In dieser Examensarbeit für das erste Staatsexamen für Gymnasiallehramt wird das didaktische Potenzial der Außenseiterfiguren in aktueller Kinder- und Jugendliteratur untersucht. Über theoretische Erklärungsansätze für das Entstehen von Außenseitern in unserer Gesellschaft wird zu Außenseiterfiguren und wiederkehrenden Motiven in der Literatur hingeleitet. Am Beispiel der zwei aktuellen Kinder- und Jugendromane "Tschick" von Wolfgang Herrndorf und "Tanz der Tiefseequalle" von Stefanie Höfler werden die erarbeiteten Ergebnisse dargestellt und es findet eine intensive Figuren- und Motivanalyse der beiden Werke statt.
Anders sein, nicht dazugehören - das sind seit dem Bestehen der Gesellschaft Themen, die die Menschen umtreiben und beschäftigen. Auch in der Literatur lassen sich unzählige Geschichten über Außenseiter und Sonderfälle der Geschichte der Menschheit finden. Sie scheint im Grunde dazu zu dienen, von Ausnahmefällen und dem Besonderen der Gesellschaft zu erzählen. Betrachtet man Literatur als Sozialisationsgegenstand für Kinder und Jugendliche, ergibt sich daraus die Frage: Was können Kinder und Jugendliche von und mit Außenseiterliteratur lernen? Welches didaktische Potenzial besitzt diese Thematik für den Literaturunterricht?
Da Literatur – im Besonderen die Außenseiterliteratur – durch literarische Figuren lebendig wird, lässt sich diese Frage weiter konkretisieren: Welches didaktische Potenzial besitzen Außenseiterfiguren? Was können Kinder und Jugendliche im Umgang mit ihnen lernen?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Außenseiter in der Gesellschaft
2.1. Abweichendes Verhalten
2.2. Theoretische Erklärungsansätze für das Entstehen von Außenseitern
2.2.1. Ätiologische Theorien und die Sozialisationsentwicklung Jugendlicher
2.2.2. Der Etikettierungsansatz oder auch: Produziert die Gesellschaft Außenseiter?
2.3. Zusammenfassung
3. Außenseiter in der Kinder- und Jugendliteratur
3.1. Warum „Außenseiter“ als ein Thema der Kinder- und Jugendliteratur?
3.2. Motive und Lösungsansätze der Außenseiterthematik
3.3. Was sind die wiederkehrenden Motive und Stereotypen von Außenseitern?
3.3.1. Ethnische Minderheiten/Ausländer
3.3.2. Der Neue in der Gruppe
3.3.3. Soziale Diskriminierung
3.3.4. Krankheit und Behinderung
3.3.5. Körperliche Normabweichungen
3.3.6. Abweichendes Verhalten
3.4. Lösungsansätze
4. Das didaktische Potenzial von Außenseiterfiguren
4.1. Was ist eine literarische Figur?
4.2. Das didaktische Potenzial von literarischen Figuren
4.3. Das didaktische Potenzial von Außenseiterfiguren
4.4. Zusammenfassung
5. Exemplarische Untersuchung der Außenseiterfiguren an zwei modernen Werken der Kinder- und Jugendliteratur
5.1. ´Tanz der Tiefseequalle´ von Stefanie Höfler
5.1.1. Inhaltsangabe
5.1.2. Figurenanalyse
5.1.3. Didaktisches Potenzial
5.2. `Tschick` von Wolfgang Herrndorf
5.2.1. Inhaltsangabe
5.2.2. Figurenanalyse
5.2.3. Didaktische Analyse
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das didaktische Potenzial von Außenseiterfiguren in moderner Kinder- und Jugendliteratur, um aufzuzeigen, wie diese für den Literaturunterricht genutzt werden können, um neben literarischen Kompetenzen auch soziale und persönliche Lernprozesse bei Jugendlichen zu fördern.
- Gesellschaftstheoretische Grundlagen des Außenseiterdaseins
- Darstellung und Motive von Außenseitern in der Literatur
- Didaktische Potenziale der Arbeit mit literarischen Figuren
- Exemplarische Analyse der Werke 'Tanz der Tiefseequalle' und 'Tschick'
Auszug aus dem Buch
2. Außenseiter in der Gesellschaft
In unserer Gesellschaft treten immer wieder Außenseiter auf. Es scheint, als wäre es mit dem Zusammenschluss von Menschen zu Gruppen quasi unausweichlich, dass manche Mitglieder nicht erfolgreich integriert werden können. Sie stehen entweder am Rand der Gruppe oder sind in keinster Weise integriert. Außenseiter der Gesellschaft zeichnen sich dadurch aus, dass sie aufgrund äußerer, körperlicher Erscheinung, ihrer Herkunft, ihres sozialen Status oder abweichender Verhaltensweisen nicht den Maßstäben der gesellschaftlichen Anforderungen entsprechen.
Zu den abweichenden äußerlichen Erscheinungen gehören in unserer Gesellschaft oft besonders dicke oder dünne Menschen, aber auch Menschen mit einer körperlichen Behinderung. Im Grunde geht es besonders bei diesen Merkmalen um das Abweichen vom Mittelmaß der Gesellschaft.
