Diese Arbeit setzt sich, ausgehend von Gerhard Roths Buch "Bildung braucht Persönlichkeit", Kapitel 6, "Intelligenz", mit dem Konstrukt der Intelligenz auseinander.
Für einen Gehirnforscher scheint eine Ursachenzuschreibung von Lernprozessen leichter möglich zu sein als für einen Pädagogen. Das ist auf den ersten Blick verlockend, weil es das "Technologiedefizit" der Pädagogik ausgleichen könnte. Allerdings ist die Pädagogik keine Inselwissenschaft - längst hat sie sich mit den Ergebnissen anderer Wissenschaften, wie eben der Hirnforschung und der pädagogischen Psychologie, auseinandergesetzt. Aber sie versucht nicht zu beantworten, woher Intelligenz kommt. Dies ist ein Kernthema der Psychologie- und Hirnforschung. Intelligenztests sollen nach Roth die aussagekräftigsten Tests der Psychologie sein. Sie können Menschen einteilen, aber nicht die Ursachen erklären – die sind vielfältig und trotz jahrzehntelanger Forschung gar nicht so eindeutig.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Was ist Intelligenz? Was ist Hochbegabung?
3. Wie entsteht Intelligenz?
3.1 Einflüsse der Umwelt auf die Intelligenzentwicklung
3.2 Wieviel Intelligenz kann als angeboren gelten?
3.3 Intelligent durch intelligente Eltern?
3.4 Die Hälfte ist genetisch vorgegeben – oder?
4. Sensible Phasen – oder: kann man Intelligenz trainieren?
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit setzt sich kritisch mit den Thesen von Gerhard Roth zur Intelligenzentwicklung auseinander und hinterfragt diese unter Einbeziehung der Perspektive von Judith Rich Harris zur Rolle der Erziehung. Das primäre Ziel ist die Klärung, inwieweit Intelligenz angeboren ist oder durch Umweltfaktoren sowie elterliche Zuwendung beeinflusst werden kann.
- Das Konstrukt Intelligenz und dessen Messbarkeit
- Die Wechselwirkung von genetischer Anlage und Umwelteinflüssen
- Die Bedeutung frühkindlicher Bindungserfahrungen
- Die Rolle der elterlichen Förderung und Zuwendung
- Kritische Analyse von Erziehungsratgebern und Schicksalszuschreibungen
Auszug aus dem Buch
3.4 Die Hälfte ist genetisch vorgegeben – oder?
Alles, was nicht durch die Umwelt erklärt werden kann, muss genetisch bedingt sein – Umwelt und Gene sind jeweils zur Hälfte verantwortlich. Oder? Auch wenn wir wissen, dass Intelligenz nicht ausschließlich durch die Umwelt erworben werden kann, wissen wir nicht wirklich, wie viel Einfluss den Genen zugeschrieben werden muss. Roth geht davon aus, dass zwischen 10 und 20 IQ-Punkten nach unten und oben (!) durch Umwelteinflüsse erklärbar sind. Dies heißt im Umkehrschluss, dass eine geeignete Umgebung im Extremfall einen Zuwachs von 40 IQ-Punkten bringen kann (Neubauer und Stern sprechen sogar von +-21 IQ-Punkten19). Wenn man sich das veranschaulicht, bedeutet das, dass ein ursprünglich ganz normal intelligentes Kind, welches schlechte Bedingungen hat, einen IQ von 80 haben kann– also als minderbegabt eingestuft werden muss. Erfährt dieses Durchschnittskind optimale Förderung, liegt der IQ bei 120. Beginnen wir allerdings mit einem IQ von 110, können die Eltern ein hochbegabtes Kind bewirken, wenn sie die Förderung klug bewältigen!
Das menschliche Gehirn kommt ziemlich unausgebildet auf die Welt: Nur die Körpervorgänge, wie Atmung, Herzschlag, Sensorik, Reflexe etc. sind voll ausgebildet. Alles andere muss der kleine Mensch noch lernen. Das gibt ihm im Vergleich zu Tieren nahezu unendliche Entwicklungsmöglichkeiten – die durch die Umwelt bestimmt werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung thematisiert die interdisziplinäre Diskussion über die Ursachen von Lernprozessen und führt in die Fragestellung nach der Herkunft von Intelligenz ein.
