40 Jahre Türken in Berlin

Dokumentation und medienwissenschaftliche Analyse des TV-Ideen-Wettbewerbs für Kinder und Jugendliche im Offenen Kanal Berlin


Diplomarbeit, 2003

101 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung - 40 Jahre Türken in Berlin

2. Der Ausschreibungstext

3. Der Flyer und das Plakat

4. Die Website

5. Die Werbung und Öffentlichkeitsarbeit

6. Die Einsendungen und die Verleihung

7. Die Stoffentwicklungsmethode nach Esser

8. Das Ende: Die Umsetzung der TV-Ideen

9. Der Anhang

1. Einleitung – 40 Jahre Türken in Berlin

Am 30. Januar 2003 findet auf einer Festveranstaltung im Offenen Kanal Berlin (OKB) der TV-Ideen-Wettbewerb unter den Schirmherrschaft von der Ausländerbe-auftragten Frau Barbara John seinen Abschluss. Dieser Wettbewerb wurde durch den Förderverein des Offenen Kanal Berlin e.V. und auf Initiative seines Vorsitzenden Professor Dr. Knilli im Jahre 2001 ins Leben gerufen. Er wurde in Zusammenarbeit mit Studenten der Medienberatung der Technischen Universität Berlin, an welcher Herr Knilli als Dozent wirkt, durchgeführt. Das Thema des Wettbewerbes ergab sich während der Vorbereitungen. Zum einen wurde die türkische und die deutsche Bevölkerung als die größten Nutzergruppen des OKB analysiert. Zum anderen stand das 40 jährige Jubiläum des Anwerbervertrages zwischen Deutschland und der Türkei an. Verschiedene Reaktionen aus der Bevölkerung auf dieses Jubiläum zeigten die Aktualität dieses Themas. So kam in Interviews mit deutschen und türkischen Schülern und Schülerinnen offensichtlich eine von den Einheimischen und den Zuwanderern akzeptierte und praktizierte weitgehende Getrenntheit im Alltag zum Vorschein. Die deutschen Schüler und Schülerinnen wussten nicht, warum es Türken in Berlin gibt. Die türkischen Jugendlichen gaben vor es zu wissen, doch auf Nachfragen kamen keine eindeutigen Antworten. So erzählten sie ausweichend vom Generationskonflikt innerhalb der türkischen Familien mit gemischten Staatsangehörigkeiten in Berlin.

Die Ursachen dafür liegen in der Geschichte. Als die Türkei 1954 von der Bundesrepublik Deutschland einen Kredit in Höhe von 225 Millionen Mark erhielt und ein Jahr später ein Handelsabkommen folgt, dachte noch niemand an den wenig später einsetzenden Arbeitskräfte-Export. Doch trotz dieses Abkommens wuchsen in der Türkei rings um die Großstädte Ankara, Istanbul und Izmir in den 50er Jahren Slums, sogenannte gecekondu, in denen vor allem verarmte Landbauern lebten. Die Arbeitslosenzahlen stiegen. Als die Landflucht noch mehr zunahm und die Unzufriedenheit immer öffentlicher spürbar wurde, kam die Bundesrepublik Deutschland der Türkei zu Hilfe. Theodor Heuss verkündete bei einem Türkei-Besuch 1957, dass die schnell wachsende deutsche Wirtschaft ausländische Arbeitnehmer aufnehmen wolle. Noch im gleichen Jahr wurden 150 qualifizierte Arbeitskräfte nach Kiel geschickt. Offiziell machten sich aber erstmals im Juni 1961 eine 93 Mann starke Arbeitergruppe auf den Weg nach Deutschland. Nach 1961 wurden mit dem bilateralen Anwerberabkommen die Tore Deutschlands für Türken weit aufgetan, wenn sie es schafften von den deutschen Ärzten in Istanbul ein Gesundheitszeugnis zu erhalten. Neben den Land-Anatolen kamen aber auch schon von Anfang an gebildete türkische Großstädter nach Berlin, oft mit abgeschlossener Berufsausbildung, erzogen im Geiste Atakürks und aufgewachsen mit europäischer Kultur. Dies waren die ersten Schritte zu einer immer mehr zunehmenden Zahl von Einreisewilligen. Vor allem West-Berlin profitierte davon. Denn ihm fehlte nach dem Mauerbau 1961 das Arbeitskräfte-Reservoir aus dem Ostteil der Stadt und dem Umland. In nur fünf Jahren, von 1961 bis 1966, stieg die Anzahl der Türken in Berlin im gleichen Maße, wie in über dreißig Jahren zuvor zwischen den beiden Weltkriegen. „So waren es 1905: 308 und 1938: 3310 Türken in Berlin. Von 1961 bis 1966 stieg die Zahl von 284 auf 5698 sprunghaft an.“ [GRE-98] So geschah, was der Dichter Orhon Murat Ariburun, der selbst einmal eine zeitlang in Berlin Kreuzberg lebte, so beschrieb: „Ein Anatolien entstand in der Mitte Deutschlands“. [VER-01]

Die 60er

In den 60ern kamen zuerst Frauen, um in der damals noch stark ausgebauten Textil- und Elektromontageindustrie zu arbeiten. Sie waren mehr gesucht als Männer, da sie für weniger Lohn arbeiteten. Die Bundesregierung und Unternehmen verfolgten ein Rotationsprinzip, welches die ausländischen Arbeitskräfte nur einige Jahre in Deutschland duldete. Danach wurden sie wieder in ihre Heimatländer zurück-geschickt und durch Neu-Angeworbene ersetzt. Die meisten Türken in Berlin lebten daher praktisch ohne Kontakt zur deutschen Bevölkerung. Sie wohnten in notorisch überbelegten und schlecht ausgestatteten Gastarbeiterwohnheimen und versuchten ihrerseits, in möglichst kurzer Zeit viel Geld anzusparen. Zum Deutschlernen bestand kein Anlass – und bei den oft außerordentlich harten Arbeitsbedingungen auch keine Gelegenheit.

