Mit der virtuellen Eröffnung des Humboldt-Forums im Berliner Schloss wurde am 16. Dezember 2020 das größte Kulturprojekt Europas fertiggestellt. Jedoch wurde der Wiederaufbau seit Beginn der Planungen kontrovers diskutiert. Außerdem wird bis heute der Umgang mit Teilen der Sammlungen des ethnologischen Museums kritisiert. Konkret handelt es sich dabei um den Vorwurf der fehlenden Provenienzforschung im Zusammenhang mit Objekten aus der Kolonialzeit. Mit dieser Arbeit wird der Frage nachgegangen, wie Moderne heutzutage ausgestellt werden soll und warum das Humboldt-Forum eine so starke Kontroverse hervorrief.
Um diese Kontroverse und die Brisanz, die mit dem Wiederaufbau des Schlosses verbunden sind, näher zu erläutern, wird dabei wird zunächst im zweiten Kapitel die Historie des Berliner Schlosses beleuchtet, bevor dann im dritten Kapitel näher auf die Sammlungen und die Kontroversen im Zusammenhang mit dem Humboldt-Forum eingegangen wird. Im vierten Kapitel wird unter dem Schlagwort der politischen Ikonographie die Bildsprache, welche beim Humboldt-Forum zum Einsatz kommt und damit, ob bewusst oder unbewusst, bestimmte politische Botschaften transportiert, analysiert. Abgeschlossen wird die Arbeit mit einem Fazit, welches nochmals die verschiedenen Argumente bündelt und einen Ausblick auf eine mögliche weitere Entwicklung gibt.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Das Berliner Schloss
2.1 Baugeschichte und Nutzung
2.2 Historische Ereignisse und Bedeutung
3 Das Humboldt-Forum
3.1 Entstehungsgeschichte und Gebäude
3.2 Ausstellungen und Nutzung
3.3 Kontroverse
4 Reflexionen aus Sicht der politischen Ikonographie
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die anhaltenden Kontroversen um das Humboldt-Forum im Berliner Schloss. Das zentrale Ziel ist es zu analysieren, wie Moderne heute in einem solch historisch belasteten Kontext ausgestellt werden kann und welche Rolle dabei die politische Ikonographie bei der Vermittlung von Botschaften spielt.
- Historische Entwicklung des Berliner Schlosses
- Entstehung und architektonische Bedeutung des Humboldt-Forums
- Postkoloniale Museumsdebatte und Provenienzforschung
- Symbolik und politische Ikonographie von Architektur
- Umgang mit geschichtlichen Widersprüchen im musealen Raum
Auszug aus dem Buch
3.3 Kontroverse
Solange wie über den Wiederaufbau des Berliner Schlosses und die Errichtung des Humboldt-Forums gesprochen wurde und wird ist auch immer wieder teils heftige Kritik am Projekt zu vernehmen. Kritisiert werden zum einen die ausgestellten Exponate, aber auch der Bau an sich.
So kommt heute wohl kein Museum mit ethnologischen Sammlungen mehr daran vorbei in der postkolonialen Museumsdebatte Stellung zu beziehen. Der seit den frühen 2000er Jahren anhaltende Reformprozess, der sich zum Beispiel an den Umbenennungen der Häuser von „Völkerkundemuseum“ in „Ethnologisches Museum“, „Weltkulturen Museum“ oder „Museum der Kulturen“ zeigt, spiegelt die postkoloniale Auseinandersetzung mit ethnologischen Museen wieder. Die postkoloniale Debatte ist also ein Referenzpunkt für alle Museen mit ethnologischen Sammlungen und erst recht für ein Haus wie das Humboldt Forum, das als nationales Repräsentationsobjekt von Beginn an für erbitterte Diskussionen gesorgt und als solches bereits früh internationale Aufmerksamkeit erlangt hat.30 Mit den Gebrüdern Humboldt im Namen erscheint ein Umgehen dieser Debatte erst recht unmöglich. So waren die Brüder Wilhelm und Alexander von Humboldt nicht nur eng mit dem Ort verbunden, sondern fungieren gleichsam als Leitfiguren für das Konzept des Humboldt-Forums:
„Wilhelm steht für die Bedeutung der klassischen Ideen- und Geistesgeschichte Europas und für das Verständnis der außereuropäischen Kulturen, für die Bedeutung der Sprache beim Begreifen von Kunst und Kultur, für die Verbindung von Museum, Universität und Bibliothek sowie für eine tiefgreifende bildungspolitische Offensive. Alexander symbolisiert die Neugier auf die Welt, eine welt- offene Beschreibung fremder Kulturen, eine Disziplinen überschreitende Erforschung Amerikas wie Asiens und den Gedanken einer untrennbaren Einheit von Natur und Kultur.“
Allerdings gilt die Rolle Alexander von Humboldts auf den Kolonialismus als keinesfalls geklärt, zuweilen wird ihm eine stark eurozentristische Grundhaltung vorgeworfen.31
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung stellt das Humboldt-Forum als bedeutendes Kulturprojekt vor und skizziert die wissenschaftliche Fragestellung zur Ausstellung von Moderne und den damit verbundenen gesellschaftlichen Kontroversen.