Dass Herkunft als abweichendes Merkmal gelten kann, lässt sich durch unterschiedliche Faktoren erklären: Zum einen gehen mit der Herkunft aus einem „fremden“ Land oft andere Verhaltensweisen und Sitten einher, die nicht mit den hier herrschenden übereinstimmen. Zum anderen können auch hier Faktoren, die das äußere Erscheinungsbild beeinflussen, zum Ausschluss führen.
Der soziale Status kann maßgeblich für den Stand in der Gesellschaft sein. Wohlhabende Menschen bzw. Individuen der gutsituierten Mittelschicht haben es oftmals einfacher, Anschluss zu finden und sich in die Gesellschaft zu integrieren, als es bei Personen aus den unteren, sozialschwachen Schichten der Fall ist. Dies hängt vor allem mit negativen Vorurteilen, die Menschen anderen gegenüber haben, zusammen. Besonders Jugendliche können unter diesen Vorurteilen während des Prozesses der Sozialisation leiden, wie sich in Kapitel 2.2.2. zeigen wird.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Thematik der Außenseiter in der Gesellschaft und Literatur ein, stellt die Forschungsfrage nach dem didaktischen Potenzial dieser Thematik für den Literaturunterricht und skizziert das methodische Vorgehen.
2. Außenseiter in der Gesellschaft: Dieses Kapitel erläutert soziologische und psychologische Ansätze zur Entstehung von Außenseitern, indem es sowohl das Individuum als auch gesellschaftliche Zuschreibungsprozesse (Etikettierungsansatz) beleuchtet.
3. Außenseiter in der Kinder- und Jugendliteratur: Hier wird der Stellenwert der Außenseiterthematik in der KJL untersucht, gängige Motive und Stereotypen identifiziert und die Entwicklung von Lösungsansätzen in der Literatur diskutiert.
4. Das didaktische Potenzial von Außenseiterfiguren: Es wird analysiert, wie literarische Figuren generell zur Förderung fachlicher und überfachlicher Kompetenzen beitragen können und welches spezifische Potenzial dabei Außenseiterfiguren zukommt.
5. Exemplarische Untersuchung der Außenseiterfiguren an zwei modernen Werken der Kinder- und Jugendliteratur: Anhand der Romane 'Tanz der Tiefseequalle' und 'Tschick' werden die theoretischen Erkenntnisse praxisnah untersucht und auf ihr didaktisches Potenzial geprüft.
6. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse der Arbeit zusammen und bestätigt das hohe Potenzial von Außenseiterfiguren für den Literaturunterricht, sofern sie in einen kompetenten Umgang mit Literatur eingebettet sind.
Schlüsselwörter
Außenseiter, Kinder- und Jugendliteratur, KJL, didaktisches Potenzial, Literaturunterricht, Sozialisation, Etikettierungsansatz, literarische Figuren, Identitätsbildung, Interkulturalität, Vorurteile, soziale Ausgrenzung, Adoleszenzroman, Mobbing, Integration
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, welches didaktische Potenzial die Thematisierung von Außenseiterfiguren in der Kinder- und Jugendliteratur bietet und wie diese im Literaturunterricht eingesetzt werden können.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themen umfassen soziologische Theorien zur Entstehung von Außenseitern, die Darstellung in der Literatur, die Analyse von Motiven und Stereotypen sowie die Verbindung zu literarischen Kompetenzen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, den Nutzen von Außenseiterliteratur für die Persönlichkeitsentwicklung der Schüler und die Förderung gesellschaftlicher Werte wie Toleranz und Verständnis aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine literaturdidaktische Untersuchung, die theoretische Grundlagen (Soziologie, Pädagogik) mit einer exemplarischen Analyse zweier moderner Romane verknüpft.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil erörtert theoretische Ansätze, Motive und Stereotypen, das didaktische Potenzial literarischer Figuren und führt eine detaillierte Untersuchung der Werke 'Tanz der Tiefseequalle' und 'Tschick' durch.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Außenseiter, Kinder- und Jugendliteratur, soziale Integration, Etikettierungsansatz, literarische Figuren und didaktisches Potenzial.
Wie unterscheidet die Autorin zwischen den untersuchten Werken?
Sie differenziert zwischen 'Tanz der Tiefseequalle', in dem Figuren eher unverschuldet in die Rolle des Außenseiters geraten, und 'Tschick', wo die Protagonisten sich bewusster für eine Position am Rande der Gesellschaft entscheiden.
Welche Rolle spielt der Etikettierungsansatz in der Analyse?
Der Ansatz dient dazu, das Entstehen von Außenseitern nicht nur beim Individuum zu suchen, sondern die Verantwortung der Gesellschaft für Ausgrenzungsprozesse und negative Zuschreibungen zu betonen.
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- Jana Penelope Hartmann (Autor), 2020, Das didaktische Potenzial von Außenseiterfiguren in aktueller Kinder- und Jugendliteratur, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1127711