Die 70er

In den 70er Jahren nahm die Arbeitsmigration nach Deutschland immer größere Ausmaße an. „In Berlin lebten 1973 bereits 79468 Türken.“ [GRE-98] Seit 1972 bildeten die Türken unter den ausländischen Arbeitnehmern die größte Gruppe. Der Höhepunkt der Arbeitsmigration war erreicht. Am 23. November 1973 verhängte die Bundesregierung einen Anwerberstopp. Nicht erst seit dieser Zeit zeigte sich, dass eine vorübergehende Verschiebung von Arbeitskräften weder sinnvoll noch durchzuführen war. Anstatt frisch eingetroffene Arbeitskräfte jeweils neu anzulernen, zogen viele deutsche Firmen es vor, die Arbeitsverträge bewährter ausländischer Mitarbeiter zu verlängern. Deshalb wurde das Rotationsprinzip von Arbeitgebern und der Bundesregierung aufgehoben. Je länger der Aufenthalt der jungen Türken in Berlin dauerte, desto stärker wurde deren Wunsch zu heiraten oder Ehepartner und Kinder nachzuholen. Die türkischen Familien verließen die Wohnheime und zogen in die billigen Wohnungen der sanierungsbedürftigen Gebiete in Kreuzberg, Wedding oder Tiergarten. Vor allem nach dem Anwerberstopp 1973 fürchteten viele Türken überall in Deutschland, dass auch der Familiennachzug bald verboten werden könnte. Ein versteckter Zuzug setzte ein. Durch die große Zahl der nachreisenden Familienangehörigen wurde das Leben in Deutschland einfacher. Im Gegenteil: Für Türken in Berlin traten nun neue Probleme auf. Die Erziehung ihrer Kinder zwang sie zu einer intensiveren Auseinandersetzung mit der ihnen noch fremden und unbekannten deutschen Gesellschaft. Es kam zum ansteigen der Arbeitslosenzahl und zu einer zunehmenden Ausländerfeindlichkeit. Trotz allem gab es auch sichtbare Annäherungen zwischen Türken und Deutschen. So wurde die Ausländerfeindlich-keitsproblematik in Vereinen, politischen Vereinigungen und Parteien angegangen. Jetzt wo Deutschland, wo Berlin zur zweiten Heimat für die erste Generation und für deren Kinder wurde, war es um so wichtiger, diese Probleme anzugehen. Erschwert wurde dieses Vorhaben jedoch durch die vielen nachgezogenen türkischen Kinder, die oft ohne geringste Deutschkenntnisse kamen. Gleichzeitig bildete sich in Berlin ein eigenes türkisches Stadtleben mit türkischen Geschäften, Obst- und Gemüsehändlern, Reisebüros. Neben Geschäften fürs Alltägliche, wie kleinen Handwerksbetrieben, Schneidereien, KFZ – Werkstätten, etablierten sich auch einige Unternehmen, wie Glasereien und andere Unternehmensarten. In Berlin konzentrierte sich die türkische Alltagsinfrastruktur auf einige wenige Bezirke, die rasch weitere Türken aus anderen Stadtgebieten anzog. Aber auch innerhalb dieser Bezirke bildeten sich spezielle Konzentrationsgebiete. Wohnungen im schlechten Zustand wurden an Türken vermietet. So schuf die Migration einen bleibenden Charakter dieser Stadt. In den 70er Jahren betrug der Anteil türkischer Bewohner in einigen Kreuzberger und Weddinger Häuserblocks um die 60 Prozent. Ab 1975 wurde eine Zuzugsperre für Ausländer in Bezirke mit einem Ausländeranteil von über 12 Prozent angeordnet. Das betraf die Bezirke Kreuzberg, Wedding und Tiergarten. Die Zuzugssperre sollte diese Entwicklung aufhalten.

Die 80er

Zu Beginn der 80er veränderte sich die gesamte Situation. Bereits 1978 hatte die erste Ausländerbeauftragte der Bundesregierung anstatt von „Gastarbeitern“ von „Einwanderern“ gesprochen. Dies verschärfte die Ausländerfeindlichkeit zunehmend. Denn nach dem Militärputsch in der Türkei am 12. März 1971 und am 12. September 1980 konnte man in Deutschland einen deutlichen Anstiegt der Anträge auf politisches Asyl beobachten. „So kamen 1980 von 108000 Asylbewerbern allein 54 Prozent, knapp 60000, aus der Türkei. Im Jahr zuvor waren es nur 26 Prozent und 1976 sogar nur 7 Prozent gewesen. Auch wenn schon zu Beginn des Jahres 1981 die Zahlen wieder rasch zu sinken begannen, im Januar waren es noch 30 Prozent, im April 17 Prozent und im Juli nur noch 8 Prozent, so waren die Auswirkungen deutlich zu spüren.“ [GRE-98] Die politischen Migranten beeinflussten zunehmen die Wirtschaftsmigranten in deren politischen Überzeugungen. Nach kurzer Zeit begannen Gründungen erster Organisationen. Neben Studentenvereinen, wurden Migrantenvereine gegründet, in denen sich das politische Parteienspektrum der Türkei wiederspiegelte. Weiterhin entstanden in Kreuzberg verschiedene türkische Kulturvereine, darunter Berlin Aile Tiyatrosu (heute Diyalog e.V.) und Tiyatrom. Die Mehrzahl der aus politischen Gründen Emigrierten ist nach einiger Zeit wieder in ihre Heimatländer zurückgekehrt, um dort den Kampf weiterzuführen. Doch den Samen ihrer Überzeugungen ließen sie hier. So begannen in der Gewerkschaft nun auch türkische Gewerkschaftler mitzuarbeiten. Türkische und deutsche Arbeiter standen bei Streiks und auch bei Demonstrationen hinter den selben Transparenten.

Dem schob die Bundesregierung einen Riegel vor. Sie erließ Gesetze, die den Familien- und Ehegattennachzug unterbinden oder zumindest stark einschränken sollte. Auch versuchte sie Türken zu einer Rückkehr in ihre Heimat zu bewegen. „Dies geschah durch Starthilfen in Höhe von 10.500 DM plus 1.500 DM pro Kind. So kehrten im Jahre 1983 und 1984 bundesweit insgesamt 313857 Türken in die Türkei zurück.“ [GRE-98] Doch brach diese Rückzugswelle schon nach kurzer Zeit wieder ab. Unter den Türken hatte sich herumgesprochen, dass der Lebensstandart der Rückkehrer drastisch absackte. Die Zuschüsse und die Reserven waren zu schnell verbraucht. „So kehrten 1986 nur noch 37666 Türken in die Türkei zurück.“ [GRE-98] So weitete sich in der Mitte der 80er Jahre die bereits vorhandene türkische Infrastruktur auch auf Buchhandlungen, Druckereien, Festsäle, Banken und Moscheen aus. Man machte sich bereit für einen Daueraufenthalt.