2. Was ist Intelligenz? Was ist Hochbegabung?: Dieses Kapitel definiert Intelligenz als Problemlösefähigkeit und hinterfragt kritisch die Aussagekraft und Kulturspezifität gängiger Intelligenztests.
3. Wie entsteht Intelligenz?: Hier wird das Zusammenspiel von Anlage und Umwelt beleuchtet und die Bedeutung der frühkindlichen Entwicklung hervorgehoben.
3.1 Einflüsse der Umwelt auf die Intelligenzentwicklung: Der Abschnitt diskutiert die Rolle der Bindungssicherheit und kritisiert den einseitigen Fokus auf Leistungsförderung durch externe Programme.
3.2 Wieviel Intelligenz kann als angeboren gelten?: Es wird erörtert, wie stark die genetische Komponente die Intelligenz bestimmt und warum eine einseitige genetische Ursachenzuschreibung problematisch ist.
3.3 Intelligent durch intelligente Eltern?: Dieses Kapitel analysiert den Zusammenhang zwischen sozialem Status, Elternhaus und der Intelligenzentwicklung des Kindes.
3.4 Die Hälfte ist genetisch vorgegeben – oder?: Der Fokus liegt auf dem Potenzial der Umwelt, IQ-Werte zu beeinflussen, und der Bedeutung des Gehirns als lernfähiges Organ.
4. Sensible Phasen – oder: kann man Intelligenz trainieren?: Das Kapitel erläutert biologische Zeitfenster für Lernprozesse und die lebenslange Plastizität des menschlichen Gehirns.
5. Fazit: Das Fazit stellt fest, dass Anlage und Umwelt gleichermaßen bedeutsam sind und betont, dass Erziehung durch Zuwendung keineswegs sinnlos ist.
Schlüsselwörter
Intelligenz, Intelligenzentwicklung, Anlage-Umwelt-Debatte, Gehirnforschung, Bindungssicherheit, frühkindliche Förderung, Pädagogik, Lernprozesse, genetische Komponente, soziale Zuwendung, Plastizität, Hochbegabung, Erziehung, Verhaltensauffälligkeiten, neuronale Netzwerke.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht kritisch die Bedingungen der Intelligenzentwicklung unter besonderer Berücksichtigung der wissenschaftlichen Erkenntnisse von Gerhard Roth und Judith Rich Harris.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind das Wesen der Intelligenz, der Einfluss der Genetik im Vergleich zur Umwelt, die Bedeutung von Bindung und die Wirksamkeit von Erziehung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Debatte um angeborene versus erlernte Intelligenz zu versachlichen und aufzuzeigen, wie menschliche Zuwendung und ein stimulierendes Umfeld die Entwicklung positiv beeinflussen können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Auseinandersetzung mit der aktuellen fachwissenschaftlichen Literatur aus den Bereichen Hirnforschung, Psychologie und Pädagogik.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Definition von Intelligenz, die Rolle genetischer Faktoren, die Auswirkungen des Elternhauses sowie die Bedeutung sensibler Phasen und gezielter Trainingsmöglichkeiten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Intelligenzentwicklung, Anlage-Umwelt-Debatte, frühkindliche Förderung und Plastizität des Gehirns charakterisiert.
Welche Rolle spielt die Bindungssicherheit für das Kind?
Bindungssicherheit wird als wesentliche Grundlage beschrieben, die es dem Kind ermöglicht, die Welt angstfrei zu erkunden und geistige Anregungen optimal zu verarbeiten.
Sind Intelligenztests objektiv?
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass Intelligenztests stark kulturspezifisch sind und lediglich einen bestimmten, forschungsfokussierten Ausschnitt an Fähigkeiten messen, weshalb sie nur begrenzt objektiv sind.
- Arbeit zitieren
- Miriam Malcher (Autor:in), 2013, Das Konstrukt Intelligenz. Kritische Auseinandersetzung mit den Thesen von Roth und Harris, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1127707