Betrachtet man den Deutschunterricht der Schule in der heutigen Zeit, wird deutlich, dass dieser auf vielfältige Weise herausgefordert wird. Hierzu zählen u. a. Aspekte wie die Regulierung des Unterrichts durch die Kompetenzen des Lehrplans bzw. durch die Bildungsstandards der Kultusministerkonferenz (KMK), die das Bild eines durchschnittlichen Lernenden darstellen und so besonders schwächere und stärkere Schüler*innen (SuS) nicht so fördern, wie es durch andere Formate möglich wäre.
Auch das heterogene Klassenzimmer, das sich nicht nur hinsichtlich sozialer Milieus und des ggf. vorhandenen Migrationshintergrundes unterscheidet, sondern auch durch SuS geprägt ist, die durch die geringe Kenntnis der deutschen Sprache Probleme haben können, kann eine Herausforderung darstellen, da zum einen die Herkunft aus einem sozial schwächeren Milieu sowie ein Migrationshintergrund gemäß der PISA-Studie, einer internationalen Studie zur Untersuchung der Leistung innerhalb diverser Schulfächer, Gründe für mangelnde Kompetenzen gegenüber Mitschüler*innen sein können. Zum anderen ist auch das Beherrschen der deutschen Sprache essentiell für das Erreichen von schulischem Erfolg in allen schulischen Fächern, da diese es ermöglicht, dem Unterricht folgen zu können und erwartete, fachliche und fachübergreifende Kompetenzen aufbauen zu können. Um diesen Herausforderungen entgegentreten zu können, ist es wichtig, den Kompetenzstand der SuS (regelmäßig) zu ermitteln, um besonders schwächeren SuS Fördermöglichkeiten anbieten zu können, die sich an ihren vorliegenden Problemen orientieren.
Ein geeignetes Instrument stellt in diesem Zusammenhang die Oldenburger Fehleranalyse (OLFA) dar, weshalb diese Arbeit die Frage thematisiert, ob die OLFA zur Ermittlung der Rechtschreibkompetenzen von drei exemplarischen SuS und zur Überprüfung, ob und in welchen Bereichen ihrer Entwicklung Förderungen nötig sind, genutzt werden kann und soll.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theoretische Einführung
2.1 Standardlautung und Standardschreibung im Deutschen
2.2 Die Phasen des Schriftspracherwerbs
3. Die OLFA als Instrument der qualitativen Rechtschreibanalyse
3.1 Voraussetzungen für die Durchführung einer OLFA
3.2 Auswertung der analysierten Texte und die Feststellung der Ergebnisse
4. Analyse der Schülertexte
4.1 Schülertext 1
4.2 Schülertext 2
4.3 Schülertext 3
4.4 Vergleich der Texte untereinander
5. Abschließendes Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Eignung der Oldenburger Fehleranalyse (OLFA) zur Förderdiagnostik bei Zweitklässlern. Ziel ist es festzustellen, ob das Instrument dazu beitragen kann, den individuellen Stand im Schriftspracherwerb zu bestimmen und konkrete Förderbedarfe bei Lernenden mit Rechtschreibschwierigkeiten aufzudecken.
- Grundlagen des Modells von Günther Thomé zur Rechtschreibung
- Phasenmodell des Schriftspracherwerbs
- Anwendung der qualitativen Rechtschreibanalyse anhand von Schülertexten
- Berechnung und Interpretation von Kompetenzwerten (KW 2)
- Vergleichende Analyse zur Identifikation von Förderschwerpunkten
Auszug aus dem Buch
3.1 Voraussetzungen für die Durchführung einer OLFA
Um eine OLFA 1-2 durchführen zu können, müssen einige Voraussetzungen erfüllt sein, die sich vor allem auf die Merkmale der Schülertexte beziehen, wobei besonders die Mindestwortanzahl und -fehleranazahl betrachtet wird. Für die OLFA 1-2 ist es empfohlen, dass die Texte der SuS mindestens 100 Wörter und 60 Fehler beinhalten (vgl. THOMÉ/THOMÉ 2014, 12/ 33). Diese Voraussetzungen helfen dabei, dass die Analyse ein möglichst klares Ergebnis vorweist und dadurch zu einem aussagekräftigen Diagnosemittel wird, wobei aber zu bemerken ist, dass der Entwicklungsstand auch mit weniger Fehlern und mit 100 Wörtern oder mehr durchgeführt werden kann, obwohl die OLFA 1-2 vorwiegend für SuS genutzt werden sollte, bei denen offensichtlich bzw. wahrscheinlich Probleme innerhalb der schriftsprachlichen Entwicklung vorliegen (vgl. THOMÉ/THOMÉ 2014, 12f.). Wichtig ist auch, dass zeitlich nah beieinanderliegende Texte (bis zu 8 Wochen) zusammengeführt werden können, wenn die vorhandenen Texte bspw. zu kurz sind und daher nicht die Mindestvoraussetzungen erfüllen, um einen gut zu analysierenden Text des Lernenden zur Verfügung zu haben (vgl. THOMÉ/THOMÉ 2014, 12). Zuletzt ist ein weiteres Kriterium für die Nutzbarkeit der Schülertexte, dass diese frei formuliert wurden, womit vor allem Diktate ausgeschlossen werden, da diese z. B. durch das Vorhandensein von z. T. eher selten gebrauchten Wörtern die Validität der OLFA schwächen würden, und nicht z. B. vorgegebene Textthemen wie eine selbst ausgedachte Geschichte zu einem Thema oder ein Bericht über den Tag/die Ferien… (vgl. THOMÉ/THOMÉ 2014, 12). Sind diese Kriterien für die vorhandenen Texte erfüllt, kann eine valide OLFA durchgeführt werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Herausforderungen des modernen Deutschunterrichts und führt die OLFA als Instrument zur Förderdiagnostik und Standortermittlung ein.