Die 90er

In den 90ern etablierte sich das türkische Leben in Berlin. Unterschiede verschwanden, die Regelungen auch. So wurde 1989, nach der Öffnung der Mauer, die Regelung zum Zuzug aufgehoben. Man vertraut seit dem den Selbstregulierungs-prozessen. „Gut zwei Drittel aller Berliner Türken leben nun seit über 15 Jahren in Berlin.“ [GRE-98] Die zweite Generation wurde erwachsen und bestimmte das Leben in der türkischen Gemeinde. Junge Ehepaare kamen, genauso wie Gaststudenten. Die Gastarbeiter der ersten Generation gingen und türkische Geschäftsleute pendeln ständig hin und her. Somit ist mittlerweile die gesamte ethnische und kulturelle Vielfalt der Türkei in Berlin angekommen. „Es gibt die Großstädter und die Bauern, Türken, Kurden, Aserbeidschaner, Lasen, Bulgarien-Türken, Armenier und viele andere.“ [GRE-98]

Im Heute angekommen

„Es geschah, wie Max Frisch es einst beschrieb: Die westlichen Gesellschaften hatten Maschinen zur Unterstützung ihrer Industrie erwartet und bekamen Menschen. Menschen, die ihre Kultur, ihre Bräuche und ihre Weltanschauung mitbrachten. Mit ihrer Arbeitskraft und ihrer Seele trugen sie zum wirtschaftlichen Aufbau Deutschlands bei und vergaßen dabei nicht, auch ihre politischen Überzeugungen einzubringen. Noch bevor viel Zeit verstrich, haben die namenlosen Helden des deutschen Wirtschaftswunders sich auch politisch artikuliert.“ [VER-01]

Heute ist Berlin eine Stadt mit 160.000 Türken. Die meisten von ihnen sprechen gutes bis sehr gutes Deutsch. Die Infrastruktur umfasst alle Bereiche des Lebens und unter den Türken gibt es mittlerweile eine breite soziale Streuung. Sie reicht vom Gemüsehändler über den Handwerker, vom Arzt über den Abgeordneten, vom Profiboxer bis hin zum Lyriker. Steigende Umsätze der Betriebe und die wachsende Anzahl selbständiger Türken/innen sind wichtige Zeugnisse des Bleibens. Aber auch auf dem sportlichen Sektor wurden bedeutende Erfolge erzielt. Der bei „Kreuzberg Türkspor“ ausgebildete Ilyas Tüfekci, der bei „Hertha BSC“, bei „Schalke 04“ und später bei „Fenerbahce Istanbul“, „Galatasaray Istanbul“ und in der türkischen Nationalmannschaft spielte, war der erste wirklich erfolgreiche Fußballspieler der türkischen Migrantengemeinde. Der 1978 gegründete Verein „Izmirsport“ wurde 1987 in „Türklyemspor“ umbenannt und gewann in den Jahren 1988, 1990 und 1991 als erste ausländische Mannschaft den Pokal der Berliner Fußball Föderation (VBB).

Der Erfolg der türkischen SportlerInnen zeigte sich auch in der Box- und Ringkampfarena. Adnan Özcoban, der 14 mal hintereinander Berliner Meister wurde, brach damit den Rekord und sein Name ging in die Sportgeschichte der Stadt ein. Der wiederum als „Mohammed Ali von Berlin“ [VER-01] bekannte Oktay Urkal holte bei den Olympischen Spielen von Atlanta die Silbermedaille für Deutschland. Im Karate ist der Berliner Veysel Bugdur zweimal Weltmeister geworden.

Doch es gibt nicht nur Positives zu berichten. Am deutlichsten werden die Probleme im türkischen Kino aufgezeigt. So war für viele Deutschland das falsche Paradies und wie in den 1980 gedrehten Film „Almanya aci vatan“ nur „Bittere Heimat“. [VER-01] Der Druck der Sitten und Gebräuche gestattet es immer noch nicht, dass sich zwischen den beiden Kulturen Liebesgeschichten ohne Hin- und Hergerissensein entwickeln. Ständig ergeben sich innerfamiliäre Auseinandersetzungen. Trennungen, Tode und Gefängnisse kommen als Stoffgrundlage genauso häufig vor, wie die Angst vor Arbeitslosigkeit, Entfremdung und Anpassungsschwierigkeiten. Diese Themen bewegen das türkischen Kino in Deutschland.

Ein Beispiel dafür ist Aysun Bademsoy, die mit ihrer Kamera in die Welt türkischer Jugendlicher eintaucht. Weiter gibt es Filme wie „Sirins Hochzeit“ und „Die Strecke Mardin - München“ [VER-01], die den Zuschauer an dem Verlauf einer Liebes-geschichte teilhaben lassen. Der Film ist neben der Musik und der Malerei die stärkste Ausdrucksmöglichkeit der Migranten.

In vielen türkischen Haushalten Berlins bildete der Fernseher daher den zentralen Punkt der Wohnzimmereinrichtung. Das Gerät bleibt auch bei Besuch meistens durchgehend angeschaltet. Man sieht türkische Programme, welche fast alle türkischen Haushalte Berlins über Kabel oder Satellit empfangen können. Bereits im Jahre 1985 startete mit „TD 1“ der erste private türkische Fernsehsender in Berlin. Und dies, obwohl die gesetzliche Regelung zur Zulassung von privaten Fernsehsendern neben den Öffentlich-Rechtlichen erst ein Jahr alt war. Mit seinen zahlreichen Liveprogrammen mit Zuschauerbeteiligung, sowie lokaler Werbung ist TD 1 heute ein wichtiges türkisches Medium in Berlin. Selbst Radiosender aus der Türkei sind über Satellit in Deutschland und somit auch in Berlin zu empfangen. Sie können jedoch von ihrer Bedeutung her die Fernsehsender nicht erreichen. Aufgrund dieser Bedeutung stellt die türkische Gemeinde, neben den Deutschen, die größte Benutzergruppe im Offenen Kanal Berlin. Demnach lag nichts näher, als einen TV-Ideen Wettbewerb ins Leben zu rufen. Er sollte die Geschichte und die aktuelle Situation der Türken in Berlin aufzeigen. Das Interesse an einer solchen Veranstaltung bestätigte eine Meinungsumfrage zur Wohlfühlsituation von Türken in Berlin vom Dezember 2001, welche im Folgenden aufgeführt ist.

