern zu gewährleisten und sie offen über den Verbleib des Geldes zu informieren.22 Ihre Motivation zur Unterstützung des Projektes erhalten die Spender häufig aus der Gemeinnützigkeit des zu finanzierenden Objektes und dem Wunsch einen guten Zweck zu unterstützen.23 Diese Ausgestaltung des Crowdfunding wird nach wie vor zur Finanzierung für künstlerische Projekte genutzt.24

Das gegenleistungsbasierte Crowdfunding (engl. reward-based Crowdfunding) beschreibt eine häufig genutzte Variante der Finanzierung durch die Crowd. Bei dieser Variante erhalten die Unterstützer eine Gegenleistung für ihre Unterstützung, die allerdings nicht monetärer Natur ist. Ihre Motivation das Projekt zu unterstützen ziehen die Beteiligten aus der Erwartung der Gegenleistung, die einen materiellen oder ideellen Gegenwert darstellt.25 Gängige Gegenleistungen der Funder sind dabei die Produkte selbst, die es zu finanzieren gilt, und die durch eine erfolgreiche Finanzierung realisiert werden können. Diese erhalten die Unterstützer zu einem entsprechenden Zeitpunkt gratis oder zu einem rabattierten Preis. Ebenfalls denkbare Gegenleistungen sind eine kostenfreie Nutzung des Produktes oder andere Vorteile.26 Eine beliebte Option stellt der Pre-Sale der Produkte oder Dienstleistungen dar, um die Produktion überhaupt erst gewährleisten zu können. Neben der genannten Motivation durch die Gegenleistung an sich, ergibt sich oft auch eine Motivation durch das Bestreben die Realisation innovativer Produkte oder künstlerischer Ausdrucksformen zu fördern. Aus diesem Grund ist es nicht zwingend notwendig, dass das bereitgestellte Kapital und die Gegenleistung in einem ausgeglichenen Verhältnis zu einander stehen.27 Ein großer Vorteil dieser Ausgestaltung des Crowdfunding stellt die rechtlich sehr leichte Durchführung dar. Beispielsweise kommt es bei der Anwendung eines Pre-Sales zu einem simplen Kaufvertrag, der rechtlich eindeutig geregelt ist.28

[...]


1 Vgl.Berger et al. 2015, S. 62.

2 Vgl. Sixt 2014, S. 40.

3 Vgl. Berger et al. 2015, S. 62.

4 Vgl. Belleflamme et al. 2014, 18f.

5 Vgl. Kuckertz 2015, S. 3.

6 Vgl. Günther und Riethmüller 2020, S. 3.

7 Vgl. Sixt 2014, S. 28.

8 Vgl. Mollick 2014.

9 Vgl. Scholz 2015.

10 Vgl. Buysere et al. 2012, 9ff.

11 Vgl. Orthwein 2015, S. 21.

12 Vgl. Bendel 2019, 44f.

13 Vgl. Roca Lizarazu 2012.

14 Vgl. Hastenteufel 2016, 323f.

15 Vgl. Bartelt et al. 2012, S. 17.

16 Vgl. Orthwein 2015, S. 21.; Vgl. Beck, 2014, S. 34.

17 Vgl. Bartelt et al. 2012, S. 17.

18 Vgl. www.kickstarter.com 2020

19 Vgl. www.startnext.de 2020.

20 Vgl. Harms 2020, S. 4.

21 Vgl. Sterblich et al. 2015, S. 12.

22 Vgl. Pöltner und Horak 2016, 3f.

23 Vgl. Orthwein 2015, S. 17.

24 Vgl. Riethmüller 2015, 1451ff.

25 Vgl. Sterblich et al. 2015, S. 13.

26 Vgl. Orthwein 2015, S. 17.

27 Vgl. Sixt 2014, S. 196.

28 Vgl. Günther und Riethmüller 2020, S. 16.

Ende der Leseprobe aus 76 Seiten

Details

Titel
Crowdfunding als Instrument des Entrepreneurial Marketings. Zusammenhänge und Erfolgsfaktoren
Hochschule
Bergische Universität Wuppertal
Note
1,0
Autor
Jahr
2020
Seiten
76
Katalognummer
V1127583
ISBN (eBook)
9783346490711
ISBN (Buch)
9783346490728
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Crowdfunding, Entrepreneurial Marketing, Startup Finanzierung, Marketing, Startup, Startup Marketing
Arbeit zitieren
Felix Festen (Autor), 2020, Crowdfunding als Instrument des Entrepreneurial Marketings. Zusammenhänge und Erfolgsfaktoren, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1127583

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