2 Das Berliner Schloss: Dieses Kapitel zeichnet die wechselvolle Geschichte des Schlossareals von der kurfürstlichen Residenz bis hin zum Abriss in der DDR nach.
2.1 Baugeschichte und Nutzung: Hier werden die baulichen Veränderungen und die verschiedenen Funktionen des Schlosses im Laufe der Jahrhunderte detailliert dargelegt.
2.2 Historische Ereignisse und Bedeutung: Dieses Kapitel analysiert die städtebauliche Relevanz des Schlosses und seine Rolle als zentraler Schauplatz historischer Ereignisse in Berlin.
3 Das Humboldt-Forum: Der Fokus liegt hier auf der Entstehung und der aktuellen Ausrichtung des Humboldt-Forums als Plattform für Museen und Wissenschaft.
3.1 Entstehungsgeschichte und Gebäude: Die Debatte um den Wiederaufbau und die architektonischen Entscheidungen für den heutigen Museumsbau stehen hier im Mittelpunkt.
3.2 Ausstellungen und Nutzung: Dieser Abschnitt gibt einen Überblick über die in das Humboldt-Forum integrierten Institutionen und die inhaltliche Ausrichtung der Ausstellungen.
3.3 Kontroverse: Hier wird die kritische Auseinandersetzung, insbesondere im Hinblick auf postkoloniale Fragen und die Provenienz der Exponate, beleuchtet.
4 Reflexionen aus Sicht der politischen Ikonographie: Dieses Kapitel nutzt die Methode der politischen Ikonographie, um die symbolische Aufladung von Ort und Architektur zu interpretieren.
5 Fazit: Das Fazit bündelt die Argumente und fasst zusammen, wie das Humboldt-Forum die notwendige Auseinandersetzung mit der Geschichte und der Moderne gestalten kann.
Schlüsselwörter
Humboldt-Forum, Berliner Schloss, Politische Ikonographie, Kolonialismus, Provenienzforschung, Wiederaufbau, Moderne, Ethnologisches Museum, Shared Heritage, Preußische Geschichte, Museumsdebatte, Architektur, Erinnerungskultur, Identität, Humboldt-Brüder
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit dem Humboldt-Forum im Berliner Schloss und untersucht die Hintergründe der intensiven öffentlichen Kontroversen, die diesen Neubau seit Beginn begleiten.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Schwerpunkte liegen auf der Baugeschichte des Berliner Schlosses, der Architektur des Humboldt-Forums, postkolonialen Debatten um die Sammlungen sowie der symbolischen Bedeutung von Architektur im politischen Kontext.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Arbeit geht der Frage nach, wie Moderne in der heutigen Zeit ausgestellt werden sollte und warum das Humboldt-Forum als nationales Projekt so starke und ambivalente Reaktionen hervorgerufen hat.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Der Autor nutzt primär die Perspektive der politischen Ikonographie, um die Bildsprache und die symbolische Wirkung des Ortes sowie die Inszenierung der politischen Botschaften zu analysieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die historische Aufarbeitung des Schlossareals, die Vorstellung des Humboldt-Forums inklusive der aktuellen Ausstellungen sowie eine detaillierte Analyse der Kritiken an der Architektur und der Provenienz der ausgestellten Objekte.
Welche Schlagworte charakterisieren die Arbeit am besten?
Die zentralen Charakteristika sind die postkoloniale Auseinandersetzung, der Begriff des „shared heritage“, die bauliche Rekonstruktion sowie die politische Symbolik als zentraler Untersuchungsgegenstand.
Wie bewertet der Autor die Rolle des „Liebknechtportals“ im Kontext des Schlosses?
Die Arbeit ordnet das Portal als ein Symbol der DDR-Geschichtsschreibung ein, das bewusst als „Liebknechtportal“ ins Staatsratsgebäude integriert wurde, um sich auf die Ausrufung der sozialistischen Republik zu berufen.
Warum wird die „Bleidecke“-Metapher im Zusammenhang mit der Provenienzforschung zitiert?
Die Metapher stammt von Benedicte Savoy und verdeutlicht die Kritik, dass die Provenienzgeschichte der Sammlungen im Humboldt-Forum unzureichend aufgearbeitet werde, anstatt transparent damit umzugehen.
Welche Funktion hat die Kuppel mit dem goldenen Kreuz?
Die Kuppel und das Kreuz werden im Text als umstrittene Elemente diskutiert, die von Kritikern als Glorifizierung des Christentums wahrgenommen werden, während andere sie als Teil einer notwendigen produktiven Widersprüchlichkeit des Forums sehen.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2021, Wie soll Moderne ausgestellt werden? Kontroversen um das Humboldt-Forum im Berliner Schloss im Kontext der politischen Ikonographie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1127830