Umfrage

Frau Barbara John, Ausländerbeauftragte des Berliner Senats, beauftragte das Mei-nungsforschungsinstitut Trend - Gesellschaft für Markt-, Media- und Sozialforschung mbH im November/Dezember 2001 damit, bei der türkischen Wohnbevölkerung in Berlin eine Umfrage durchzuführen, um sich selbst einen aktuellen Überblick über die Probleme der Türken in Berlin zu machen. Demnach waren insgesamt 1003 Personen befragt worden.

Schon in den früheren Umfragen zeichnete sich ab, dass sich die türkische Bevölkerung immer stärker auf den Lebensmittelpunkt Berlin orientiert, sich als Teil der deutschen Gesellschaft empfindet. Dieser Trend setzt sich auch in dieser Umfrage fort. Insbesondere die Fragen zum Informationsverhalten, der Mediennutzung, dem Kaufverhalten oder auch zur Bereitschaft, die deutsche Staatsbürgerschaft anzunehmen, belegen das eindeutig.

Ein Gradmesser ist die sogenannte „Wohlfühlfrage“. Über 80 Prozent der Befragten gibt an, sich in Berlin sehr wohl oder wohl zu fühlen, der Anteil ist kaum niedriger als in einer Umfrage unter der deutschen Wohnbevölkerung aus dem Jahre 1995. Insbesondere der Prozentsatz derjenigen, die sich unwohl fühlen, geht im Vergleichszeitraum zurück und liegt derzeit bei 18 Prozent. Nicht ganz so positiv blicken die türkischen Berlinerinnen und Berliner in die Zukunft: Jedoch schätzt eine Mehrheit von 57 Prozent die eigenen Zukunftsaussichten als sehr gut bis gut ein. Angesichts der beruflich-wirtschaftlichen Situation ist dieser Anteil bemerkenswert hoch. Denn auf die Frage nach der beruflichen Situation gab weniger als die Hälfte der Befragten an, rund 42 Prozent, einen Arbeitsplatz zu haben oder selbstständig tätig zu sein. 21 Prozent waren arbeitslos. Diese hohe Arbeitslosenquote hat sich in den Vergleichsjahren kaum verändert und ist nach wie vor eines der größten Integrationshemmnisse. Leicht angestiegen ist der Anteil der Selbstständigen, der sich im Vergleich zu 1993 zwar nicht ganz verdoppelt hat, aber immerhin von 5 auf 9 Prozent gestiegen ist.

Auch konnte die Umfrage das Vorurteil, dass „die Türken“ für Mädchen eine gute Ausbildung für weniger wichtig halten, ausräumen. 97 Prozent sprechen sich dafür aus, dass Söhne und Töchter die gleichen Möglichkeiten in der Schule und zur Ausbildung erhalten sollten! Ein deutliches Bekenntnis zur Gleichberechtigung.

Die Bereitschaft, die deutsche Staatsbürgerschaft zu erwerben, ist nach wie vor groß. Über 20 Prozent waren zum Zeitpunkt der Befragung bereits deutsche Staatsbürger; die Hälfte davon hatte weiterhin auch die türkische Staatsangehörigkeit. 43 Prozent hatten den Antrag auf Einbürgerung gestellt oder hatten vor, dieses zu tun. Fast genau so hoch wie 1999 ist aber der Anteil derjenigen, die diesen Schritt nicht planen. Immerhin ein gutes Drittel! Als Grund für den Rückgang der Einbürgerungen nennen 57 Prozent den Wegfall der doppelten Staatsbürgerschaft. 40 Prozent begründen den Rückgang bei den Einbürgerungen allerdings auch mit der Einführung der Sprachprüfung, wobei hier sicher viel Unkenntnis darüber besteht, dass dieses in der Praxis keine so hohe Hürde ist. Auch nach der Einschätzung der Befragten durch die Interviewer wären die Deutschkenntnisse in der Regel ausreichend, um sich einbürgern zu lassen. Danach hat sich der Sprachstand in den vergangenen Jahren sogar leicht verbessert, denn nach Intervieweinschätzung liegen die Deutschkenntnisse von 77 Prozent bei gut bis mittel. Allerdings wird immer noch ein gutes Fünftel als schlecht deutsch sprechend eingeschätzt. Hier liegt neben der hohen Arbeitslosigkeit der türkischen Bevölkerung das zweite große Integrationshemmnis. Keine Überraschung also, dass in der Umfrage der hohe Anteil, der sich für verpflichtende Sprach- und Integrationskurse ausspricht, angewachsen ist und inzwischen bei 95 Prozent liegt.

Jedoch ein zunehmendes Problem sind die schlechten Deutschkenntnisse der Kinder von Zuwanderern. Sie sind zum großen Teil auch verantwortlich für die schlechten Bildungschancen der Migranten in Deutschland, was gerade die PISA-Studie in erschreckendem Ausmaß bestätigt hat. Die befragten türkischen Berlinerinnen und Berliner sprechen sich mit deutlicher Mehrheit für Deutsch-unterricht in Kindertagesstätten aus oder für das Projekt, Eltern, vor allem Müttern, Deutschunterricht zu erteilen.

Die Zuwanderer selbst sind weit stärker in der Realität angekommen, als es manche Klischeebilder glauben machen. Von einem Rückzug in eine ethnische Nische kann jedenfalls nach den Ergebnissen der Umfrage nicht die Rede sein. Es wird behauptet, dass die türkischen Berliner mehr als früher beim Einkaufen, in der Freizeit, beim Sport und in den Medien Angebote die eigene Gruppe bevorzugen. Fast 70 Prozent sagten, dass dies für sie nicht zutrifft.