2. Theoretische Einführung: In diesem Kapitel werden die Grundlagen nach Günther Thomé, insbesondere das Verhältnis von Phonemen und Graphemen sowie die Phasen des Schriftspracherwerbs, erläutert.
3. Die OLFA als Instrument der qualitativen Rechtschreibanalyse: Dieser Abschnitt behandelt die methodischen Voraussetzungen für die Anwendung der OLFA sowie das Verfahren zur Auswertung und Interpretation der Analyseergebnisse.
4. Analyse der Schülertexte: Hier erfolgt die konkrete Anwendung des Analyseinstruments auf drei verschiedene Schülertexte inklusive eines vergleichenden Abschnitts.
5. Abschließendes Fazit: Das Fazit bewertet die Nutzbarkeit der OLFA im Schulalltag und fasst die Erkenntnisse bezüglich der diagnostischen Validität zusammen.
Schlüsselwörter
Oldenburger Fehleranalyse, OLFA, Schriftspracherwerb, Rechtschreibanalyse, Förderdiagnostik, Fehlerkategorien, Kompetenzwert, Phonem-Graphem-Korrespondenz, Basisgrapheme, Orthographeme, Deutschunterricht, Grundschule, Fehlerkultur, Lernstandsanalyse, Förderbedarf.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der qualitativen Analyse von Rechtschreibfehlern bei Grundschülern der zweiten Klasse, um deren aktuellen Stand im Schriftspracherwerb zu bestimmen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die theoretischen Grundlagen der Rechtschreibung nach Günther Thomé, das Phasenmodell des Schriftspracherwerbs und die praktische Anwendung der OLFA-Methode.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die Überprüfung, ob die OLFA ein geeignetes Diagnoseinstrument darstellt, um individuelle Förderbedarfe von Schülern zuverlässig zu identifizieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird die Oldenburger Fehleranalyse (OLFA) genutzt, die Schülertexte qualitativ kategorisiert und quantitativ auswertet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Einführung in das Testinstrument sowie die detaillierte Analyse und den Vergleich dreier exemplarischer Schülertexte.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie OLFA, Förderdiagnostik, Schriftspracherwerb, Fehlerkategorien und Kompetenzwert definiert.
Wie unterscheidet sich Schülertext 1 von den anderen Texten in Bezug auf die Validität?
Nur Schülertext 1 erfüllte die Mindestvoraussetzung von 60 Fehlern für eine voll valide Berechnung des Kompetenzwerts (KW 2), während die anderen Texte eine Standortbestimmung nur eingeschränkt ermöglichen.
Welche Rolle spielt der Kompetenzwert (KW 2) bei der Auswertung?
Der KW 2 dient als zentraler Indikator für den Förderbedarf, wobei ein Wert unter 0 auf dringenden Förderbedarf in basalen Phasen des Schriftspracherwerbs hindeutet.
Welche Einschränkungen nennt der Autor bei der Arbeit mit der OLFA?
Der Autor weist darauf hin, dass die Methode einen hohen Zeitaufwand für Einarbeitung und Textzusammenführung erfordert und die Ergebnisse bei zu wenigen Fehlern nur begrenzt valide sind.
- Citar trabajo
- Patrick Tebarth (Autor), 2021, Analyse von Schülertexten mithilfe der OLFA. Ermittlung des aktuellen Standortes innerhalb des Schriftspracherwerbs, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1127592