Auch der Mythos, dass schlechte Deutschkenntnisse auf den wachsenden Konsum türkischsprachiger Medien zurück zu führen ist, wurde nicht bestätigt. Ähnlich wie schon andere Befragungen zur Mediennutzung der türkischen Bevölkerung ergeben haben, zeigte auch diese aktuelle Umfrage, dass die überwiegende Mehrheit der Befragten sich über das Fernsehen informiert, und zwar sowohl über das türkische als auch das deutsche. Danach folgen Zeitungen: Jeweils rund 60 Prozent nutzen deutsche und türkische Zeitungen; türkisches Radio hören 44 Prozent. Ebenso hoch ist der Anteil der Zuhörer deutscher Radioprogramme. Diese Zahlen sind bemerkenswert, weil die türkische Wohnbevölkerung als Zuschauer- oder Zuhörergruppe in den deutschsprachigen Medien nur eine sehr untergeordnete Rolle spielt. So findet sich im Fernsehprogramm zwar fast täglich eine Sendung mit volkstümlicher deutscher Musik, aber Sendungen, die beispielsweise die Musikszene der Migranten vorstellen, sucht man vergeblich. Das bleibt eigenen Programmen vorbehalten, wie dem Radioprogramm von SFB 4 Radio Multikulti. Migranten sind zwar Gebührenzahler, aber in den Medien als gleichberechtigte Konsumenten noch unterrepräsentiert, es sei denn es geht um Themen wie Rassismus, Fremdenfeindlichkeit oder Zuwanderer als Problemgruppe.

Ein wichtiger Teil der Fragen bezog sich auf das Thema Religion. Nicht zuletzt nach den Terroranschlägen in den USA vom 11. September 2001 wird das Thema Islam und Gewalt fundamentalistischer Islamisten in der Öffentlichkeit stärker diskutiert. Ein gutes Drittel der Befragten meint, dass die allgemeine Ablehnung von Muslimen und Misstrauen zunehmen. Allerdings sind 54 Prozent auch der Ansicht, dass sehr wohl unterschieden wird zwischen friedlichen Muslimen und Terroristen, die sich zu unrecht auf die Religion berufen. Um Misstrauen abzubauen, so meinen 77 Prozent, sollten Muslime und Nichtmuslime mehr miteinander ins Gespräch kommen.

Annähernd die Waage hält sich der Anteil derjenigen, die hier eher die Nichtmuslime in die Pflicht nehmen und derjenigen, die meinen, dass die Berliner Muslime stärker in die Öffentlichkeit gehen sollten.

Die Mehrheit der türkischen Berlinerinnen und Berliner sind sicher nicht als sehr religiös einzustufen, wenn man dies am regelmäßigen Moscheebesuch abliest. Die meisten Christen sind auch keine regelmäßigen Kirchgänger. Über 60 Prozent verneinen die Frage nach dem regelmäßigen Besuch einer Moschee. Allerdings hält sich der Anteil derer, die regelmäßig in die Moschee gehen, bei stabil einem Drittel der Befragten von 1993 bis 2001. Männer sind hier häufiger vertreten als Frauen, das Verhältnis beträgt 43 zu 27 Prozent.

Nachdem die Islamische Föderation in Berlin das Recht erstritten hat, an Schulen islamischen Religionsunterricht zu erteilen, war es natürlich interessant zu erfahren, wie die türkischen Berlinerinnen und Berliner dieses sehen. Dass islamischer Religionsunterricht in deutscher Sprache an Berlins Schulen erteilt wird, befürwortete eine Mehrheit von 64 Prozent, ein Wert, der 1999 ähnlich hoch lag, 28 Prozent sind dagegen. Über die Hälfte der Befragten, nämlich 53 Prozent, würde seine Kinder auch in den Religionsunterricht unter Trägerschaft der Islamischen Föderation schicken. Der Wert bei Befragten mit schulpflichtigen Kindern liegt ähnlich hoch. Aber 38 Prozent wollen diesen Unterricht nicht für ihre Kinder.

Daraus folgt, dass die türkischen Berlinerinnen und Berliner keinen Gegensatz sehen zwischen religiösen Bindungen und einer modernen demokratischen Gesellschaft. Sie legen Wert darauf, dass solche Bindungen auch als selbstverständlich respektiert werden. So halten es 70 Prozent für unproblematisch, wenn muslimische Frauen in der Öffentlichkeit ein Kopftuch tragen. Das spricht für ein stabiles Selbstbewusstsein zur eigenen religiösen Tradition. Aber knapp ein Viertel der Befragten hält dies in einem nichtislamischen Land für unangemessen.

Fazit

Die Umfrage verdeutlicht, dass Integration ein lange währender Prozess ist. Er verläuft in kleinen, aber messbaren Schritten und deutlich in eine Richtung: weg von der Randständigkeit, mitten hinein in die Gesellschaft. Arbeitslosigkeit, mangelnde Deutschkenntnisse, eine schlechte Qualifizierung sind hartnäckige Hindernisse auf diesem Weg. 40 Jahre nach Beginn der Zuwanderung ist das türkische Berlin ein selbstverständlicher und anerkannter Teil der Bevölkerung. So sehen es die türkischen Berlinerinnen und Berliner selbst. Der Wettbewerb im OKB war dazu da, dass zwei verschiedene Bevölkerungsgruppen anlässlich eines Jubiläums ein Resümee über ihr Zusammenleben in den letzten 40 Jahren ziehen. Es sollte damit die Möglichkeit gegeben werden, auf immer noch versteckte Probleme hinzuweisen oder über Positives zu berichten. Ziel war es letztendlich, ein gegenseitig besseres kulturelles Verständnis und miteinander Leben zu erreichen.

In den folgenden Kapiteln wird beschrieben, was es bei diesem Wettbewerb zu beachten galt, wie er verlief und welche Ergebnisse er hervorbrachte.

2. Der Ausschreibungstext

Ausschreibungstexte sind ein wesentlicher Bestandteil von Wettbewerben. Sie geben unter anderem Auskunft über das Thema des Wettbewerbes, was damit erreicht werden soll, wer teilnehmen darf und vor allem, was man gewinnen kann. Aus letzterem Grund sind Wettbewerbe im allgemeinen so attraktiv. Seine Entwicklung läutete die erste Phase, die Erschaffung einer Basis, in diesem Projekt ein.

Der Beginn

Bei der Wahl des passenden Ausschreibungstextes zum Projekt müssen verschiedene Kriterien beachtet werden. Da ist zum einen zu klären, in welchem Medium er veröffentlicht und für welche Zielgruppe er zugeschnitten sein soll. Es muss einfach eine Übereinstimmung zwischen dem Werbeträger und der Zielgruppe geben. Egal ob es sich nur um Text, eine Person oder Bilder handelt. Auch verschiedene Medien müssen in Betracht gezogen werden. Aber jedes hat seine eigenen Gesetzmäßigkeiten.

Es galt Entscheidungen zu treffen. Wer dies möchte, muss zuerst Ideen sammeln. Als gute Methode hat sich dafür das Brainstorming durchgesetzt. „Brainstorming“ bedeutet soviel wie „Sturm im Kopf“ und beschreibt das Nennen von jeglichen plötzlichen Ideen im Denkprozess über einen Sachverhalt. Als Ergebnis dieser Methode wurden als Basismedium des Projektes Plakate und Flyer beschlossen. Sie sind relativ leicht und kostengünstig herzustellen. Auch haben sie sich dadurch bewährt, dass man sie sehr weit streuen kann und so möglichst viele Menschen erreicht. Nicht zuletzt die Fähigkeit, zeitgleich einen hohen Werbe- und Informationsbedarf abzudecken, spricht für diese Medien. Ihr Aufbau ist fast immer gleich und kann in folgende Bereiche unterteilt werden:

- die Zielgruppe,
- die Teilnahmeberechtigten,
- die Sprache,
- die Teilnahmebedingungen,
- die Gattungen,
- die Sachkategorien,
- die Jury,
- die Preiskategorien,
- und die Preise.

Je nach Komplexität des Wettbewerbs, gibt es zu diesen Punkten Unterrubriken. Auch bei diesem Wettbewerb war dies so. Schon bei den ersten Entscheidungen kristallisierte sich heraus, dass in zwei Bereichen gedacht werden musste. So hatte man im Offenen Kanal Berlin zwei große Nutzergruppen - die Deutschen und vor allem die Türken. Dieser Umstand bedurfte stets integrativer Lösungen, sodass nie eine Gruppe benachteiligt wurde.

Die Vorschläge

Die ersten Vorschläge betrafen die Zielgruppe. Dieser Entschluss ist so wichtig, denn er gibt dem Projekt seine Richtung. Demnach galt es zu entscheiden:

- ob die Zielgruppe allein die türkische Bevölkerung sein soll,
- oder ob der Wettbewerb für Türken und Deutsche auszulegen war?

Als zweites galt es zu klären, wer die Teilnahmeberechtigung erhielt:

- Nur türkische Nutzer,
- alle Offene Kanal Berlin Nutzer,
- oder doch lieber jedermann, um die Vielfalt der Ideen nicht einzuschränken?

Die dritte Entscheidung betraf die Sprache. Versteht man sich nicht, hat selbst die beste Idee, der beste Film keine Chance. Zur Auswahl standen:

- Türkisch,
- Türkisch und Deutsch (durch gegenseitige Untertitelung),
- Deutsch.

Die vierte Frage galt den Teilnahmebedingungen. Welche Beiträge sollten zum Wettbewerb zulassen werden:

- Bereits ausgestrahlte Sendungen zu einem vorgegebenen Thema,
- für noch nicht ausgestrahlte Sendungen zu einem vorgegebenem Thema,
- für das beste, zweitbeste und drittbeste Treatment zu einem crossmedialen

Stoff, der in Kooperation von Technischer Universität und Offenem Kanal

Berlin im Sommer 2001 produziert wird?

Diese Entscheidung war so wichtig, dass sie im nachhinein sogar dem Projekt seinen endgültigen Namen gegeben hat.

Als fünftes waren die Gattungen der Beiträge festzulegen. Was war einzusenden:

- Fiktionale, das heißt erdachte Beiträge oder
- Dokumentarische, das sind Geschichten aus dem wahren Leben?

Die Sachkategorien waren die sechste Entscheidung. Hier wird in Medien:

- wie nur TV-Beiträge oder
- crossmedialen Beiträgen (eine Mischungen von TV, Internet, Radio, Print)

und Inhalten getrennt :

- Wohngemeinschaft, Arbeitsgemeinschaft, Freizeitgemeinschaften (Sport),
- Musikband, Chor, Tanzgruppe, Theatergruppen, Ateliergemeinschaften,
- Religionszirkel, Jugendgruppen politischer Parteien und Gewerkschaften,
- Schülerredaktionen (Zeitung und anderes),
- Ad-hoc-Gruppen.

Der siebente Punkt beinhaltete die Jury. Ein wichtiger Punkt, denn die Qualität der Mitglieder spiegelt die Qualität der Anforderungen an die Teilnehmer des Wettbe-werbs nach außen hin wieder. Als Jurymitglieder wurden vorgeschlagen:

- Die Ausländerbeauftragte des Landes Berlin Frau John,
- Mitglieder des Schulsenates und des Jugendsenates,
- Entscheidungsträger bei der Berliner Morgenpost, bei Sat 1, beim OKB ,
- Dozenten des Studienganges Diplom-Medienberatung an der TU Berlin,
- Mitglieder des Fördervereins des Offenen Kanal Berlins,
- Türkische und deutsche OKB - Nutzer,
- Türkische und deutsche Journalisten,
- Türkische und deutsche Sponsoren, die sich am Wettbewerb beteiligen.

Als achter Punkt kamen nun die Preiskategorien. Der erster Vorschlag waren Sonderpreise für Besonderheiten des Teilnehmers:

- wie für den besten Beitrag des jüngsten Bewerbers (Teenager),
- oder für den besten Beitrag des ältesten Bewerbers (Seniorpreis),
- oder für den besten Beitrag eines Deutschen,
- oder für den besten Beitrag eines Türken oder eines anderen Ausländers,
- und der beste Beitrag einer Frau (Töchter, Mütter) sollten prämiert werden.

Der zweite Vorschlag umfasste Sonderpreise für bestimmten Bereichen, wie:

- die dümmste Idee,
- Fremdenfreundlichkeit,
- gegen rechte Gewalt,
- Dokumentation,
- Fiktion,
- Crossmedialität,
- Serie beziehungsweise Reihe,
- Low - Budget - Idee ( bis 2000 DM) vergeben werden.

Der neunte Punkte umfasste Vorstellungen zu Preisen. Vorgeschlagen wurden:

- Buchpreise, wie Wörterbücher Deutsch-Türkisch-Deutsch oder Belletristik,
- Sprachkurse als Software, Sprachkurse als Unterricht oder Sprachreisen,
- Computer, Computerspiele, Spielkonsolen, Fernseher, Radios, CD-Player,
- Musikinstrumente, Bauchtanzkurse, Handys, Fahrzeuge (Rad, Roller),
- sogar Wein, 100 Döner oder einem Festessen,
- bis hin zu Preisgeld, einer Green Card und ein Praktikum im OKB.

Aus diesen farbigen Vorschlägen mussten im nächsten Schritt jene herausgefiltert werden, bei denen sich eine Umsetzung in die Wirklichkeit zu lohnen schien.

Die Entscheidungen

Unter dem Wunsch beide Seiten und ihre Geschichten hören zu können, wurden die folgenden Entscheidungen gefällt.

Als Erstes galt es zu klären, für welche Zielgruppe man das Projekt entwickelte? Der Wettbewerb sollte möglichst einer große Bevölkerungsschicht zugänglich gemacht werden. Auch war der integrative Gedanke im Hintergrund zu berücksichtigen. Somit fiel die Entscheidung auf die Türken und Deutsche als Zielgruppe zu gleichen Teilen.

In der zweiten Entscheidung über die Teilnahmeberechtigten bekamen die Studenten Unterstützung durch Professor Dr. Knilli. Er präsentiert Ausschreibungen zu anderen Medienwettbewerben als Denkanstöße.

- den Anmeldbogen zum Robert-Krick-Preis für Kommunikation von 1999/2000,
- die Ausschreibung von Pro Sieben zum Bildschirmwettbewerb 2000,
- oder die Ausschreibung zur Woche des Hörspiels der Universität der Künste,
- die Ausschreibung aus dem „Spiegel“. In ihm wurde nach der Schülerzeitung des Jahres 2000/2001 gesucht.

In der Analyse der Texte fiel besonders die Ausschreibung vom „Spiegel“ auf. Text und Layout zielten auf die Innovationskraft von Schülern. Dieser Ansatz ließ sich hervorragend auf den eigenen Wettbewerb übertragen. So engagiert sich der Offene Kanal Berlin schon seit Jahren auch bei dieser Nutzergruppe und das Potenzial an ungewöhnlichen Ideen ist hier besonders hoch. So wurde von den drei anfänglich vorgeschlagenen Gruppen abgerückt und man entschied die Innovationskraft der Jugend zu nutzen. Denn viele junge Leute haben Ideen, aber keine Mittel oder keine Lobby sie umzusetzen. Damit fiel die zweite Entscheidung, die nach den Teilnahme-berechtigten, auf Kinder und Jugendliche!

An dritter Stelle wurde anschließend die Teilnahmebedingungen und somit die Art des abzugebenden Materials festgelegt. Aufgrund der jugendlichen Teilnehmer konnten keine fertigen Produktionen verlangt werden, da:

- keine Herausgabe von Technik vom OKB an unter 18jährige,
- kein Personal, um den Jugendlichen Betreuer zur Seite zu stellen,
- Produktionsmittel stehen von hause aus nicht jedem zur Verfügung,
- unterschiedliche finanzielle Verhältnisse schaffen uneinheitliche Voraussetz-ungen, welche diskriminierende Auswirkungen haben.

Unter diesen Überlegungen suchte man nach einer kostengünstigen und leicht umsetzbaren Lösung. Der Entschluss, den ersten Produktionsschritt als Beitrag zu verlangen, schien am sinnvollsten. Dazu sind lediglich ein kreativer Geist, ein Blatt Papier, sowie ein Stift von Nöten. Dies sind allesamt Produktionsmittel, die in jedem Haushalt vorhanden sind. Auch die Variante der Abgabe eines fertigen Treatments wurde verworfen. Schließlich musste davon ausgegangen werden, dass kein Jugendlicher die Anforderungen an ein Treatment kennt und sie umsetzen könnte. So wurde für die Teilnahmebedingungen beschlossen, dass eine zu Papier gebrachte Idee die geeignetste Variante ist, dass viele Beiträge eingereicht werden!

Als vierter Punkt wurde über die Preise geredet und entschieden. Den Über-legungen lagen folgende Gedanken zu Grunde:

- Preisgelder sind Steuermittel, da aus öffentlichem Haushalt, da kein Sponsor,
- Qualitätsunterschiede entstehen durch unterschiedliche Budgets,
- Geldgewinne fördern keine Umsetzung der Ideen,
- nicht umgesetzte Ideen bedeuten keine Zusammenarbeit zwischen Türken und Deutschen am Projekt und somit keine Verständigung.

So kam es in der Preisfrage zu den Entschluss , dass ausschließlich zweckge-bundene Preisgelder vergeben werden, die für die Umsetzung der prämierten Idee in einen Film bestimmt waren!

Es folgte die fünfte Entscheidung über die Preiskategorien. In den ersten Vorschlägen gab es noch Unterschiede zwischen Personen, im Alter und nach deren Herkunft. Dies wurde alles beseitigt und folgendes entschieden . Die drei besten TV-Ideen zum Thema werden prämiert, indem sie umgesetzt werden. Zusätzlich wurde zugesagt, auch die unterhaltsamste Fernseh-Idee umzusetzen!

Im sechsten Punkt wurde die Sprache festgelegt. Den Grundgedanken des integrativen Charakters berücksichtigend, kam für die Sprache nur folgendes in Frage. Die TV- Beiträge sollten in dualer Sprache gedreht werden. Das Ziel war türkische Sätze auf Deutsch und deutsche auf Türkisch zu untertiteln. Jedoch sind die Ideen zu leichteren Bearbeitung auf Deutsch einzureichen!

Die Siebente Entscheidung betraf die Gattungen Dokumentation und Fiktion. Um der Fantasie keine Grenzen zu setzen, wurde folgendes beschlossen. Es können Beiträge in beiden Formen eingesandt werden!

Achtens war über die erste Sachkategorie zu entscheiden. Bei den zu verwendenden Medien standen Beiträge für TV, für Radio, für Internet, für crossmedial oder sogar für sonstiges zur Auswahl. Die Entscheidung fiel auf die freie Formatwahl, um auch hier möglichst keine störenden Schranken aufzubauen!

In der zweite Entscheidung bei den Sachkategorien des Wettbewerbes ging es über den Inhalt. Sie fiel in einem Gespräch mit Frau John. Dort wurde das 40 jährige Jubiläum des Anwerbervertrages, über den Einsatz von türkischen Gastarbeiten auf deutschem Boden und in deutschen Fabriken zwischen der Türkei und der Bundesrepublik Deutschland, als aktueller Aufhänger für das Projekt beschlossen. Es sollten Beiträge mit der speziellen Themenstellung „40 Jahre Türken in Berlin“ eingereicht werden. Ob als Überblick über die Jahre oder als aktuelle Empfindung!

Zum Schluss stand die neunte Entscheidung, die über die Jury, an. Es gab noch keinen festen Stamm an Experten und Prominenten. Frau John gebührte aber als Schirmherrin der uneingeschränkte Vorsitz. Ihr arbeiteten viele zu, wie zum Beispiel Herr Esser, Inhaber und Geschäftsführer von Dramaworks, einer Firma für Autoren und Stoffentwicklung. So wurde letztendlich, um eventuelle Änderungen vornehmen zu können die noch nicht absehbar waren, folgendes beschlossen. Es sollte einen allgemeinen Text geben, der Spielraum für Änderungen ließ, aber zugleich schon im Vorfeld einen professionellen Charakter der Jury vermitteln sollte!

Damit waren alle inhaltlichen Fragestellungen zum Ausschreibungstext gelöst.

Das Ergebnis

Alle Entscheidungen wurden zusammengefügt, daraus sieben Texte verfasst und in Informationsfragmente aufgeteilt. Titel und Inhalt: Der Hintergrund, das Thema, die Teilnahme, der Beitrag, die Jury, die Gewinner, der Einsendeschluss.

Der Hintergrund

Mit Beginn der 60er Jahre kamen die ersten türkischen Gastarbeiter nach Berlin. Viele blieben länger als geplant, die Familien kamen nach. Die Generation der <<deutschen Türken>> entwickelte sich. Anders als heute gab es kaum Berührungspunkte. Inzwischen teilen Türken und Deutsche ihren Alltag; man lebt nebeneinander, Jugendliche lernen in den gleichen Klassen. Viele der in Deutschland geborenen Türken kennen die Türkei nur als Urlaubsland. Sie leben in zwei Ländern, reden zwei Sprachen in einem Satz, denken und fühlen in zwei Welten.

Das Thema

Wie fühlen sich die Türken der Dritten Generation im heutigen Berlin? Was ist die Türkei – Heimat oder Urlaubsland? Wie ist das mit dem gemeinsamen Wohnen, Essen, Schlafen, Trinken, Feiern, Arbeiten, Heiraten, Lernen, Lieben und Leben der jungen Türken und Deutschen im Alltag Berlins?

Die Teilnahme

Teilnehmen können Schüler und Jugendliche aus Berlin und Brandenburg. Die Gruppe muss keinem offiziellen Verein angehören. Die Hauptsache ist, dass Ihr Lust und Ideen habt, eine eigene Fernsehsendung zu machen.

Der Beitrag

Zu dem Thema 40 Jahre Türken in Berlin sollt Ihr Ideen, Stoffe oder kleine Geschichten für eine Fernsehsendung entwickeln. Je nachdem in welchem Bereich Ihr aktiv seid, könnt Ihr Eure Ausdrucksmittel wie Gesang, Schauspiel, Musik, Sprache, Tanz, Akrobatik oder ähnliches einsetzen. Wie realistisch, erzählerisch, märchenhaft, dokumentarisch, verzaubert, kurz oder lang das ist, was Ihr erzählen wollt, könnt Ihr bestimmen. Wichtig ist, dass Ihr die Idee für Eure Fernsehsendung in deutscher Sprache ausarbeitet. Das heißt Ihr beschreibt Eure Gruppe, die Aufgabenverteilung, den Inhalt der Sendung und Eure Vorstellung der Verwirklichung.

Die Jury

Eine unabhängige Jury aus Fachleuten wird aus den eingereichten Entwürfen für Eure Fernsehsendung die Preisträger auswählen. Den Vorsitz der Jury übernimmt die Ausländerbeauftragte Barbara John. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Der Einsendeschluss

Eure Anmeldung und Eure Ideen müssen bis zum 31. Mai 2001 eingetroffen sein.

Die Gewinner

Alle Preisträger werden technisch und personell bei der Verwirklichung ihrer Fernsehsendung vom OKB unterstützt. Ferner stiftet der OKB für die Produktion der besten Integrationsidee: DM 750 (1. Preis), DM 500 (2. Preis), DM 250 (3. Preis).

Die Ausländerbeauftragte stiftet einen Sonderpreis für die Verwirklichung der unterhaltsamsten Fernseh-Idee: DM 1.500.

Bei dieser Aufzählung fehlen noch:

- der Werbeslogan mit der Überschrift,
- die Kontaktmöglichkeiten,
- und der auf dem Flyer vorhandenen Anmeldebogen.

Sie entstanden während der Gestaltung des Flyers und des Plakates und werden deshalb an dieser Stelle nicht mit aufgeführt. Als nächstes geht es nun mit den verschiedenen Ansichten und Vorschläge, was die Gestaltung des Flyers und des Plakates anging, weiter. Natürlich wird dabei auch näher auf die drei verbliebenen Informationsfragmente, sowie auf die technischen und finanziellen Anforderungen bei der Umsetzung dieser Ideen im nun folgenden Kapitel eingegangen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 101 Seiten

Details

Titel
40 Jahre Türken in Berlin
Untertitel
Dokumentation und medienwissenschaftliche Analyse des TV-Ideen-Wettbewerbs für Kinder und Jugendliche im Offenen Kanal Berlin
Hochschule
Technische Universität Berlin  (Sprache und Kommunikation)
Note
1,0
Autor
Jahr
2003
Seiten
101
Katalognummer
V112790
ISBN (eBook)
9783640139910
ISBN (Buch)
9783640140046
Dateigröße
841 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
55 Buchvorschläge - spezielle Literaturliste im Anhang!
Schlagworte
Jahre, Türken, Berlin
Arbeit zitieren
Thomas Funke (Autor), 2003, 40 Jahre Türken in Berlin, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/112790

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